?Heinz-Jürgen Voß:
Intersexualität - Intersex
- Eine Intervention
rezensiert von ?Sebastian Lipp

* Art: Sachbuch
* Ausstattung:
* Verlag: ?Unrast
* ISBN: 978-3-89771-119-8
* Umfang: 78 Seiten
* Preis: 7,80 €

Rubrik: ?Rezension
Themen:
?Intersexualität
?Geschlecht
?Heteronormativismus
?Medizin
?Geschichte

Intersexe sind Menschen, deren bilogisches Geschlecht (»sex«) nicht eindeutig bestimmbar ist; das heißt: sich nicht in die bipolare Geschlechterordnung einfügt. Histroisch wurden sie als Hermaproditen bezeichnet, was auf eine Griechische Sage zurück geht, in der sich eine Nymphe in Hermaphroditos, den Sohn der Gottheiten Hermes und Aphrodite verliebt und als dieser ihre Liebe nicht erwiedert, die Götter bittet, sie zu vereinen. Daraufhin ist Hermaphroditos ein zweigeschlechtliches Wesen. Nachdem irgendwann der Begriff Zwitter dazu kam, wurde er um 1915 von Richard Goldschmidt mit Intersex auf ein »Zwischen« den Polen Gesellschaftlicher Norm verengt. 2005 wurde die Sache dann zur Störung definiert: Disorders of Sex Development (DSD).

Die heute übliche Praxis der Angleichung an die Norm durch chirurgische und hormonelle Eingriffe geht auf die in den 1950ern veröffentichten Arbeiten von Money, Hampson und Hampson zurück. Sie befürchteten, die Uneindeutigkeit körperlicher Merkmale könnte zu Problemen bei der Herausbildung einer Geschlechterrolle und in der Folge zu psychischen - insbesondere psychosexuellen Störungen führen. Die betroffenen könnten gar homosexuelles Begehren entwickeln.

Voß möchte mit seinem kleinen Büchlein anlässlich der kürzlich vom Deutschen Ethikrat veröffentlichten Stellungnahme »Intersexualität« in die Debatte intervenieren. Das Gremium kritisiert zwar die zweigeschlechtliche Norm und empfiehlt, neben »männlich« und »weiblich« eine dritte geschlechtliche Kategorie offiziell festzuschreiben. Abgesehen davon, dass hier eine an sich diskriminierende Bezeichnung wie »anderes« vorgeschlagen wird, spricht sich das Papier auch nicht gegen die geschlechtsangleichenden Eingriffe im Kindesalter aus.

Wie Voß aufzeigt, kommt es dabei aber häufig zu medizinischen Komplikationen und psychischen Problemen. Betroffen Beschreiben die Eingriffe als gewaltsam und traumatisierend. »Damit ergibt sich notwendig: Da die Behandlungspraxis den behandelten Menschen schadet und nicht nutzt, muss sie dem medizinischen Grundsatz und Ethos gemäß aufgegeben werden.« Stattdessen sei die Förderung der Anerkennung von Verschiedenheit und soziale Betreuung und Begleitung von Diskriminierung betroffener Intersexen einzig sinnvoll.