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@@ -25,6 +25,8 @@ Ein Jugendgericht am Amtsgericht Kaufbeuren hat am **5.12** eine Person wegen de
 
 ## GZ: Hakenkreuz und »Sieg Heil«
 Zwischen 1. und **6.12.** wurde laut Polizeibericht in Leipheim (Lkr. Günzburg) »die Autobahnbrücke im Bereich der Rudolf-Wanzl-Straße bzw. der Straße ›Grüner Weg‹ unter Verwendung einer Spraydose unter anderem mit einem Hakenkreuz beschmiert.« Auf unsere Nachfrage teile die Polizei mit, dass außerdem »Sieg Heil« gesprüht wurde.
+## MM: »hasserfüllte Einträge«
+Das Amtsgericht Memmingen hat am **16.12.** eine 42-jährigen zu einer sechsmonatigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 3000 Euro verurteilt. Der Vorwurf: »hasserfüllte Einträge auf Facebook«.
 
 ## KE: AfD-Wahlkampf mit Petry?
 Der Kreisverband Oberallgäu/Lindau/Kempten der AfD kündigt am **20.12.** in einer Pressemitteilung an, Frauke Petry für einen Wahlkampfauftritt 2017 erneut ins Allgäu zu holen. Die Partei verweist auch auf den Strohhut, den Petry auf ihrem letzten Allgäu-Besuch von ihren Partei-Freund\_innen überreicht bekommen hat, vergisst aber zu erwähnen, dass die damalige Veranstaltung in Lindenberg im Gegensatz zum starken Protest äußerst mager ausfiel. (Wir berichteten.) Peter Felser, Bundestags-Direktkandidat des Kreisverbandes, arbeite auf Bundesebene mit im Wahlkampf und habe Petry in Dresden getroffen, behauptet die Partei.
@@ -42,7 +44,7 @@ Zwischen 11:00 am Vortag und **24.12.** besprühten Unbekannte nach einem Polize
 Die Polizei meldet am **28.12.**, dass die Asylsuchendenunterkunft am »Rübezahlplatz«, gemeint ist vermutlich der Kemptener »Rübezahlweg«, mit grüner Farbe besprüht wurde. Der Schriftzug: »Assis Assilanten Check«
 
 ## GZ: Hakenkreuz und Beleidigung
-Zwischen 29.12. und **30.12.** wurde in die überfrosteten Scheiben eines Opel Insignia in Waldstetten (Lkr Günzburg) Hakenkreuze und die Beleidigung »Fuck you« geschrieben. Der Titel der Polizeimeldung: »Beleidigung«. Auf Nachfrage erklärt ein Polizeisprecher, drin drücke sich keine Wertung zwischen den beiden Taten aus, zudem »kann ein rechtsmotivierter Hintergrund natürlich nicht ausgeschlossen werden.«
+Zwischen 29.12. und **30.12.** wurde in die überfrosteten Scheiben eines Opel Insignia in Waldstetten (Lkr Günzburg) Hakenkreuze und die Beleidigung »Fuck you« geschrieben. Der Titel der Polizeimeldung: »Beleidigung«. Auf Nachfrage erklärt ein Polizeisprecher, drin drücke sich keine Wertung zwischen den beiden Taten aus, zudem »kann ein rechtsmotivierter Hintergrund natürlich nicht ausgeschlossen werden.« 
 
 ## NU: »Heil Hitler«
 Am **2.1.** gröhlte ein 26-jähriger Neu-Ulmer rechtsgerichtete Parolen, als er alkoholisiert gegen 13 Uhr durch die Neu-Ulmer Innenstadt lief. Das berichtet die Polizei. Auf nachfrage konkretisiert sie, der Mann habe »IS«, »Heil Hitler« und »Scheiß Muslime« gerufen. Nach der Festnahme erklärte er der Polizei nach deren Bericht »dass er provoziert worden sei und sich lediglich gewehrt hätte«. 
@@ -67,3 +69,60 @@ Wegen Nazi-Propaganda auf Facebook wurde ein 69-Jähriger am **17.1.** vom Amtsg
 
 ## GZ: Reichsbürger verurteilt
 Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunk vom **20.1.** verurteilte das Amtsgericht Günzburg einen 73-jähirgen Reichsbürger wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Nötigung und anderer Vergehen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten haft ohne Bewährung. Zudem muss der Rentner aus Kammeltal (Lkrs Günzburg) 4000 Euro Schmerzensgeld an zwei Polizisten zahlen, die er mit Pfefferspray attackierte. Eine Gerichtsvollzieherin habe der mann daran gehindert, einem Pfändungsauftrag nachzukommen. Er drohte mehrmals schriftlich mit finanziellen Folgen. Ähnliche Briefe erhielten Beamte der JVA Memmingen, wo der Rentner inhaftiert geween ist. In den schrieben stellte der 73-jährige wiederholt die Existenzberechtigung der BRD in Frage. Nach einem »Pfandrecht« habe er Anspruch auf einen hohen Geldbetrag, der in »Feinunze-Münzen« in Silber auszuzahlen sei. Vor Gericht erklärte der Mann, er wolle nicht als »Reichsbürger«, sondern als »Reichsdeutscher« bezeichnet werden.
+
+## OAL: Demo gegen Abschiebung
+Am **22.1.** demonstriertn bis zu 500 Personen in Obergünzburg (Lkrs OAL) gegen dei Abschiebung von Flüchtlingen nach Afgahnisten. Die Allgäuer Zeitung schreibt dazu am selben Tag, entgegen der Befürchtungen von Organisatoren sei es nicht zu Gegendemonstrationen gekommen. Die auf den Boden vor dem Eingang des Rathauses am Marktplatz gesprühten gelben Lamda-Symbole waren offenbar nur einigen Antifaschisten aufgefallen, die das Kreidegeschmiere noch während der Schlusskundgebung am Marktplatz entfernten. Das Lamda nutzt die Neu-Rechte »Identitäre Bewegung« als Erkennungszeichen
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+## LI: Hitlergruß
+Am **28.1.** hat ein 34-jähriger aus Sachsen nach einem Polizeibericht vom Folgetag Lindauer Schleierfahnder beleidigt:  »Während der Kontrolle bediente er sich der übelsten Fäkalsprache und bedachte sie auch mit Nazi-Vergleichen. Die Polizeibeamten nahmen die Beleidigungen in ihr Protokoll auf, das er dann mit einem Hakenkreuz unterzeichnete. Nach Abschluß der Sachbehandlung verabschiedete er die Beamten mit einem „Heil Hitler“ bei ausgetrecktem Arm.«
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+## KE: »Brenn Kaserne, brenn«
+Am **6.2.** stand ein 41-jähriger nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung vom Folgetag vor Gericht, weil er im Juli 2016 »Brenn Kaserne, brenn« unter einen Facebook-Beitrag geschrieben habe, in dem es um die Unterbringung von Asylsuchenden in der früheren Kemptener Kaserne ging. Die Staatsanwaltschaft warf ihm Volksverhetzung vor. Mit dem Kommentar habe er zu Hass, Gewalt und Willkür aufgerufen. Den Vorschlag des Gerichts, das Verfahren gegen eine Zahlung von 500 Euro einzustellen, schlug die Anklagebehörde aus. Schließlich wurde der Angeklagte Verwarnt. Er muss - wenn das Urteil rechtskräftig wird - 500 Euro bezahlen. EIne Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 50 Euro wurde auf Bewährung ausgesetzt. Der Verurteilte der bisher nicht auffällig geworden sei, sagte: »Ich weiß nicht mehr, warum ich das geschrieben habe. Es war eine große Dummheit, ich wollte damit aber niemanden aufstacheln«. 
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+## A: Moschee beschmiert
+Vermutlich in der Nacht auf den **6.2.** sprühten Unbekannte »Wer baut Kirchen in der Türkei - Deutsche wacht auf« auf eine neu gebaute Moschee im Augsburger Stadtteil Oberhausen. Das berichtet br.de
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+## SIG: »Germanit« verurteilt
+Nach einem Bericht vom **7.2.** auf schwaebische.de wurde am selben Tag ein Reichsbürger vom Schlage der »Germaniten« aus dem Raum Mengen wegen eines gefälschten Führerscheins vom Amtsgericht Bad Saulgau zu einer Geldstrafe verurteilt. Der Angeklagte habe sich, als er im November 2015 von der Polizei der Staatsanwaltschaft Ravensburg vorgeführt werden sollte, mit einem »Diplomatenausweis« ausweisen wollen und versuchte es darauf mit einem gefälschten Führerschein. schwaebische.de schreibt: »Auf dem Führerschein standen als zuständige Verkehrsbehörde die Stadtmission Heilbronn – Verkehrswesen – die es nicht gibt. Die Adresse lautete Hauptstädter Straße in Stuttgart, die es nicht gibt. Dafür waren verschiedene Führerscheinklassen eingetragen, die es gibt. Als Staatsangehörigkeit war Germanitien eingetragen, als Wappen ein Seeadler zu erkennen – das Logo der ›Germaniten‹. Den Führerschein habe er zugeschickt bekommen – von den ›Germaniten‹ – wie sich im Verlauf der Verhandlung herausstellte. Der Angeklagte betonte, dass er vom falschen Führerschein nie Gebrauch gemacht habe, ihn nur in seinem Geldbeutel aufbewahrt habe. ›Ich schenke Ihnen den Führerschein‹, sagte der Angeklagte zu Richter Zell.« Zuvor musste der Mann nach anerthalb Stunden Wartezeit von der Polizei aus seiner Wohnung abgeholt und zwangsvorgeführt. Der 64-jährige führe bereits 14 Einträge im Bundeszentralregister - darunter Verletzung der Unterhaltspflicht, Betrug, Diebstahl, Fahren ohne Fahrerlaubnis. Insgesamt saß er 34 Monate im Gefängnis. Während dei Staatsanwaltschaft eine weitere zur bewährung auszusetzende fünfmonatige Haftstrafe gefordert habe, ist unklar, wie das Gericht urteilte. Der Bericht auf schwaebische spricht zunächst von 900 Euro und dann von »60 Tagessätzen á 50 Euro und 60«.
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+## KE: Reichsbürger unter Widerstand festgenommen
+Ein 38-jähriger Kmpeten, der sich selbst der Reichsbürgerszene zurodne sei am Morgen des **9.2.** verhaftet. Der Kemptener habe sich, so die Polizei, derart heftig gewehrt, dass Pfefferspray und Schlagstock eingesetzt werden mussten. Wegen mehrerer nicht bezahlter Geldmußen, hatten die Staatsanwaltschaften Kempten und Deggendorf mehrere haftbefehle ausgestellt. Nach Zahlung der 500 Euro wurde der Reichsbürger frei gelassen, hat jetzt aber ein Verfahren wegen Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte laufen.
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+## MM: »Identitäre« für Krieg gegen »Multikulti«?
+Nach einem am **9.2.** auf der Facebook-Seite »Identitäre Bewegung Schwaben« veröffentlichten Photo wurde das Reiterstandbild Welf VI. im Fuggergarten am Schweizerberg mit dem Spruch »Welf ritt für uns! Was reitet Merkel?« und dem Lamda-Zeichen der Identitären behangen. Dazu schreibt die extrem rechte Gruppe: »Einst gab es sie noch in deutschen Landen, die Verfechter des Eigenen« wie Herzog Welf VI. Weiter wird behauptet, »Heimat und Eigen wurden ihm im Kampfe entrissen und an die Fremdherrschaft verschenkt, womit sein großer Widerstand für Schwaben begann. Erschöpft vom 2. Kreuzzug kehrte er heim um auf dem Felde wie in der Politik weiter für die Rückeroberung seiner Heimtat zu kämpfen.« Aha. Der 2. Kreuzzug war also ein Befreiunggschlag zur Beendigung der »Fremdherrschaft« in »Heimat und Eigen« der Kreuzfahrerstaaten in Palästina und Syrien? Schon klar. Oder wurden die Kreuzzüge nur - semantisch unsinnig platziert - eingeschoben, um Herzog Welf's Einsatz im Kriege zu honorieren? Später habe er dann »durch seinen erbitterten Widerstand [... ] seine Besitztümer und seine Heimat Memmingen« zurückerlangt. Heutige Politiker brächten mit »Multikulti« »Unheil über ganz Europa«. Die »Identitären« dagegen träumen mit »Herzog Welf VI, Prinz Eugen oder Karl Martell, die sich für das Eigene einsetzten und ihre Heimat verteidigten« vom Krieg - und rufen kaum verdeckt auch dazu auf: »Herzog Welf - Do it again!«
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+## MM: »Kein sicheres Land«
+Am **11.2.** nahmen auf EInladung des »Cafe Konnex« bis zu 300 Menschen an einer Demonstration für einen sofortigen Abschiebstopp nach Afghanistan in Memmingen teil. Das Land sei nicht sicher.
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+## OAL: »Kein sicheres Land«
+Am **11.2.** gingen in Marktoberdorf (Lkr. Ostallgäu) 200 Menschen auf die Straße, um für einen Abschiebestopp nach Afghanistan zu protestieren, weil das Land nicht sicher sei. Aufgerufen hatten unter Anderem ver.di und die Grünen.
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+## RAV: homophober Übergriff?
+Am **11.2.** um 3 Uhr morgens wurde ein 18-Jähriger in einem Lokal in Ellerazhofen (Lkr. Ravensburg) von einem Mann angesprochen. Nach der negativen Antwort auf die Frage, ob er schwul sei, wurde der 18-Jährige laut Polizeimeldung vom selben Tag ins Gesicht geschlagen und von dem Täter un einem »Kumpel« herumgeschupst und beleidigt. Die beiden lauerten ihrem Opfer auf, als er das lokal verlassen wollte. Draußen hätten sie ihn von hinten angespruchngen, zu Boden gebracht, beschimpft und getreten. Als weitere Personen dazu stießen, ließen die Täter von dem 18-jährigen ab und flüchteten mit einem silbernen Kombi über eine gefrorene Wiese in Richtung Herrot. Die Polizei findet: »Das Tragen eines Nasenrings war wohl der Grund«, warum der junge Mann angesprochen wurde. Worin die Beschimpfungen betanden, teilte die Polizei zunächst nicht mit, sagte aber auf telefonsiche Nachfrage am 16.2., dass sie sich wohl auch um die unterstellte Homosexualität des Betroffenen drehten. Entsprechend titelte queer.de: »Weil er für schwul gehalten wurde: 18-Jähriger im Allgäu verprügelt«.
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+## OAL: »Sieg Heil«
+Aus einer »Gruppe feiernder Männer aus dem südlichen Ostallgäu«, die am **18.2.** auf dem Weg zu einer U-30-Party im Festspielhaus in Füssen (Lkr. Ostallgäu) gewesen waren, hat ein 31-jähriger mehrmals »Sieg Heil« gerufen. Das berichtet die Polizei am 20.2.
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+## LI: Hakenkreuz
+IN der Nacht auf den **18.2.** wurde in Lindenberg (Lkr. Lindenberg) laut Polizeimeldung das Containerhäuschen eines Mehrfamilienhauses mit einem hakenkreuz beschmiert.
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+## GZ: »Sieg Heil«
+Die Polizei berichtet zum Faschingsumzug in Kötz (Lkr. Günzburg) am **19.2.**: »gegen 19.00 Uhr liefen ein 30-Jähriger und ein 25-Jähriger an mehreren Polizeibeamten vorbei, die anlässlich des Faschingstreibens in Kötz eingesetzt waren. Hierbei rief der 30-Jährige, der noch nicht polizeibekannt war, mehrfach ›Sieg Heil‹. Ein Motiv für seine Rufe konnte bislang nicht ermittelt werden. Den 30-Jährigen erwartet nun ebenfalls ein Strafverfahren.«
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+## SIG: Marokkaner von Deutschen attackiert
+Am **23.2.** soll es, so eine Meldung der Polizei, zu »einer Körperverletzung zwischen einem Marokkaner und drei Deutschen« gekommen sein. Auf unsere Nachfrage eine Woche später wurde mitgeteilt, dass sich der Marokkaner nach der Tat leicht verletzt bei der Polizei mledete. Tatverdächtige konnten nicht ermittelt werden, zu einem Auslöser des »Streits« oder zu Äußerungen der Deutschen habe sich der Mann nicht geäußert.
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+## OAL: rassistischer Stadtrat
+Im März fiel der Politiker der Bayernpartei (BP), Peter Fendt, mit massivst rassistischen Aussagen auf. Nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung (AZ) vom **8.3.** schrieb der 66-jährige, dass aus afrikanischen Ländern Geflüchtete »Neger sind, die nur in den Asylantenheimen rumlungern« und »unsere Deutschen Frauen belästigen«. Dem deutschen Volk sei zudem nicht zuzumuten, »Millionen fremdartiger Menschen aufzunehmen und zu versorgen.« Die Zeitung berichtet weiter von Fendts »Idee, einem afrikanischen Land ein Gebiet abzukaufen und Flüchtlinge und Verbrecher in eine dort zu errichtende Kolonie zu deportieren«. Wegen einer ähnlichen Äußerungen, »Verbrecher in Wüstengefängnisse zu stecken«, fiel Fendt bereits vor Jahren auf. 
+
+Von sämtlichen Aussagen wollte der BP-Politiker nicht abrücken. »Ich nutze lediglich das mir zustehende Recht auf freie Meinungsäußerung«, sagte Fendt gegenüber AZ. Er verunglimpfe keinen, die Übergriffe in der Silvesternacht in Köln, seien aber überwiegend von »Nafris« begangen worden. »Ich stelle aber bei Afrikanern nicht in Abrede, dass es unter den Blinden auch Einäugige gibt«, hetzte der 66-jährige weiter. 
+
+Peter Fendt ist nicht nur Landesvize der Bayernpartei, sondern auch Mitglied im Stadt-, Kreis- und Bezirksrat. Der Zigarrenhändler und Entwickler von E-Bike-Motoren Kandidierte für den Bundestag, zog seine Kandidatur nach den rassistischen Äußerungen aber nun zurück, »um der Partei keinen Schaden zuzufügen«, wie die Allgäuer Zeitung am **15.3.** schreibt. Zwar dachte die Partei zudem über einen Ausschluss von Peter Fendt nach, habe sich aber laut BP-Vorsitzenden Florian Weber dagegen entschieden. Sämtliche Fraktionen des Marktoberdorfer Stadtrats hätten die Aussagen ihres BP-Kollegen als rassistisch zurückgewiesen.
+
+## Ö: Pyro auf Asyl-UK
+Am **12.3.** zündeten laut Polizeimeldung gegen 00.30 Uhr zwei Unbekannte einen
+pyrotechnischen Gegenstand in Lustenau, Hasenfeldstraße auf dem
+Gehsteig vor einer Asylsuchendenutnerkunft.
+
+## OSS: Hammerskin-Konzert
+Am Samstag, den **18.3.** , versammelten sich nach einem Bericht von linksunten.indymedia.org vom Folgetag über tausend Neonazis unter dem Motto »Defend Europe« zu einem Rechtsrock-Konzert in einer Sporthalle in Heudicourt-sous-les-Côtes am Lac de Madine im Nordosten von Frankreich. Das Konzert hätten die »Hammerskins« mit Unterstützung durch das neonazi-Netzwerk »Blood & Honour« organisiert. Unter den auftretenden Bands habe sich die württembergischen Band »Heiliger Krieg« befunden, deren Album »Bekenntnis« beim Allgäuer Plattenlabel »Oldschool Records» erchien. Außerdem hätten auf der Bühne gestanden: «Division Germania« (Mönchengladbach), »Blitzkrieg« (Chemnitz) und »Squadron« (Großbritannien). Als Headliner sei die australische Band »Fortress« aufgetreten. (lu)
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Kurzrezensionen
+Rubrik: diverses
+Themen:
+  - Versammlungsrecht
+  - Demo
+  - Polizei
+  - Justiz
+  - Kritik
+  - Repression
+  - Marxismus
+  - Kapitalismus
+  - Kritik
+Lizenz: 
+Abstract: kurz angelesen
+---
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+
+## Das dritte Reich
+**Geschichte einer Diktatur**, Ulrich Herbert, Verlag C. H. Beck, ISBN: 978-3-406-6977-8, 133 S., 8,95 EUR --
+Keine andere Zeit ist in den letzten Jahrzehnten gründlicher erforscht worden als die Jahre von 1933 bis 1945. Ulrich Herbert bietet mit diesem Band eine knappe Gesamtdarstellung des Dritten Reiches auf dem neuesten Stand. Nach einer Analyse der Faktoren, die den Aufstieg des Nationalsozialismus und die Etablierung der Diktatur ermöglicht haben, ist der größere Teil des Buches den Jahren von 1939 bis 1945 gewidmet, in denen sich die deutsche Geschichte in eine europäische und welthistorische Dimension ausweitet. Klar und prägnant im Urteil informiert der Band über Hitlers Krieg gegen die Sowjetunion, die deutsche Besatzungsherrschaft in Europa und die Ermordung der europäischen Juden.
+
+Ulrich Herbert ist Professor für Neuer und Neueste geschichte an der Albert-Ludwigs-universität in Freiburg im Breisgau und einer der bekanntesten deutschen Zeithistoriker.
+
+## Wörterbuch des besorgten Bürgers
+Feustel/Grochol/Prüwer/Reif (Hg.), Ventil Verlag, ISBN: 978-3-95575-068-8, 149 S., 14 EUR --
+Von »Asylindustrie« über »Merkeljugend« bis »Volkstod«: In Kreisen besorgter Bürger machen dieser Tage Begriffe die Runde, deren Unsinn nicht selbstverständlich ist. 
+
+Dieses Wörterbuch kartografiert und kritisiert – unvollständig und selbst wertend – in 150 Einträgen den sprachlichen Zauber, der weite Teile der politischen Öffentlichkeit erfasst hat und der beharrlich mit stilisierten Ängsten spielt. Konsequent aus einer falschen Opferperspektive werden Tabubrüche inszeniert, um noch so derbe Zumutungen als verkannte Wahrheit zu deklarieren. Neben der politischen Schärfe, welche die Aufarbeitung besorgter Sprache unweigerlich zeigt, kommt auch (ungewollt) Komisches zum Vorschein: Wer etwa von »Volksverdünnern« spricht, hat nicht darüber nachgedacht, dass Besorgte – um im Bild zu bleiben – dann die Arterien der Gesellschaft verstopfen.
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+## Google & Mehr: Online Recherche
+**Wie sie Exakte Treffer auf Ihre Suchanfragen erhalten**, Hektor Haarkötter, UVK, ISBN: 978-3-86764-684-0, 144 S., 14,99 EUR --
+Der Journalismus-Professor Hektor Haarkötter, Autor des im selben Verlag erschienenen Standardwerks »Die Kunst der Recherche« legt mit diesem kleinen Heft ein praktisches Nachschlagewerk für journalistische Online-Recherchen vor. Er zeigt dabei, wie man sich auch Jenseits von Google in den Untiefen des Internets zurückfinden kann.
+
+## Sprache und germanischer Mythos im Rechtsextremismus
+Georg Schuppener, Edition Hamouda, ISBN: 978-3958170278, 260 S., 18 EUR --
+Um ihre Identität zu legitimieren, greifen Rechtsextremisten weit in der Geschichte zurück, und zwar bis auf die germanische Frühzeit. Vor allem die nordisch-germanische Mythologie wird hierbei intensiv genutzt. Sie findet sich in Namen, Redewendungen und Symbolen, bei Musik und Bekleidung wieder und bildet einen integralen Bestandteil der Selbstdarstellung der Rechtsextremisten. Sehr detailliert lässt sich zeigen, wie Rechtsextremisten die Mythologie für ihre Zwecke missbrauchen und umdeuten. Ein weiterer Aspekt, der in der wissenschaftlichen Literatur bisher wenig Beachtung fand, ist der der Sprache des Rechtsextremismus. Der Verfasser konzentriert sich insbesondere auf die Analyse ihrer Lexik und zieht dafür authentisches Quellenmaterial, wie etwa rechtsextreme Liedtexte, heran. Der vorliegende Band führt Ergebnisse von Studien der letzten fünf Jahre zusammen und ergänzt sowie aktualisiert vorangegangene Werke.(Buchrücken)
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+++ b/artikel/Verwirrung_um_die_Allgidas.mdwn
@@ -0,0 +1,34 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Verwirrung um die Allgidas
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Verfassungsschutz
+  - Recherche
+Lizenz: 
+Abstract: »Allgida« ist bereits nach einer Aktion gescheitert, »Allgida Kempten« hat es dagegen nichteinmal so weit geschafft. Hat der Verfassungsschutz gar nicht gemerkt, dass es zwei Pegida-Ableger im Allgäu gab?
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Der Allgäuer Pegida-Ableger »Allgida verschwindet in der Versenkung«. Das berichtet die Augsburger Allgemeine Ende Februar online. Die extrem rechte Gruppierung sei vor über einem Jahr mit einer Demonstration in Obergünzburg im Ostallgäu in die Schlagzeilen geraten. Damals gelang es den Rechten, 150 Personen unangemeldet in die Martkgemeinde zu mobilisieren. Zwei Teilnehmer hätten sich inzwischen vor Gericht verantworten müssen. Einer davon wurde freigesprochen, der andere ist laut Gericht mit einem Stock bewaffnet zum Aufmarsch erschienen. Er wurde verurteilt und hat dagegen Berufung eingelegt. Zum Teil waren die Teilnehmer vermummt und zeigten den Hitlergruß. In den folgenden Wochen habe die die »Protestgruppe« immer wieder Demonstrationen angekündigt, »die jedoch nicht stattfanden.«
+
+Seit Mai 2016 beobachte der Verfassungsschutz die Gruppe. »Seit über einem halben Jahr ist Allgida nicht mehr aktiv geworden«, sagte der Sprecher des bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz Markus Schäfert der Zeitung. Das Amt sehe in der »schillernden Persönlichkeit« Michael Kleemann die »zentrale Figur« des Zusammenhangs. Kleemann habe sich aber zurück gezogen. Nach der Augsburger Allgemeinen zeige die Beobachtung durch den Verfassungsschutz Wirkung.
+
+#ä Alles das Gleiche?
+
+Die Augsburger Allgemeine schreibt von »Allgida« und »Allgida Kempten«, ohne die Begriffe zu differenzieren. Auch das bayerische Landesamt für Verfassungsschutz tut das offenbar nicht. Dessen Sprecher Markus Schäfert bestätigte dem Störungsmelder telefonisch. man beobachte den Zusammenhang um Michael Kleemann, also »Allgida Kempten«. Auf die Frage, ob Erkenntnisse vorlägen, nach denen es sich bei »Allgida« und »Allgida Kempten« um die selbe Gruppe handele, wurde das Gespräch abgebrochen und um schriftliche Klärung gebeten, woran die Existenz zweier Gruppen festzumachen sei. Nach einiger Wartezeit antwortete Schäfert: »Im Rahmen der Beobachtung von Allgida Kempten schauen wir uns selbstverständlich auch das Umfeld an, soweit dort extremistische Bestrebungen erkennbar sind - unabhängig davon, ob hinter "Allgida" die Ortsmarke Kempten steht oder nicht.« Generell beobachte das Amt auch Einzelpersonen, »die extremistische Bestrebungen verfolgen, unabhängig davon, in welchen Gruppenzusammenhängen sie auftreten.«
+
+Interessant ist im Falle der »Allgida ohne Ortsmarke« genau das. Unter der der Teilnehmerschaft der Versammmlung im Februar 2016 in Obergünzburg befanden sich immerhin Anhänger der NPD und der Neonazikameradschaft »Voice of Anger«. In diesem Zusammenhang sind Teile der Demonstrationsteilnehmer aus Obergünzburg weiter aktiv. Erst vor einigen Wochen verfolgten Neonazis aus diesem einen Journalisten in Memmingen zu seinem Auto, wenige Wochen später wurden Scheiben des PKWs eingeschlagen.
+
+Tatsächlich handelt es sich um zwei unterschiedliche Gruppen. Zwar sind beide derzeit inaktiv. Sie wurden aber aus unterschiedlichen Zusammenhängen bedient.
+
+## Der Rohrkrepierer
+
+Zuerst trat die Gruppe »Allgida« auf Facebook in Erscheinung und mobilisierte etwa 150 Personen Personen unangemeldet zur Versammlung auf den Obergünzburger Marktplatz, wo auch Hitlergrüße gezeigt wurden. Die Augsburger Allgemeine schreibt von einem »massiven Aufgebot« der Polizei. Auf dessen Anrücken hin »löste sich die Kundgebung recht schnell wieder auf«, heißt es zudem. Davon kann keine Rede sein. Zunächst stellten sich den Neonazis nur einige Antifaschisten entgegen, deren Zahl schnell auf 50 anwuchs. Die eilig herbeigerufene Polizei indes traf verspätet ein und zeigte kaum Präsenz, konnte nicht einmal die Personalien der rechten Versammlungsteilnehmer aufnehmen, die den Zeitpunkt ihres Abzuges selbst bestimmten. Das zuständige Polizeipräsidum räumte im Nachhinein ein, dass der bereits etwa einen Monat zuvor gestreute Aufruf bekannt war. Man habe ihn aber im Gegensatz zu den Nazigegnern nicht ernst genommen. Eine Woche später demonstrierten 1500 Menschen gegen den Aufmarsch der Rechten, denen trotz weiterer Ankündigungen kein weiterer Aufmarsch gelingen sollte, während die Nazigegner am Ball blieben.
+
+## Alter Wein in neuen Schläuchen
+
+Erst danach unternahm die »schillernde Persönlichkeit« Michael Kleemann als selbsternannter »Nationaler Widerstand – Division Kempten« einen erneuten Versuch und gründete »Allgida Kempten«. Er meldete zunächst für den 25.6. eine Demonstration unter dem Motto »Deutsche zu erst Asyl Flut stopen« in Kempten an. Kurz darauf verschob er das Event »Gegen die Überfremdung unserer Heimat« auf den 2.7. Protest wurde angekündigt. Nun wurde die ursprüngliche »Allgida« online wieder aktiv und drohte mit Horrorszenarien.
+
+Nachdem der Störungsmelder die Pläne öffentlich machte, verkündete der Verfassungsschutz, »Allgida« fortan zu beobachten. (Eine gekürzte Version dieses Artikels erschien zuerst beim Störungsmelder.)

scharfmacher
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+++ b/rezensionen/Buergerliche_Scharfmacher.mdwn
@@ -0,0 +1,42 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+RezTitel: Bürgerliche Scharfmacher
+RezUntertitel: Deutschlands neue rechte Mitte - von AfD bis Pegida
+RezAutor_in: Andreas Speit
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: orel füssli
+ISBN: 978-3-280-05632-5
+Umfang: 352 Seiten
+Preis: 19,95
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Antifa
+  - Rechtspopulismus
+  - Neue Rechte
+  - Neonazismus
+  - AfD
+  - Pegida
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+In ganz Europa hätten sich, so Andreas Speit im Vorwort zu »Bürgerliche Scharfmacher«, zu »Deutschlands neue rechte Mitte - von der AfD bis Pegida« für rechtspopulistische Parteien die Chancen für politische Erfolge erhöht. Die Ursachen seien komplex. Alle Untersuchungen verwiesen auf zwei »wesentliche Faktoren: Die Tendenz zur Erosion der sozial-ökonomischen Basis der unteren Mittelschicht einerseits, andererseits die wachsende Angst vor Statusverlust. Den rechten Populismus begreift Speit (mit Bischof/Müller) als Bewegung der unteren Mittelschicht in wohlhabenden kapitalistischen Gesellschaften: »Ihr Kampf ist denn auch der Verteilungskampf von weißen Männern mit Bildung und Besitz um das ›verlorene Paradies‹ oder die bedrohte Idylle.«
+
+Zugehörige Parteien und ihre Agitatoren gerierten sich dazu als »Anwälte der kleinen Leute« gegen das »Establishment der Elite« aus Politik, Wirtschaft und Medien. Diese Parteien seien aber keine Kümmerer, sondern Angstmacher. Oder in den Worten von AfD-Bundesvize Alexander Gauland: »Wir sind eine Partei von Menschen, die besorgt sind, die Angst haben um ihren sozialen Status, die Angst haben vor Überfremdung. Sie wollen nicht, dass eine Million Fremde in diesem Land herumreist, welche gar nicht politisch verfolgt wurden. Das sind kleine Leute, die ihr Deutschland ein wenig so behalten wollen, wie es einmal war«, sagte Gauland im Streitgespräch mit FDP-Bundesvize Kubicki. Dieser erläutert darauf, dass der »Faktor Angst« für die AfD lebensnotwendig sei.
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+»Massiv verstärkt« sieht Andreas Speit diesen Faktor seit der Silvesternacht 2015/16 und einigen folgenden Ereignisssen, wegen derer sich die Neuen Rechten in der Ablehnung von Flüchtlings- und Asylpolitik bestätigt sähen. »Die neuen Rechten wissen, was sie tun - und sie sind dabei erfolgreich.«
+
+»Rechtspopulismus ist nicht nur gesellschaftsfähig geworden, er ist auch in der Mitte der Gesellschaft angekommen, beziehungsweise war schon immer dort«, zitiert Speit Küpper, Zick und Krause, die zudem feststellten, dass »von jenen, die zum Rechtspopulismus tendieren, [...] 17 Prozent die Anwendung von Gewalt« billigen und »22 Prozent bereit [sind], selbst Gewalt ›gegen Fremde‹« anzuwenden. Diese »kollektive Wut« sei, wieder nach Speit, nicht nur eine statistische Größe. »Der verbalen Hetze im Netz und auf der Straße sind Taten gefolgt und werden folgen. Die Auswertung der in den letzten Jahren stetig gestiegenen Fälle rechtsmotivierter Gewalt lege nahe, dass nicht mehr nur Neonazis dafür verantwortlich sind, sondern vermeintliche einfache »Wutbürger« zu »Tatbürgern« werden.
+
+In der Neuen Rechten ist für Speit die AfD das parteipolitische »Gravitationsfeld«, das »Institut für Staatspolitik« eines der »ideologischen Zentren« und Pegida der »atmosphärische Anheizer«. Einige ihrer Akteuere heben selbst die Grenzen zur neonazistischen Rechten, von der sie sich sonst gerne distanzieren, auf, wofür der Band einige Beispiele anführt. 
+
+Verschiedene Akteuere dieser heterogenen Bewegung kommen in den einzelnen Kapiteln des vorliegenden Bandes ausführlich zu Wort. Im Kapitel »Eine Partei für ein anderes Deutschland« wird nachgezeichnet, dass die AfD von Beginn an nicht bloß eine Einthemenpartei war und ihr Personal schon früh nach weit rechts drängte.
+
+Die ideologischen Vordenker dieser Bewegung werden im Kapitel »Vom Rittergut ins Schlachtengetümel« vorgestellt. Die Netzwerke des »Instituts für Staatspolitik« über die »Junge Freiheit« bis hin zur »Identitären Bewegung« greifen oft ineinander. Es bildete sich ein Milieu einer »Graswurzelbewegung von rechts«, das über 30 Jahre ideologische Auseinandersetzungen um Begriffe und Debatten führte und heute seine Zeit gekommen, die Frucht seiner Arbeit aufgehen sehe.
+
+Im Kapitel »Ganz normale Leute - Pegida, die patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes« wird der Protest auf der Straße gegen die vermeintliche »Islamisierung« und »Flüchtlingsinvasion« skiziert. Pegida möge zu Ende gehen, habe das Land aber nachhaltig beeinflust. Neuere Strukturen versuchen bereits dort anzuknüpfen.
+
+Im letzten Kapitel schließlich wird dargestellt, dass die Feind-Chiffre die »kollektive identität« der rechten Akteuere bestimmt. Die »autoritäre Revolte« dieser sozialen Bewegung komme aus der Mitte der Gesellschaft. Es zeige sich, wie eingangs ausgeführt, dass die Chance des Rechtspopulismus eng mit den sozioökonomischen Prozessen verbunden seien. Ein »Extremismus der Mitte«, der auch ein »marktförmiger Extremismus« sei, führe zu Erosionen in der Gesellschaft.
+
+An diesem Punkt hätte eine Kritik jener Verhältnisse stehen können, deren Affirmation die Ideologie hinter dem was Zick u.a. als »marktförmigen Extremismus« fassten. Ansätze dafür fänden sich etwa in der Untersuchung »Die stabilisierte Mitte« der Universität Leipzig: »Wir konnten nachweisen«, schrieben Decker, Kiess und Brähler 2014, »dass die starke Wirtschaft mehrere psychologische Funktionen erfüllt: Erstens wirkt sie als narzisstische Plombe, zweitens ist sie an die Stelle der personellen Autorität getreten, die zuvor die autoritäre Masse konstituiert hatte. In der Gegenwartsgesellschaft herrscht ein sekundärer Autoritarismus, der die ökonomische Rationalität alternativlos macht und autoritäre Aggressionen freisetzt.« Diese richteten sich  nun in der stabilisierten Mitte nicht mehr gegen das Andere, das das Subjekt der starken Wirtschaft - die eigene Nation - erst konstituiert, sondern wechselten ihr Ziel. Nun seien diejenigen dran, von denen eine Schwächung der derzeitigen Lage erwartet würde.

reichsdeutscher
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@@ -65,3 +65,5 @@ Der Südkurier berichtet online, Ein 45-jähriger Mann sei am Sonntag, den **15.
 ## Augsburg: Reichsbürger verurteilt
 Wegen Nazi-Propaganda auf Facebook wurde ein 69-Jähriger am **17.1.** vom Amtsgericht Augsburg verurteilt, das berichtet die Augsburger Allgemeine online. »Ich verstehe nicht, warum man mich Reichsbürger nennt«, zitiert ihn die Zeitung. Der Rentner habe Polizisten bei einer Hausdruchsuchung im Juni 2016 als Verbrecker und »Dreckspack« bezeichnet. In seiner Wohnung habe man einen »Hitler-Führerschein«, Ausweis und Führerschein einer »Republik Freies Deutschland« (wir berichteten in vruzt #05) und einen Mitgliedsausweis für eine »Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitsdienst«. Er beteuerte laut Augsburger Allgemeine (AA), der BRD lediglich kritisch gegenüber zu stehen. Auf Facebook fand die Kripo allerdings eindeutigere Aussagen. Dort verlinkte der 69-jährige den Titel »Blut und Ehre« der Neonaziband »Störkraft«. Die AA beschreibt den Text als verherrlichung nationalsozialistischen Gedankenguts und Aufforderung, Ausländer zu vertreiben, um eine »deutsche Rasse zu retten«. Der Reichsbürger habe schon im November einen Prozess wegen Widerstands gegen Polizeibeamte bei einer Hausdurchsuchung gehabt. Er wurde zu sieben Monaten Bewährungsstrafe verurteilt, schreibt die AA. Damit habe das Amstgericht Augsburg im aktuellen Verfahren eine Gesamtstrafe von zehn Monaten Bewährungsstrafe gebildet. Außerdem müsse er 700 Euro an den »Bunten Kreis« zahlen. Die Vorwürfe: Verbreiten von Propagandamitteln und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie verbotene Gewaltdarstellung. Das Urteil ist rechtskräftig. Der Rentner war bereits einschlägig vorbestraft.
 
+## GZ: Reichsbürger verurteilt
+Nach einem Bericht des Bayerischen Rundfunk vom **20.1.** verurteilte das Amtsgericht Günzburg einen 73-jähirgen Reichsbürger wegen Körperverletzung, Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte, versuchter Nötigung und anderer Vergehen zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten haft ohne Bewährung. Zudem muss der Rentner aus Kammeltal (Lkrs Günzburg) 4000 Euro Schmerzensgeld an zwei Polizisten zahlen, die er mit Pfefferspray attackierte. Eine Gerichtsvollzieherin habe der mann daran gehindert, einem Pfändungsauftrag nachzukommen. Er drohte mehrmals schriftlich mit finanziellen Folgen. Ähnliche Briefe erhielten Beamte der JVA Memmingen, wo der Rentner inhaftiert geween ist. In den schrieben stellte der 73-jährige wiederholt die Existenzberechtigung der BRD in Frage. Nach einem »Pfandrecht« habe er Anspruch auf einen hohen Geldbetrag, der in »Feinunze-Münzen« in Silber auszuzahlen sei. Vor Gericht erklärte der Mann, er wolle nicht als »Reichsbürger«, sondern als »Reichsdeutscher« bezeichnet werden.

diiw
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@@ -18,7 +18,7 @@ Abstract: Eine unvollständige Chronik bedenkenswerter Vorfälle und einiger Akt
 Vor dem Amtsgericht Kaufbeuren sollte am **17.11.** wegen versuchter Nötigung gegen eine Frau verhandelt werden, die das Gericht der Reichsbürgerszene zuordnet. Da die Angeklagte nicht erschien, wurde der von ihr gegen den ergangenen Strafbefehl eingelegte Einspruch verworfen. Der Angeklagten lag zur Last versucht zu haben, den Fortgang eines anderen gegen sie anhängigen Strafverfahrens durch die Androhung von Schadenersatzforderungen zu verhindern. 
 
 ## OA: »ausländerfeindliche« Schreiben
-In Weitnau (Lkrs OA) sind nach einem Bericht von a.tv vom **29.11.** Briefe mit »ausländerfeindlichen Parolen« im Umflauf, nachdem es in der Asylsuchendenunterkunft eine Prügelei gegeben habe. Die beiden Verfasser, die in den Briefen zu Protest gegen die Unterbringung von Geflüchteten aufriefen, seien inzwischen bekannt. Die Polizei hat die Schreiben als strafrechtlich nicht relevant bewertet.
+In Weitnau (Lkrs OA) sind nach einem Bericht von a.tv vom **29.11.** Briefe mit »ausländerfeindlichen Parolen« im Umflauf, nachdem es in der Asylsuchendenunterkunft eine Prügelei gegeben hat. Die beiden Verfasser, die in den Briefen zu Protest gegen die Unterbringung von Geflüchteten aufriefen, seien inzwischen bekannt. Die Polizei hat die Schreiben als strafrechtlich nicht relevant bewertet. Eines der Schreiben, überschrieben mit »Bilanz der Blutspur 2016 in Deutschland« richtete sich an dei Verwaltungsgemeinschaft Weitnau. Es schreibt Schutzsuchenden unter Andeerem »Tag für Tag neue Messerattacken, Vergewaltigungen« vor. Die Verantwortung trüge die »›Kanzlerin der Schande‹ sowie die Helfershelfer der Asylindustrie und ihren Helferkreisen«. Das zweite Schreiben richtete sich an »alle Weitnauer Bürger«. Die Adressaten des Schreibens würden, wenn Sie sich informierten, »feststellen: das monopolistische, weltweite Problem ist der ISLAM«. Unterschrieben ist das schreiben wie folgt. »Besorgte Weitnauer Bürger bezüglich der Islamisierung unseres Vaterlandes und der Zerstörung unserer Heimat durch unintegrierbare, unter anderem kriminelle Muslime«. Statt Ausgrenzung der Schutzsuchenden in Weitnau hat das schreiben aber Solidarisierungseffekte ausgelöst. Auf die Pamphlete wurde eine »Weitnauer Erklärung« verfasst, die wir auszugsweise dokumentieren. »Wir verstehen und teilen die Angst und Besorgnis vieler Bürger, wegen der Belastungen, die auf unser Gemeinwesen zukommen, wegen eines brutalen, menschenverachtenden Krieges, der, mit mittelalterlichen und hochmodernen Mitteln geführt, nicht weit von uns entfernt tobt. Wir sind aber der festen Überzeugung, dass es nicht hilft, unser „Idyll“ in Weitnau durch Abgrenzung und Ausgrenzung zu verteidigen. Nur wenn wir es schaffen, die Menschen, die als Flüchtlinge vor dem islamistischen Terror und staatlicher Gewalt gegen das eigene Volk zu uns kommen, in unserer Mitte aufzunehmen und mit unseren Werten vertraut zu machen, dann gibt es eine Chance, diese Werte auch zu verteidigen, die uns nun 70 Jahre Frieden in unserer Region gebracht haben: Freiheit, Demokratie, Menschenrechte, Religions- und Meinungsfreiheit, Gleichberechtigung und das Gewaltmonopol des Staates auf Grundlage eines starken Grundgesetzes.«
 
 ## KF: Hitlergruß verurteilt
 Ein Jugendgericht am Amtsgericht Kaufbeuren hat am **5.12** eine Person wegen des Zeigens des Hitlergrußes mit der Auflage, 40 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten, verwarnt. Der Betreffende erhob am **16.7.**2016 gegen 1:30 während des Lagerlebens und Tänzelfestes im Rosental vor dem Spitaltor im Bereich des Grabens in Kaufbeuren den rechten Arm zum Hitlergruß und immitierte mit Zeige- und Mittelfinger der anderen Hand ein »Hitlerbärtchen«, wie es in der Urteilsbegründung heißt. Dabei waren Polizeibeamte des Einsatzzuges des Operatieven Ergänzungsdienstes Kempten zugegen. Der Angeklagte war geständig.
@@ -56,3 +56,12 @@ Am **4.1.** tauchte vermehrt Propaganda der »Identitären Bewegung Deutschland
 ## KE: rechte Straftaten erneut gestiegen
 Die Polizei geht auf Nachfrage am **10.1.** davon aus, dass die Anzahl rechtsmotivierten Straftaten im Jahre 2016 gegenüber em Vorjahr gestiegen ist. Genaue Zahlen möchte man aber noch nicht nennen.
 
+## KE: »Der III. Weg« flyert?
+Die Neonazi-Partei »Der III. Weg« beheauptet auf ihrer Website, »Aktivisten des Stützpunktes Schwaben« hätten »um die Wiesstraße« - in der Nähe zweier Geflüchtetenunterkünfte - Flugblätter verteilt. Kempten sei, heißt es in der Meldung, »wie viele andere deutsche Städte, schwer von der Asylflut gebeutelt.« Und weiter: »Angesichts der Lage in der ehemaligen Reichsstadt ist davon auszugehen, dass bei so manchem Landsmann die Faust in der Tasche geballt ist. Schließen auch Sie sich daher der nationalrevolutionären Partei »Der III. Weg« an, um aktiv gegen diese untragbaren Zustände vorzugehen!« Die Polizei kann die Aktion nicht bestätigen.
+
+## RAV: »Heil Hitler« bei Narrensprung
+Der Südkurier berichtet online, Ein 45-jähriger Mann sei am Sonntag, den **15.1.**  gegen 17 Uhr beim Narrensprung in Grünkraut (Lkrs Ravensburg) »wegen fremdenfeindlicher und verfassungswidriger Aussagen aufgefallen«. Der Mann trat laut Polizeibericht an der Bodnegger Straße an einen Streifenwagen heran und fragte die Beamten, ob sie nichts Besseres zu tun hätten und rief im Gehen »Heil Hitler«. Bei der anschließenden Personenkontrolle habe der Mann aggressiv und uneinsichtig reagiert. Wie die Polizei mitteilte, fragte er, warum die Polizei nicht »Kanaken jage«. Weiter gab er an, bald den Reichsbürgern anzugehören und dass »man ihm dann nichts mehr könne«. Als die Beamten ihm erklärten, dass er eine Straftat begeht, rief der Mann erneut »Heil Hitler«.
+
+## Augsburg: Reichsbürger verurteilt
+Wegen Nazi-Propaganda auf Facebook wurde ein 69-Jähriger am **17.1.** vom Amtsgericht Augsburg verurteilt, das berichtet die Augsburger Allgemeine online. »Ich verstehe nicht, warum man mich Reichsbürger nennt«, zitiert ihn die Zeitung. Der Rentner habe Polizisten bei einer Hausdruchsuchung im Juni 2016 als Verbrecker und »Dreckspack« bezeichnet. In seiner Wohnung habe man einen »Hitler-Führerschein«, Ausweis und Führerschein einer »Republik Freies Deutschland« (wir berichteten in vruzt #05) und einen Mitgliedsausweis für eine »Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitsdienst«. Er beteuerte laut Augsburger Allgemeine (AA), der BRD lediglich kritisch gegenüber zu stehen. Auf Facebook fand die Kripo allerdings eindeutigere Aussagen. Dort verlinkte der 69-jährige den Titel »Blut und Ehre« der Neonaziband »Störkraft«. Die AA beschreibt den Text als verherrlichung nationalsozialistischen Gedankenguts und Aufforderung, Ausländer zu vertreiben, um eine »deutsche Rasse zu retten«. Der Reichsbürger habe schon im November einen Prozess wegen Widerstands gegen Polizeibeamte bei einer Hausdurchsuchung gehabt. Er wurde zu sieben Monaten Bewährungsstrafe verurteilt, schreibt die AA. Damit habe das Amstgericht Augsburg im aktuellen Verfahren eine Gesamtstrafe von zehn Monaten Bewährungsstrafe gebildet. Außerdem müsse er 700 Euro an den »Bunten Kreis« zahlen. Die Vorwürfe: Verbreiten von Propagandamitteln und Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen sowie verbotene Gewaltdarstellung. Das Urteil ist rechtskräftig. Der Rentner war bereits einschlägig vorbestraft.
+

jahrbuch rezi
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@@ -0,0 +1,25 @@
+---
+Autor_in: Knaur
+RezTitel: 2017 Jahrbuch rechte Gewalt
+RezUntertitel: Chronik des Hasses
+RezAutor_in: Andrea Röpke
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: Knaur
+ISBN: 978-3-426-78904-9
+Umfang: 304 S.
+Preis: 12,99
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Antifa
+  - Nazis
+  - Gewalt
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+Seit Ende 2014 verzeichnet Deutschland eine Zunahme der Gewalttaten gegen Asylsuchende und Andersdenkende. Die fremdenfeindlichen Proteste haben eine erschrekckende Dynamik entfaltet, und auch Menchen, die als alternativ oder politisch links gelten, werden aufs Brutalste angegriffen.
+
+Andrea Röpke berichtet über rechte Hetze und Mobilisierung in den sozialen Netzwerken, die auf die Straße schwappt, die explosive Verbindung zwischen Hooligans und Pegida, die Formierung der Aktionsgruppe »Hooligans gegen Salafisten« (HoGeSa), AfD-Demonstrationen und NPD-Aktionen, die Bildung der radikalen Partei »Der III. Weg« und Auftritte der »Identitären Bewegung«.
+
+Sie berichtet über Brandserien im Havelland, Stimmungsmahe gegen Flüchtlingsheime, über vom rechten Mob eingeschüchterte EInwohner, aber auch über wegschauende Bürger und Lokalpolitiker. Die Hintergründe und der Prozess nach dem Angriff auf den Leipziger Stadtteil Connewitz sowie der Ballstädt-Prozess in Thürigen, eines der größten Verfahren gegen rechte Gewalttäter seit der Wende, werden beleuchtet. Und schließlich geht es um das Attentat auf die SPD-Politikerin und Bürgermisterkandidatin der Stadt Köln, Henriette Reker. Dazu bietet der Band eine notwendigerweise unvollständige Jahreschronik rechter Gewalt.

urteil kf
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+---
+Autor_in: LIA
+Titel: Remembering means fighting! Demo gegen Nazis und Rassismus in Memmingen
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Antira
+  - Aktion
+  - Demo
+Lizenz: 
+Abstract: Im April 2016 jährt sich zum 8. Mal der Todestag von Peter Siebert, der in seiner Wohnung in Memmingen von seinem Nachbarn dem Neonazi Alexander B. niedergestochen wurde. Am Samstag den 23. April 2016 wollen wir im Rahmen einer Demonstration in Memmingen (Allgäu) Peter Siebert und allen anderen Opfern, die durch rechte Gewalt sterben mussten, gedenken. Zudem wollen wir mit unserer Demonstration ein klares Zeichen gegen den aktuellen Rechtsruck in Deutschland und ganz Europa setzten. Wir zeigen uns solidarisch mit allen geflüchteten Menschen und möchten gemeinsam und entschlossen für eine bessere Welt fernab von Rassismus, Sexismus und allen Formen von kapitalistischer Ausbeutung kämpfen.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+ 
+**Demonstration für ein aktives Gedenken – gegen Nazis und Rassismus am 23.04.2016 in Memmingen**
+
+In der Nacht zum 26. April 2008 wird der 40-jährige Peter Siebert von seinem 22-jährigen Nachbarn, dem Neonazi Alexander B. in Memmingen erstochen. Zuvor hatte sich das Opfer (nicht zum ersten Mal) über den lauten Rechtsrock seines Nachbarn beschwert und diesem seine braune Gesinnung vorgeworfen. Im Laufe des Streits verfolgte Alexander B. seinen Nachbarn bis in dessen Wohnung und stach ihn dort mit einem Bajonett nieder.
+
+Im Dezember 2008 wurde der Täter nach nur einem Prozesstag vom Landgericht Memmingen wegen Totschlags (!) zu acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Eine rechts motivierte Tat wurde von den Behörden damals nicht in Betracht gezogen. Erst zwei Jahre nach der Verurteilung räumte Manfred Mürbe, Vizepräsident des Landgericht Memmingen, ein, dass ein extrem rechter Hintergrund »wahrscheinlich« sei. Trotzdem taucht der Fall Peter Siebert bis heute nicht in der offiziellen Statistik der Todesopfer rechter Gewalt auf.
+
+Nicht in die offizielle Statistik aufgenommen wurde unter anderem ein weiterer Fall tödlicher neonazistischer Gewalt aus dem Allgäu. Am 17. Juli 2013 wurde in Kaufbeuren der 34-jährige Spätaussiedler Konstantin M. vom wegen neonazistischer Gewalttaten einschlägig vorbestraften Falk H. erschlagen. Vorausgegangen sind der Tat rassistische Pöbeleien. Obgleich all das unbestritten war, wollte der zuständige Richter nur eine »sinnlose Sauferei und Prügelei« sehen.
+
+Genau diese Entpolitisierung und Bagatellisierung ist im Zusammenhang mit rechter Gewalt immer wieder zu beobachten. Sie trägt ihren Teil dazu bei, dass zwischen offiziellen Angaben zu Todesopfern rechter Gewalt (75 seit 1990) und den Statistiken nicht-staatlicher Stellen (184 seit 1990) eine erhebliche Differenz besteht.
+
+Unerträglich ist auch die Zunahme rassistischer »Proteste« von Bürgern, die sich zusammen mit Neonazis gegen Asylsuchende, Muslime und alle Menschen, die sich für einen solidarischen Umgang mit Geflüchteten und hilfebedürftigen einsetzen, formieren. Die rechte Partei AFD beeinflusst deutschlandweit immer mehr den öffentlichen Diskurs und gründet Ortsgruppen  – auch in ländlichen Regionen wie bei uns im Allgäu.
+
+Angeheizt von rechtspopulistischen Medienberichten, sprießen überall sogenannte Bürgerwehren aus dem Boden, die sich anmaßen mit einem Mackerhaften Auftreten »deutsche Frauen« vor Übergriffen durch »Asylanten« zu schützen.
+
+Unter dem Label »Stopp« (Stopp Memmingen usw.) wird Allgäuweit über Facebook die Stimmung gegen Asylsuchende und Ausländer weiter angeheizt. Auch die CSU trägt in klassisch bayrischer Manier mit ihren braunen »Law and Order« Forderungen, ihren Teil zum aktuellen Rechtsruck bei.
+
+All das spielt natürlich auch der örtlichen Neonazi Szene in die Hände, deren Einstellung und Ansichten mittlerweile schon feste Positionen am rechten Rand der sogenannten bürgerlichen Mitte haben.
+
+Der Großteil der organisierten Memminger Neonazi Szene ist Teil der Kameradschaft Voice of Anger (VoA). Die Gruppierung zählt mit ihren mindestens 80 Kern-Mitgliedern zu den größten aktiven Nazi-Kameradschaften in Bayern und ist bundesweit vernetzt.
+
+Diese Mischung aus organisierten Neonazis, »besorgten Bürgern« und der konservativen Mitte führen zu einem Klima der Angst und sind der Nährboden für die zahlreichen Angriffe auf Unterkünfte von Asylbewerbern. Als aktuelle regionale Beispiele sind hier der Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim am 06.02.2016 in Kaufbeuren und der versuchte Brandanschlag einen Monat zuvor in Marktoberdorf zu nennen. Allein im Jahr 2015 gab es 528 Übergriffe auf Unterkünfte von Geflüchteten.
+
+Diese Zustände nehmen wir nicht länger hin. Wir wollen mit unserer Demonstration ein deutliches Zeichen gegen rechte Gewalt und Alltagsrassismus setzen. Niemand ist vergessen. Wir kämpfen weiter für eine solidarische und gemeinschaftliche Welt ohne Grenzen, ohne Nationalismus und ohne Faschos!
+
+Wir wollen Alternativen aufzeigen und den Rassismus, so wie die durch ihn immer weiter vorangetriebene soziale Spaltung von der Wurzel an bekämpfen.
+
+Wir wollen ein Bewusstsein schaffen, wonach alle Menschen gleich sind und wir nur gemeinsam - und zwar von unten - diese Welt zum Positiven ändern können.
+
+Wir wollen uns zusammenschließen, organisieren und für die Interessen aller Menschen, ohne Hinblick auf Herkunft, Religion und Nationalität kämpfen!
+
+Lasst uns gemeinsam am 23. April in Memmingen auf die Straße gehen – zum Gedenken an Peter Siebert, Konstantin M. und all die anderen Opfer rechter Gewalt.
+
+Denn Erinnern heißt kämpfen – für eine offene, vielfältige und soziale Gesellschaft jenseits diskriminierender Ausschlüsse und Ausgrenzungen – für ein schönes Leben für alle – überall!
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Ohne Grund und ohne Courage
+Rubrik: Kommentar
+Themen:
+  - Antifa
+Lizenz: 
+Abstract: Unabgedruckter Leser\_innenbrief zum Artikel und Interview »Brutale Schläger bereiten der Polizei Sorgen« aus der AZ vom Freitag, 5.12.2014
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+2013 am Rande des Tänzelfestes: Ein 37-jähriger holt aus und schlägt einem 34-jährigen so brachial gegen die Schläfe, dass die Hirnarterie reißt und das Opfer sofort stirbt - ohne Grund! So beschreibt die Allgäuer Zeitung vom 5. Dezember, was am 17. Juli kurz vor Mitternacht in Kaufbeuren geschah. Vor Gericht im Mai diesen Jahres wird als Grund Alkohol gesehen. Konsequent ignoriert wird in beiden Fällen sowohl der Hintergrund des Täters als auch die Vorgänge unmittelbar vor der Tat. Falk H., ein vielfach vorbestrafter Neonazi pöbelt zusammen mit wenigstens einem weiteren Neonazi in seiner fünfköpfigen Gruppe, seinem Neffen Markus V., drei Menschen an, die sie für »Ausländer« halten. Die »Scheiß Polacken« und »Scheiß Russen« hätten »damals meine Oma vertrieben«, meint H. und schlägt zu. Seine Begleiter ebenso. Die Angegriffenen wehren sich erfolgreich. Genau dieser Tathergang ist vor Gericht unstrittig und von unabhängigen Zeugen bestätigt. Trotzdem interessiert nur, was folgt: Die geschlagenen Aggressoren kehren auf das Tänzelfestgelände zurück und Treffen auf Konstantin M., einen Spätaussiedler aus Kasachstan. Falk H. schlägt erneut zu und der Familienvater ist tot, noch bevor sein Körper den Boden erreicht. Trotzdem tritt der Neonazi nochmals heftig gegen den Hals seines Opfers und verursacht weitere schwere Verletzungen.
+
+Genau die hier aufgezeigte katastrophale Verdrängungsleistung gegenüber den Motiven neonazistischer und rassistischer Gewalt ist mit dafür verantwortlich, dass der NSU jahrelang unbehelligt raubend und mordend durch das Land ziehen konnte. Offenbar wurde seit der Selbstaufdeckung des rechten Terrornetzwerkes vielerorts wenig bis nichts gelernt. Dazu kommt das verheerende Verständnis von Zivilcourage, das die im AZ-Artikel interviewte Medizinerin Dudeck vorschlägt: Hinsehen, nichts tun und Andere dazu holen.
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+Autor_in: bacuh
+Titel: Kurzrezensionen
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+  - Heteronormativismus
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+  - Gewaltfreiheit
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+  - Militarismus
+  - Flucht
+  - Migration
+  - Rassismus
+  - Recht
+Lizenz: 
+Abstract: kurz angelesen
+---
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+## Normierte Kinder
+**Effekte der Geschlechternormativität auf Kindheit und Adoleszenz**, Eric Schneider (Hg.), Christel Baltes-Löhr (Hg.), transcript, ISBN: 978-3-8376-2417-5, 400 S., 29,99 EUR --
+Der knapp zwei Jahre nach der Konferenz »Geschlechternormativität und Effekte für Kindheit und Adoleszenz« erscheinende Sammelband beruht auf Beiträgen, die auf der pluridisziplinären, ausdrücklich Aktivist\_innen und Betroffene einbeziehenden Tagung entstanden. Es werden anhand von Geschlechterbildern vorgenommene Normen hinterfragt, dekonstruiert und auf ihre Wirkung hin untersucht. Der Band legt dabei ein breites Spektrum an Profession und Perspektive vor. So kommen etwa Biolog\_innen, Soziolog\_innen, Aktivist\_innen, Sozialarbeiter\_innen und Künstler\_innen zu Wort und öffnen Perspektiven auf eine Welt jenseits diskursiver und gewaltsam normierter Existenzen.
+
+## Linke und Gewalt
+**Pazifismus, Tyrannenmord, Befreiungskampf**, Felix Warnheuer (Hg.), Promedia, ISBN: 978-3-85371-370-9, 173 S., 12,90 EUR --
+In »Linke und Gewalt« werden Debatten innerhalb der globalen Linken über »Pazifismus, Tyrannenmord, Befreiungskampf« aus den vergangenen 150 Jahren dargestellt. Den Schwerpunkt bildet die Frage nach bewaffnetem Kampf beziehungsweise dessen Ablehnung. Von Protagonisten wie Lenin, Mao, Pierre Ramus, Johann Most, Erich Mühsam, Gustav Landauer, Rosa Luxemburg, Trotzki, Kautsky, Errico Malatesta, Martin Luther King, RAF, Negt, Sartre oder Rote Zora werden strategische und moralische Debatten zum Gegenstand nachvollziehbar gemacht. Ohne den Rückgriff auf andere setzt sich Jörg Bergstedt in »**Gewalt - Spannende Fragen ... oder nur identitäre Phrasen? Ein kritischer Blick auf Militanz und Gewaltfreiheit**« theoretisch mit der Gewaltfrage auseinander. Dabei liefert er eine fundierte Kritik sowohl an ideologischer Gewaltfreiheit wie auch an ebenso reflexhafter Militanz. Sein Fazit: »Mehr Hirn!«
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+[[!img nogowork.png alt="" caption=""]]
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+## Und, was machst du so?
+**Fröhliche Streitschrift gegen den Arbeitsfetisch**, Patrick Spät, Rotpunktverlag, ISBN: 978-3-85869-616-8, 164 S., 9,90 EUR --
+»Und, was machst du so?« ist eine wirklich »fröhliche Streitschrift gegen den Arbeitsfetisch«. Wer diesen bereits theoretisch gefasst hat wird in diesem Büchlein allerdings außer einiger aufschlussreichen oder bissigen Zitaten vermutlich nicht viel neues entdecken. Für Andere bietet das Heft einige nette kleine Häppchen-Kapitel. Aber Vorsicht: Erkenntnis- und Zeitgewinn droht!
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+## Das seid ihr Hunde wert!
+**Ein Lesebuch**, Erich Mühsam, Verbrecher Verlag, ISBN: 978-3-943167-84-9, 345 S., 16 EUR --
+Mit »Das seid ihr Hunde wert!« erscheint »ein Lesebuch«, das sich hervorragend zum Einstieg in Werk und Leben des Anarchisten und Schriftstellers Erich Mühsam eignet. Die Herausgeber\_innen verzichten darauf, über Mühsam zu sprechen und überlassen ihm in einigen zwischen die literarischen und essayistischen Schriften gelegten autobiografischen Texten das Erzählen seiner eigenen Geschichte. Die Berichte über die Zeit im KZ stammen mangels eigener Aufzeichnungen von Erichs Gefährtin Zenzl Mühsam. Ebenfalls im Verbrecher-Verlag erschienen Mühsams Tagebücher in drei Bänden.
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+Zum Hören statt zum Lesen gibt es einige von Mühsams Texten auf dem Album »Mühsamblues«, das die Band »Der Singende Tresen« zeitgleich zum 80. Jahrestag der Ermordung Mühsams durch die Nazis über das Label Setalight veröffentlichte.
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+## AusländerRecht 2014
+Hubert Heinold, von Leoper Literaturverlag, ISBN: 978-3-86059-445-2, 570 S, 11,50 EUR --
+Der Band legt »alle relevanten Gesetze des neuen Ausländerrechts« zum Teil in Auszügen auf das Wichtigste reduziert vor und bietet so eine kompakte Referenz bei der Auseinandersetzung mit den Behörden, die den Flüchtlingen in Deutschland das Leben schwer machen. Dabei geht es nicht nur in Aufenthalts- und Asylverfahrensgesetz um den Aufenthaltsstatus der Betroffenen, sondern mit Sozialgesetzbuch und Asylbewerberleistungsgesetz auch um die Frage, welche Leistungen den Menschen zu stehen und zum Beispiel unter welchen Bedingungen sie eine Arbeitserlaubnis bekommen können.
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+Bayerische Staatsbibliothek
+Ludwigstr. 16
+80539 München
+
+Pflichtexemplare
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+12.01.2014
+
+SM=Presse und Buch international | Darf zu Prüfzwecken geöffnet werden
+
+encl Pflichtexemplare »verrönscht und zugenetzt«
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+Sehr geehrte Damen und Herren,
+
+anbei erhalten Sie zwei Pflichtexemplare der letzten Ausgabe der vruzt / verrönscht und zugenetzt.
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+DENKmal-Film Strigel GmbH
+Schwindstrasse 2
+80798 München
+
+Belegexemplar(e)
+
+12.01.2014
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+SM=Presse und Buch international | Darf zu Prüfzwecken geöffnet werden
+
+encl Belegexemplar(e) »verrönscht und zugenetzt«
+
+Sehr geehrte Damen und Herren,
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+---
+Autor_in: Franz Schandl
+Titel: Die große Freisetzung
+Rubrik: Debatte
+Themen:
+  - Geld
+  - Kapitalismus
+Lizenz: 
+Abstract: Was ersparen wir uns, wenn es kein Geld mehr gibt? Nicht nur das Geld ersparen wir uns, wir ersparen uns noch viel mehr: Wir ersparen uns, das Leben zu versäumen. Transvolutionäre Mutmaßungen zum elementaren Aufstand
+---
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+
+Um Kuchen zu backen, brauchen wir kein Geld, wir brauchen Mehl, Wasser, Zucker, Milch, Butter, Nüsse, vielleicht Safran. Nicht so im Kapitalismus. Da ist die Kostenfrage unumgänglich, auch wenn kein Gramm des Geldes in die Süßspeise einzudringen versteht. Kurzum: Wirklich wird nicht, was möglich ist, real wird erst das, was bezahlbar ist. Wirtschaft folgt nicht den Bedürfnissen der Menschen, sondern der Logik von Geld und Ware. An dieser Finanzierung scheitert gar vieles.
+
+Heutzutage hat ein Großteil der wirtschaftlichen Tätigkeit nicht unmittelbar mit Produktion, Distribution und Dienstleistung zu tun, er folgt ausschließlich geschäftlichen, d.h. monetären Erfordernissen. Der Großteil der Arbeit gehorcht nicht nur der Geldreligion, er gehört selbst dem Religionsdienst an. Rechnungen sind Gebetszettel und Bilanzen sind Gebetsbücher dieser seltsamen aber militanten Kommunikationsform. Alles dreht sich um die Finanzierung. Ohne diese läuft wenig. Wir leben in einer finsteren Periode der vom Geld- und Warenfetisch beschlagnahmten Zeit.
+
+Was wir beobachten, ist die Dichte, ja zunehmende Verdichtung der Matrix diverser Beschäftigungen, die ausschließlich oder vornehmlich nur um des Geldes willen verrichtet werden müssen. Sie machen bloß Sinn im Sinne ständiger Kostenrechnung und Bilanzierung. Inzwischen haben sie sich aufgebläht wie eine Blase, der wir Muskel, Nerv und Hirn zuführen, obwohl alle diese Leistungen weder gegessen, getrunken, geschmeckt, genutzt werden können. Zahlenkolonnen und Daten, Tabellen und Statistiken, Kurven und Kurse, das erscheint als objektiviertes Material ökonomischer Sachverhalte. Dies alles türmt sich vor uns auf. Mit dem leben wir, tagtäglich verfolgt es uns, wenngleich wir es als gegeben hinnehmen. Wir, die Geldsubjekte haben nichts anderes gelernt. Fast alles, was wir tun, endet in einer Rechnung, entweder sollen wir zahlen oder wollen bezahlt werden. Registrierkassen sind überall, reell wie virtuell.
+
+Kapitalismus bedeutet, dass alle, also wirklich alle, sich stets Sorge machen müssen um das Geld, das sie haben oder eben nicht haben. Sie müssen es einnehmen und ausgeben, aufstellen und anlegen. Es herrscht die Kunst der monetären Disposition. Das gehört nicht nur dazu, das ist elementar und essenziell. Fast wie Natur oder schon ganz wie diese. Der eigentliche Sinn der Warensubjekte ist der Geschäftssinn. Gnade jenen, die ihn nicht haben oder einsetzen können! Fürsorge in der bürgerlichen Gesellschaft dient vorerst dem Geld, dann erst den Leuten, denen es vielleicht zukommt. Menschen werden heutzutage vom Geld evaluiert, d.h. in Wert gesetzt oder entwertet. Das ist inakzeptabel, und zwar nicht nur aufgrund der Resultate, sondern ganz prinzipiell.
+
+Eines der gängigsten wie mächtigsten Vorurteile ist, dass Geld unsere Beziehungen einfacher macht, ja überhaupt erst ermöglicht. Das Gegenteil ist der Fall, es macht diese um vieles komplizierter, als sie sein müssten, weil sich Tätigkeiten nicht als solche, sondern als marktrelevante zu konstruieren haben, wo die Warenhüter, vulgo Käufer und Verkäufer, sich über abstrakte Arbeitsquanta (oder zusehends über die Simulation derselben) als Konkurrenzsubjekte austauschen. Geld demonstriert die synthetische Unreife der bürgerlichen Spezies, dokumentiert selbstverschuldete Hörigkeit und Unfreiheit, die man partout als solche nicht erkennen will. Geld erscheint gar als zentrales Mittel unserer Mündigkeit und Freiheit.
+
+## Verlernen und Verschwinden
+Ich will mich hier nun auf einen Aspekt konzentrieren und meine ganze Aufmerksamkeit auf ihn richten, das ist die Demonetarisierung (vgl. dazu ausführlich die Ausgabe 54 der Streifzüge), die mir für die Auflösung der Warengesellschaft fundamental erscheint. Anzuschauen wäre, welche Lebensgewinne sich aus Geld- und Geschäftsabbau ergeben könnten. Unzählige Berufe, die es heute gibt, gibt es ja nur, weil es Geld gibt. Sie entwickeln sich aus keiner anderen Notwendigkeit. Das muss man sich erst vergegenwärtigen, es ist ja alles andere als selbstverständlich, dass es Steuerberater, Kassiererinnen, Versicherungsagenten, Immobilienmaklerinnen, Mahnverrechner, Buchhalterinnen, Kalkulationsersteller, Gerichtsvollzieher (Exekutoren), Börsenspekulanten, Geldtransporteure, Bankangestellte, Steuerbehörden etc. gibt.
+
+Machen wir ganz unsystematisch weiter. Dezidiert überflüssig wären alle Agenten der Geldzirkulation. Auch der überwiegende Teil der Kriminalität würde mangels Geld sich entsorgen. Dazu die nötige Juristerei und Polizei, die ja geradezu durch Kapital, Korruption und Kriminalität erzeugt werden. Auch bräuchte es keine parlamentarischen Untersuchungsausschüsse mehr, wo Funktionäre und Personal monatelang im Dreck der anderen wühlen (müssen) und sich zum Schluss niemand mehr auskennt, weil Beweis und Gerücht, Indiz und Verleumdung, Wahrheit und Lüge zu einem unbekömmlichen Brei verrührt werden.
+
+Ein Großteil unserer Tätigkeiten sind jedenfalls Narreteien, dem Geld geschuldet. Sie folgen der puren Notwendigkeit von Markt und Verwertung. Ohne diesen Fanatismus gäbe es sie nicht. Der Markt ist zu überwinden. Auf der Tagesordnung stünde ein großes Verlernen und Verschwinden. Güterdistribution ist von Geldzirkulation zu befreien. Verschwinden würden: alle Kassageschäfte, ja das Geschäft überhaupt; das ganze Bank- und Versicherungswesen samt Personal; alle monetären Aufzeichnungen und die dazu nötigen Aufwendungen (Programme, Tools u.v.m.).
+
+Ebenso Richtung Orkus verflüchtigten sich alle Tätigkeiten, die indirekt mit dem Geld zu tun haben, also kapitalproduktive Prozesse, die es nur aus dem Grund gibt, weil sie für Akkumulation und Geschäft notwendig sind. Darunter fallen: der Druck der Werbebroschüren, die Herstellung des dafür erforderlichen Papiers und der Farbe; der Transport all dieser Materialien und Rohstoffe, die Schlägerung diesbezüglicher Wälder; die Produktion der dafür erforderlichen Maschinen; der Bau entsprechender Bürogebäude für all die Überflüssigen erster und zweiter Ordnung; das Reinigen und Warten dieser meist klobigen Büroklötze; Papier und Druck für Rechnungen, Tickets, Quittungen etc. Etc., etc., etc.
+
+Man merkt, das alles beträfe auch industrielle Kernsektoren (Hochbau, Tiefbau, Maschinenbau). Der Großteil der Produkte ist sowohl schädlich als auch unnötig. Nur durch Verwertung und Wachstum erhalten viele Dinge und Verhältnisse ihren seltsamen Zweck.
+
+Unserer Phantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Wenn das Geld, der Tauschwert und die abstrakte Arbeit fallen, dann hat das auch ungemeine Auswirkungen auf alles, was man jetzt Gebrauchswert nennt. Güter der Zukunft sind also nicht bloß vom Wert befreit, sie sind gänzlich anderer Statur.
+
+Kettenreaktionen
+Die nunmehrige Obsoleszenz der Obsoleszenz führte dazu, dass die Haltbarkeit (statt die Verkaufszahl) der Produkte steigt, was wiederum bedeutete: weniger Produktionsaufwand; weniger Distributionsaufwand; weniger Konsum; weniger Müll; weniger Verkehr (Stau); weniger physischer, psychischer und emotionaler Verschleiß: Stress, Burnout, berufsbedingte Krankheiten u.v.m.
+
+Das alles hätte zum Ergebnis, dass es weniger Telefonate, weniger Handys, weniger Autos, weniger Computer gäbe. Das alles hätte wiederum zur Konsequenz, dass weniger Energie verbraucht würde, weniger Kraftwerke, Züge, Flugzeuge, Busse, Lastkraftwägen hergestellt werden und in Betrieb gehen müssten.
+
+Die Kettenreaktionen würden gar nicht abreißen, das ganze System des Waren- und Geldverkehrs würde sich ins Nichts auflösen. Auch bei den Konsumenten entfielen alle finanziellen Kalkulationsüberlegungen. Die gesamte Abschaffung der kommerziellen Werbung, auch die wäre ungemein befreiend. Die Welt wäre eine andere, eine mit ganz anderen Usancen und Chancen.
+
+Aber in einigen Details liegen sicher auch noch geahnte und ungeahnte Schwierigkeiten. Das hier ist ja auch lediglich eine rohe Skizze und kein ausgefeiltes Konzept. Was ebenfalls nicht ganz klar ist, ist die zeitliche Dimension, von der wir sprechen. Erste Überlegungen lassen aber vermuten, dass es sich hierbei um keinen hundertjährigen Transformationsprozess handelt. Das können wir uns nicht leisten. Tatsächlich geht es aber, wie Heinrich Harbach richtig schreibt, um eine „Strategie der sukzessiven Auflösung der Wert- und Warenformen“. (Ist „Marktwirtschaft“ der Endzustand der Menschheitsgeschichte?; in: Marxistische Abendschule Hamburg (Hg.), Aufhebung des Kapitalismus. Die Ökonomie einer Übergangsgesellschaft, Hamburg 2015, S. 155)
+
+Man müsste Kataster erstellen, d.h. alle aktuellen Berufe und Arbeitsfelder auf ihre Begründung hin anschauen und erfassen. Die Anforderungsprofile an zukünftige Tätigkeiten wären jedenfalls substanziell anderer Natur: Wie sehr belasten wir Mensch, Tier, Pflanze, Welt? Wie haltbar sind die Produkte und Leistungen? Wie gesund die Nahrungsmittel? Wie schädlich die Medikamente? Solche Kriterienkataloge gibt es zwar heute auch schon, aber sie sind stets overruled durch finanzielle Interessen. Schließlich geht es jetzt darum Profite zu machen, Löhne zu zahlen, Preise zu erzielen.
+
+Mehr und weniger
+All diese Abschaffungen wären verbunden mit einem deutlichen Zeitgewinn, den man fortan für zwischenmenschliche Beziehungen fruchtbar machen könnte. Was den Zuwachs solitärer Kontemplation nicht ausschließt. Produktion könnte ein Teil der Reproduktion werden, hätte nicht mehr den Status einer Sonderzone, die der Gesellschaft als Befehlshaber vorsteht. Denn ohne Markt verschwindet tatsächlich die starre Grenze zwischen Produktion und Reproduktion. Wo vieles weniger wird, wird einiges auch mehr: Man wird mehr kochen, sorgen, pflegen, heilen, lernen, lesen, lieben, lungern, schlafen, basteln, denken, dichten, werken, wandern, spielen, sich dem Müßiggang hingeben, aber auch aktiv sein und sich gelegentlich kräftig anstrengen, körperlich wie geistig. Der Charakter der Pflicht und der Willigkeit soll dem der Solidarität und Freiwilligkeit weichen.
+
+Nichts zu tun auf Dauer ist schier unerträglich, aber die Möglichkeit haben, einmal nichts tun zu müssen, auch länger, von keinen Terminen umstellt zu sein, das wird solche Zeitkontingente erst richtig produktiv machen. Dem Müßiggang entspringen die besten Ideen. Da erwachen Geister und Lüste, wachsen Freude und Freundschaft. Die Freisetzungen stellen also Entlastungen immenser Dimensionen dar, selbst wenn ein nicht unbeträchtlicher Teil der Surpluszeit vorerst in die große Wiederherstellung gesteckt werden muss. Denn freilich darf nicht verschwiegen werden, dass der Kapitalismus einen Riesenaufwand an unaufschiebbarer Reparatur hinterlassen hat. Die Übergangsphase wird auch eine Rehabilitationsphase sein. Es geht um eine Genesung. Nachdem was Herrschaft, also insbesondere Kapital und Staat, Industrialisierung und Mobilisierung, Maskulinisierung und Militarisierung dem Planeten angetan haben, muss dieser generalsaniert werden.
+
+Den Luxus des Träumens sollten wir uns leisten. Ich will hier aber keine Blaupause zeichnen, denn Träume werden sowieso nur wahr, wenn viele träumen und aus der Absicht ein Wollen und Tun entwickeln. Davon sind wir leider weit entfernt. Ein Grundproblem besteht auch darin, dass wir das Neue bisweilen in der alten Form (Geld, Recht, Politik, Werte) denken: „Die Tradition aller toten Geschlechter lastet wie ein Alp auf dem Gehirne der Lebenden. Und wenn sie eben damit beschäftigt scheinen, sich und die Dinge umzuwälzen, noch nicht Dagewesenes zu schaffen, gerade in solchen Epochen revolutionärer Krise beschwören sie ängstlich die Geister der Vergangenheit zu ihrem Dienste herauf, entlehnen ihnen Namen, Schlachtparole, Kostüm, um in dieser altehrwürdigen Verkleidung und mit dieser erborgten Sprache die neue Weltgeschichtsszene aufzuführen.“ (Karl Marx, Der achtzehnte Brumaire des Louis Bonaparte, MEW 8, S. 115) Allerdings gilt es aufzupassen, dass die Farce nicht wiederum zur Tragödie gerät, wenn wir es nicht schaffen, diese neue Sprache zu erlernen.
+
+## Nicht mehr
+Die große Freisetzung wäre eine Befreiung der Menschen und eine Entlastung der Natur. Sie würde die soziale und die ökologische Misere lösen. Vor allem wäre sie aber auch der große Schritt vom Disponiert-Werden zum Disponieren, vom Passiv zum Aktiv. Unsere Optionen sind eingeschränkt, weil unsere Geldangelegenheiten, die zahlreichen Fetischdienste (Kaufen, Verkaufen, Bewerben, Berechnen, Überweisen, Kalkulieren) unsere Lebenszeit fressen.
+
+Natürlich wird es auch in Zukunft ein Rechnungswesen geben, aber das wird sich auf Stoffe, Tätigkeiten und Aufwendungen beschränken. Es ist ja nichts mehr in Geldkategorien umzurechnen, da die Finanzierung kein Kriterium darstellt. Rechnungen der Zukunft haben Rechnungen über Materialien und Dienste zu sein, nicht über Kosten derselben. „Denken wir uns die Gesellschaft nicht kapitalistisch, sondern kommunistisch, so fällt zunächst das Geldkapital ganz fort, also auch die Verkleidungen der Transaktionen, die durch es hineinkommen. Die Sache reduziert sich einfach darauf, dass die Gesellschaft im voraus berechnen muss, wie viel Arbeit, Produktionsmittel und Lebensmittel sie ohne irgendwelchen Abbruch auf Geschäftszweige verwenden kann, die, wie Bau von Eisenbahnen z.B. für längere Zeit, ein Jahr oder mehr, weder Produktionsmittel noch Lebensmittel, noch irgendeinen Nutzeffekt liefern, aber wohl Arbeit, Produktionsmittel und Lebensmittel der jährlichen Gesamtproduktion entziehn. In der kapitalistischen Gesellschaft dagegen, wo der gesellschaftliche Verstand sich immer erst post festum geltend macht, können und müssen so beständig große Schwierigkeiten eintreten.“ (Karl Marx, Das Kapital, Band II, MEW 24, S. 316 f.)
+
+Unumgängliche Verbindlichkeiten hätten ein geringeres Pensum. Unser Leben wäre nicht mehr von Pflichten geprägt, obwohl einigen Aufgaben schon unbedingt nachgekommen werden müsste. Unsere Möglichkeiten wären gänzlich andere, denn sie würden nicht mehr schlicht an der beschlagnahmten Zeit scheitern. Insbesondere braucht niemand mehr Geld zu verdienen, was meint: dem Geld zu dienen. Auch dieses Hetzen und Stressen, dieses geschäftige Getue, dieses ständige von Termin zu Termin eilen, wäre over. „Beatus ille, qui procul negotiis“, sagt Horaz (epodes II, 1): Glücklich, wer fern den Geschäften.
+
+Befreiung heißt auch, dass das Geld nicht mehr mitzudenken ist, es als Form der Kommunikation in der Transformation in Vergessenheit gerät. Überhaupt müssen wir aufhören, uns mit dem kommerziell Machbaren aufzuhalten. Wir haben nicht realistisch zu sein. Wenn wir realistisch bleiben, verbleiben wir dort, wo wir sind, oder (was immer wahrscheinlicher wird) wir gehen mit dieser realistischen Welt ganz realistisch zugrunde. Seien wir unrealistisch!
+
+## Gut sein
+Die letzte These lautet, dass wir, die bürgerlichen Subjekte, aufgrund unserer gesellschaftlichen Situation und Konstitution, den Großteil unseres Lebens durch Fetischdienste versäumen, dass das Leben, gemeint nicht als krude Existenz sondern als das gute Leben, sich gegenwärtig lediglich in Nischen entfalten kann. Und auch dort nur gebrochen. Die große Freisetzung könnte nun das versäumte Leben in das gute Leben verwandeln. Leben mit Leben fluten. Nicht nur das Geld ersparen wir uns, wir ersparen uns noch viel mehr: Wir ersparen uns, das Leben zu versäumen. Es gäbe endlich die Möglichkeit, sich zum Dasein emotional versiert und geistig reflektiert, nicht bloß reflexartig und affektiert zu verhalten. Vor allem müssten wir dann nicht dauernd ans Geld denken und über das Geld handeln. „Wir wollen, weil müssen dich haben“, dieses tägliche Stoßgebet des Fetischs wäre ein trauriges Märchen von gestern. Und irgendwann wird man es nicht einmal mehr verstehen, wird diese Transsubstantiation nicht mehr sinnlich fassbar sein.
+
+Das triviale Ziel von alledem ist, dass es den Menschen gut geht und dass sie gut sind. Dass sie gut sorgen und gut versorgt werden und dass sie den Großteil ihres Lebens nach Gusto und nicht nach Zwängen leben können. Uns gut sein und es uns gut gehen lassen! Die Akzeptanz der Ungeheuerlichkeiten, die sich „Ernst des Lebens“ nennt, ist durch eine Lust am Leben abzulösen.
+
+Leben statt Überleben!, das ist die banale Ansage, und sie ist eine durchaus darstellbare und vorstellbare Aussage. Spannend noch dazu. Und doch bedarf es eines mentales Sprungs, um diese enorme Initiative anzuzetteln, diesen elementaren Aufstand in Gang zu setzen. In Sicht ist das alles nicht. Aber das macht es nicht unnötig, sondern nur uns unzufrieden. Die künftigen Eruptionen – sie sind zu wünschen wie zu fürchten – werden massiv sein. Sich ihnen einfach auszuliefern, sollte uns nicht gestattet werden. Insofern ist das hier ein waghalsiger Vorschlag in Güte, der aufgegriffen und angenommen werden sollte.
+
+Dieser Beitrag ist auch als Ergänzung und Weiterführung des Aufsatzes „Vom Schöpfen“ in Streifzüge 45/2009 zu lesen und erschein zuerst in Streifzüge 68/2016.

fixes typo
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--- a/artikel/Der_Motor_der_Faschisierung_ist_Ungleichheit.mdwn
+++ b/artikel/Der_Motor_der_Faschisierung_ist_Ungleichheit.mdwn
@@ -47,4 +47,4 @@ Die Frage stellt sich, wie es zu diesen transatlantischen Faschisierungsprozesse
 
 Wir sollten die Entnazifizierung der Alliierten fortsetzten, die 1947 mit der Direkte 54 vergeblich die Abschaffung des sozial selektiven gegliederten Schulsystems, also auch des Gymnasiums, einforderten.
 
-Wir sollten den Motor der Faschisierung abstellen: die zunehmende Schere in der Vermögensverteilung. (Zuerst erschienen in graswurzelrevolotuion 415 / Januar 2017.)
+Wir sollten den Motor der Faschisierung abstellen: die zunehmende Schere in der Vermögensverteilung. (Zuerst erschienen in Graswurzelrevolution 415 / Januar 2017.)

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+++ b/artikel/Der_Motor_der_Faschisierung_ist_Ungleichheit.mdwn
@@ -0,0 +1,50 @@
+---
+Autor_in: Andreas Kemper
+Titel: Der Motor der Faschisierung ist Ungleichheit
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - AfD
+  - Faschismus
+Lizenz: 
+Abstract: Der faschistische Inhalt des Höcke-Flügels der AfD wird übersehen 
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+**"Nie wieder Faschismus!", so lautet der Schwur der Überlebenden des KZs Buchenwald. Die "Alternative für Deutschland" (AfD) wird diesbezüglich nicht ernst genug genommen, der faschistische Inhalt zumindest einer der beiden AfD-Parteiflügel wird ignoriert.**
+
+Da die AfD sich beim Essener Parteitag nicht vom Höcke-Flügel, sondern von der transatlantisch-neoliberalen Strömung trennte, besteht die Gefahr, dass sich eine faschistische Bewegung mit der AfD als institutionellem Kern entwickelt.
+
+Björn Höcke ist einer von zwei Sprechern der AfD Thüringen und seit der Landtagswahl 2014 der AfD-Fraktionsvorsitzende im Thüringer Landtag. Er vertritt eine faschistische Ideologie, vielleicht sogar eine faschistische Ideologie nationalsozialistischer Prägung. Letzteres wäre zu klären. Alle Indizien sprechen dafür, dass Höcke 2011 / 2012 für seinen Bekannten Thorsten Heise, einem mehrfach vorbestraften militanten Neonazi, drei Artikel unter dem Pseudonym "Landolf Ladig" verfasst hat. Zu diesem Zeitpunkt kurz vor der Gründung der AfD war Höcke noch Geschichtslehrer. "Ladigs" Artikel finden sich u.a. in Heises "Volk in Bewegung", mehrere Ausgaben dieses völkischen Magazins wurden in letzter Zeit wegen rechtsextremer Inhalte verboten. "Ladig" propagiert dort eine nationale Revolution, mit der die explizit gelobte NS-Wirtschaft wieder eingeführt werden soll. Der alte AfD-Bundesvorstand erwartete von Höcke, juristisch meine Behauptungen zu "Ladig"/Höcke unterbinden zu lassen und eine eidesstattliche Versicherung abzugeben, dass da nichts dran ist. Er verweigerte beides. Rückendeckung erhielt Höcke damals von der Tageszeitung "DIE WELT", der dort für die Berichterstattung über die AfD zuständige Journalist Günter Lachmann kritisierte den damaligen Bundesvorstand der AfD dafür, die Recherchen des "linken Bloggers" Andreas Kemper ernst zu nehmen, statt sich schützend vor Höcke zu stellen. Lachmann wurde ein Jahr später als Redakteur der WELT entlassen, weil der Bundesvorstand der AfD unter Petry öffentlich machte, dass Lachmann sich der AfD andienen wollte und belastende E-Mails vorlegte. Höcke stellte Lachmann kurze Zeit später als Medienberater ein und erklärte, "die Zeit der Rechtfertigung" sei "vorbei". Das damals angestrengte Amtsenthebungsverfahren wurde übrigens von André Poggenburg beendet. Poggenburg und Gauland verteidigen Höcke und flankieren dessen Bemühen, die NS-Sprache wieder herzustellen mit Äußerungen zur "Volksgemeinschaft" bzw. "Volkskörper".
+
+Er hat mehr als ein Dutzend expliziter Nazi-Begriffe und Redewendungen in den letzten Monaten benutzt und dies als Geschichtslehrer, also wissend und mit Kalkül. Die Kritik daran wird verhöhnt.
+
+Björn Höcke denkt in Generationen, ihm geht es um eine grundsätzliche Systemkritik, um Fundamentalopposition. Um die Aufgabe der AfD zu beschreiben, benutzt er eine nationalsozialistische Rhetorik, bzw. eine Rhetorik, die Assoziationen mit dem Nationalsozialismus weckt. So mag es noch als unreflektierte Wortwahl durchgehen, wenn er die AfD als Partei des "finalen Denkens" (Partei der "Endlösungen"?) bezeichnet. Bei der Fülle von zentralen NS-Begrifflichkeiten schließt sich diese Entschuldigung allerdings aus.
+
+So sieht Höcke die AfD als "Bewegungspartei" (Hitler: "Partei der Bewegung"), als eine "Tat-Elite" (Selbstbezeichnung der SS). Die gegenwärtige Politik sei "entartet". Es bräuchte einen neuen Politikertypus, Politiker wie Gabriel seien "Volksverderber" (Hitler: "hebräische Volksverderber"). Diese neuen Politikertypen müssten nach Höcke mit ihrer Vaterlandsliebe "die Anlagen des Volkes erwecken" (NS-Pädagoge Krieck), es ginge um die "Entelchie" (ebenfalls Krieck). Auf "dem Weg zum totalen Triumph" (NS-Ideologe Forsthoff: "Der totale Staat"; Riefenstahl: "Triumpf des Willens") für eine "tausendjährige Zukunft" (Hitler: "tausendjähriges Reich") müsse man mit dem "Mythos" der Reichsidee arbeiten. In dieser "Wendezeit um Sein oder Nicht-Sein der Völker" (NSDAP-Jargon) würden die "deutschen Lebensräume" immer enger (NSDAP: "Volk ohne Raum"). Der "dekadent" gewordene "europäische Platzhaltertyp" könne sich gegen den "afrikanischen Ausbreitungstyp" nicht mehr wehren, daher sei die AfD die letzte "evolutionäre Chance". "Asylantenheime" seien "Feuchtbiotope, in denen sich Keime des Fundamentalismus und der Verbrechen vermehren" (Hitler: "Nationalismus ist vor allem auch ein Vorbeugungsmittel gegen Krankheitskeime.") Doch das "gesunde Volksempfinden" (NS-Rhetorik der Rechtsbeugung) führe dazu, dass "Deutschland erwacht" (SA: "Deutschland erwache"), seit 1945 sei das deutsche Volk "neurotisiert", doch nun ändere sich dies: "Das Volk steht auf, der Sturm bricht los" (Goebbels Kommentar in der Sportpalast-Rede zum totalen Krieg). Mit der AfD könne sich Deutschland von der "dekadenten Volkswirtschaft" des "zinsbasierten Globalkapitalismus" (NSDAP-Programm: "Zinsknechtschaft brechen") und der "dekadenten Anspruchshaltung" befreien, um eine "organische Marktwirtschaft" (NS-Wirtschaft = "Organische Wirtschaft") mit einem entsprechenden "Sitte-, Werte- und Normengefüge" zu etablieren. Die "neue deutsche soziale Frage" verlaufe nicht zwischen "Oben und Unten", sondern zwischen "Innen und Außen" ("Deutsche Arbeitsfront": "Arbeiter der Stirn und Arbeiter der Faust").
+
+Björn Höcke ist Geschichtslehrer. Sein historisches Wissen scheint er jedoch aus verbotenen Zeitschriften wie dem Nazi-Magazin "Die Bauernschaft" des Holocaust-Leugners Thies Christophersen bezogen zu haben, jedenfalls taucht sein Vater in der Abonnentenliste der Zeitschrift auf. Höckes Kinder haben nordische Namen, sein ältester Sohn eine frappierende Ähnlichkeit mit dem ersten Teil des Pseudonyms "Landolf Ladigs", also des Nazi-Autoren, der in einem Artikel das Wohnhaus Höckes erwähnte. Höcke forderte die Abschaffung der NS-Verbots-Paragrafen und bemerkte hierzu, dass nicht jeder NPDler extrem sei.
+
+Höcke wird in diesem Artikel zur AfD so viel Raum eingeräumt, weil er die zentrale Integrationsfigur der beiden widerstreitenden Flügel in der AfD ist. Der gegnerische Flügel wird dominiert von Frauke Petry und ihrem Lebensgefährten Marcus Pretzell. Während die Gruppe um Petry und Pretzell eher machtzentriert orientiert ist und möglichst schnell die AfD im parlamentarischen System bzw. in der Bundes- und den Landesregierungen etablieren wollen, also einen realpolitischen Kurs fahren, geht es der Gruppe um Björn Höcke um einen rechten Kulturkampf, in der die AfD nur der parlamentarische Arm ist.
+
+Ideologisches Zentrum der AfD als völkisch-nationalistischer fundamentaloppositioneller Bewegungspartei ist das "Institut für Staatspolitik" in Schnellroda bei Halle.
+
+Hier machte der Obmann der "Identitären Bewegung" Österreichs, Martin Sellner, bei Götz Kubitschek im Frühjahr 2016 noch für mehrere Wochen eine Art Praktikum für neurechte bzw. völkisch-nationalistische Agitation. Kubitschek kooperiert zudem mit Jürgen Elsässer, dem Chefredakteur des extrem rechten "Compact"-Magazins (vgl. GWR 408).
+
+Beide gehen mit Karl-Albrecht Schachtschneider davon aus, der die Deutschen gegen die "Volksverräterin" Angela Merkel das Recht auf Widerstand hätten. Propagiert wurde nach dem Vorbild des Systemsturzes in der Ukraine ein "deutscher Maidan", eine zentrale Platzbesetzung, die mit illegalen Methoden den Rücktritts Merkels erzwingen sollte.
+
+Elsässer forderte die Bundeswehr zur Meuterei auf, sie sollten in den Kasernen die Besetzung der Grenzen und der Grenzbahnhöfe planen, um Merkels "Invasion" zu stoppen. Entsprechend forderte Höcke die Bundespolizei auf, den Vorgesetzten nicht mehr zu folgen mit der Drohung, dass die AfD demnächst die Regierung stelle und dann werde geschaut, wer sich für die geplante "Abschaffung der Deutschen" zu verantworten habe. Merkel werde dann nach Lateinamerika geflohen sein, aber man wisse ja, die Großen lässt man laufen, die Kleinen kriegt man dran.
+
+Höcke wurde beim letzten Parteitag der AfD in Thüringen mit 94% als Landesvorsitzender bestätigt. In den Vorstand wurde auch der Pressesprecher des Landeskriminalamtes Thüringen gewählt. Unterstützung erhält er vor allem von den Landesvorsitzenden der AfD aus Sachsen-Anhalt (Poggenburg) und Brandenburg (Gauland). In NRW konnte sich hingegen Pretzell nur knapp (54%) als Spitzenkandidat gegen den vom völkischen Flügel favorisierten Kandidaten durchsetzen, aufgrund von Unregelmäßigkeiten bei den Stimmenauszählungen ist aber überhaupt noch nicht klar, ob die AfD überhaupt zu den Landtagswahlen antreten kann. Im Bundesvorstand ist Höckes Flügel stärker, beim Parteikonvent und bei Bundesparteitagen Petrys Flügel.
+
+Höckes Leute dominieren die Schiedsgerichte und werden unterstützt von Pegida. Petry und Pretzell scheinen die beiden Vorsitzenden der "Jungen Alternative" (AfD-Jugendorganisation) auf ihre Seite gezogen zu haben: Markus Frohnmaier arbeitet als Pressesprecher für Petry und war mit Pretzell auf der Krim; Sven Tritschler arbeitete für Pretzell im EU-Parlament und aktuell für die vom Front National mit absoluter Mehrheit geführte EU-Fraktion ENF, in der Pretzell dieses Jahr Mitglied wurde. Sowohl der Chef der Österreichischen FPÖ, Strache, als auch die Chefin des Front National, Marine LePen arbeiten mit Petry und Pretzell zusammen. In den letzten Wochen ist hier allerdings ein neuer Player erschienen, der das Ganze durcheinander bringen könnte.
+
+Als Nigel Farages Partei UKIP (UK Independence Party; Partei für die Unabhängigkeit des Vereinigten Königreichs) den sogenannten "Brexit" als ihren Erfolg verbuchen konnte, war dies unter anderem auch der Erfolg eines Polit-Strategen, der zugleich für das rechte Internet-Magazin "Breitbart News London", als auch für Farage arbeitete. Nach diesem Erfolge sah Farage seine Mission erfüllt und er unterstützte in den Vereinigten Staaten Donald Trump in seinen Präsidentschaftswahlkampf. Wichtiger als Farages Unterstützung war jedoch die Unterstützung von Stephen Bannon, der Breitbart News zu einem der meistgelesenen Internet-Magazine (mehr Leser*innen als die drei größten US-amerikanischen Zeitungen zusammen) aufbaute, mit einer Ideologie der "Alternative Right" (Alt-Right), die sich wie die Neue Rechte in Europa auf die demokratiefeindliche, männlich-elitäre Konservative Revolution der Weimarer Republik bezieht. Bannon wurde zum Chefwahlkampfstrategen und nachdem Trump die Wahl gewonnen hatte, war Bannons Name der erste, der für das Team im Weißen Haus von Trump genannt wurde (vgl. GWR 414). "Breitbart News" hat nun angekündigt, sich in die europäischen Wahlkämpfe einzumischen. Ein Büro Breitbart News Paris ist in Planung und erste Kontakte zu LePen wurden bereits hergestellt. Geplant ist allerdings auch ein Büro in Berlin und zwischen Kubitscheks "Sezession" und "Breitbart News" scheint es Kontakte zu geben. Welcher Flügel sich in der AfD durchsetzt, wird auch durch die transatlantische Kooperation der Rechten entschieden.
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+## Transatlantische Faschisierungsprozese
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+Die Frage stellt sich, wie es zu diesen transatlantischen Faschisierungsprozessen kommen konnte? Nicht zuletzt haben wir es mit proletarischen Protestmännlichkeiten zu tun, die im Zuge der Deindustrialisierungen weitgehend überflüssig und zudem noch von sozialdemokratischen Parteien verlassen wurden. Das "Postfaktische" ist hausgemacht durch die Selektionsprozesse im Bildungssystem. Nach dem PISA-Schock sollte nun der Trump-Schock als Warnsignal verstanden werden. Nach zwei Herzinfarkten sollte man radikal umdenken.
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+Wir sollten die Entnazifizierung der Alliierten fortsetzten, die 1947 mit der Direkte 54 vergeblich die Abschaffung des sozial selektiven gegliederten Schulsystems, also auch des Gymnasiums, einforderten.
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+Wir sollten den Motor der Faschisierung abstellen: die zunehmende Schere in der Vermögensverteilung. (Zuerst erschienen in graswurzelrevolotuion 415 / Januar 2017.)

artcl neu
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+Autor_in: Fatty McDirty
+Titel: ZUR »NAFRI«-DEBATTE: DANKE, KÖLNER POLIZEI!
+Rubrik: Debatte
+Themen:
+  - Rassismus
+  - Polizei
+Lizenz: 
+Abstract: Wie ein Nordafikaner aussieht, das weiß man in Köln. Und dass er grundsätzlich verlogen, brutal und gierig ist, auch.
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+[[!ftemplate id="artikel"]]
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+»Am Hauptbahnhof haben wir mehrere Hundert Personen, die augenscheinlich aus Afrika stammen, festgestellt«, erklärte das Social-Media-Team der Kölner Polizei in der Silvesternacht auf ihrer Facebook-Seite. Auf Twitter findet man dieselbe Meldung, diesmal unter Verwendung eines eigenartigen Kürzels: »Am HBF werden derzeit mehrere Hundert Nafris überprüft. Infos folgen.«
+
+Was ist das, ein »Nafri«? Google wirft zu dem Terminus einige ältere Zeitungsartikel aus.  Die meisten entstanden Anfang 2016 und verweisen auf eine interne Seite der Kölner Polizei. Dort existiere ein »Analyseprojekt Nafri«. Springers Bild liegen diese mit »nur für den Dienstgebrauch« gekennzeichneten Dokumente natürlich vor, und die Postille schlachtete sie als besonders geheime Beweise für die Bösartigkeit nordafrikanischer Jungmänner genüsslich aus: »Polizeiintern heißen sie ‚Nafris‘. Es sind kriminelle Banden, vorwiegend junge Männer aus nordafrikanischen Staaten, die als Intensivstraftäter nicht nur in Köln, sondern bundes- und europaweit zuschlagen.«
+
+»Nafri«-Staaten sind dem Papier zufolge: Ägypten, Marokko, Algerien, Libanon, Lybien, Syrien und Tunesien. Das Polizei-Papier zeichnet ein Bild des »Nafris«, das einen erschaudern lässt: Er ist verlogen, hinterhältig, grundsätzlich bewaffnet und  gewalttätig – weshalb den Beamten empfohlen wird, ganz besonders auf »Eigensicherung« zu achten, wo so ein »Nafri« im Spiel ist. Und als ob das nicht reiche, erschwindelt sich der »Nafri« noch dazu Sozialleistungen.
+
+Der Gebrauch des Begriffs »Nafri« durch die Polizei spiegelt wider: Für die deutschen Behörden sind die Bezeichnungen »Nordafrikaner« und »nordafrikanischer Intensivtäter« synonym. Bis zum Beweis seiner Unschuld gilt einer, der »augenscheinlich« aus einem der genannten Länder kommt, als Schuldiger. Vorgegangen wird hier – das erklärte der Sprecher der Kölner Polizei gestern, nachdem Kritik am kollektiven Festhalten von »Nafris« aufkam – so: Wer »phänotypische Merkmale« aufweist, die zu einnem »Nafri« passen, wird erst einmal verdachtsunabhängig aufgehalten, hinter Hamburger Gitter verfrachtet und umfassend kontrolliert. Fragt man nach, welches solche Merkmale denn sind, gibt der Sprecher der Kölner Polizei zu Protokoll: »Wie ein Nordafrikaner grundsätzlich aussieht, das weiß man.«
+
+Die Sprache der Kölner Polizei verrät ihre Denke: Nordafrikaner und Intensivtäter ist schlichtweg ein- und dasselbe. Der Nordafrikaner ist der »Nafri« und der ist Intensivtäter. Immer. Was hier gemacht wird, ist mehr, als die – für sich schon dumme – Behauptung, die Cops könnten aufgrund des »Aussehens« erkennen, wer aus Nordafrika kommt. Vielmehr wird gesagt: Der Nordafrikaner als Nordafrikaner hat bestimmte gemeingefährliche Eigenschaften.
+
+Dass die Polizei so vorgeht, ist indessen nichts Neues. Wer in der Nähe von Kriminalitätsschwerpunktgebieten wohnt, weiß das. Wenn hier jemand, der »augenscheinlich« schwarz ist, aufgegriffen wird, wird er von martialisch auftretenden Cops umrundet, angeschrien und durchsucht. Hat er auch nur kleine Mengen Gras dabei, geht’s ab in die Zelle, Gerichte und Ausländerbehörde übernehmen. Als weißer Tourist aus den USA oder Bayern oder sonstwoher kannst du dir dagegen auf dem Wagendach des Einsatzfahrzeugs eine Line Koks legen und es interessiert in Berlin keinen noch so ehrgeizigen Fahnder.
+
+Wer mit dem Bus oder der Bahn innereuropäische Grenzen überquert und »augenscheinlich« kein blond-blauäugiger Nicht-»Nafri« ist, kennt dasselbe Phänomen: Desinteressiert geht die Bundespolizei an den Deutschen vorbei, sieht den phänotypisch erkennbaren Fremdling und schwupps ist die Personenkontrolle unvermeidbar.
+
+Oder du willst zur Ubahn. Aber es gab gerade einen Terroranschlag. Und du heißt Naveed B. und nicht Frank Henkel oder Karl-Heinz Irgendwas. Dann sitzt du 20 Stunden in der Einzelzelle, wirst misshandelt und von der Presse als Massenmörder vorverurteilt. Die Beispiele ließen sich endlos ergänzen. Unleugbar ist: Rassistische Kategorisierungen gehören zur Ermittlungspraxis deutscher Polizeibehörden wie die Pickelhaube zum ordentlichen Preußen.
+
+Die Kölner Polizei hat nun nichts anderes getan, als ihre alltägliche Praxis ganz offen und ohne Schnörkel als das auszusprechen, was sie ist: Rassismus. Dafür wäre ihr eigentlich zu danken. Denn das hätte der Beginn einer Debatte sein können, die sich gegen diese Form der Diskriminierung wendet. Ob eine solche allerdings entsteht, ist mehr als zweifelhaft. Denn ein nicht kleiner Teil der Bevölkerung im Deutschland des Jahres 2017 scheint schon wieder so weit zu sein, Rassismus gutzuheißen, wenn er der Gesundheit des Volkskörpers nützt.

kundgebung
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: »Kein Raum für Nazis in Memmingen und sonst wo«
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Aktion
+  - NPD
+Lizenz: 
+Abstract: Über ein Dutzend Personen protestieren in Memmingen-Steinheim dagegen, dass sich die schwäbische Neonaziszene im Gasthof Kreuz trifft.
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+[[!ftemplate id="artikel"]]
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+Zum sogenannten Kerzenabend der Schwaben-NPD am 10. Dezember waren auch Anhänger der Neonazi-*Kameradschaft Voice of Anger angereist. Nazi-Gegner warfen in der Nacht vor der Feier mehrere Fensterscheiben des der NPD zur Verfügung gestellten Lokals ein und sprühten Anti-Nazi-Parolen an dessen Fassade.
+
+Mehr als ein Dutzend Teilnehmer der Kundgebung »Kein Raum für Nazis in Memmingen und sonst wo!« postierten sich am 20. Dezember mit Transparenten gegenüber des Gasthof Kreuz, um ihren Protest dagegen auszudrücken, dass dessen Wirt Raum für neonazistische Veranstaltungen bietet. Dazu wollen sie über 200 Flyer an Passanten und die umliegenden Haushalte und Geschäfte verteilt haben. In den Flugblättern heißt es:
+
+»Dem Wirt ist seine Neonazi-Kundschaft offenbar unangenehm. Im Vorfeld der Veranstaltung bestätigte er diese zwar gegenüber Journalisten, log aber, dass die Nazis das erste Mal im Haus waren. Photos zeigen das Gegenteil. Nicht nocheinmal! Sorgen wir gemeinsam dafür, dass das ein Ende hat! Solange Neonazis im Kreuz feiern dürfen, wollen wir dort nicht verkehren. Sprechen Sie den Betreiber auf seine Verantwortung an!«
+
+Am 10.12. lud die NPD Schwaben zum sogenannten »Kerzenabend«. Die »traditionelle Vorweihnachtsfeier« fand wie im Jahr zuvor in einer Gaststätte in Memmingen-Steinheim statt, wie von der NPD veröffentlichte Photos zeigen. Der Inhaber behauptet dagegen auf Nachfrage, dass die NPD zum ersten Mal bei ihm gewesen sei. Im Übrigen sei ihm egal, ob die NPD oder die SPD bei ihm feiere.
+
+Der hohe Vernetzungsgrad zwischen der schwäbischen NPD und der Neonazi Kameradschaft Voice of Anger zeigte sich auch an diesem Abend. »Rund 60 Besucher, darunter viele Kinder«, sind laut NPD zum »Kerzenabend« gekommen. Ein großer Teil davon: Anhänger der Neonazikameradschaft Voice of Anger. Auch an der diesjährigen »Sonnwendfeier« der NPD nahmen Voice of Anger-Anhänger teil, umgekehrt besuchten NPD-Mitglieder wiederholt die Kameradschaft in ihrem neuen Clubhaus.
+
+Es soll »Kinderbetreuung mit Kasperletheater«, Nikolaus und Knecht Ruprecht gegeben haben. Neben Gedichten und Liedern, gemeinsamem Singen und Instrumentalmusik, habe die Partei Vorträge geboten. Einer der Redner war Walter Marinovic aus Wien. Der ehemalige Gymnasiallehrer publizierte in extrem rechten Medien wie der National-Zeitung, der NPD-Zeitschrift Deutsche Stimme oder Umwelt & Aktiv. Beim diesjährigen Leser- und Autorentreffen der Umwelt & Aktiv stellte sich der Revisionist selbst als »altes Sturmgeschütz« vor. Der Vortragstitel des 87-jährigen: »Völkerwanderung gegen Europa: Es – ist – Krieg«. Auch in Memmingen soll er seine Sicht auf »die Ursachen und Zusammenhänge der Asylflut« referiert haben.
+
+Ein Journalist, der das Neonazi-Treffen dokumentierte, wurde von den NPD-Mitgliedern Kast, Winkler und einigen Anhängern von Voice of Anger bei seiner Arbeit bedrängt und bedroht. Die anwesende Polizei Schritt nicht ein, weil sie die Situation nicht als bedrohlich erkannt habe. Stattdessen schlugen Polizisten vor, der Fotograf könne seine Arbeit beenden, um zur Deeskalation beizutragen. Die Polizei schritt ebenfalls nicht ein, als zwei der Neonazis den Journalisten später bis zu seinem Auto verfolgten.
+
+Unbekannte beschädigten das der NPD zur Verfügung gestellte Lokal in der Nacht zuvor. Laut einem linken Bekennerschreiben wurden Scheiben eingeworfen und die Parolen »Kein Platz für Rassisten« und »Nazis bekämpfen« hinterlassen. Wohl deshalb wurden Teile der Fassade mit schwarzen Planen verhüllt.
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+Noch während der Kundgebung zehn Tage nach der Neonazi-Weihnachtsfeier trafen sich erneut Neonazis unter anderem von der Skinheadkameradschaft Voice of Anger im Gasthof Kreuz. Eine Person, die im Februar bei Allgida in Obergünzburg im benachbarten Landkreis Ostallgäu auffiel, war ebenfalls anwesend. Der junge Mann verließ das lokal, um vermummt auch hier den Anti-Nazi-Protest pöbelnd anzugehen. Nach Beendigung der Kundgebung zogen mehrere Neonazis aus dem Kreuz durch Memmingen-Steinheim und sammelten die verteilten Flugblätter teils wieder ein. 

osr urtiel
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Harte Klänge, mildes Urteil
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - OSR
+  - Musik
+Lizenz: 
+Abstract: Mildes Urteil lässt Neonazi-Plattenlabel kalt. Noch während das Strafverfahren läuft, erscheinen neue Tonträger bei »Oldschool Records« im Allgäu.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Für den Verkauf von Tonträgern mit gewaltverherrlichendem, neofaschistischem Inhalt musste sich der Betreiber des Allgäuer Plattenlabels »Oldschool Records« (OSR), Benjamin Einsiedler, bis Donnerstag vergangener Woche vor dem Amtsgericht Memmingen verantworten. Dann fiel das äußerst milde Urteil: 4.800 Euro (120 Tagessätze) Strafe und ein Bußgeld wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz hat Einsiedler nun zu zahlen. 1.600 Euro seines durch die Straftaten erzielten Gewinns werden eingezogen.
+
+Auf eine Anzeige wegen eines Pullovers mit SS-Symbolik im Onlineshop von »Oldschool Records« hin hatte die Polizei im Jahr 2014 Privaträume und Produktionsstätten des Betreibers durchsucht. Anhand der umfangreichen Sicherstellungen – insgesamt 23.500 Tonträger mit 2.100 verschiedenen Werken, fünf Gigabyte Daten und Gegenstände wie Hakenkreuzfahnen, Taser und Schlagstöcke – ermittelte die Polizei etwa 900 Einzelstraftaten durch Verkäufe von Musik, die teils zum Mord an Juden, Kommunisten oder Schwulen aufruft oder bei der die Verpackungen mit verbotenen Kennzeichen von Naziorganisationen »geschmückt« waren. Zudem wurden die Adressen der Käufer, darunter auch Anschriften aus dem Ausland, ermittelt. Andere Szenehändler nahmen teils große Mengen einzelner Produktionen ab.
+
+Bis zur Eröffnung des Gerichtsverfahrens im September dauerte es mehr als zwei Jahre. Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen zu einigen Taten bereits im Vorfeld wieder ein und fasste mehrere Verkäufe derselben Tonträger zu je einem Anklagepunkt zusammen. Schließlich wurde in genau 88 Punkten wegen des Verkaufs von Tonträgern und in einem Fall wegen eines Verstoßes gegen das Waffengesetz Anklage erhoben.
+
+Rechtsanwalt Alexander Heinig forderte bereits zur Eröffnung der Gerichtsverhandlung eine Einstellung. Damals gaben sich die Vertreter der Staatsanwaltschaft noch überzeugt von ihrer Arbeit und forderten die Zurückweisung des Antrages, das Gericht folgte dem. Im Laufe der acht Verhandlungstage drängte Heinig die Anklagebehörde allerdings zunehmend in die Defensive. Das ging soweit, dass die Staatsanwaltschaft einzelne Anklagepunkte bereits vorauseilend relativierte, ohne dass ein Angriff Heinigs nötig war. In Teilen ihrer eigenen Anklage war für die Behörde plötzlich doch »keine Strafbarkeit erkennbar«, wodurch sich einige Vorwürfe formaljuristisch erledigten. Im Gegensatz zur schlecht vorbereiteten Staatsanwaltschaft kann Heinig eine gewisse Expertise in Sachen rechte Musik und dazugehöriger Ideologie nachgesagt werden. Er stand selbst einst mit seiner Band »Ultima Ratio« auf der Bühne und spielte vor Neonazis. Als er in Waiblingen auftrat, gröhlte Heinig »Nigger, nigger, out, out« von der Bühne. Auf Verbindungen Heinigs zum Neonazinetzwerk »Blood and Honour« verweist das Antifaschistische Infoblatt.
+
+Heinig brachte »Rechtsgutachten« ins Verfahren ein, die eine Strafbarkeit verschiedenster Anklagepunkte widerlegen sollten. Die entsprechenden Schriftsätze sind unterschrieben von seinen ebenfalls als Szeneanwälte geltenden Kollegen Gisa Pahl und Steffen Hammer. Hammer sang einst bei »Noie Werte«, unter Neonazis eine der ältesten und bekanntesten Bands. Sowohl Hammers als auch Heinigs CDs werden von »Oldschool Records« vertrieben. Beide Bands sind inzwischen nicht mehr aktiv.
+
+Sehr aktiv dagegen geben sich einige andere Bands bei »Oldschool Records«. So produzierte E.s Unternehmen in diesem Jahr etwa eine Platte der Rechtsrock-Band »Pride'n'Pain«. Die Gruppe um Benjamin Burandt ist wie das Label im Allgäu in Schwaben beheimatet und soll sich laut Verfassungsschutz bereits 2007 aufgelöst haben. Die Mitglieder der Combo weisen Überschneidungen mit weiteren Rechtsrock-Projekten wie »Hard as Nails«, die es bei Oldschool Records bisher nur zu einer Demo-Kassette brachten, auf. Auch die neue Platte von »Kodex Frei« (früher »Codex Frei«) wurde von OSR produziert. Die Bandmitglieder aus dem Raum Kempten im Ostallgäu verortet der Verfassungsschutz im Umfeld der neonazistischen Skinhead-Kameradschaft »Voice of Anger«. 2015 traten sie in Frankreich auf.
+
+Ebenfalls im »Voice of Anger«-Umfeld bewegen sich »Faustrecht«, eines der Urgesteine der deutschen Rechtrock-Szene. Produziert werden sie heute von Oldschool Records. Ihre Tonträger sind teilweise indiziert, mehrere Songs von »Faustrecht« schafften es auf Schulhof-CDs der NPD. Die Skinheads sind seit über 20 Jahren auch international auf »Blood&Honour«-Konzerten unterwegs. Ein Photo zeigt den Allgäuer Christian P. aus dem nahen »Faustrecht«-Umfeld im Shirt mit der Aufschrift »Blood&Honour Deutschland« neben einem Mitglied der schwedischen Neonazi-Band »Pitbullfarm« (Subcultural Records).
+
+2016 ist ebenso eine CD der Band »Smart Violence« aus Nordrhein-Westfalen um den Sänger »Broschi« erschienen, der auch bei den »Angry Boot Boys« singt und bei den »Prolligans« (»Subcultural Records«) als Gitarrist »Haxe« auftritt. »Smart Violence« spielten zuletzt am 19. November bei einem multinational besetzten Konzert unter anderem mit »Faustrecht« auf. Die Hamburger Combo »Abtrimo« – auch bei OSR – sagte den Gig kurzfristig ab.
+
+Im April 2015 wurden im gesamten Bundesgebiet 16 Objekte wegen der Veröffentlichung der CD »Ehrbarer kämpfe« des Liedermachers »FreilichFrei« von der Polizei durchsucht. Darunter waren auch die Räumlichkeiten von Oldschool Records. Gegen den im November 2014 bei OSR erschienen Tonträger sollte wegen Verherrlichung des NSU ein Beschlagnahmebeschluss durchgesetzt werden. In einem der Songs heißt es: »Ein Haus, halb explodiert, eine Frau war’s, eine Neonazifrau. Und weil die Frau für uns alle Vorbild ist, wallfähren wir die nächsten Jahre zu dem Haus, dass sie mir nichts dir nichts kaputt gemacht hat und wir, wir huldigten ihr, der hübschen Nazimaus.« Der Bezug auf Beate Zschäpe ist unverkennbar.
+
+»Gigi & die braunen Stadtmusikanten« (PC Records) besangen ebenfalls die Mordserie des NSU. Bereits 2010 – zu einem Zeitpunkt, als die Öffentlichkeit noch nichts von der Neonazi-Terrorgruppe wusste – veröffentlichte die Combo den Song »Döner-Killer«. Die CDs der Band werden von E. vertrieben, eine davon war neben Produktionen anderer oben genannter Gruppen Gegenstand im nun abgeschlossenen Strafverfahren.
+
+Einige Produktionen nahm das Gericht inhaltlich gar nicht zur Kenntnis. Teilweise sollen die gesungenen Texte schon für die Polizei nicht verständlich gewesen sein. Hinsichtlich dieser Anklagepunkte wurde das Verfahren kurzerhand eingestellt. Obwohl objektiv strafbar, könne das Gericht dem Angeklagten aus einigen der verbleibenden 19 Anklagepunkte keinen Vorwurf machen, da ihm der Vorsatz fehle, hieß es. Die Polizei lieferte das Argument: Nach einer früheren Hausdurchsuchung habe er die Tonträger zurückbekommen, weshalb er von einer Nichtstrafbarkeit habe ausgehen können. Bei einer Reihe von Medien fehlte der Nachweis, dass sie tatsächlich verkauft wurden. In lediglich vier Fällen folgte das Gericht der Argumentation der Verteidigung, dass diese von der Meinungsfreiheit gedeckt seien, verurteilt wurde Benjamin Einsiedler schließlich für nur sieben von 88 in der Anklageschrift aufgeführten Tonträgern. Zwar ist das Urteil noch nicht rechtskräftig, aber der Verteidiger des Neonaziunternehmers dürfte keinen Anlass sehen, seinen Erfolg einer Neubewertung durch ein anderes Gericht auszusetzen. Die Staatsanwaltschaft hinterließ nicht den Eindruck, besonders an der Verfolgung neonazistischer Umtriebe im Bereich Memmingen interessiert zu sein. Sie wird wohl ebenfalls kein Rechtsmittel einlegen.
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@@ -0,0 +1,40 @@
+---
+Autor_in: Nikolaus Dimmel
+Titel: No Nature, No Future?
+Rubrik: Kapitalismus
+Themen:
+  - Debatte
+Lizenz: 
+Abstract: »Die Zukunft war früher auch besser« (Karl Valentin)
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+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Die Welt, so weit die materiellen Ressourcen der Erde damit gemeint sind, ist endlich. Nicht so der dem Kapitalismus inhärente Zwang, Wirtschaftswachstum qua Kredit zu generieren um Kapital zu akkumulieren. Bereits Rosa Luxemburg annotierte im 6. Kapitel zur »Die Akkumulation des Kapitals«, dass neben der Intensivierung der Vernutzung menschlicher Arbeitskraft und der Steigerung der Arbeitsproduktivität die gesteigerte Ausbeutung der Naturkräfte und natürlichen Ressourcen Ausdruck der erweiterten Reproduktion des Kapitals ist. Die fortgesetzte Akkumulation verwandelt die Welt in Ware und Markt. Beschleunigt durch die institutionalisierten Renditeerwartungen des deregulierten Kapitals werden erneuerbare Ressourcen des Planeten schneller vernutzt als sie reproduziert werden können. Zugleich werden nicht erneuerbare Ressourcen irreversibel und derart ungleich verteilt aufgebraucht, dass die Reproduzierbarkeit von Populationen, die Bewohnbarkeit von Landstrichen und die Nutzbarkeit der Erde in einem Vorgriff in die Zukunft bereits Vergangenheit sind. Wie der Kredit ein Vorgriff auf eine spekulativ erhoffte ökonomische Zukunft ist, so hat der finanzmarktgetriebene Kapitalismus die Zukunft bereits verausgabt.
+
+## Belastungsgrenzen
+
+Tatsächlich ist der Metabolismus der kapitalistischen Verwertungsmaschine inzwischen an biologische, geologische und thermodynamische Belastungsgrenzen der Erde gestoßen, welche sowohl die Fortsetzung der Kapitalakkumulation als auch die Güter- und Dienstleistungsproduktion mit neuartigen Herausforderungen und Hürden konfrontiert. Der ökologische Rucksack des Konsums jener Warenwelt, die aus unwiederbringlich vernutzten Rohstoffen entsteht, wiegt schwer. So ist ein Mobiltelefon, welches einige hundert Gramm wiegt, im Rucksack 28 kg schwer. Ein Laptop weist ein Gewicht von ca. 2 kg aus, sein ökologischer Rucksack aber wiegt 745 kg. Extrapoliert man die durchschnittliche Wachstumsrate der letzten 35 Jahre, dann verbraucht der globale Kapitalismus 2030 Ressourcen, die nachhaltig bereitzustellen zwei Planeten erforderlich wären. Wollen Plutokraten, funktionelle Kapitalisten und deren Symbolagenten weiter Status durch Konsum demonstrieren und die funktionale Loyalität der Subalternen sicherstellen, führt dieser »ökologische Overshoot« zu Ressourcenkonflikten, Armut und Verelendung, Kriegen um Wasser und bebaubaren Boden, Hungersnöten und Massenflucht (Migration).
+
+Die Komplexität der Rückkopplungen zwischen Naturverbrauch und Reibungsverlusten in der kapitalistischen Megamaschine nimmt zu: in Florida gelten Immobilien in Strandnähe nicht mehr versicherbar und werden damit im Wiederverkauf massiv entwertet; aufgrund von steigenden Temperaturen und Wasserknappheit werden in Kalifornien Millionen von Nussbäumen kompostiert und die illegalisierten mexikanischen ErntearbeiterInnen arbeitslos; die Erschöpfung der Sandvorräte bedingt durch den Bauboom vor allem in China und den Erdöl exportierenden Staaten führt zur Entstehung einer Sandmafia, zur weltweiten Zerstörung von Sandstränden, zunehmender Krisenbetroffenheit der Tourismusindustrie sowie zu einer gerade in den informellen Ökonomien nicht mehr leistbaren Verteuerung des Bauens; die Austrockung des Ogallala-Aquifier in Nebraska beendet die intensive Landwirtschaft in den Great Plains und die Wiederkehr des texanischen »Dust Bowl«; der Kakao-Anbau in Westafrika steht dürre- und temperaturbedingt vor dem Aus, wodurch es zu unsteuerbaren Migrationsprozessen kommt; die Überfischung in den 12-Meilen-Zonen führt zur Dislozierung schwimmender Fischfabriken vor allem in den Küstenregionen »unter«-entwickelter Länder, was zur Vertreibung der örtlichen Subsistenzfischer führt. Damit entstehen Kosten, die sich im Verteilungskonflikt auch auf die Mehrwertabschöpfung niederschlagen. Alleine in Österreich werden die Kosten des Klimawandels bis 2030 auf max. 4,2 Mrd. Euro pro Jahr und bis 2050 auf max. 8,8 Mrd. Euro ansteigen. (Die Presse, 17.01.2015)
+
+## Naturverbrauch
+
+Naturverbrauch wird zugleich zu Ware bzw. zu einem Spekulationsobjekt. Denn der kapitalistische Markt kann sich die Vernichtung natürlicher Ressourcen und Habitate nur als Produkt (Luftverschmutzungszertifikate) und Preis vorstellen. Zumal bei fast allem, was die kapitalistische Verwertungsmaschine an »natürlichen« Produktionsfaktoren benötigt (Tiere, Rohstoffe, Wasser, Wasser, Luft, Boden) zwischenzeitig ein Peak erreicht ist; etwa bei Öl oder Mangan. 2012 waren knapp 66 Prozent der Meeresfisch-Bestände überfischt, vom Thunfischbestand des Jahres 1950 sind noch 10 Prozent vorhanden. Der »Living Planet Index« 2008 hielt fest, dass die Artenvielfalt auf der Erde zwischen 1970 und 2005 um 27 Prozent gesunken ist; 34.000 Arten sind gegenwärtig vom Aussterben bedroht. Weil auf Knappheit, Versorgungsengpässe, Katastrophen und Hunger an den Börsen spekuliert wird, liegt die Zahl der Hungernden ungeachtet aller agro-industriellen Kapazitäten noch immer bei bei 0,8 Mrd. Dies drückt sich seit 2008, vorangetrieben durch die Spekulation mit Wasser und Nahrungsmitteln (Ernten) etwa in Hungerrevolten, aber auch steigendem sozialen Druck in der »Abstiegsgesellschaft« aus.
+
+Der ungesteuerte Ressourcenverbrauch spiegelt sich zum zweiten in der Erreichung ökologischer Belastungsgrenzen und Kipppunkte, etwa der 2-Grad-Grenze des »global warming« (6 Grad sind heute realistisch), dem Klimawandel (Zusammenbrechen des Monsuns, Hitzewellen, lokalisierter Starkregen), dem Anstieg der Meerespiegel (1901 bis 2010 um 21 cm; bis 2100 um voraussichtlich 150 bis 200 cm; innerhalb von 300 Jahren bis zu 500 cm) und der absehbaren Unbewohnbarkeit urbaner Hafen-Metropolen, der Versteppung und Verwüstung bislang agrarisch nutzbarer Flächen, der Erwärmung des Meeres oder der Erschöpfung der Kohlenstoff-Senke im Meer. Heute verwertet das Kapital auf der Suche nach Rendite die regenerierbaren Ressourcen von 1,5 Planeten. Anders: die Biosphäre benötigt 18 Monate, um den Verbrauch der Menschheit von 12 Monaten zu decken. Das betrifft etwa die Selbstreinigungskapazität des Wassers oder die Bodenregeneration. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts wurden 60 Prozent der weltweiten Ökosysteme übernutzt bzw. irreparabel geschädigt. Dies drückt sich in der Abholzung der Wälder, dem Rückgang der Fischbestände, zunehmender Trinkwasserknappheit, der Zunahme von Kohlendioxid in der Atmosphäre, der Verschmutzung von Böden und dem Verlust an Biodiversität aus. Die 8,5 Mio. Tonnen Plastik, die jährlich im Meer entsorgt werden, gelangen über das Plankton in die Nahrungskette und haben dort destruktive biologische wie chemische Konsequenzen. 12,6 Mio. Menschen starben 2015 unmittelbar an den Folgen von Gift im Wasser, Chemieabfällen, Strahlung oder Luftverschmutzung.
+
+Und es spiegelt sich zum dritten am Schrumpfen bewohnbarer Habitate. Bedingt durch die Bodenerosion sinkt die Produktivität des Bodens, verringern sich die Ernteerträge, weshalb ein Teil der Landbevölkerung aus den degradierten Gebieten in die urbanen Agglomerationen wandert und dort in der Slumbevökerung (1,3 Mrd. leben in Slums) aufgeht. Andere flüchten als Umwelt- oder Klimaflüchtlinge. Konsequent werden die Konflikte um kultivierbaren Boden und Wasser bewaffnet ausgetragen. Etwa 150 Mio. Menschen sind deshalb unterwegs. Auch in Syrien herrschte von 2009 bis 2015 eine extreme Dürre, sodass die syrische Flüchtlingsbewegung 2015 als erste Klimamassenflucht verstanden werden muss. Aus gleichartigen Gründen müssen 600 Mio. Menschen perspektivistisch den Sahel verlassen, migrieren vormalige NomadInnen in der Mongolei auf der Flucht vor den »schwarzen Wintern« in die Hauptstadt Ulaan Baatar.
+
+In der Anthropozän-Debatte wird dieses Belastungs-Szenario verdichtet. Die aktuellen 420 ppm/m3 fanden sich das letzte Mal vor 24 Mio. Jahren in der Atmosphäre. Temperaturen erreichten korrespondierend 90°C. Vorangetrieben von Treibhausgasen, landschaftlichen Veränderungen durch die Verarbeitung natürlicher Ressourcen in Ware und Profit, die explosionsartige Erhöhung der Sedimentproduktion, die Übersäuerung der Ozeane und die Vernichtung von Arten weit über dem natürlichen Niveau der Extinktion, die Artenwanderung, die Verdrängung natürlicher Vegetation durch agroindustrielle Monokulturen reduzieren sich Reproduktions- und Entwicklungschancen menschlicher Gesellschaften auf sozial selektive Weise. Ökologischer Overshoot ist nicht dispers verteilt: er trifft vor allem Arme, Prekarier, Abstiegsgefährdete und Mittelschichten in Angst.
+
+## Globale Kapitalverwertung
+
+Im historischen Rückblick zog die Erschließung und Verwertung von vorgefundener Natur in marktkompatible Ressourcen und Umwelten, als (Neo)Kolonialismus und (Neo)Imperialismus apostrophiert, von der ursprünglichen Akkumulation ausgehend einen Furor erweiterter Markteroberung und intensivierter Kommerzialisierung nach sich. Zum einen wurden selbst die letzten Winkel der Erde in den globalen Kapitalverwertungskreislauf integriert, zum anderen wurde buchstäblich alles kommodifiziert, in Ware verwandelt, aber auch zum Gegenstand der Spekulation. Waren dies in frühkapitalistischen Gesellschaften Rohstoffe, Boden und Arbeitskraft, so gilt dies heute auch für Gene, Körper, Gedanken und Gefühle, also die »Natur des Menschen«.
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+Im Weltsystem entwickelte sich zugleich eine komplizierte Architektur ungleicher Räume mit verlängerten Werkbänken und Zentrum-Peripherie-Konstellationen. Dies schließt transnationale Leihmutterschaften ebenso ein wie das Land-Grabbing oder den Handel mit Hypophysen. In diesem Prozess der formellen und reellen Subsumtion der Natur unter das Kapital wurden die Grenzen zwischen Natur(raum) und Kultur(raum) bis zur Unkenntlichkeit aufgelöst. So tritt die Natur dem auf den/die LohnarbeiterIn/KonsumentIn reduzierten Menschen (Subalternen) als durchindustrialisierte Um- und Lebenswelt gegenüber.
+
+Deshalb sind das wirtschaftspolitische Narrativ und der Fortschrittsglaube der Subalternen, dass es mit ihrem Konsum, der ja ihr Lebensinhalt ist, so weitergehen kann wie in den fordistischen Jahrzehnten, erschüttert. Folgerichtig wird das sukzessive Schwinden bewohnbarer Natur und die unausweichlich gewordene Klimakatastrophe in eine ästhetisierte Ware verwandelt. Tatsächlich wird im medialen Katastrophismus eine Umweltkatastrophe nach der anderen regelrecht zelebriert: Stürme, Erdbeben, Hochwasser, Dürren, Tsunamis oder Brände reihen sich aneinander, freilich nicht, ohne neoliberal imprägnierte Heldenepen über den (Social) Entrepreneur als Retter der Welt wirksam ins Licht zu rücken. In der Tat platziert Hollywood die Storyboards seiner Blockbuster immer häufiger in eine post-apokalyptischen Welt, in welcher der Kapitalismus auf den Reset-Knopf gedrückt hat und die Sache mit der einfachen Warenproduktion von Neuem losgeht. Besiedlungs- und New Frontier-Mythen sollen eindrücklich machen, dass unternehmerisches Handeln gefragt ist, um aus der Malaise des Overshoot eine künstliche Natur zu schaffen, in der es sich (wieder) leben und wirtschaften lässt.
+
+Freilich, ein restaurativer bzw. konservierender Naturbegriff, in dem Ökonomie bzw. Gesellschaft und Natur einander entgegengesetzt werden, verkennt, dass das, was dem Menschen als Natur entgegentritt, ab einer gewissen Verdichtung sozialer und ökonomischer Interaktionen immer gesellschaftlich erzeugt worden ist. Ein »Verlust« von Natur bezieht sich also auch immer auf den Verlust vordem gesellschaftlich erzeugter oder »gerahmter« Natur. Allerdings ist auch eine gänzlich artifiziell gewordene, wortwörtlich bewirtschaftete, durch Geo-Engeneering, Ressourcen-Nutzung und Infrastrukturerschließung bearbeitete Natur nicht endlos nutz-, form- und konsumierbar. Phantasien wie jene des Blockbusters »Elysium«, in dem die herrschende Klasse in den Weltraum emigriert, um die Subalternen auf einer ökologisch verwüsteten Erde in Lohnknechtschaft zu halten, verkennen, dass die menschliche Biologie ein Leben im Weltraum allein schon aufgrund von Strahlung und Schwerelosigkeit nur befristet und bedingt durchhält. Wenn schon, müsste sich die herrschende Klasse in einer Mensch-Maschine-Kopplung unsterblich machen, sodass sich die Plutokratie mithilfe von Quanten-Computer-Netzwerken in hybride, tausch- und optimierbare Körper hochladen kann. Das aber ist Science Fiction. Noch sterben selbst Hegdefonds-Manager an Magenkrebs.
+
+Auch für die herrschende Klasse bleibt der »Weltinnenraum des Kapitals« (Sloterdijk) also »one world«. Unerbittlich stößt die auf Permanenz gestellte ursprüngliche Akkumulation, die jeden Quadratkilometer der Erde vermessen und bereits pro futuro als Ertragsobjekt be- und verwertet hat, auf harte, nicht mehr erweiterbare Grenzen. Zugleich erweist sich die Welt, wie der Klimawandel, die Versauerung, Degeneration, Versalzung, Versteppung und Verwüstung bislang bebaubarer Böden, die mit dem Faktor 1.200 über der natürlichen Extinktions-Rate liegende Vernichtung von Arten, die Erschöpfung natürlicher Grundwasser-Reservoirs u.a.m. zeigen, nicht nur als endlich, sondern als Risiko auch für die herrschenden Klassen selbst. Die sozial-ökologischen und gesundheitlichen Folgen des Betriebs von »Dump-Sites« (Entsorgung radioaktiver Abfälle im Meer; Atemluft-, Boden- und Grundwasservernichtung durch Goldabbau oder Fracking; die Zerstörung der Meeresbiologie durch Erdölförderung, die Einbringung von Plastik und chemischen Abfällen) lassen sich nicht mehr externalisieren. Sie kehren aus der Peripherie des globalen Südens u.a. über landwirtschaftliche (Vor)Produkte in den Nahrungskreislauf und die Lebenswelt der »Ersten Welt« zurück. (Zuerst erschienen bei [Streifzüge](http://www.streifzuege.org/).)

ecommony
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+# Titelseite
+* [[firstnews]]
+* [[secondnews]]
+* [[thirdnews]]
+* [[index]]
+* [[weatherblock|Themen]]
+
+# Aktuelles
+* [[editorial]]
+* [[artikel/kurz_notiert]]
+
+# Antifa
+* [[artikel/Rechtsrock-Anwalt_Fuehrt_Staatsanwaltschaft_vor]]
+* [[artikel/AfD_Schlusslicht]]
+* [[artikel/Internationaler_Blood_and_Honour-Treff_in_memmingen]]
+* [[artikel/AfD_OA_waehlt_Direktkandidat_und_Vorstand]]
+* [[artikel/Stolpersteine_in_Memmingen]]
+* [[artikel/Brandstifter_in_die_Politik]]
+* [[artikel/Alter_Wein_wird_Essig]]
+* [[artikel/Ermittlungen_wegen_Volksverhetzung]]
+* [[artikel/Protest_gegen_die_AfD]]
+* [[artikel/Lindau_Spontankundgebung_gegen_AfD]]
+* [[artikel/Sommer_Sonne_NPD]]
+* [[artikel/Sarrazin_in_Betzigau]]
+* [[artikel/Amoklauf_bei_Rockerfest]]
+* [[artikel/Sigmaringen:_Pegida_abgesagt]]
+* [[artikel/Sonnwendfeier_NPD-Scheine_fliegt_auf]]
+* [[artikel/Verfassung_gegen_Blutrecht]]
+
+# Repression
+
+# Debatte
+* [[artikel/Comeback_des_Antisemitismus]]
+
+# Rassismus
+
+# Rezensionen
+* [[rezensionen/NoPegida]]
+* [[rezensionen/Propaganda_der_Tat]]
+* [[rezensionen/Zwischen_Germanomanie_und_Antisemitismus]]
+
+# Termine
+* [[artikel/Stammtischkaempferinnen]]
+* [[impressum]]
+
+# Deadlines
+
+# eh drin
+
+# nicht erschienen
+* [[artikel/kurzrezis]]
+* [[artikel/Neues_Voice_of_Anger_Clubhaus]]
+* [[artikel/Dritte_Brandstiftung_in_Kaufbeuren]]
+* [[artikel/Haben_Tiere_Bewusstsein]]
+* [[rezensionen/62_Dinge__44___die_du_mit_einem_kaputten_Computer_machen_kannst]]
+* [[rezensionen/Basiskurs_Kreatives_Schreiben]]
+* [[rezensionen/Das_Gefühlsleben_der_Tiere]]
+* [[rezensionen/Das_Stilwörterbuch]]
+* [[rezensionen/Garantiert_schreiben_lernen]]
+* [[rezensionen/Natur_ohne_Jagd]]
+* [[rezensionen/Schreiben_wie_ein_Profi]]
+* [[rezensionen/Tugend_und_Leidenschaft_im_Tierreich]]
+* [[artikel/Protest_gegen_AfD-OB-Kandidat_in_Eisenburg]]
+* [[artikel/Razzia_gegen_Großdeutschland]]
+
+# Belegexemplare
+
+[[vruzt.pdf]]
+
+
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Ausbildung gegen den Rechtsruck in Memmingen 
+Rubrik: Termin
+Themen:
+  - Antifa
+  - Aktion
+  - AfD
+Lizenz: 
+Abstract: 25 Stammtischkämpfer\_innen sollen der AfD den Bundestagwahlkampf vermiesen.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Die Erfolge der Alternative für Deutschland gehen einher mit einem
+gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck in vielen Bereichen. Der
+Oberbürgermeisterkandidat der AfD konnte immerhin mehr als 10% der
+Stimmen erreichen und wird versuchen, das zur Bundestagswahl
+auszubauen. Um das zu verhindern, werden 25 Interessierte zu
+Stammtischkämpfer_innen gegen Rassismus ausgebildet: Am Sonntag, den 4.12. von 11 bis 17 Uhr im Café Konnex am Schweizerberg 8-10 in Memmingen. Die Plätze sind begrenzt. Deswegen bitte verbindliche Anmeldung an info@react.or.ke
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@@ -149,6 +149,8 @@ Zwischen 14. und **27.9.** wurden laut Polizeimeldung »zahlreiche« Plakate des
 ## UA: »Gegen Nazis!« gesprüht
 Am **29.9.** wurde der Polizei eine »Schmiererei« »GEGEN NAZIS!« in Bad Wörishofen (Lkr Unterallgäu) mitgeteilt.
 
+[[!img dacal2017.png alt="Werbung: Direct Action Kalender 2017" caption="Werbung: Direct Action Kalender 2017"]]
+
 ## OA: Anti-Islam Banner
 Am **4.10.** wurde in Weitnau (Lkr Ostallgäu) ein Banner »Deutschland unser Land, unsere Heimat! Merkel muss weg, no Islam« entdeckt. Der Heimat-Teil ist genau jener Spruch, mit dem die AfD - und in der Region aktuell vor allem Memmingens OB-Kandidat Maier - wirbt.
 
@@ -184,3 +186,4 @@ Ein Marktoberdorfer zahlte keine Rundfunkgebühren, weil er mit dem Programm der
 
 ## KE/OAL: Ende für »STOPP« Seiten
 Nur wenige Monate nach dem sich, wie br.de Ende 2015 berichtete, immer mehr extrem rechte Hetzseiten aus dem Allgäu unter dem Label »Stopp« auf Facebook tummelten, glänzten die ersten Stopp Seiten bereits im November 2015 durch inaktivität (Stopp Kammlach). Am **15.11.**, nach knapp einem Jahr der billigen rechten Hetze verkünden zwei der noch aktiven »Stopp Seiten« öffentlich ihr Ende. Dass die beiden Seiten, Stopp Marktoberdorf und Stopp Kempten, dabei den selben Text verwenden ist bei genauerer Betrachtung nicht weiter überraschend. Laut Beobachtern der Szene sind nicht nur Menschen denen die unterschiedlichen Stopp-Seiten gefallen, sondern auch die Betreiber weitestgehend deckungsgleich. So bleiben nach knapp einem Jahr von ehemals über zehn Stopp Seiten vier ( Stopp Kaufbeuren, Stopp Krumbach, Stopp Immenstadt, Stopp Waal) übrig, die noch weiterhin rechte Hetze von AFD bis NPD verbreiten.
+
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@@ -0,0 +1,18 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Editorial
+Rubrik: Fortsetzung
+Themen:
+  - Editorial
+Lizenz: 
+Abstract: Liebe Leser\_innen,
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+es hat wieder einmal zu lange gedauert, bis ihr jetzt die 9. Ausgabe der »verrönscht und zugenetzt« in der Hand halten dürft. Aber: Wir haben es geschafft. Es gab auch viel zu tun. Die extreme Rechte in der Region ruht nicht. Da gibt es viel zu Recherchieren und zu dokumentieren - da könnten wir Hilfe in der Redaktion gebrauchen. Vor Allem braucht es Intervention, um dem auf allen Ebenen zu beobachtenden Rechtsruck zurückzudrängen. Allein unsere Chronik fasst fünf Seiten. Schließt euch den Gruppen an, die was reißen oder denkt euch selbst was aus! Aber mindestens: Teilt uns mit, wenn euch Aktivitäten der extremen Rechten in der Region auffallen.
+
+Den Rechtsruck befeuern auch in der Region Akteure wie Sarrazin (Seite \pageref{Sarrazin'sApologiedes}}) und die AfD (\pageref{AfDSchlusslichtbei}, \pageref{AfDOberallguwhlt}, \pageref{ProtestgegenAfD}, \pageref{SigmaringenPegidaabgesagt}); die neonazistische Rechte freut sich und baut ihre örtliche Infrastruktur aus (\pageref{Rechtsrock-AnwaltfhrtStaatsanwaltschaft}), \pageref{InternationalerBloodand}, \pageref{SommerSonneNPD}, \pageref{SonnwendfeierNPD-Scheunefliegt}), hetzt (12) und greift zu Sprengstoff (\pageref{Gerichtsendeteigenwilliges}) und Schusswaffen (\pageref{VorarlbergNazi-Amoklaufbei}).
+
+Die CSU-Landesregierung lässt sich nach rechts treiben und provoziert mit ihrem unsäglichen Ausgrenzungsgesetz (\pageref{VerfassunggegenBlutrecht}).
+
+Zwar gibt es einige - noch viel zu zaghafte - Gegenaktivitäten (\pageref{StolpersteineinMemmingen}, \pageref{AfDSchlusslichtbei}, \pageref{AllgidaAlterWein}, \pageref{ProtestgegenAfD}), doch grassiert erneut ein Antisemitismus auch unter denen, die den Kapitalismus, den sie bekämpfen, nicht verstehen (\pageref{ComebackdesAntisemitismus}).
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@@ -0,0 +1,8 @@
+[[!img firstnews.png size="300x" caption="Neonazis von »Voice of Anger«"]]
+
+# Internationaler »Blood and Honour« Nazi-Treff bei »Voice of Anger« in Memmingen
+Vor kurzem empfing »Voice of Anger«, die größte aktive Neonazi-Skinhead-Kameradschaft  in Bayern internationalen Besuch aus dem verbotenen »Blood and Honour«-Netzwerk. Es könnte der Allgäuer Neonazi-Szene gelingen, zusätzlich zum Geschäft mit Produktion und Vertrieb von Neonazi-Musik, in der Region auch wieder Neonazi-Konzerte zu organisieren – und einen Treffpunkt für das internationale »Blood and Honour«-Netzwerk zu etablieren. 
+
+\hfill(Seite \pageref{InternationalerBloodand})
+
+tags: Antifa, Recherche
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+\begin{shortnews}{3}{Formalia}{langweiliges}{}
+\shortnewsitem{Impressum}{
+\begin{quote}
+\textbf{verrönscht und zugenetzt}\\ 
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+\textbf{Redaktion:}
+
+\begin{quote}
+verrönscht und zugenetzt\\
+c/o react!OR\\
+Fürhling Str. 17\\
+87439 Kempten\\
+\end{quote}
+
+\textbf{E-Mail:} vruzt@resyst-a.net
+
+\textbf{Spendenkonto:}
+JuBiKu e.V. - Förderverein Jugend * Bildung * Kultur, IBAN: DE31 4306 0967 8208 4235 01, BIC: GENODEM1GLS, GLS Bank
+
+\textbf{Autor\_innen der Ausgabe:}
+Andrea Röpke, Initiative gegen Rassismus Westallgäu, Johannes Hartl, Kurt Wirth, Lothar Galow-Bergemann, Nomos, Sebastian Lipp
+

(Diff truncated)
vruzt
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rezi neu
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@@ -0,0 +1,39 @@
+---
+Autor_in: Caro Keller
+RezTitel: Die haben gedacht, wir waren das
+RezUntertitel: MigrantInnen über rechten Terror und Rassismus
+RezAutor_in: Bozay, Kemal / Aslan, Bahar / Mangitay, Orhan / Özfirat, Funda (Hg.)
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: PapyRossa
+ISBN: 978-3-89438-614-6
+Umfang: 293 Seiten
+Preis: 16,90
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - NSU
+  - Rassimus
+  - Terror
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+Auch fünf Jahre nach Selbstenttarnung des NSU stehen bei der öffentlichen Auseinandersetzung die TäterInnen im Vordergrund. Im Grunde werden aber nur dann Berichte über den NSU-Komplex sichtbar, wenn Beate Zschäpe etwas von sich gibt. Bleiben also sogar die wichtigen Erkenntnisse zu den Taten und TäterInnen im Hintergrund, so ist die Perspektive der Betroffenen kaum wahrzunehmen. Die Podien zum Thema sind landauf-landab mehrheitlich weißdeutsch besetzt. Zwar wird hier die Sichtweise der Betroffenen oft verdeutlicht – allerdings wird in ihrem Namen gesprochen und sie sprechen nicht selbst. Darüber bleiben oft eher politisch gefällige Statements übrig, als dass die Vielfalt der Stimmen abgebildet werden könnte.
+
+## Vielfalt der Stimmen
+
+Diesen einheitlichen Block möchte das Buch »Die haben gedacht, wir waren das – MigrantInnen über rechten Terror und Rassismus« aufbrechen. Alle Autor_innen hätten einen Migrationshintergrund, so heißt es im Klappentext. Dieses Buch bildet durch eine offenbar sehr offene Auswahl der Schreibenden eine breite Diskussion innerhalb der migrantischen Community ab, die sich hier nicht als mit einheitlicher Stimme sprechend lesen lässt. Dies ist sowohl die Stärke als auch die Schwäche des Sammelbands.
+
+Am stärksten sind die Texte, in denen die Kontinuität des Rassismus klar gemacht wird. Rassismus ist in diesem Buch keine abstrakte Analysekategorie, er ist greifbar, er ist persönliche Erfahrung. Immer wieder wird betont, wie einschneidend für die jeweilige Autor_innen die Pogrome der 1990er Jahre, Anschläge wie in Mölln oder Solingen waren. Es wird schmerzhaft deutlich: Das Ansehen-Müssen dieser rechten Anschläge führte ihnen potentielle Betroffenheit ihrer Familien und ihrer selbst vor Augen. Das sind die Spuren, die Rassismus und rechte Gewalt in der migrantischen Community hinterlassen.
+
+## Kontinuitäten und Forderungen
+
+Die Kontinuitäten, die in den Texten aufgezeigt werden, betreffen aber nicht nur die 1990er Jahre, sondern auch die 2000er Jahre vor Bekanntwerden des NSU. Dies war eine Zeit, in der Rassismus nur noch von Betroffenen wahrgenommen wurde, während Weißdeutsche ihn z.B. mit Verweis auf Schwarze Menschen und People of Colour in der Nationalmannschaft wegzudiskutieren versuchten. Dies war auch die Zeit, in der 2006 bei Demonstration der Betroffenen der »Ceska-Mordserie« in Kassel tausende Menschen »Kein Zehntes Opfer« forderten. Sie blieben unbemerkt. Parallel war die »Welt zu Gast bei Freunden« – die Fussball-WM der Herren tauchte ganz Deutschland in schwarz-rot-gold und der NSU mordete dazu. Das Buch schafft es so immer wieder, an (linken) Gewissheiten zu rütteln, wenn beispielsweise aufgezeigt wird, wie 2002 in der taz über »Überfremdung« philosophiert wurde.
+
+Auch die gesellschaftliche (Nicht-)Aufarbeitung des NSU-Komplex und die vielen offenen Fragen werden immer wieder kritisiert und betont. Daraus folgen in einigen Beiträgen Forderungen: Die Stimmen von Migrant_innen müssen endlich auf Augenhöhe gehört werden, es sollte eine breitere gesellschaftliche Beschäftigung mit Rassismus geben. Dabei soll sich an die Seite der Betroffenen gestellt werden und ihnen so der Rücken gestärkt werden. Vielen Autor_innen fehlt gesellschaftliche Empörung – auch bei (potentiell) Betroffen.
+
+## Irritationen
+
+Die Breite der abgedruckten Text wird auf der anderen Seite zur Schwäche des Sammelbandes. Parteiangehörige von CDU bis Linke lassen mitunter eine distanzierte Sichtweise missen und versteigen sich teilweise in unkritisches Lob der Arbeit der eigenen Partei oder gleich der Bundesrepublik selbst. Sogar ärgerlich und irritiert können einzelne Texte zurücklassen. So werden u.a. mit veralteten Quellen die immer selben verschwörungstheoretischen Antworten auf offene Fragen aufgewärmt. Ein weiterer Text spricht dem NSU gar die terroristische Dimension ab und lässt sich im gleichen Atemzug über extremistische Tendenzen innerhalb von Migrant_innenorganisationen aus.
+
+Eine weniger pluralistische Textauswahl hätte »Die haben gedacht, wir waren das« sicherlich gut zu Gesicht gestanden. Trotzdem zeigt dieser Band auf, dass Betroffenenperspektiven viel stärker ins Zentrum der Aufarbeitung des NSU-Komplex gehören, weil erst durch sie die Dimension der Taten des NSU und des gesamtgesellschaftlichen Rassismus klar werden. (Zuerst erscheinen bei nsu-watch.info. Das Projekt freut sich über Spenden zur weiteren Aufklärung über den NSU und die Einmischung in den (fehlenden) Diskurs darum.)

weitnau
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: kurz notiert
+Rubrik: Aktuelles
+Themen:
+  - Rassismus
+  - Antifa
+  - Brandstiftung
+  - Musik
+  - NPD
+  - AfD
+Lizenz: 
+Abstract: Eine unvollständige Chronik bedenkenswerter Vorfälle und einiger Aktivitäten dagegen - von ersterem viel zu viel und vom Zweiten viel zu wenig. Informiert uns und vor allem: ändert das!
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+## OA: »ausländerfeindliche« Schreiben
+In Weitnau (Lkrs OA) sind nach einem Bericht von a.tv vom **29.11.** Briefe mit »ausländerfeindlichen Parolen« im Umflauf, nachdem es in der Asylsuchendenunterkunft eine Prügelei gegeben habe. Die beiden Verfasser, die in den Briefen zu Protest gegen die Unterbringung von Geflüchteten aufriefen, seien inzwischen bekannt.
+

rezi neu
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@@ -0,0 +1,25 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+RezTitel: Schwule Sichtbarkeit - schwule Identität
+RezUntertitel: Kritische Perspektiven
+RezAutor_in: Zülfukar Çetin, Heinz-Jürgen Voß
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: Psychosozial-Verlag
+ISBN: 978-3-8379-2549-4
+Umfang: 146 S.
+Preis: 19,90
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Homosexualität
+  - Identität
+  - Nationalismus
+  - Rassismus
+  - Homophobie
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+Vorangetrieben von »Schwulen« selbst wurde seit dem 19. Jahrhundert das Konzept schwuler Identität durchgesetzt. Noch heute gelten »Sichtbarkeit« und »Identität« weithin als Schlüsselbegriffe politischer Kämpfe Homosexueller um Anerkennung und Respekt. Jedoch wird aktuell immer deutlicher, dass auf diese Weise ein Ordnungsregime entsteht, das auf Geschlechternorm, Weißsein, Bürgerlichkeit und Paarbeziehung basiert. So werden beispielsweise Queers of Color und Queers mit abweichenden Lebensentwürfen marginalisiert.
+
+Die Autoren des vorliegenden Bandes hinterfragen die Gewissheit, dass eine einheitliche schwule Identität existiert, aus unterschiedlichen Perspektiven: bewegungsgeschichtlich, wissenschaftstheoretisch und mit Blick auf aktuelle gesellschaftliche Auseinandersetzungen um Homonationalismus und rassistische Gentrifizierung. (Verlagstext)

fast fertig
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Dritte Brandstiftung bei Asylsuchenden in Kaufbeuren
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Aktion
+  - Anschlag
+Lizenz: 
+Abstract: In der Nacht zum 14.7. wurde im Keller eines Hauses, in dem Asylsuchende untergebracht sind, ein Feuer entfacht. In Kaufbeuren-Neugablonz ist das die dritte Brandstiftung zum Nachteil Geflüchteter in diesem Jahr. Zwei Dutzend Menschen zeigten ihre Solidarität.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Wie die Polizei meldet, wurden am 14.6. Kleidungsstücke im Keller eines Hauses in Kaufbeuren-Neugablonz vorsätzlich in Brand gesteckt. In dem Haus in der Grünwalderstraße sind auch Asylsuchende untergebracht. Der Brand wurde bereits gegen 5 Uhr von Heimkehrenden bemerkt und gelöscht, verletzt wurde niemand. Die Polizei ist sich sicher, dass es sich um Brandstiftung handelt, kennt aber weder Motiv noch Täter. Ein Mitarbeiter des mit der Bewachung des Gebäudes beauftragten Sicherheitsdienstes bestätigt, dass zum fraglichen Zeitpunkt jeder hätte in das Haus gelangen können. Isolde Radler, die Asylsuchende in Kaufbeuren betreut, sagte der Allgäuer Zeitung: »Wir müssen von Brandstiftung und Fremdenfeindlichkeit ausgehen«.
+
+Auch wenn noch nicht klar sei ob es sich im jüngsten Fall tatsächlich um eine rassistisch motivierte Brandstiftung handelte, riefen Antifaschisten zur Solidarität mit den Betroffenen auf. Spontan hielten etwa 25 Personen eine Kundgebung vor dem betroffenen Gebäude in der Grünwalderstraße ab. Auch Hausbewohner beteiligten sich. Zwei Monate zuvor brannte es bereits nur wenige Meter entfernt im Keller eines Gebäudes, in dem ebenfalls Flüchtlinge untergebracht sind. Drei Menschen mussten ins Krankenhaus verbracht werden.
+
+Anschließend zog man wenige Straßen weiter vor das Gebäude, das im Februar durch Brandstiftung unbewohnbar gemacht wurde. Auch hier sollten Geflüchtete untergebracht werden. Nach einer kurzen Zwischenkundgebung zog die Demonstration zum »Neuen Markt«, wo die Solidaritätsbekundung ihren Abschluss fand. (*zuerst erschienen beim Störungsmelder*)
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Haben Tiere Bewusstsein?
+Rubrik: Speziesismus
+Themen:
+  - Vortrag
+  - Veranstaltung
+  - Tierrechte
+  - Ethik
+  - Mensch-Tier-Verhältnis
+  - react!OR
+Lizenz: 
+Abstract: Am 13.12.2012 wurde im react!OR ein Vortrag DDr. Martin Balluchs präsentiert, in dem der Physiker klärte, warum viele Tiere ein Bewusstsein besitzen müssen und inwiefern ihnen diese Eigenschaften den Status eines Subjektes mit Anspruch auf Berücksichtigung gegebener Interessen geben (sollten).
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+## Was ist Bewusstsein?
+Bewusstsein wird zunächst definiert als das subjektive Erleben bei Wahrnehmungen und Empfindungen und als das was verschwindet, wenn dessen Träger bewusstlos werden, also zum Beispiel schlafen oder unter Narkose stehen.
+
+Dabei macht Balluch über einen kurzen Ausflug zur Entstehung des Universums klar, dass ein physikalisches System nur ebenso physikalische Systeme, hier das Gehirn das Bewusstsein, hervorbringen kann. Wenngleich wir es demnach nicht mit einem metaphysischen Phänomen zu tun haben, ist es nicht mit einem Computer zu vergleichen. Im Gegensatz zu diesem besitzt es die Fähigkeit zu verstehen und nicht nur zur formalen Problemlösung (bestimmten Mustern folgend).
+
+Autonomie wird sodann definiert als die Auswirkung des Bewusstseins auf das Handeln des Individuums.
+
+## Hinweise für Bewusstsein
+Bevor sich Balluch Hinweise auf das Vorhandensein von Bewusstsein aus der (kognitiven) Ethologischen (das Verhalten betreffend) Forschung an Tieren analysiert, widerlegt er das Argument der Gehirngröße als hinreichenden Indikator für kognitive Leistungsfähigkeit. Viele Arten, denen regelmäßig das Vorhandensein eines Bewusstseins abgesprochen wird haben nämlich ein - ob absolut oder relativ - größeres Gehirn als Menschen.
+
+Es gibt verschiedene Verhaltensweisen, die *nicht* auf das Vorhandensein von Bewusstsein schließen lassen, diese laufen auch bei Menschen meist unbewusst ab. Dazu zählt ankonditioniertes Verhalten (["Kluger-Hans-Effekt"](https://de.wikipedia.org/wiki/Kluger_Hans)) und Instinkthandlungen die keinerlei Einsicht bedürfen und oft sogar widersinnig erscheinen wie Gestik und Mimik am Telefon. 
+
+Wer aber durch Einsicht statt Konditionierung lernt, zeigt, dass ein Bewusstsein vorhanden ist. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Verhalten Anderer auf eigene Kontexte übertragen wird oder die Umwelt mental repräsentiert, also die Lösung für Probleme im Kopf durchgespielt und gefunden und erst danach real ausgeführt wird.
+
+Vielen Tieren ist experimentell nachgewiesen, dass sie Konzepte wie Farben oder Formen verstehen lernen können. Die Experimentator\_innen hatten hier natürlich dem Ausschluss von Konditionierungen besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Ein weiterer wichtiger Hinweis ist die Fähigkeit, ein Verständnis über den Bewusstseinszustand eines Gegenübers ("Theorie of Mind") zu demonstrieren, Hier wurden Experimente mit Affen durchgeführt. Ein Affe konnte nicht sehen, in welchem Behältnis ein Stück Essen platziert wurde, eins der beiden menschlichen Gegenüber aber schon, dem anderen war zum Beispiel durch einen Eimer auf dem Kopf die Sicht versperrt. Dem Affen war klar, wem er vertrauen musste, um an das Futter zu kommen. So weit nur eine Auswahl aus den Beispielen, die Balluch ausgewählt hat. Wer sich damit genauer befassen möchte, findet einen [Mitschnitt](https://www.youtube.com/watch?v=G3hrEq0PW0Q) des Vortrags im Internet.
+
+## Schlussfolgerung
+Ethik müsse rational-säkular sein, um einen Konsens auf einer gemeinsamen Grundlage aufbauen zu können, Religion scheide damit aus. Eine solche rationale Ethik leitet er über Birnbacher her. Der meinte, diese ließe sich nicht mit Werten, sondern nur mit der Betrachtung Konsequenzen von Handlungen bauen. Dieser Ansatz führt Balluch zu einer Singer'schen Utilitaristischen Ethik, deren Ansatz, Handlungen seine ethisch wünschenswert, wenn sie insgesamt in der Welt vorhandene Freude maximieren und/oder das gesamte Leid verringern, Balluch angesichts derer verheerender Konsequenzen sofort verwirft.
+
+Ein besserer Ansatz sei Tom Reagans De-Ontologische Ethik, mit der Tom Reagan weg von den Konsequenzen von Handlungen und hin zu Grundwerten bringt, wenn auch dieser die Zuschreibung dieser Werte willkürlich vornimmt. Diesem Problem lässt sich begegnen, indem mensch kategorische, objektive statt subjektiver Werte zur Grundlage nimmt.
+
+Nun leitet Balluch diese kategorischen Grundwerte als das subjektive Wertesystem her, das jedes Bewusstsein dadurch hervorbringt, dass dessen zentrale Fähigkeit das Verstehen ist, was sich als Wille äußere, der Werte ("Was ist gut für mich?") erzeuge. Die objektiven Werten sind die über-subjektiven Anteile des subjektiven Wertesystems, nämlich die, die als Grundvoraussetzungen für das Wollen gegeben sein müssen: Lebendigkeit, Unversehrtheit, Freiheit zu Handeln.
+
+Diese drei Bedingungen seien als kategorische Interessen eines jeden bewussten Wesens anzusehen und in der hier dargestellten Ethik unbedingt anzuerkennen.
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@@ -0,0 +1,46 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: »Voice of Anger«: Neues Clubhaus für Nazi-Kameradschaft
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Recherche
+  - Aktion
+  - Voice of Anger
+Lizenz: 
+Abstract: Seit einiger Zeit verdichteten sich die Hinweise, dass der Nazi-Kameradschaft »Voice of Anger« ein neues Clubhaus zur Verfügung steht. Eine spontane Kundgebung am Donnerstag erwischte die Neonazis dort beim gucken des letzten Spiels der National-Elf – und bestätigte den Verdacht. Glaubt man dem bayerischen Verfassungsschutz, stellen »gemeinsame Freizeitgestaltung« und Konzertbesuche den Mittelpunkt der Aktivitäten der Vereinigung dar. Tatsächlich stellt dies eine Verharmlosung der immerhin größten Nazi-Skinhead-Gruppe Bayerns dar.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Auf dem vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz (BfV) mitverantworteten Portal »Bayern gegen Rechtsextremismus« heißt es zur 2002 gegründeten Kameradschaft »Voice of Anger« (VoA), sie sei »entgegen der sonst rückläufigen Entwicklung in Bayern die größte noch aktive Skinheadgruppierung« mit etwa 80 Mitgliedern. Allerdings ließt sich die Beschreibung ansonsten eher harmlos: »Im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten steht die gemeinsame Freizeitgestaltung, interne Veranstaltungen und Feiern sowie die Veranstaltung bzw. Besuche von Skinhead-Konzerten.«
+
+Seit ihrer Gründung kämpfen die Neonazis um ein eigenes Clubhaus – bisher konnten sie keines halten. In der letzten Zeit verdichteten sich nun die Hinweise, dass Ihnen ein neues Objekt zur Verfügung steht: Die ehemalige »Gartenschänke« am Rande der Kleingartenanlage »Hart« in Memmingen-Buxach an der Talstraße. Nachdem bereits beim Vorhergehenden Spiel der National-Elf mehrere Autos der örtlichen Rechten in der Nähe der Anlage abgeparkt wurden, war davon auszugehen, dass die Neonazis auch gemeinsam das Halbfinalspiel gegen Frankreich am 7.7. ansehen würden. Deshalb führten Antifaschisten spontan eine Kundgebung »Kein Raum für Nazis« am Gelände durch.
+
+Der Verdacht wurde bestätigt. Die Neonazis reisten geschlossen kurz vor Spielbeginn an, weil sie von der Polizei über die geplante Kundgebung informiert wurden. Die etwas weniger als 30 Rechten wurden über den Hof einer angrenzenden Zimmerei geführt. Der Kleingartenverein Memmingen distanziert sich von den Neonazis. Auf die kürzlich verkaufte »Gartenschänke« habe der allerdings keinen Einfluss. Kundgebungsteilnehmer machten Anwohner per Flugblatt auf die neuen Nutzer der »Gartenschänke« aufmerksam.
+
+Unter den Anwesenden waren auch NPD-Anhänger. Umgekehrt nahm »Voice of Anger« bei der letzten »Sonnwendfeier« der örtlichen NPD teil, bei der die als Veranstaltungsort genutzte Scheune aufflog. Der Veranstalter der Feier und NPD-Vorsitzende Stefan Winkler besuchte am 9.3. zusammen mit Anhängern seiner Partei eine Veranstaltung der AfD zu »Merkels Asylpolitik« und formulierte seine Zustimmung. Damals waren auch Mitglieder von »Voice of Anger« im Saal. Zum letzten EM-Spiel der Deutschen zog es auch Kameraden aus dem Umfeld der Band »Faustrecht«, sowie solche die bei der einzigen geglückten »Allgida«-Aktion dabei waren oder beim jüngsten Scheitern von »Allgida« im Umfeld der antirassistischen Demo gesehen wurden.
+
+Auch Achim Kast bewegt sich im Umfeld von Voice of Anger. Er kandidierte als Direktkandidat bei der Bundestagswahl 2013 für die NPD, nachdem Kast mit Rudolf Rieger schon 2012 weder in den bayerischen Landtag, noch in den schwäbischen Bezirkstag einziehen konnte. Achim Kast war laut Informationen des Münchner Aida-Archivs Domain-Inhaber und »Hauptaktivist« der »Kameradschaft Neu-Ulm« (KSNU), gleichzeitig Pressesprecher für den Neu-Ulmer NPD-Verband und inhaltlich verantwortlich für deren Homepage. Schlagzeilen machte die KSNU, wie Aida weiter berichtet, im Juli 2008 mit einem Angriff auf eine Abi-Party im schwäbischen Nersingen, bei der Teilnahmer von Neonazis als »Judenbüble« und »Nigger« worden seien, bevor einer davon eine Gaspistole gezogen habe und einem der Jugendlichen ins Gesicht schoss. Die Polizei erteilte Platzverweise. Aida berichtet weiter, dass die Neonazis Verstärkung holten und erneut zuschlugen:
+
+> »Bewaffnet mit Bierflaschen, Holzlatten und Schlagstöcken griffen zehn bis
+> fünfzehn Neonazis die zahlenmäßig unterlegenen Jugendlichen an und verletzten
+> 2 Personen so schwer, das sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die in
+> Ulm erscheinende »Südwestpresse« und die »Antifaschistische Aktion
+> Ulm/Neu-Ulm« berichten von blutüberströmten Opfern, mit Schnitten und
+> Platzwunden am Auge, der Lippe und an den Händen. Ein anderer Verletzter habe
+> Hämatome und Kratzer am ganzen Körper davongetragen. Die Angreifer hatten ihn
+> mit Springerstiefeln oder Schlagstöcken traktiert. Im Nachhinein sprechen
+> einige der Jugendlichen von einer regelrechten Hetzjagd: »Die haben mit Autos
+> im ganzen Ort nach uns gesucht«, berichten zwei Zeugen der Lokalzeitung.«
+
+Thomas B. bedrohte am Donnerstag einen Pressefotografen, als dieser Fotos der Gartenschenke fertigte. Angesichts der hinzutretenden Polizeibeamten wollte er dann doch lieber eine Anzeige versuchen. Das aber wurde zurück gewiesen. Schließlich mache er sich gerade zu einer relativen Person der Zeitgeschichte und müsse sich die Arbeit der Presse gefallen lassen.
+
+Einer der extrem rechten Fußballfans ist offenbar Kampfsportler im »Herzblut Sportclub« in Memmingen, wo in »Blood&Honour«-Shorts trainiert wird. »Blood&Honour« (B&H) ist der Name eines im Jahr 2000 in Deutschland verbotenen internationalen Neonazi-Netzwerk, das mit »Combat 18« (C18) über einen bewaffneten Arm verfügt. Nach Erkenntnissen von ZDF-Heute sollen 20 Personen aus dem Umfeld des NSU zu B&H gehört haben. Das Landeskriminalamt Thüringen schrieb 1999, das Kerntrio des NSU gehöre »in Jena zum harten Kern der Blood and Honour Bewegung«. Mitglieder des B&H-Netzwerkes waren der Frankfurter Rundschau (FR) nach auch Musiker Rechtsrock-Veteranen »Faustrecht«, die sich nach dem Verbot des Netzwerkes auflöste, seit einigen Jahren aber wieder spielt. Die FR charakterisiert die Band so:
+
+> »Faustrecht gehören zu den Veteranen der rechten Skinhead-Szene. 1994
+> gegründet, waren sie anfangs eine Art Hausband der 1996 verbotenen Skinheads
+> Allgäu. Hetze gegen »zionistische Bastarde« von der Bühne, Hitler-Grüße und
+> Sieg-Heil-Rufe aus dem Publikum waren an der Tagesordnung. Mehrere CDs der Band
+> sind indiziert.«
+
+Heute wird »Faustrecht« produziert und vertrieben vom in Bad Grönenbach bei Memmingen ansässigen Platten- und Klamottenproduzenten »Oldschool Records«. Im Sortiment des Neonazi-Versandes finden sich neben Eigen- auch Fremdproduktionen und ein umfangreiches Sortiment neonazistischer Devotionalien, darunter selbst produzierte Textilien. Bei einer Hausdurchsuchung in den Geschäftsräumen von »Oldschool Records« 2014 stellte die Polizei über 900 Straftaten fest. Später wurden bundesweit 16 Objekte durchsucht, um einen Beschlagnahmebeschluss wegen Verherrlichung des NSU gegen einen bei »Oldschool Records« erschienen Tonträger des Liedermachers »FreilichFrei« durchzusezten. Der Geschäftsführer Benjamin Einsieder wird der Führungsebene von »Voice of Anger« zugerechnet. (*Zuerst erschienen beim Störungsmelder.*)
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Protest gegen AfD-OB-Kandidat Maier in Eisenburg
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Aktion
+  - AfD
+  - Demo
+Lizenz: 
+Abstract: Am 20.9. demonstrierten etwa 30 Menschen »Bunt, laut und kreativ – Gemeinsam gegen rechten Populismus« vor dem Schützenheim im schwäbischen Eisenburg. Im Gebäude hielt Christoph Maier einen Vortrag im Rahmen seiner Wahlkampftour durch Memmingen und die umliegenden Ortsteile. Im Saal waren wiederholt die Sprechchöre der Kundgebung zu vernehmen.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Im von der Initiative »Gegen Rassismus im Allgäu und sonstwo« verbreiteten Aufruf heißt es:
+
+»Das Klima in der Bundesrepublik wird rauer. Rassistische Phrasen, die bis vor wenigen Monaten außerhalb des Stammtisches niemand geäußert hat, sind im politischen Diskurs »normal« geworden. Die Zahl der Anschläge gegen Geflüchtete und deren Unterkünfte ist dramatisch gestiegen. Rechte Großdemonstrationen, bei denen »besorgte Bürger« Hand in Hand mit strammen Rassisten und Neonazis gegen alles demonstrieren, was nicht in ihr borniertes Menschenbild passt, sind an der Tagesordnung.«
+
+Die AfD präsentiere sich auch als »parlamentarischer Arm dieses Rechtsrucks«. Ihr Kandidat für das Amt des Memminger Oberbürgermeisters präsentierte sich dagegen bedacht kommunalpolitisch. Vor seinen etwa 45 Zuhörern betonte Maier, er würde – einen Wahlsieg vorausgesetzt – etwa dafür Sorge tragen, dass das Dach des Eisenburger Feuerwehrhauses besser gedämmt würde, sich für eine Verbesserung der öffentlichen Nahverkehrsverbindung nach Memmingen einsetzen und den Radweg in die Stadt beleuchten lassen.
+
+Unter den Zuhörern in Eisenburg befanden sich auch solche, die ihre extrem rechte Gesinnung offen zur Schau tragen – etwa mit einem Pullover des »Bündnis Deutscher Patrioten« (BDP). Bereits AfD-Landeschef Petr Bystron sorgte für Aufsehen, als er in entsprechend fragwürdiger Gesellschaft gesehen wurde.
+
+Christoph Maier behauptet, Gründungsmitlgied der Bayern-AfD zu sein. Tatsächlich taucht sein Name im Protokoll der zugehörigen Versammlung am 31.3.2013 auf. Der Jurist wurde mit 43 Stimmen zum Vorsitzenden des Schiedsgerichts des Bayerischen Landesverbandes. Zudem ist Maier 1. Vorsitzender des AfD-Kreisverband Memmingen/Unterallgäu. Auf Veranstaltungen dieses Kreisverbandes gab es schon früher offen neonazistischen Besuch von »Voice of Anger« und NPD.
+
+Thomas Wagenseil, der Beisitzer von Maiers AfD-Kreisverband, gibt sich auf seiner Facebook-Seite als Anhänger der »German Defence League« (GDL) zu erkennen. Andreas Speit, auf die extreme Rechte und Neonazis spezialisierter Journalist, schreibt über die GDL: »Das sind radikale Islam-Feinde mit Neonazi-Verbindung.« Als Profilbild setzte Wagenseil einen Auszug aus der ersten Strophe des Deutschlandliedes: »Deutschland Deutschland über alles«.
+
+Der Oberbürgermeisterkandidat Christoph Maier hat einige weitere Wahlkampftermine angekündigt. Seine Gegner wollen ihn weiter begleiten.
+
+(Zuerst erschienen beim [Störungsmelder](http://blog.zeit.de/stoerungsmelder).)
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@@ -0,0 +1,26 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Razzia gegen »Großdeutschland«
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Polizei
+Lizenz: 
+Abstract: Am 13.7. finden auf Veranlassung des Bundeskriminalamtes (BKA) Hausdurchsuchungen gegen Rechte statt, eine davon gegen einen Hauptbeschuldigten 42jährigen Ostallgäuer. Es geht um Volksverhetzung und andere Delikte in der angeblich geheimen Facebook Gruppe »Großdeutschland«.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Im Rahmen des sogenannten bundesweiten Aktionstag gegen Hasspostings wurden im Auftrag der Kemptener Staatsanwaltschaft die Räume von 37 Rechten durchsucht. Sie sollen Teil der Facebook Gruppe »Großdeutschland« gewesen sein und sich volksverhetzend geäußert haben oder Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet haben. Ein Hauptbeschuldiger Marktoberdorfer gilt als Rädelsführer. Fünf weitere haben ihren Wohnsitz in Bayern: In Schwanstetten, Dinkelscherben, Burgpreppach und zwei in Nürnberg. Das geht aus einer Antwort vom 26.9. des bayerischen Innenministeriums auf eine Landtagsanfrage Grünen-Abgeordneten Katharina Schulze und Verena Osgyan hervor. Das Dokument ist beschränkt auf Informationen zu den Bayerischen Beschuldigten, zu denen noch unklar sei, ob sie Gewalttaten außerhalb des virtuellen Raumes planten. Es seien aber Gegenstände aufgefunden, die Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz erfüllen könnten gefunden worden. Teilweise seien die Gruppenmitglieder bereits polizeilich oder nachrichtendienstlich in Erscheinung getreten, genannt werden aber nur Vorgänge bayerischer Behörden.
+
+Ein Beschuldigter mit Wohnsitz in Bayern habe im Dezember 2012 eine Firmenweihnachtsfeier besucht. Es bestand der Verdacht, bei der Feier, bei der ca. 120 Betriebsangehörige anwesend waren, mit einer SA-Uniform aufgetreten zu sein und den Hitlergruß gezeigt zu haben. Das kriminalpolizeiliche Ermittlungsverfahren wurde wegen eines Vergehens gemäß § 86a StGB geführt.
+
+Ein weiterer Beschuldigter mit Wohnsitz in Bayern habe am 12.04.2015 auf
+Facebook folgenden Inhalt gepostet: xSieg Heil mein Kamerad. Ein Land ein Volk ein Führer«
+sowie ein Bild eines im Schatten befindlichen Reichsadlers mit Hakenkreuz im Bereich der Klauen. Das kriminalpolizeiliche Ermittlungsverfahren wurde wegen eines
+Vergehens gemäß § 86a StGB geführt.
+
+Eine Beschuldigte (nicht in Bayern wohnhaft) habe im Verdacht gestanden, am 20.05.2015
+auf ihrem Facebook-Profil eine Hakenkreuzabbildung veröffentlicht zu haben. Die
+Strafanzeige gemäß § 86a StGB wurde durch die feststellende bayerische Krimi naldienststelle aufgenommen.
+
+Bayerische Ermittler durchsuchten im Rahmen es Aktionstages ebenfalls eine Wohnung in München und eine in Petting im Landkreis Traunstein.
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--- a/Ausgaben/05.mdwn
+++ b/Ausgaben/05.mdwn
@@ -10,59 +10,35 @@
 * [[artikel/kurz_notiert]]
 
 # Antifa
-* [[artikel/Hoert auf so verdammt daemlich zu sein]]
-* [[artikel/Daemlich sind die die daemliches tun]]
-* [[artikel/PEGIDA Nie wieda]]
-* [[artikel/Razzia gegen allgaeuer Neonazi-Versand]]

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+++ "b/artikel/AfD_OA_w\303\244hlt_Direktkandidat_und_Vorstand.mdwn"
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: AfD Oberallgäu wählt Direktkandidat und Vorstand
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - AfD
+Lizenz: 
+Abstract: Nach Problemen bei der Ämterbesetzung gelang es dem AfD-Kreisverband Oberallgäu-Kempten-Lindau bei der Mitgliedsversammlung am 8.11. nun doch, einen vollständigen Vorstand zu wählen. Der Vorsitzende Peter Felser soll als Direktkandidat in den Bundestagwahlkampf geschickt werden. Das jedenfalls teilt Schriftführer Timo Scheffler in einer Pressemitteilung mit.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Der 47-jährige Kreisverbandsvorsitzende Felser wurde mit 90 Prozent der
+Stimmen zum Bundestags-Direktkandidaten bestimmt. Allerdings hatte er
+keine Gegenkandidaten. Bei der letzten Bundestagswahl 2013 habe man im
+eigenen Wahlkreis Oberallgäu (256) 4,3 Prozent der Stimmen
+geholt. Diesmal sei Felser sicher, das Ergebnis mehr als verdreifachen
+zu können.
+
+Zu Felsers Schwerpunkten gehören innere Sicherheit und
+Migrationspolitik. Nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung vom
+2.8. sieht sein Kreisverband in einem in Kempten geplanten
+Erstaufnahmelager für Geflüchtete ein »unkalkulierbares Risiko für die
+öffentliche Sicherheit und den gesellschaftlichen Frieden«. In einer
+Pressemitteilung zum Thema heißt es zudem, in der Einrichtung selbst und
+in ihrem Umfeld sei mit einem »nicht unerheblichen Maß an zusätzlicher
+Kriminalität« zu rechnen. Daher sei es höchst bedenklich, dass es nur
+einen Zaun zum Gewerbegebiet geben soll, während die
+Flüchtlingsunterkunft frei zugänglich bleiben soll. Das sagte Peter
+Felser als damaliger Pressesprecher seines Kreisverbands.
+
+Bereits Mitte des Jahres demonstrierten rund 700 Personen gegen eine
+vom Oberallgäuer Kreisverband der AfD organisierten Auftritt von
+Bundessprecherin Frauke Petry und Landeschef Petr Bystron in
+Lindenberg im Allgäu. Unter dem Motto »Kein Platz für Rassismus -
+Grenzenlose Solidarität statt rechter Hetze« positionierte sich ein
+Demonstrationsaufruf damals »für ein weltoffenes Allgäu«. Dort nämlich
+gebe es »genug Platz für geflüchtete Menschen, nicht aber für
+rassistische Hetze.«
+
+Die CSU wolle Felser links liegen lassen. Ihm sei »die
+Auseinandersetzung mit dem linksgrünen Lager und deren
+Multikultipolitik« wichtiger. Bei dem Katzenbuchautor, der die
+Formulierung prägte, hieß das noch beleidigend »linksgrün
+versifft«. Beim Nachbarkreisverband Unterallgäu/Memmingen bediente man
+sich Pirinçci's Vokabular, um Teilnehmer einer Kundgebung gegen die
+vergebliche Oberbürgermeisterkandidatur der AfD in Memmingen zu
+beleidigen.
+
+Nach Problemen der Ämterbesetzung wurden Nachwahlen im Vorstand
+nötig. Erster stellvertretender Vorsitzender sei nun Roland Aicher aus
+Wildpoldsried, zweite Vize Michaela Schuster aus Immenstadt. Neue
+Beisitzer wären jetzt Daniel Heinrich aus Lindau, Martin Krug aus
+Kempten und Herbert Müller aus Rettenberg. Als Schatzmeister habe die
+Versammlung Axel Keib aus Oberstaufen gewählt. (*zuerst erschienen bei: XXX*)
diff --git a/artikel/Comeback_des_Antisemitismus.mdwn b/artikel/Comeback_des_Antisemitismus.mdwn
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+++ b/artikel/Comeback_des_Antisemitismus.mdwn
@@ -0,0 +1,24 @@
+---
+Autor_in: Lothar Galow-Bergemann
+Titel: Comeback des Antisemitismus
+Rubrik: Debatte
+Themen:
+  - Antisemitismus
+Lizenz: 
+Abstract: Wie personalisierender Antikapitalismus und »Israelkritik« den traditionellen Judenhass befeuern
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+»Jawohl, sie halten uns in unserem eigenen Land gefangen, sie lassen uns arbeiten in Nasenschweiß, Geld und Gut gewinnen, sitzen dieweil hinter dem Ofen, faulenzen, pompen und braten Birnen, fressen, sauffen, leben sanft und wohl von unserm erarbeiteten Gut, haben uns und unsere Güter gefangen durch ihren verfluchten Wucher, spotten dazu und speien uns an, das wir arbeiten und sie faule Juncker lassen sein … sind also unsere Herren, wir ihre Knechte.« Bereinigen wir das Zitat um die etwas altertümliche Sprache, lassen wir die dermaßen Beschimpften etwa nicht »faule Junker« sondern »unnütze Schmarotzer« sein, die nicht »Birnen braten«, sondern im Privatjet um den Globus jetten und »uns und unser erarbeitetes Gut« nicht durch ihren »verfluchten Wucher«, sondern mithilfe ihrer »gierigen Finanzspekulationen« bedrängen – im Handumdrehen sehen wir ein ziemlich aktuelles und weit verbreitetes Weltbild vor uns. Dass »die Gierigen da oben« an »unserem Unglück« schuld seien, gilt nämlich vielen ZeitgenossInnen als überzeugende Ursachenbeschreibung der seit Jahren anhaltenden weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise.
+
+**Die Frage nach Namen und Hausnummer »derer, die an allem schuld sind«,** wird unterschiedlich, manchmal gar nicht, mitunter auch mit seltsam raunender Rede beantwortet. Der Autor des einleitenden Zitats – es ist schon bald ein halbes Jahrtausend alt – gab jedenfalls eine glasklare Antwort: die Juden sind’s! Der das mit Bestimmtheit wusste, war niemand anderes als Martin Luther, jener »große Deutsche«, nach dem unzählige Plätze, Straßen und Schulen benannt sind und dessen Wirken mit Blick auf das herannahende Reformationsjubiläum 2017 landauf landab von kirchlicher wie staatlicher Seite wieder einmal in hellen Tönen gepriesen wird. Nachzulesen in seiner 1543 erschienen Schrift »Von den Jüden und ihren Lügen«. Und er lieferte auch gleich das Rezept mit, wie mit den Bösewichtern zu verfahren sei. So solle man u.a. ihre Synagogen und Schulen verbrennen, ihre Häuser zerstören, ihnen das freie Geleit entziehen und ihren Besitz konfiszieren.
+ 
+**Kein Wunder, dass die Nazis Martin Luther mochten.** Sie zitierten ihn oft und gerne und ganz und gar nicht aus dem Zusammenhang gerissen. Julius Streicher, Herausgeber des antisemitischen Hetzblatts »Der Stürmer«, berief sich noch im Nürnberger Kriegsverbrecherprozess auf den Reformator. Genauso wie der Spielfilm »Jud Süss«, der 1940 in die Kinos kam und in kürzester Zeit alle Zuschauerrekorde brach. Über 20 Millionen strömten in die Kinos und sahen dort bestätigt, was sie dachten, glaubten, fühlten, wünschten und hofften. Der Film bediente ihre Vorstellung von sich selbst als den guten und arbeitenden Ehrlichen, die von hinterhältigen und bösartigen Raffgierigen belogen und betrogen werden. Ein raffinierter und mit allen Wassern gewaschener Finanzexperte hilft dem Herzog von Württemberg immer wieder aus der Patsche. Entsprechend verschafft er sich wachsenden Einfluss am Hofe. In moderner Sprache: der Einfluss des Finanzkapitals auf die Politik wächst. Er selbst und seine Kumpane – allesamt Juden – bereichern sich dabei schamlos. Selbstredend muss das Geld irgendwoher kommen. Nun, sie greifen eben dem ehrlich arbeitenden Volk immer tiefer in die Tasche. Am Ende wird der Jude zur tiefen Befriedigung des Volkes erhängt. Wenige Monate nach diesem Kassenschlager beschließt die Wannseekonferenz die »Endlösung der Judenfrage«.
+ 
+**Kapitalismus ist schwer zu begreifen.** Wirkliche Kritik, die nicht bloß an der Oberfläche kratzt und personalisiert, muss seine immanenten Sachzwänge und Widersprüche untersuchen. Doch wo die nicht verstanden sind und statt ihrer im Verborgenen wirkende Strippenzieher vermutet werden, lauert der Ausbruch der Barbarei. Zumal in Krisenzeiten wie den heutigen, wo immer mehr Menschen Grund haben, sich über die Verschlechterung ihrer sozialen Lage zu empören. Solche Zeiten, man könnte es spätestens seit 1929 wissen, begünstigen die explosive Verbreitung des Ressentiments. Zwar haben immer noch viele »nichts gegen Juden«, doch besonders der rasante Aufstieg der AfD, die zunehmend mehr faschistische Züge annimmt, bestätigt nur zu deutlich, dass dies längst nicht mehr für alle gilt.
+ 
+**Die von den meisten Deutschen mit Hingabe betriebene »Israelkritik«** spielt eine zentrale Rolle für das Comeback des Antisemitismus. Sie bietet den unschätzbaren Vorteil, nichts gegen Juden haben zu müssen und »doch nur« die israelische Politik zu kritisieren. Dabei verweist schon der Begriff »Israelkritik« auf den obsessiven Charakter des Unterfangens. Eine Brasilien-, Dänemark- oder Türkeikritik hat jedenfalls bisher noch niemand erfunden. Allein der jüdische Staat verleitet offenbar zur Kreation dieses neuen Substantivs. Entsprechend sieht diese »Kritik« dann auch aus. Zwei Drittel der Deutschen halten den jüdischen Staat für »die größte Gefahr für den Weltfrieden«. Befragt nach den Ursachen für den so genannten Nahostkonflikt fällt den meisten spontan »die israelische Siedlungspolitik« ein. Lässt man das einmal unkommentiert und fragt nach möglichen weiteren Gründen, werden die Antworten ganz schnell äußerst dünn. Dass der antisemitische Vernichtungswahn, von dem Israel umgeben ist und die Weigerung selbst der angeblich gemäßigten palästinensischen Kreise, Israel als jüdischen Staat anzuerkennen, irgendetwas mit der Situation zu tun haben könnten – auf so etwas Naheliegendes kommen die wenigsten. Dabei könnte, wer wollte, über vieles Bescheid wissen. Beispielsweise über die Charta der Hamas, in der es heißt, »die Juden kontrollierten mit ihrem Reichtum weltweit die Medien, lenkten Revolutionen, bildeten überall Geheimorganisationen, um Gesellschaftssysteme zu zerstören, stünden hinter beiden Weltkriegen und seien Drahtzieher jedes Krieges auf der Welt.« Und »erst wenn alle Muslime die Juden bekämpften und töteten, werde das jüngste Gericht kommen. Dieses werde die Vernichtung aller Juden vollenden.« Man könnte auch wissen, dass die mächtigen Herrscher des iranischen Gottesstaates ganz genauso denken. Und dass das nichts mit »Kritik an israelischer Politik« zu tun hat, sondern der gleiche antisemitische Vernichtungswahn ist, den man in ganz ähnlichen Worten in Hitlers Politischem Testament nachlesen kann. Einen Tag bevor er sich im Bunker die Kugel gab, schrieb er noch: »Ich habe keinen Zweifel darüber gelassen, dass, wenn die Völker Europas wieder nur als Aktienpakete dieser internationalen Geld- und Finanzverschwörer angesehen werden, dann auch jenes Volk mit zur Verantwortung gezogen werden wird, das der eigentlich Schuldige an diesem mörderischen Ringen ist: Das Judentum!« Man könnte wissen, wie sehr sich die Gedankenwelt fanatischer Judenhasser gleicht und man könnte daraus ableiten, in welcher Situation sich der jüdische Staat befindet, der bei Strafe seines Untergangs seinen Gegnern militärisch überlegen bleiben muss. Doch all das interessiert nur wenige. Auch hier gilt: Einfache und oberflächliche Antworten sind ja so praktisch. Sie bedienen das eigene Ressentiment und lassen einen in dem angenehmen Gefühl zurück, zu den Guten zu gehören.
+
+**Dass Antizionismus etwas völlig anderes sei als Antisemitismus**, nämlich »nur eine Reaktion auf Israels Politik«, ist das Glaubensbekenntnis aller modernen AntisemitInnen. Doch die Vorstellung, den Hass auf jüdische Staatlichkeit habe es vor der Existenz Israels nicht gegeben, ist falsch. Auch in diesem Punkt hat Luther schlechte Vorarbeit geleistet. 1538 machte er sich in seiner Schrift »Wider die Sabather« über diese jüdische Sekte lustig: »So lasst sie doch hinfahren ins Land und gen Jerusalem, Tempel bauen, Priesterthum, Fürstenthum, und Mosen mit seinem gesetze auffrichten und also sie selbs wiederumb Jüden werden und das Land besitzen. Wenn das geschehen ist, so sollen sie uns bald auf den ferssen nach sehen daher kommen und auch Jüden werden. Thun sie das nicht, so ists aus der massen lächerlich, das sie uns Heiden wollen bereden zu jrem verfallen gesetze, welches nu wohl Funffzehnhundert jar verfaulet und kein gesetze mehr gewesen ist.« Sie sind doch gar nicht in der Lage, einen ordentlichen Staat zu errichten, die Juden, hören wir da heraus. Immanuel Kant sprach von den Juden als »einer ganzen Nation von lauter Kaufleuten … deren bei weitem größter Theil keine bürgerliche Ehre sucht« und dessen »Gesetzgeber… nur ein politisches, nicht ein ethisches gemeines Wesen habe gründen wollen«. Die Juden und ein ethisches Gemeinwesen? Unmöglich! Ein weiterer »großer Deutscher«, Johann Gottlob Fichte, meinte: »Fast durch alle Länder Europas verbreitet sich ein mächtiger, feindselig gestimmter Staat, der mit allen übrigen im beständigen Kriege steht… es ist das Judenthum.« Die Juden, lesen wir durch die Jahrhunderte immer wieder, sind ja gar nicht in der Lage, einen »normalen« Staat zu bilden, ihr Staat ist unmoralisch, unethisch und kriegerisch. Das alles »wussten« Antisemiten bereits ein paar Jährchen vor der Gründung des Staates Israel. Aber auch davon will man in Deutschland nichts wissen.
+
+**Nicht auszuschließen, dass es Jahrzehnte nach dem gegen die Deutschen erzwungenen Ende des Holocausts** in diesem Land wieder salonfähig werden könnte, sich AntisemitIn zu nennen. Rückblickend würde sich dann der eine Zeitlang herrschende »anti-antisemitische« Konsens lediglich als ein notwendiger Zwischenschritt auf dem Weg zurück zu deutscher Normalität erweisen. Selbstverständlich würden dann auch die »Israelkritik« und der personalisierende Pseudo-Antikapitalismus ihr heimliches Liebschaftsverhältnis zugunsten einer ganz offen gelebten Ehe aufgeben. Die Süddeutsche Zeitung, die am 2. Juli 2013 ihrer linksliberalen Leserschaft die Zeichnung eines bösartigen und gierigen Monsters präsentierte, das sie mit dem jüdischen Staat gleichsetzte, den »wir Deutschen« angeblich füttern müssen, könnte sich möglicherweise ans Revers heften, diesen letzten Dammbruch eingeleitet zu haben.

großdetuschland
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@@ -93,7 +93,7 @@ Auf unsere Nachfrage gab die Vorarlberger Polizei am **12.7.** an, noch immer ke
 Wie die Allgäuer Zeitung vom **4.2.** berichtet, wurden Sprengkörper unter einer Bank vor einer Asylsuchendenunterkunft in Hard bei Bregenz gezündet. Die Explosion war derartig wuchtig, dass drei Fensterscheiben zu Bruch gingen. Die Polizei erklärte auf unsere Nachfrage am **12.7.**, dass es noch immer keine neuen Ermittlungsergebnisse gäbe. Der oder die Täter\_innen sind demnach noch immer unbekannt.
 
 ## OAL: Durchsuchung »Großdeutschland«
-Am **13.7.** finden auf Veranlassung des Bundeskriminalamtes (BKA) Hausdurchsuchungen gegen Rechte statt, eine davon gegen einen Hauptbeschuldigten 42jährigen Osallgäuer. Es geht um Volksverhetzung und andere Delikte in der angeblich geheimen Facebook Gruppe »Großdeutschland«.
+Am **13.7.** finden auf Veranlassung des Bundeskriminalamtes (BKA) Hausdurchsuchungen gegen Rechte statt, eine davon gegen einen Hauptbeschuldigten 42jährigen Ostallgäuer. Es geht um Volksverhetzung und andere Delikte in der angeblich geheimen Facebook Gruppe »Großdeutschland«. (Siehe Artikel auf Seite XXX)
 
 ## OA: Keine Räume der AfD
 Der Kreisverband Oberallgäu / Lindau / Kempten der AfD muss am **15.7.** seinen für den 26.7. geplanten Vortrag mit Peter Boehringer absagen. Gemeinderäte und Bürgermeister in Sulzberg würden dem Kreisverband Räumlichkeiten verwehren. In anderen Orten des Kreisverbandes sei es ebenso. Das ist sicher auch auf die jüngsten Protestaktionen gegen die AfD zurück zu führen. Statt dessen wird geladen zu einem »gemütlichen Ausklang« ohne Tagesordnung in den Biergarten des Hotel Seekrone in Wasserburg. Das Handtuch werfen will der Kreisverband aber offenbar nicht. Er ruf gleichzeitig zu Spenden auf. Die Betreiber der Seekrone sagen vorab, die AfD sei weder angemeldet, »noch sind die bei uns erwünscht.« Zu Gast in dem Hotel war die Partei trotzdem, habe aber keine politische Aussage nach außen getragen.
@@ -122,7 +122,10 @@ In der Nacht auf den **30.8.** wurde die Wand einer Schule in der Deitenheimer S
 ## NU: Schweinekopf an Geflüchtetenunterkunft
 Am **3.9.** legten Unbekannte den gegrillten Kopf eines Schweins vor eine Geflüchtetenunterkunft in Senden (Lkr. Neu-Ulm). Die Polizei schreibt dazu: »Ob es sich um eine politisch motivierte Provokation oder um einen unbedachten Streich handelt ist bisher unklar.«
 
-## MM: Kundgebung gegen Voice of Anger
+## MM: Rassistische Pöbeleien und »Sieg Heil«-Rufe
+Die Polizei berichtet von »einer Schlägerei zwischen mehreren jungen Männern« am **10.9.** in der Waldhornstraße in Memmingen. Dabei seien Polizeibeamte beleidigt worden. Betroffene berichten, dass eine Gruppe junger Männer rassistische Beleidigungen gegen Geflüchtete aussprach, als diese ein Lokal betreten wollten. Andere solidarisierten sich und intervenierten, woraufhin die Schlägerei entstanden. Im Verlauf dessen hätten die Angreifer »Sieg Heil«  ausgerufen. Einer der Antirassisten wurde bewusstlos geschlagen und musste auf Grund der Verletzungen ins Krankenhaus verbracht werden.
+
+## MM: Kundgebung gegen »Voice of Anger«
 Am **12.9.** hielten einige Antifaschisten eine Kundgebung »Kein Raum für Nazis! Nicht in der ›Gartenschänke‹ noch sonstwo!« in der Nähe der von Neonazis gekauften »Gartenschänke« an der Kleingartenanlage in Buxach-Hart bei Memmingen ab.
 
 ## HDH: Georg-Elser-Denkmal beschädigt
@@ -148,3 +151,12 @@ AM **7.10** berichtet schwaebische.de von der Festnahme eines Algeriers. Der 24-
 
 ## erneut Steigerung rechter Straftaten
 Wie das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West auf unsere Anfrage hin am **13.10.** mitteilt, ist für das III. Quartal ebenfalls ein Anstieg der rechtsmotivierten Straftaten gegenüber dem Vergleichszeitraum aus dem Vorjahr zu erwarten. Abschließende Zahlen liegen aber noch nicht vor.
+
+## LI: »Adolf Hitler« und Hakenkreuze gesprüht
+Die Polizei meldet am **28.10.**: »Bereits Anfang September war es in der Gemeinde Heimenkirch [Lkrs. Lindau] zu Schmierereien [sowie einer anderen Sachbeschädigung] gekommen. Zunächst Unbekannte hatten mit einem Filzstift Beleidigungen, Hakenkreuze sowie den Namen Adolf Hitler an Fenster und Wände geschmiert. Am vergangenen Wochenende wurden dann erneut Schmierereien [...] angebracht, welche die gleiche Handschrift aufwiesen. Dieses Mal wurden jedoch Haarfärbemittel aus Spraydosen für die Schmierereien verwendet.« Zeugenaussagen hätten dann zu zwei Schülern geführt. Der 14-jährige gab zu, für die Taten verantwortlich zu sein, der 12-jährige habe nur zugesehen. Man habe aus »Langeweile« gehandelt. Unter den Beleidigungen war nach der Antwort der Polizei auf unsere Nachfrage »ACAB«, aber auch Sätze wie »Hi ihr Penner«.
+
+## MM: Stolperstein verlegt
+Am **2.11.** meldet die Allgäuer Zeitung die Verlegung eines Stolpersteins für die mit zehn Jahren ermordete Franziska Endres aus dem Stadtteil Amendingen. Im Rahmen der bekannt-berüchtigten Aktion T4 wurde das Mädchen 1943 auf Grund ihrer Behinderung von den Nazis ermordet. (siehe Bericht Seite XXX)
+
+## MOD: Reichsbürger gegen GEZ
+Ein Marktoberdorfer zahlte keine Rundfunkgebühren, weil er mit dem Programm der öffentlich-rechtlichen Sender nicht zufrieden sei und habe schließlich den Gerichtvollzieher bedroht, der den Rückstand bei ihm beitreiben sollte. Auf dessen Vollstreckungsbescheid reagierte er mit einem Brief, in dem er drohte, den Gerichtsvollzieher mit seinem Privatvermögen schadenersatzpflichtig zu machen. Argumentiert habe er wie Reichsbürger. Der 46-jährige habe mit deren Ideologie aber nichts zu tun und übernahm nur Sätze aus dem Internet, wie er vor Gericht erklärt habe. Das Amtsgericht Kaufbeuren habe ihn zu einer Geldstrafe von 380 Euro verurteilt. Das Berichtet a.tv vom **3.11.** 
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Razzia gegen »Großdeutschland«
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+Lizenz: 
+Abstract: Am 13.7. finden auf Veranlassung des Bundeskriminalamtes (BKA) Hausdurchsuchungen gegen Rechte statt, eine davon gegen einen Hauptbeschuldigten 42jährigen Ostallgäuer. Es geht um Volksverhetzung und andere Delikte in der angeblich geheimen Facebook Gruppe »Großdeutschland«.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Im Rahmen des sogenannten bundesweiten Aktionstag gegen Hasspostings wurden im Auftrag der Kemptener Staatsanwaltschaft die Räume von 37 Rechten durchsucht. Sie sollen Teil der Facebook Gruppe »Großdeutschland« gewesen sein und sich volksverhetzend geäußert haben oder Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verwendet haben. Ein Hauptbeschuldiger Marktoberdorfer gilt als Rädelsführer. Fünf weitere haben ihren Wohnsitz in Bayern: In Schwanstetten, Dinkelscherben, Burgpreppach und zwei in Nürnberg. Das geht aus einer Antwort vom 26.9. des bayerischen Innenministeriums auf eine Landtagsanfrage Grünen-Abgeordneten Katharina Schulze und Verena Osgyan hervor. Das Dokument ist beschränkt auf Informationen zu den Bayerischen Beschuldigten, zu denen noch unklar sei, ob sie Gewalttaten außerhalb des virtuellen Raumes planten. Es seien aber Gegenstände aufgefunden, die Verstöße gegen das Waffen- und Sprengstoffgesetz erfüllen könnten gefunden worden. Teilweise seien die Gruppenmitglieder bereits polizeilich oder nachrichtendienstlich in Erscheinung getreten, genannt werden aber nur Vorgänge bayerischer Behörden.
+
+Ein Beschuldigter mit Wohnsitz in Bayern habe im Dezember 2012 eine Firmenweihnachtsfeier besucht. Es bestand der Verdacht, bei der Feier, bei der ca. 120 Betriebsangehörige anwesend waren, mit einer SA-Uniform aufgetreten zu sein und den Hitlergruß gezeigt zu haben. Das kriminalpolizeiliche Ermittlungsverfahren wurde wegen eines Vergehens gemäß § 86a StGB geführt.
+
+Ein weiterer Beschuldigter mit Wohnsitz in Bayern habe am 12.04.2015 auf
+Facebook folgenden Inhalt gepostet: xSieg Heil mein Kamerad. Ein Land ein Volk ein Führer«
+sowie ein Bild eines im Schatten befindlichen Reichsadlers mit Hakenkreuz im Bereich der Klauen. Das kriminalpolizeiliche Ermittlungsverfahren wurde wegen eines
+Vergehens gemäß § 86a StGB geführt.
+
+Eine Beschuldigte (nicht in Bayern wohnhaft) habe im Verdacht gestanden, am 20.05.2015
+auf ihrem Facebook-Profil eine Hakenkreuzabbildung veröffentlicht zu haben. Die
+Strafanzeige gemäß § 86a StGB wurde durch die feststellende bayerische Krimi naldienststelle aufgenommen.
+
+Bayerische Ermittler durchsuchten im Rahmen es Aktionstages ebenfalls eine Wohnung in München und eine in Petting im Landkreis Traunstein.

afd
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@@ -0,0 +1,22 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: AfD Schlusslicht bei Memmingens Bürgermeisterwahl
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Aktion
+  - Antifa
+  - AfD
+Lizenz: 
+Abstract: Der AfD-Kandidat Christoph Maier wurde allen Erwartungen gemäß nicht Memmingens neuer Oberbürgermeister. Er konnte aber dennoch über 10% der Wähler gewinnen. AfD-Gegner wollen diese Zahl bis zur Bundestagswahl reduzieren.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Am Sonntag, dem 7.11., ging die Wahl zum Oberbürgermeister mit einer Stichwahl zu Ende, aus der Markus Kennerknecht (SPD/FDP) als neuer Oberbürgermeister Memmingens hervorging. Maier schied mit 10,4 Prozent der Stimmen bereits zuvor aus. Mit einem Sieg des Rechtsanwaltes hatte wohl auch niemand ernsthaft gerechnet. Auch er gibt sich »stolz auf ein zweistelliges Ergebnis.« Mit genau 1791 Stimmen bildet er damit das Schlusslicht.
+
+Inhaltlich gab sich Maier meist betont kommunalpolitisch. Der Plan eines Minarettbaus in der Stadt, ließ ihn aber nicht los. Immer wieder bezog er sich darauf und nutzte die Baustelle als Kulisse für eines seiner Wahlwerbevideos. Details über das Vorhaben würden zurückgehalten. Deshalb geht es ihm, sagt er, nur um Transparenz und baurechtliche Belange. Dann aber lehnt er den Bau eines Minaretts in Memmingen doch grundsätzlicher ab: Maier sieht darin »eine Form der Okkupation«. Auf die Frage einer Bürgerin, wie er »die Integration der Flüchtlinge fortführen« möchte, antwortet der AfDler, Migranten hätten eine »Bringschuld gegenüber der hier lebenden Bevölkerung«.
+
+Der 32-jährige Maier ist Gründungsmitglied und Vorsitzender des Schiedsgerichts im Landesverband Bayern der AfD und außerdem erster Mann im Kreisverband Memmingen/Unterallgäu seiner Partei. Thomas Wagenseil gab sich als Beisitzer von Maiers AfD auf seiner eigenen Facebook-Seite als Anhänger der »German Defence League« (GDL) zu erkennen. Andreas Speit, auf die extreme Rechte und Neonazis spezialisierter Journalist, schreibt über die GDL: »Das sind radikale Islam-Feinde mit Neonazi-Verbindung.« Als Profilbild setzte Wagenseil einen Auszug aus der ersten Strophe des Deutschlandliedes: »Deutschland Deutschland über alles«. Die Veranstaltungen des Kreisverband Memmingen/Unterallgäu werden von weiteren extremen Rechten besucht. Darunter sogar Anhänger der Neonazikameradschaft »Voice of Anger« und der NPD.
+
+Maiers Wahlkampf begleiteten Proteste. Etwa 30 Personen demonstrierten am 20.9. »bunt, laut und kreativ – Gemeinsam gegen rechten Populismus« während einer Wahlkampfveranstaltung des AfD-Kandidaten. Rund drei Wochen später protestierten rund 100 während einer schlecht besuchten Podiumsdiskussion unter AfDlern im Memminger Stadtsaal gegen »Ausgrenzung, soziale Spaltung, Hass und Homophobie«.
+
+»Auch, wenn der OB-Wahlkampf in Memmingen für die AfD verloren ist«, sagt einer der Aktivisten, die den Protest gegen die Kandidatur von Christoph Meier organisierten. »Hat die AfD gezeigt, dass sie eine Basis von mehr als 10% in Memmingen mobilisieren kann – und wird das bis zur Bundestagswahl 2017 auszubauen versuchen.« Deshalb wollen auch die Gegner der AfD aktiv bleiben. Für den 4.12. kündigen sie etwa eine »StammtischkämpferInnen-Ausbildung« im »Café konnex« in Memmingen an, um – wie es auf der Homepage zum Projekt heißt – Menschen in die Lage zu versetzen, »den Parolen der AfD und ihrer Anhänger Paroli zu bieten, wir wollen gängige rechte Positionen untersuchen und wir wollen gemeinsam üben, das Wort zu ergreifen und für solidarische Alternativen zu streiten statt für Ausgrenzung und Rassismus.« 

germanomanie
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@@ -0,0 +1,25 @@
+---
+Autor_in: Nomos
+RezTitel: Zwischen Germanomanie und Antisemitismus
+RezUntertitel: Transformationen altnordischer Mythologie in den Metal-Subkulturen
+RezAutor_in: Penke, Teichert (Hrsg.)
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: Nomos
+ISBN: 978-3-8487-1275-5
+Umfang: 216 S.
+Preis: 39 €
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Antisemitismus
+  - Subklutur
+  - Musik
+  - Black Metal
+  - Nationalsozialismus
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+(Black) Metal rezipiert eine Bricolage aus Satanismus, (nord-)germanischen Mythen, völkischer Weltanschauung und Nietzsches Philosophie des »Übermenschen«. Dabei lassen sich im Umgang mit dem altnordischen Mythos unterschiedliche Muster erkennen. Der (scheinbar) intentionslosen, ›trivialen‹ Inszenierung als ›Wikinger‹ samt der Verwendung von cultural icons (›Karnevalisierung‹) stehen ambitioniertere, um Authentizität bemühte Projekte als eine (völkisch-antisemitisch aufgeladene) Neuromantik gegenüber, deren Inhalte viele Momente des völkischen Antisemitismus aufweisen.
+
+In allen Spielarten hat der Rückgriff auf die ›eigene‹ Geschichte und vermeintlich unverfremdete Kultur eine identitätsbildende Kraft, die über die Identifikation mit der ›germanischen Kultur‹ ein positives Selbstbild entwirft und als ultimatives Feindbild »das Jüdische« impliziert. Dieser Dialogizität von Antisemitismus als »negativer Leitidee« und ›Germantentum‹-Konstruktionen gehen die Beiträge dieses Bandes als Teil der Reihe »Interdisziplinäre Antisemitismusforschung« nach.

Propaganda der Tat
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@@ -0,0 +1,35 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Rechtsrock-Anwalt führt Staatsanwaltschaft vor
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Prozess
+  - OSR
+Lizenz: 
+Abstract: Das Verfahren gegen den rechtsextremen Versand »Oldschool Records« wegen Verbreitung von 900 einschlägigen Neonazi-CDs droht an der schlechten Vorbereitung der Anklage zu scheitern.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Angesetzt ist das Gerichtsverfahren vor dem Amtsgericht Memmingen bis März 2017. Doch schon am 5. Verhandlungstag zeigte sich die mangelnde Vorbereitung der Staatsanwaltschaft deutlich. Manche der 88 Anklagepunkte, die sie wegen des Vertriebs von Tonträgern mit gewaltverherrlichendem, neofaschistischem Inhalt in 900 Fällen gegen den Betreiber des Neonazi-Plattenlabel »Oldschool Records« erhob, sind so mager ausgeführt, dass die Verfolgungsbehörde selbst Teile davon relativiert oder gar gänzlich revidiert – ohne, dass der Verteidiger des Angeklagten diese noch angreifen müsste.
+
+## »Oldschool Records«
+
+Bei der Durchsuchung im Mai 2014 wurden insgesamt 23.500 Tonträger, 5 Terabyte Daten und weitere Gegenstände – etwa Hakenkreuzfahnen und Schlagstöcke – sichergestellt, nachdem ein Berliner Politiker schon 2012 Anzeige wegen eines SS-Pullis im Online-Shop des extrem rechten Musiklabels erstattet hatte. Weitere ähnlich einschlägige teilweise selbst hergestellte Textilien und neonazistische Devotionalien werden dort neben eigen- und fremdproduzierten extrem Rechten Tonträgern vertrieben.
+
+Auf den Tonträgern finden sich teils indizierte Titel einschlägig bekannter Bands wie »Stahlgewitter«, »Skrewdriver«, »Sturmwehr«, »Weisse Wölfe« oder »Gigi und die braunen Stadtmusikanten«. Letztere hatten die Taten des »Nationalsozialistischen Untergrunds« (NSU) schon 2010 – also vor dessen Selbstenttarnung – in ihrem Song »Döner-Killer« gefeiert und sich über die scheinbare Ahnungslosigkeit der Polizei lustig gemacht. Zur Durchsetzung eines Beschlagnahmebeschlusses wurden im April letzten Jahres bundesweit 16 Objekte nach der bei »Oldschool Records« erschienenen CD »Ehrbarer kämpfe« des Liedermachers »Freilich Frei« durchsucht, die ebenfalls den NSU verherrlicht.
+
+Bei 88 der 2014 sichergestellten Produktionen – auch hier sind »Oldschool Records«-Eigenproduktionen dabei – erkennt die Staatsanwaltschaft einen volksverhetzenden, Gewalt- und Straftaten billigenden, das Naziregime verherrlichenden oder sonstigen bei Verbreitung strafbaren Inhalt. In manchen der Machwerke wird zum Mord an Juden, Kommunisten oder Schwulen aufgerufen. Teilweise werden verbotene Kennzeichen von Naziorganisationen dargestellt.
+
+## »Ultima Ratio«: Die Verteidigung
+
+Bereits in seiner ersten Stellungnahme nach Verlesung der Anklageschrift am 8. September griff Rechtsanwalt Alexander Heinig die Anklage umfassend an. Schon bei der Polizei gingen Asservate verloren. Die Anklageschrift »hält einer genauen Prüfung nicht stand«, sagte Heinig damals und forderte die sofortige Einstellung des Verfahrens. Das Gericht wies den Antrag zurück, die Staatsanwaltschaft gab sich überzeugt von ihrer Arbeit.
+
+Während der folgenden vier Verhandlungstage wurden einige Tonträger und ihre zur Anklage gebrachten Inhalte im einzelnen begutachtet. Zu jedem bringt Heinig vor, weshalb er sie für nicht strafbar hält. Der Verteidiger kennt einschlägige Strafverfahren gegen andere rechte Versände und Neonazis, verweist auf ihm genehme Rechtsprechung und hält »Rechtsgutachten« im Sinne seines Mandanten vor, während die Vertreter der Staatsanwaltschaft schlecht vorbereitet wirken. Damit drängt der Stuttgarter Verteidiger die Staatsanwaltschaft zunehmend in die Defensive. Am bislang letzten Verhandlungstag vergangenen Donnerstag nahm der Vertreter der Staatsanwaltschaft bei etwa der Hälfte der verhandelten Straftaten lediglich Bezug auf das schon dargelegte oder verneinte eine Strafbarkeit entgegen der Anklageschrift, verwechselte zudem mehrmals die Paragraphen nach denen eine Handlung strafbar sei.
+
+Rechtsanwalt Heinig nutzt solche Gelegenheiten, um die Staatsanwaltschaft zurechtzuweisen. An anderer Stelle hält er vor, dass die Anklageschrift einen Tonträger den »Fantastischen 4« zuschreibt. Tatsächlich heißt die Band »Die Faschistischen 4«. Einer ihrer Songs ist Gegenstand der Anklage, weil darin der Holocaust lächerlich gemacht würde. Dort heißt es: »Eine Zugfahrt, die ist lustig, eine Zugfahrt die ist schön […] Eisenbahnromatik macht frei«. Heinig behauptet, der Text beschreibe keinen Deportationszug, sondern eine »lustige« gemeinsame Zugfahrt.
+
+Mit Rechtsrock kennt sich Alexander Heinig aus. Er gilt als Szeneanwalt und half Anfang der 90er Jahre bei der inzwischen aufgelösten Band »Noie Werte« seines heutigen Rechtsanwaltskollegen Steffen Hammer aus. In einem Bericht von Frank Buchmeier und Thomas Kuban heißt es: »Hammer gilt als ein Star der europäischen Rechtsrockszene, Heinig als B-Promi. Auf Videos sieht man ihn in Flecktarnhose mit Bierflasche in der Hand bei einem Grillfest von Rechtsextremen (Kreuzritter für Deutschland) in Waiblingen oder bei einem Neonazikonzert am gleichen Ort. Alexander Heinig steht hinten auf der Bühne und grölt: ‚Nigger, Nigger, out, out . . .’« Benjamin Einsiedler vertreibt als »Oldschool Records« mehrere CDs von Heinigs inaktiver Band »Ultima Ratio«.
+
+## »Voice of Anger«
+Heinig hält ein weiteres Mandat in der Region um Memmingen im Allgäu. Die Neonazikameradschft »Voice of Anger« versucht derzeit, ein neues Clubhaus zu etablieren und scheitert bislang am Widerstand von Stadt und Antifa. Die Stadt verweigert ihre notwendige Zustimmung für den Erwerb eines Gebäudes durch die Neonazis. Alexander Heinig geht gerichtlich dagegen vor. Benjamin Einsiedler gilt als Führungsfigur von »Voice of Anger«. (**Zuerst erschienen beim Störungsmelder.**)
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+++ b/rezensionen/Propaganda_der_Tat.mdwn
@@ -0,0 +1,27 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+RezTitel: Prpaganda der Tat
+RezUntertitel: Standpunkte und Debatten
+RezAutor_in: Philippe Kellermann (Hrsg.)
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: Unrast
+ISBN: 978-3-89771-924-8
+Umfang: 288 S.
+Preis: 16 €
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Geschichte
+  - Anarchismus
+  - Sozialismus
+  - Kommunismus
+  - Gewaltdebatte
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+Angriffe und Attentate auf Präsidenten, Könige und Kapitalisten oder Treffpunkte der Bourgeoisie: Ende des 19. Jahrhunderts – nach der brutalen Niederschlagung der Pariser Kommune – erlebte die Propaganda der Tat ausgehend von Frankreich und der französischsprachigen Schweizer Jura-Föderation (Paul Brousse) in der westlichen Welt ihren Höhepunkt und prägte nachhaltig das Bild vom bombenlegenden Anarchisten. 
+
+Auf Grundlage vieler Erstübersetzungen, bislang unbekannter Quellen und klassischer Interventionen dokumentiert der vorliegende Band aus der Reihe »Klassiker der Sozialrevolte« die kontroversen Standpunkte und Debatten innerhalb der seinerzeitigen anarchistischen Bewegung.
+
+Im selben Verlag ist ebenfalls »**Kunst und Kampf**« erschienen, in dem Bernd Langer die Geschichte des gleichnamigen politischen Kunstprojektes aus den 1980er Jahren nacherzählt.

new artcl
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+++ b/artikel/Stolpersteine_in_Memmingen.mdwn
@@ -0,0 +1,29 @@
+---
+Autor_in: Kurt Wirth
+Titel: Stolpersteine in Memmingen
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Gedenken
+  - Aktion
+Lizenz: 
+Abstract: Am 2.11.16 meldete die lokale Presse in Memmingen die Verlegung eines Stolpersteins für Franziska Endres im Memminger Stadtteil Amendingen. Das 10-jährige Mädchen wurde 1943 auf Grund seiner Behinderung im Rahmen der berühmt-berüchtigten Aktion T4, beschönigt als „Euthanasie“, von den Faschisten ermordet.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Das ist wohl nun der 31. Stolperstein in Memmingen, mit deren Verlegung am 29. Juni 2014 begonnen wurde. Hierzu muss man wissen, dass Memmingen im Vergleich zu anderen Orten im Allgäu traditionell einen sehr viel höheren Anteil an jüdischer Bevölkerung hatte: im Jahre 1895 nämlich 231 Personen, im Juni 1933 noch 161 Personen. So wurde auch 1909 die Synagoge am Schweizerberg eingeweiht (die jüdische Gemeinde z.B. in Kempten war eine Filiale von Memmingen und hatte nur einen gemieteten Betsaal). Diese wurde nach ihrer Zerstörung in der Reichspogromnacht vollends abgetragen. An ihrer Stelle wurde 1988 ein Mahnmal errichtet, auf welchem u.a. die Namen von 106 Personen eingemeißelt sind, die während des Faschismus verfolgt, verschleppt und ermordet wurden.
+
+So ist es nicht verwunderlich, dass die Stolpersteininitiative in Memmingen von der Erinnerung an die jüdischen Mitbürger geprägt ist und die meisten Stolpersteine an diese erinnern. Dennoch sind in einem Hinweis auf die Stolpersteine in dem Internetkompendium über die Juden in bayrisch Schwaben www.alemannia-judaica.de einige der Stolpersteinbedachten mit dem Vermerk „nichtjüdisch“ versehen: Josef Diefenthaler, Fritz und Karolina Bürk, Martin Mayrock.
+
+Aber auch bei der Verlegung deren Stolpersteine wurde ein hebräisches Gebet verlesen.
+Möge es ihnen nützen.
+
+Josef Diefenthaler, geboren 1888 in Meitingen bei Augsburg, fand in seinem erlernten Beruf als Bäcker keine Arbeit mehr und zog nach Memmingen, wo er in einem Sägewerk arbeitete. Er schloss sich der Kommunistischen Partei an. 1933 kam er nach der Machtübertragung an die Faschisten,wie viele andere auch, zunächst in Memmingen in Schutzhaft und bald in das neu eröffnete KZ Dachau. Es folgte ein Prozess mit einem Urteil von zwei Jahren Zuchthaus wegen „Anstiftung zum Hochverrat“. Diese Strafe verbüßte er unter Folter und Zwangsarbeit im Steinbruch im Gefängnis Amberg. Nach der Entlassung kam er beileibe nicht frei, sondern wurde der Gestapo übergeben. Die verbrachte ihn erneut ins KZ Dachau. Im Jahre 1939 wurde er in das KZ Mauthausen verlegt, wo er einige Monate später verstarb. Ironie der Geschichte: Beim Googeln zu Josef Diefenthaler stößt man auch auf einen SS-Sturmbannführer Josef Diefenthal.
+
+Sein Genosse, der Kommunist Fritz Bürk, wurde 1893 geboren. Er arbeitete als Stricker in Memmingen und kam ebenfalls unmittelbar nach Erlass des Ermächtigungsgesetzes nach dem Reichstagsbrand in das KZ Dachau. Sein Leidensweg war relativ kurz: bereits im November 1933 wurde er während eines Kohlenhofkommandos von dem SS-Scharführer Wilhelm Bürzle – der übrigens auch aus Memmingen kam – ausgesondert und auf der Lagerlatrine erschossen. Möglicherweise wurden hier sozusagen „alte Rechnungen beglichen“. Dieser Fall wurde auch in den sog. „Dachauer Prozessen“, durchgeführt von der US-amerikanischen Militärverwaltung 1945-1948, verhandelt.
+
+Zu seiner Ehefrau Karolina Bürk, für die ebenfalls ein Stolperstein verlegt wurde, ist derzeit auf Anhieb nichts betr. ihres Lebenswegs zu finden.
+
+Sowohl bei der Stolpersteinverlegung Bürk, wie auch Diefenthaler waren Enkel der Ermordeten zugegen, u.a. der GRÜNE-Stadtrat Stadtrat Herbert Diefenthaler.
+
+Nach dem Stolpersteinbedachten Martin Mayrock wurde bereits 1972 eine Strasse benannt. Er wurde von der Deutschen (katholischen) Bischofskonferenz in den Kreis der Märtyrer des 20. Jahrhunderts aufgenommen. 1884 geboren, fand der gelernte Schirmmacher bald den Weg in die katholische Arbeiterbewegung. Er heiratete 1906 eine 11 Jahre ältere Witwe mit 4 Kindern, deren Schar nach und nach auf 16 anwuchs. Während der Weimarer Republik wurde er Mitglied der Bayerischen Volkspartei, eine christlich-katholische Partei, aber mit ausgeprägtem Antifaschismus, und saß für diese Partei im Stadtrat. So kam auch er 1933 zwei Wochen in Schutzhaft und lebte dann zurückgezogen. 1937 bekam er ein Verfahren wegen negativer Äußerungen gegen den Bund deutscher Mädel, das aber im Sande verlief. 1943 prophezeite er auf Grund der Entwicklung in Italien ein baldiges Ende des Faschismus. Nach dieser Äußerung ließ ihn der NSDAP-Kreisleiter verhaften und er wurde in einem Prozess wegen Wehrkraftzersetzung zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Seine Frau starb im Mai 1944, wohl auch aus Gram auf Grund der Ereignisse. Er wurde zur Beerdigung beurlaubt und kam als ein „Häuflein Elend“ in Memmingen an und musste zum Friedhof mehr oder weniger geschleppt werden. Ein Memminger Arzt stellte bei dem Geschwächten eine Arsenvergiftung fest und bewirkte eine weitere Beurlaubung von der Haft. Bereits im Juni 1944 verstarb Martin Mayrock.

waldsee
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@@ -0,0 +1,26 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Signal an Nazi-Brandstifter: »engagieren Sie sich politisch«
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Brandanschlag
+  - Justiz
+Lizenz: 
+Abstract: Im Januar warfen zwei Neonazis Feuerwerksraketen in das Schlafzimmer eines syrischen Kriegsflüchtlings. Für ihre »Mission Rocket« wurden sie am 13.9. wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und versuchter schwerer Brandstiftung verurteilt vor dem Amtsgericht Ravensburg. Das Gericht schloss eine Bewährungsstrafe aus, um ein recht eigenwilliges »Signal an alle die ähnlich denken« zu senden: »engagieren Sie sich politisch«. 
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Im Vorfeld der Tat, die nach Überzeugung des Gerichts »von langer Hand geplant« war, unterhielten sich der 27jährige Haupttäter Kevin St. und sein jüngerer Cousin Domeniko Sch. auf Facebook über eine »Mission Rocket«. Tatsächlich fahren die beiden Neonazis am 10. Januar 2016 mit dem Firmenwagen des Selbstständigen Kevin St. nach Reute bei Bad Waldsee und parken in der Nähe des im Kohlstattweg errichteten Containerbaus, in dem damals über ein Dutzend Personen Zuflucht finden. Jeder nimmt eine der Feuerwerksraketen aus dem Auto. Die Leitstäbe, die für eine stabile Flugbahn sorgen sollten sind bereits abgetrennt. An der Unterkunft finden sie ein gekipptes Fenster. Da im Zimmer Licht brennt, sehen sie den syrischen Kriegsflüchtling Burhan Al-M. an seinem Schreibtisch sitzen. Er lernt die deutsche Sprache. Nachdem einer der Neonazis seine Zigarette zu Ende geraucht hat, werfen sie die brennenden Feuerwerksraketen durch das Fenster und flüchten. Ein Zeuge hört die Täter lachen. Die Brandsätze landen auf Bett und Boden. Sie explodieren und hüllen das enge Zimmer in dichten Rauch. 
+
+Burhan Al-M. verliert das Bewusstsein und muss von Mitbewohnern, die auch die Entstehung eines größeren Brandes verhindern, aus dem Zimmer gerettet und in's Krankenhaus verbracht werden. Der Anschlag hat sein Herzleiden verschlechtert. Schwerwiegender ist jedoch die durch die explodierende Pyrotechnik ausgelöste Retraumatisierung. Vor dem Krieg sei er geflohen, dachte in Deutschland sicher zu sein. Er kann nicht verstehen, warum er von den »jungen Deutschen« angegriffen wurde. Der Anschlag habe die Stimmung in der Unterkunft nachhaltig verändert, die Bewohner hätten bis heute Angst. 
+
+Die äußeren Tatumstände räumten die beiden am 1. September, dem ersten Hauptverhandlungstag vollumfänglich ein. Dass die Beweise erdrückend sind, dürften sie von Ihren Verteidigern erfahren haben. Eine Zeugin erinnerte sich, wie die beiden direkt nach der Tat an ihr vorbei rannten und in ihr Fluchtfahrzeug stiegen. Das von der Zeugin notierte Kennzeichen führte die Polizei zum Firmenwagen des Kevin St., darin lagen noch Kleidungsstücke, die zur Beschreibung der Zeugin passten und Rakten wie sie bei der Tat verwendet wurden. Teile der beim Anschlag eingesetzten Raketen überstanden die Explosionen und trugen die DNA der Täter. Bei der Auswertung der Mobiltelefone stießen die Ermittler auf die hämischen Kommentare zum Ausrücken der Feuerwehr. Kurz nach der Tat sendet Sch. eine Sprachnachricht an seinen älteren Cousin: »Haha Feuerwehr«. Dieser antwortet: »Hahaha«. 
+
+## »Ich will alles was nicht deutsch ist wegmachen« 
+
+Zu ihrer extrem rechten Gesinnung wollten sich die beiden aber zunächst nicht bekennen. Tatauslöser sei ein Bewohner der Geflüchtetenunterkunft gewesen. Als der Haupttäter St. mit seinem Auto an dem Containerbau vorbei fuhr, habe ihm ein Unbekannter den Mittelfinger gezeigt und ihm etwas hinterher geworfen. Dafür hätten sie den Flüchtlingen »nur« einen »Schrecken einjagen« wollen. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft, der darin eine Schutzbehauptung sah, brachte dagegen die Auswertung der sichergestellten Mobiltelefone vor. Demnach war Kevin St. Administrator einer Whatsapp-Gruppe namens »Widerstand Schwaben«, die er mutmaßlich selbst gegründet habe. Für einen Ermittler hatten deren Inhalte »absolut volksverhetzenden Charakter«. St. soll geschrieben haben: »Ich will Deutschland wieder deutsch machen. Also lass mich eine Waffe kaufen und damit spielen. Ich will alles was nicht deutsch ist wegmachen.« Gegen die Gruppe wird noch in einem gesonderten Verfahren ermittelt. Auch der Mitangeklagte dürfte in der Gruppe gewesen sein. Was dort besprochen wurde, will er nicht mitbekommen haben. Ein Photo auf dem Speicher seines Smartphone zeigt ihn mit Hitlergruß. 
+
+Vor diesem Hintergrund konnte das Gericht keine »Einsicht oder gar Reue« erkennen, als die Angeklagten sich auf Aufforderung ihrer Verteidiger bei zwei Bewohnern für ihren Anschlag entschuldigten. Für versuchte schwere Brandstiftung, Sachbeschädigung und gefährliche Körperverletzung muss Domeniko Sch. ein Jahr und zehn Monate hinter Gittern verbringen, Kevin St. bekam zwei Jahre und drei Monate Haft. Das Urteil ist allerdings nicht rechtskräftig, da die beiden Neonazis Rechtsmittel einlegten. Der Richter entschied darüber hinaus, dass St. in Hanft bleiben muss. Die Staatsanwaltschaft geht von einer hohen Fluchtgefahr aus seitdem St. versuchte, Deutschland zu verlassen.
+
+Das Gericht möchte ausdrücklich eine Signalwirkung an Gesinnungsgenossen entfalten und verzichtet daher bei beiden Angeklagten darauf, die Freiheitsstrafe zur Bewährung auszusetzen: »Wenn wir da Bewährung gäben, dann wäre das schlicht das falsche Signal an alle die ähnlich denken wie Sie.« Die Ansicht, es gäbe zu viele Geflüchtete im Land dürfe nicht mit Gewalt durchgesetzt werden. Legitim scheint sie dem Richter aber doch: »engagieren Sie sich politisch, machen Sie was.« Für Robert Andreasch, Journalist und Kenner der extremen Rechten Süddeutschlands, ist dieser Rat »absurd. Glaubt wirklich wer, dass wenn jemand eine rassistische Ideologie und ‚Ausländer raus!‘ vertritt, dass dies letztlich nicht mit Gewalt umgesetzt wird?« (zuerst leicht gekürzt bei bnr.e erschienen)

artcl neu
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@@ -0,0 +1,21 @@
+---
+Autor_in: Johannes Hartl
+Titel: Ermittlungen wegen Volksverhetzung
+Rubrik: 
+Themen:
+  - Repression
+  - Aktion
+Lizenz: 
+Abstract: Sechs Personen aus Bayern wurden im Juli zum Ziel einer bundesweiten Razzia, die sich gegen die Urheber von Hassbeiträgen richtete. Nun hat das bayerische Innenministerium erste Hintergründe zu den Online-Hetzern und deren Kontakten in die rechte Szene bekanntgegeben. Hauptbeschuldigter sei ein 42jähriger Marktoberdorfer.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Es war die erste großangelegte Durchsuchungsaktion gegen die Urheber von Hasskriminalität, die in Deutschland durchgeführt wurde: Nach Vorermittlungen der Staatsanwaltschaft Kempten setzten Polizeibehörden in 14 Bundesländern am 13. Juli dieses Jahres zu einer koordinierten Razzia an, die sich gegen die Urheber von so genannten Hassbeiträgen in einer einschlägigen Facebook-Gruppe richteten. Den Beschuldigten wurde zur Last gelegt, sich mit ihren Beiträgen beziehungsweise Kommentaren der Volksverhetzung und des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen schuldig gemacht zu haben. Insgesamt starteten die Sicherheitsbehörden Hausdurchsuchungen bei 37 Verdächtigen, darunter bei sechs Personen aus den bayerischen Städten Marktoberdorf, Schwanstetten, Burgpreppach, Dinkelscherben und Nürnberg.
+
+Das geht aus einer Parlamentarischen Anfrage hervor, die die Grünen-Abgeordneten Katharina Schulze und Verena Osgyan an das bayerische Innenministerium gestellt haben. Gegen die sechs Personen aus dem Freistaat wird demnach aktuell wegen Volksverhetzung und Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisation ermittelt. Als Zufallsfunde wurden bei den Hausdurchsuchungen zudem Waffen, Betäubungsmittel und Pyrotechnik sichergestellt, deren strafrechtliche Bewertung bislang noch nicht abgeschlossen ist. Hinweise auf Straftaten außerhalb des virtuellen Raums liegen den Behörden allerdings nicht vor, heißt es in dem Dokument.
+
+## NS-verherrlichende Inhalte auf Facebook gepostet
+
+Zwei der sechs bayerischen Verdächtigen waren den Sicherheitsbehörden laut Auskunft des Ministeriums bereits im Vorfeld aufgefallen. Sie hatten sich in der Vergangenheit bei der NPD eingebracht oder waren als Teilnehmer bei „Pegida“-Gruppen in Erscheinung getreten, dessen bayerische Ableger 2015 erstmals wegen „extremistischer Bestrebungen“ im Landesverfassungsschutzbericht aufgeführt wurden. Darüber hinaus hatten zwei Personen mit Wohnsitz in Bayern Kontakt mit der Landespolizei, weil sie bei einer Firmenweihnachtsfeier im SA-Kostüm den Hitlergruß gezeigt und NS-verherrlichende Inhalte auf Facebook gepostet haben sollen. Im letzt genannten Fall erging ein Strafbefehl in Höhe von 30 Tagessätzen, im ersten Fall konnte der nötige Tatnachweis dagegen nicht zweifelsfrei erbracht werden und der Verdächtige blieb straflos.
+
+Die Grünen-Politikerin Katharina Schulze hält vor allem die Zufallsfunde für „interessant“, die bei den Razzien im Freistaat sichergestellt wurden. Diese lassen sie an der Bewertung des Ministeriums zweifeln, wonach keine Straftaten außerhalb der virtuellen Welt geplant waren, schreibt sie in einer Erklärung: „Obwohl die Ermittlungen noch andauern, legt dieser Fund den Verdacht nahe, dass neben der Hetze in der virtuellen Welt auch Gewalttaten in der realen Welt geplant waren.“ Die Landtagsabgeordnete sieht deshalb ihre langjährigen Warnungen, nach denen sich eine deutliche Radikalisierung zeige, durch die Ergebnisse der Durchsuchungen bestätigt. Katharina Schulze fordert angesichts dessen einen noch stärkeren „Ermittlungs- und Fahndungsdruck“ — gerade weil soziale Medien für die Neonazi-Szene inzwischen eine bedeutende Rolle spielen. (zuerst erschienen bei bnr.de)

kurz notiert
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@@ -60,20 +60,7 @@ Am **18.6** zeigte ein Künstler während seiner Performance auf dem »Highmatla
 Die »Reichsbürgerin«, die Anfang des Jahres während ihres Gerichtsverfahrens die Akte klaute (wir berichteten), ist nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung vom **24.6.** flüchtig, nachdem ein Haftbefehl eröffnet wurde.
 
 ## SIG: Germanit
-Am Tag des Deutschland-WM spiels am **26.6.** störte laut Polizeimeldung  ein
-als »Menschenrechtskommissar« auftretender Mann gegen 20.45 Uhr die Handlung
-eines Polizeibeamten an der Laizer Straße in Sigmaringen, indem er ihn mit »Du
-bist kein Mensch« ansprach, die Weltanschauung eines »Germanitiens« vertrat,
-darauf hinwies, dass die Stauferlöwen auf dem baden-württembergischen Wappen am
-Ärmel des Polizeibeamten falsch und der Aufdruck »Polizei« auf der
-Uniform nichtssagend sei. Als der »penetrante Störer« aufgefordert wurde sich
-auszuweisen, habe er erklärt, keinen Personalausweis zu besitzen und 
-auch Angaben zu seiner Person verweigert, weshalb ihm 
-Identitätsgewahrsam angedroht worden sei. Erst als seine Ehefrau und seine beiden
-Kinder zu dem Geschehen dazu gekommen seien und aus Scham über das Verhalten ihres Vaters diesen mit Nachdruck aufforderten normal zu werden, habe sich die 
-Menschenansammlung um das Geschehen aufgelöst. Die Beamten konnten den Mann
-schließlich als bürgerlichen 56-Jährigen aus Rosenheim identifizierten, er
-selbst habe sich als Mann mit »Adelstitel« einer »naturrechtlichen Vereinigung« ausgegeben.
+Am Tag des Deutschland-WM-Spiels am **26.6.** störte laut Polizeimeldung ein als »Menschenrechtskommissar« auftretender Mann gegen 20.45 Uhr die Handlung eines Polizeibeamten an der Laizer Straße in Sigmaringen, indem er ihn mit »Du bist kein Mensch« ansprach, die Weltanschauung eines »Germanitiens« vertrat, darauf hinwies, dass die Stauferlöwen auf dem baden-württembergischen Wappen am Ärmel des Polizeibeamten falsch und der Aufdruck »Polizei« auf der Uniform nichtssagend sei. Als der »penetrante Störer« aufgefordert wurde sich auszuweisen, habe er erklärt, keinen Personalausweis zu besitzen und auch Angaben zu seiner Person verweigert, weshalb ihm Identitätsgewahrsam angedroht worden sei. Erst als seine Ehefrau und seine beiden Kinder zu dem Geschehen dazu gekommen seien und aus Scham über das Verhalten ihres Vaters diesen mit Nachdruck aufforderten normal zu werden, habe sich die Menschenansammlung um das Geschehen aufgelöst. Die Beamten konnten den Mann schließlich als bürgerlichen 56-Jährigen aus Rosenheim identifizierten, er selbst habe sich als Mann mit »Adelstitel« einer »naturrechtlichen Vereinigung« ausgegeben. Es dürfte sich dabei um das Mitglied der »Gesellschaft freies Chiemgau« sowie der »Gemeinschaft der freien Menschen im Naturrecht« »Hans von Aschau a. E.« handeln.  
 
 ## MOD: Hitlergruß
 In Anwesenheit der Polizei zeigte ein 33-jähriger in der Nacht auf den **30.6.**, »auf der Straße offen den Hitler-Gruß« und beleidigte die Polizisten. Der Polizei ist weder klar, weshalb er das tat, noch ob der dabei alkoholisiert war. Zur Verhinderung weiterer Straftaten sei er in Gewahrsam genommen, schließt der Polizeibericht vom 30.6.
@@ -152,3 +139,12 @@ Am **29.9.** wurde der Polizei eine »Schmiererei« »GEGEN NAZIS!« in Bad Wör
 
 ## OA: Anti-Islam Banner
 Am **4.10.** wurde in Weitnau (Lkr Ostallgäu) ein Banner »Deutschland unser Land, unsere Heimat! Merkel muss weg, no Islam« entdeckt. Der Heimat-Teil ist genau jener Spruch, mit dem die AfD - und in der Region aktuell vor allem Memmingens OB-Kandidat Maier - wirbt.
+
+## Ke: neuer AfD-Vorsitzender und Vorbereitungen auf Bundestags-Wahlkampf
+Der AfD-Kreisverband Oberallgäu/Kempten/Lindau meldet am **5.10.**, den nach eigenen Angaben Diplom-Pädagongen und PR-Berater Peter Felser zum neuen Vorsitzenden gewählt zu haben. Der 47-jährige löse Artur Baumann ab und wolle sich nun auf den Bundestagswahlkampf vorbereiten.
+
+## FN: Geflüchtete nach Brandstiftung in Haft, Nazis erstmal frei
+AM **7.10** berichtet schwaebische.de von der Festnahme eines Algeriers. Der 24-jährige steht im Verdacht, in der Aylsuchendenunterkunft in der er selbst lebte, eine Brandstiftung begangen zu haben. Er habe eine Jacke und Papier entzündet. Nach der Vorführung vor dem Haftrichter wurde Untersuchungshaftbefehl erlassen. Von uns nach dem Grund gefragt, gab eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Ravensburg an, es bestünde Fluchtgefahr, weil der Betroffene Ausländer sei und damit keine sozialen Bindungen habe - ohne im Beschluss nachsehen zu müssen. Offenbar ist das gängige Praxis bei Geflüchteten. Dieselbe Staatsanwaltschaft ließ die beiden Neonazis, die eine Geflüchtetenunterkunft in Bad Waldsee mit Feuerwerksraketen angriffen, zunächst auf freiem Fuß. Einer der beiden wurde erst festgenommen, als er versucht haben soll, nach Großbritannien zu fliehen. Trotz der Verurteilung zu mehrjährigen Haftstrafen wird sein Kamerad bis zur Rechtskraft eines Urteils weiter nicht ins Gefängnis gehen. (siehe Beitrag in dieser Ausgabe)
+
+## erneut Steigerung rechter Straftaten
+Wie das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West auf unsere Anfrage hin am **13.10.** mitteilt, ist für das III. Quartal ebenfalls ein Anstieg der rechtsmotivierten Straftaten gegenüber dem Vergleichszeitraum aus dem Vorjahr zu erwarten. Abschließende Zahlen liegen aber noch nicht vor.

diverses
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index 2ea830b..8518e02 100644
--- a/Ausgaben/09/artikel/kurz_notiert.mdwn
+++ b/Ausgaben/09/artikel/kurz_notiert.mdwn
@@ -14,9 +14,24 @@ Abstract: Eine unvollständige Chronik bedenkenswerter Vorfälle und einiger Akt
 ---
 [[!ftemplate id="artikel"]]
 
+## Rav: Wahlplakte beschädigt
+Die Polizei meldet am **5.3.**, dass mehrere Wahlplakate der Landtagswahl 2016 beschädigt wurden. Unsere Nachfrage ergab, dass es sich mehrheitlich um Plakate rechter Parteien Handelte: »15x AfD, 10x CDU, 7x SPD, 2x REP«.
+
+## RAV: »Nazis raus«
+Wie die Polizei am **8.3.** meldet, wurden in Grünkraut (Lkr. Ravensburg) Wahlplakate besprüht. Auf unsere Nachfrage teilte die Polizei mit, »auf die Plakate der SPD wurde ›Refugees welcome‹,  auf das Plakat der Grünen ›Nazis raus‹ gesprüht und das AfD Plakat wurde unleserlich besprüht.«
+
 ## Steigerung rechter Straftaten
 Im ersten Quartal 2016, also bis zum **31.3.** registrierte die Polizei im Bereich des Präsidiums Schwaben Süd/West eine Steigerung der Straftaten, die sie dem »Phänomenbereich Politisch Motivierte Kriminalität (PMK) - rechts« zuordnet. Das antwortet deren Sprecher auf unsere Nachfrage. Im Übrigen sei auch ein Anstieg im Bereich PMK-links zu verzeichnen.
 
+## Leutkirch: Anti-Nazi-Graffities
+In Leutkirch wurden zwei erhobene Fäuste, »Nazi-Free-Zone«, »Love« und trauriges Gesicht sehr großflächig - bei einer Farbauftragung soll 20 x 1,5 Meter will die Polizei, die das am **1.4.** meldet, gemessen haben - auf Wände gesprüht. Die Täter seien bis zum Eintreffen der Polizei vom Sicherheitsdienst einer nahegelegenen Geflüchtetenunterkunft festgehalten worden.
+
+## SIG: »No Nazis«
+In Herbertingen wurde am Wochenende auf den **4.4.** eine Wand der Alemannenhalle unter anderem mit »No Nazis« besprüht. Die Polizei meldet das als gemeinschädliche Sachbeschädigung.
+
+## SIG: Hakenkreuz gesprüht
+In Herbertingen (Lkr. Sigmaringen) wurde zwischen 2. und **7.4.** laut Polizeimeldung ein Hakenkreuz gesprüht.
+
 ## Lustenau (Ö): Waffen und Munition
 Am **4.5.** stellte die Polizei im Vorarlberger Lustenau zwei Maschinenpistolen, eine Pumpgun, eine Pistole und weitere Waffen mit zugehöriger Munition und 1,8 Kilo Schwarzpulver sicher. Gegen den 27-jährigen Täter bestand bereits ein behördliches Waffenverbot. Ob der Mann Bezüge zur extremen rechten aufweist und worauf das Waffenverbot beruhte möchte die Polizei nicht sagen, er selbst schweigt zu seinen Motiven.
 
@@ -26,15 +41,40 @@ Die Allgäuer Zeitung vom **3.6.** berichtet, dass die Kirche im Ostallgäuer Ob
 ## KE: Graffiti gegen Schlachten
 Zwischen 7. und **10.6.** besprühten Unbekannte nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung vom 13.6. einen Anhänger in der Kaufbeurer Straße mit gelber Farbe. Die Polizei sieht einen Zusammenhang mit einer vorhergehenden Tat in der Bleicherstraße: »Auch hier wurde ein hetzerischer Schriftzug gegen das Schlachten von Tieren angebracht«.
 
+## RAV: Stein auf Asyl-UK
+Zwei Unbekannte haben laut Polizei in der Nacht auf den **12.6.** die Asylsuchendenunterkunft in der Saulgauer Straße in Altshausen (Lkr Ravensburg) mit einem Stein Angegriffen und ein Fenster eingeworfen. Bis zum 31.8. konnte die Polizei keine Täter ermitteln.
+
 ## KE: Hitlergruß verurteilt
 Am Nachmittag des **11.3.** zeigte ein 34-jähriger den »Hitlergr«. Nach dem Bericht der Allgäuer Zeitung vom **15.6.** wurde er zu 1200 Euro Geldstrafe (80 TS) verurteilt. Damals berichteten wir, dass der Täter bereits mehrfach auch wegen Körperverletzung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen Vorbestraft ist und mehrere Haftstrafen verbüßte. Einen Bezug zu neonazistischen Kreisen mochte die Polizei damals nicht erkennen. Von den Vorstrafen wegen Körperverletzungen und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen berichtet die Allgäuer Zeitung nicht, von anderen schon.
 
+## Buxheim: Brandstiftung Asyl-UK
+An der Unterkunft für jugendliche Geflüchtete in Buxheim (Lkr UA) wurde am **24.4.** eine Brandstiftung begangen. Das berichtet die Allgäuer Zeitung. Die Polizei bestätigt den Vorfall.
+
 ## Winterrieden: Asylsuchende verprügelt
 Vier Eritreer wurden in der Nacht auf den **18.6.** in Winterrieden bei Memmingen (Lkrs Unterallgäu) »von einer Gruppe Deutscher in deutlicher Überzahl tätlich angegriffen und verletzt.« Später zogen vermummte Gestalten um die dortige Asylscuhendenunterkunft. Das berichtet die Allgäuer Zeitung am 5.7., nachdem die Tat im Mitteilungsblatt der Gemeinde Winterrieden bekannt gemacht wurde. Die Polizei hat den Vorfall bis dahin zurück gehalten, dann aber bestätigt. Es handele sich um »Besucher der Sonnwendfeier aus Memmingen und Umgebung«, wie die Zeitung weiter schreibt. Von der Feier des FV Winterrieden aus hätten die Angreifer die jungen Eritreer bis zu ihrer Unterkunft verfolgt und sie auf dem Weg und davor angegriffen. Die Polizei wolle sich nicht äußern, inwiefern »Fremdenfeindlichkeit« eine Rolle gespielt hätte. Der Helferkreis Winterrieden, der den Vorfall im Gemeinde-Mitteilungsblatt veröffentlichte, gibt sich verständnisvoll: »Hat jemand einen konkreten Nachteil durch die Flüchtlinge erfahren? Wir haben durchaus Verständnis dafür, dass die Begegnung mit fremden Kulturen Unsicherheit und Ängste hervorrufen kann.« Man müsse aber »gewalttätigem Reden und Handeln entschieden entgegen« treten.
 
+## RAV: aufklärerischer Hitlergruß
+Am **18.6** zeigte ein Künstler während seiner Performance auf dem »Highmatland«-Festival auf der Wilhelmshöhe bei Leutkirch (Lkr. Ravensburg) einen Hitlergruß von der Bühne. Das meldete die Polizei kurz darauf. Die Staatsanwaltschaft stellte das Verfahren gegen ihn ein, nachdem dieser glaubhaft erklärte, die Darstellung sei künstlerischer Natur und zum Zwecke der Aufklärung seines Publikums geschehen. Auf Nachfrage teilte die Staatsanwaltschaft mit, der Künstler habe zeigen wollen »wie schnell man sich manipulieren lässt und Dinge nicht mehr hinterfragt sondern nur noch nach nachbete.« Das wäre für ihn die Möglichkeit gewesen, er stehe aber »für Toleranz und Aufklärung«.
+
 ## MOD: »Reichsbürgerin« flüchtig
 Die »Reichsbürgerin«, die Anfang des Jahres während ihres Gerichtsverfahrens die Akte klaute (wir berichteten), ist nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung vom **24.6.** flüchtig, nachdem ein Haftbefehl eröffnet wurde.
 
+## SIG: Germanit
+Am Tag des Deutschland-WM spiels am **26.6.** störte laut Polizeimeldung  ein
+als »Menschenrechtskommissar« auftretender Mann gegen 20.45 Uhr die Handlung
+eines Polizeibeamten an der Laizer Straße in Sigmaringen, indem er ihn mit »Du
+bist kein Mensch« ansprach, die Weltanschauung eines »Germanitiens« vertrat,
+darauf hinwies, dass die Stauferlöwen auf dem baden-württembergischen Wappen am
+Ärmel des Polizeibeamten falsch und der Aufdruck »Polizei« auf der
+Uniform nichtssagend sei. Als der »penetrante Störer« aufgefordert wurde sich
+auszuweisen, habe er erklärt, keinen Personalausweis zu besitzen und 
+auch Angaben zu seiner Person verweigert, weshalb ihm 
+Identitätsgewahrsam angedroht worden sei. Erst als seine Ehefrau und seine beiden
+Kinder zu dem Geschehen dazu gekommen seien und aus Scham über das Verhalten ihres Vaters diesen mit Nachdruck aufforderten normal zu werden, habe sich die 
+Menschenansammlung um das Geschehen aufgelöst. Die Beamten konnten den Mann
+schließlich als bürgerlichen 56-Jährigen aus Rosenheim identifizierten, er
+selbst habe sich als Mann mit »Adelstitel« einer »naturrechtlichen Vereinigung« ausgegeben.
+
 ## MOD: Hitlergruß
 In Anwesenheit der Polizei zeigte ein 33-jähriger in der Nacht auf den **30.6.**, »auf der Straße offen den Hitler-Gruß« und beleidigte die Polizisten. Der Polizei ist weder klar, weshalb er das tat, noch ob der dabei alkoholisiert war. Zur Verhinderung weiterer Straftaten sei er in Gewahrsam genommen, schließt der Polizeibericht vom 30.6.
 
@@ -50,6 +90,9 @@ Die Allgäuer Zeitung vom **5.7.** berichtet davon, dass die UN im westallgäuer
 ## Haldenwang: Falsche Polizisten
 In der Nacht zum **5.7.** haben sich in Haldenwang ein 19- und ein 43-Jähriger als Polizisten in Zivil ausgegeben und versucht, die Insassen eines Fahrzeuges zu kontrollieren. Die fuhren weiter. Als die falschen Cops später wieder auf die Insassen trafen, kam es zu Beleidigungen und einem Steinwurf. Das berichtet die Allgäuer Zeitung vom Folgetag.
 
+## UA: Nazi-Auto
+Am **5.7.** nahm die Polizei in Egg an der Günz (Lkr. UA) eine Person fest, die betrunken schlafend in einem Auto aufgefunden wurde. Auf dem Fahrzeugdach war ein großes Hakenkreuz und die Zahl 88 aufgesprüht. Das meldet die Polizei am Folgetag. Weiter heißt es in der Meldung, auf Fahrer- und Beifahrerseite stand »White Power«, auf der Motorhaube »A.C.A.B.«. Das Auto lag in einem Bach, das Ablaufdatum der Kennzeichen war auf 2013 manipuliert. Das tatsächliche Ablaufdatum war bereits 2011. Der Betrunkene hat möglicherweise weitere Drogen konsumiert und besaß keine Fahrerlaubnis. Weil er keinen festen Wohnsitz hat, wurde er in Untersuchungshaft genommen.
+
 ## KE: »Asyl ist Menschenrecht«
 Bis zum **9.7.** war im Verdi-Haus in Kempten eine Ausstellung »Asyl ist Menschenrecht« zu sehen.
 
@@ -62,12 +105,50 @@ Auf unsere Nachfrage gab die Vorarlberger Polizei am **12.7.** an, noch immer ke
 ## Vorarlberg: Sprengkörper auf Asyl-UK unaufgeklärt
 Wie die Allgäuer Zeitung vom **4.2.** berichtet, wurden Sprengkörper unter einer Bank vor einer Asylsuchendenunterkunft in Hard bei Bregenz gezündet. Die Explosion war derartig wuchtig, dass drei Fensterscheiben zu Bruch gingen. Die Polizei erklärte auf unsere Nachfrage am **12.7.**, dass es noch immer keine neuen Ermittlungsergebnisse gäbe. Der oder die Täter\_innen sind demnach noch immer unbekannt.
 
+## OAL: Durchsuchung »Großdeutschland«
+Am **13.7.** finden auf Veranlassung des Bundeskriminalamtes (BKA) Hausdurchsuchungen gegen Rechte statt, eine davon gegen einen Hauptbeschuldigten 42jährigen Osallgäuer. Es geht um Volksverhetzung und andere Delikte in der angeblich geheimen Facebook Gruppe »Großdeutschland«.
+
 ## OA: Keine Räume der AfD
 Der Kreisverband Oberallgäu / Lindau / Kempten der AfD muss am **15.7.** seinen für den 26.7. geplanten Vortrag mit Peter Boehringer absagen. Gemeinderäte und Bürgermeister in Sulzberg würden dem Kreisverband Räumlichkeiten verwehren. In anderen Orten des Kreisverbandes sei es ebenso. Das ist sicher auch auf die jüngsten Protestaktionen gegen die AfD zurück zu führen. Statt dessen wird geladen zu einem »gemütlichen Ausklang« ohne Tagesordnung in den Biergarten des Hotel Seekrone in Wasserburg. Das Handtuch werfen will der Kreisverband aber offenbar nicht. Er ruf gleichzeitig zu Spenden auf. Die Betreiber der Seekrone sagen vorab, die AfD sei weder angemeldet, »noch sind die bei uns erwünscht.« Zu Gast in dem Hotel war die Partei trotzdem, habe aber keine politische Aussage nach außen getragen.
 
-
 ## Bad Waldsee: Brandstiftung an Asyl-UK
 Am Abend des **10.1.** wurde eine Geflüchtetenunterkunft im Kohlstattweg mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Das berichteten wir in der letzten Ausgabe. Inzwischen ist, wie die Staatsanwaltschaft am **14.7.** mitteilte, Anklage wegen versuchter schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit Sachbeschädigung erhoben worden. Der 27-jährige Beschuldigte sei seit Ende Mai in Untersuchungshaft, da er untertauchte und nach England zu fliehen versuchte. Sein 24-jähriger mutmaßliche Komplize ist auf freiem Fuß. Beide rechnet die Staatsanwaltschaft der rechten Szene zu. Gegen den 27-jährigen läuft aktuell ein Verfahren wegen Volksverhetzung.
 
 ## Ke: Graue Wölfe gegen Özdemir
 Nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung vom Folgetag wurde am **29.7.** aus einer Gruppe von über zwei Dutzend Personen der »Wolfsgruß« gezeigt. Der Gruß ist das Erkennungszeichen der faschistischen Grauen Wölfe, wie sich die Mitglieder der »Partei der Nationalistischen Bewegung« (MHP) nennen. Die Personengruppe traf sich um die Rede des Grünen-Chef Cem Ödemir am Hildegardplatz in Kempten zu stören. Sie beschimpften Özdemir als »Vaterlandsverräter«.
+
+## RAV: Hakenkreuz in Studi-Wohnheim
+Am **31.7.** wurde wiederholt eine Hakenkreuzschmiererei im Studentenwohnheim in der Briachstraße in Weingarten (Lkr. Ravensburg) entdeckt.
+
+## KE: AfD gegen Erstaufnahme
+Die AfD sieht im »Erstaufnahmelager« für Geflüchtete, das in Kempten eingerichtet werden soll, ein »unkalkulierbares Risiko für die öffentliche Sicherheit und den gesellschaftlichen Frieden«. Das habe der Kreisverband Oberallgäu / Lindau / Kempten laut Allgäuer Zeitung vom **2.8.** mitgeteilt.
+
+## OA: Brandstiftung an Asyl-UK?
+Am **30.8.** meldete das Kemptener Polizeipräsidium auf unsere Nachfrage bezüglich des Ermittlungsstandes zum Brand neben einer Asylsuchendenunterkunft in Oberstaufen: »Eine
+fremdenfeindliche Handlung schließen wir aufgrund des uns bislang bekannten Ergebnisses zur
+Brandursache und den Umfeldermittlungen derzeit mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit
+aus.« In der Nacht zum **1.4.** brannte  eine Garage im Oberstaufener Ortsteil Thalkirchdorf (Lkrs Ostallgäu) neben einer Geflüchtetenunterkunft. Der Brand wurde gegen 1 Uhr gemeldet und die Bewohner der Unterkunft aus Sicherheitsgründen evakuiert. Kurz vor Brandausbruch wurde eine »dunkel gekleidete« Person beobachtet, die sich in Richtung Garage bewegte. Die Bewohner mussten das Gebäude »in den Morgenstunden« erneut verlassen - zur Durchführung von Spurensicherungen! Was die Ermittlungen schließlich ergeben haben, wird sich zeigen, wenn es zu einer Gerichtsverhandlung kommt, die Polizei will sich nicht weiter dazu einlassen.
+
+## Illertissen: Hakenkreuz an Schule
+In der Nacht auf den **30.8.** wurde die Wand einer Schule in der Deitenheimer Straße besprüht. Auf unsere Nachfrage teilt die Polizei am 21.9 mit, dass ein Hakenkreuz und der Schriftzug »ACAB« aufgesprüht wurde. Täter\_innen konnten zu diesem Zeitpunkt nicht ermittelt werden.
+
+## NU: Schweinekopf an Geflüchtetenunterkunft
+Am **3.9.** legten Unbekannte den gegrillten Kopf eines Schweins vor eine Geflüchtetenunterkunft in Senden (Lkr. Neu-Ulm). Die Polizei schreibt dazu: »Ob es sich um eine politisch motivierte Provokation oder um einen unbedachten Streich handelt ist bisher unklar.«
+
+## MM: Kundgebung gegen Voice of Anger
+Am **12.9.** hielten einige Antifaschisten eine Kundgebung »Kein Raum für Nazis! Nicht in der ›Gartenschänke‹ noch sonstwo!« in der Nähe der von Neonazis gekauften »Gartenschänke« an der Kleingartenanlage in Buxach-Hart bei Memmingen ab.
+
+## HDH: Georg-Elser-Denkmal beschädigt
+Das Georg-Elser-Denkmal in der Paul-Reusch-Straße in Königsbronn (Lkr. Heidenheim) wurde in der Nacht auf den **12.9.** beschädigt. Standbild und Gedenktafel wurden nach der entsprechenden Polizeimeldung mit silberner Farbe besprüht. Außerdem sei die Metallfigur mit Bauschaum besprüht worden. Georg Elser versuchte am 8.11.1939 ein Attentat auf Adolf Hitler und nahezu die gesamte NS-Führungsspitze im Münchner Bürgerbräukeller - und scheiterte bekanntermaßen. Er wurde auf Weisung Hitlers nach über fünf Jahren Haft und KZ-Internierung von den Nazis ermordet. Geboren wurde er in der Nähe von Königsbronn und verbrachte einen Teil seines Lebens dort.
+
+## A: Rassist zahlt nicht, weil Geflüchtete das auch nicht täten
+Nach einem Bericht auf br.de vom **21.9.** wurde ein Pegida-Demonstrant wegen Leistungserschleichung verurteilt, weil er ohne Fahrkarte im Zug erwischt wurde. Vor Gericht habe er angegeben, er wolle genauso behandelt werden wie Flüchtlinge ohne Fahrschein, denn die müssten auch kein erhöhtes Beförderungsentgeld bezahlen. Dem Zugbegleiter sei der Aufdruck »Refugees not welcome« auf seiner Kleidung missfallen.
+
+## MM: AfD-Plakate beschädigt
+Zwischen 14 und **27.9.** wurden laut Polizeimeldung »zahlreiche« Plakate des Oberbürgermeister-Kandidaten der AfD »mit grüner Farbe übersprüht und es wurden persönliche Beleidigungen angebracht.«
+
+## UA: »Gegen Nazis!« gesprüht
+Am **29.9.** wurde der Polizei eine »Schmiererei« »GEGEN NAZIS!« in Bad Wörishofen (Lkr Unterallgäu) mitgeteilt.
+
+## OA: Anti-Islam Banner
+Am **4.10.** wurde in Weitnau (Lkr Ostallgäu) ein Banner »Deutschland unser Land, unsere Heimat! Merkel muss weg, no Islam« entdeckt. Der Heimat-Teil ist genau jener Spruch, mit dem die AfD - und in der Region aktuell vor allem Memmingens OB-Kandidat Maier - wirbt.

eisenburg
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Protest gegen AfD-OB-Kandidat Maier in Eisenburg
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Aktion
+  - AfD
+  - Demo
+Lizenz: 
+Abstract: Am 20.9. demonstrierten etwa 30 Menschen »Bunt, laut und kreativ – Gemeinsam gegen rechten Populismus« vor dem Schützenheim im schwäbischen Eisenburg. Im Gebäude hielt Christoph Maier einen Vortrag im Rahmen seiner Wahlkampftour durch Memmingen und die umliegenden Ortsteile. Im Saal waren wiederholt die Sprechchöre der Kundgebung zu vernehmen.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Im von der Initiative »Gegen Rassismus im Allgäu und sonstwo« verbreiteten Aufruf heißt es:
+
+»Das Klima in der Bundesrepublik wird rauer. Rassistische Phrasen, die bis vor wenigen Monaten außerhalb des Stammtisches niemand geäußert hat, sind im politischen Diskurs »normal« geworden. Die Zahl der Anschläge gegen Geflüchtete und deren Unterkünfte ist dramatisch gestiegen. Rechte Großdemonstrationen, bei denen »besorgte Bürger« Hand in Hand mit strammen Rassisten und Neonazis gegen alles demonstrieren, was nicht in ihr borniertes Menschenbild passt, sind an der Tagesordnung.«
+
+Die AfD präsentiere sich auch als »parlamentarischer Arm dieses Rechtsrucks«. Ihr Kandidat für das Amt des Memminger Oberbürgermeisters präsentierte sich dagegen bedacht kommunalpolitisch. Vor seinen etwa 45 Zuhörern betonte Maier, er würde – einen Wahlsieg vorausgesetzt – etwa dafür Sorge tragen, dass das Dach des Eisenburger Feuerwehrhauses besser gedämmt würde, sich für eine Verbesserung der öffentlichen Nahverkehrsverbindung nach Memmingen einsetzen und den Radweg in die Stadt beleuchten lassen.
+
+Unter den Zuhörern in Eisenburg befanden sich auch solche, die ihre extrem rechte Gesinnung offen zur Schau tragen – etwa mit einem Pullover des »Bündnis Deutscher Patrioten« (BDP). Bereits AfD-Landeschef Petr Bystron sorgte für Aufsehen, als er in entsprechend fragwürdiger Gesellschaft gesehen wurde.
+
+Christoph Maier behauptet, Gründungsmitlgied der Bayern-AfD zu sein. Tatsächlich taucht sein Name im Protokoll der zugehörigen Versammlung am 31.3.2013 auf. Der Jurist wurde mit 43 Stimmen zum Vorsitzenden des Schiedsgerichts des Bayerischen Landesverbandes. Zudem ist Maier 1. Vorsitzender des AfD-Kreisverband Memmingen/Unterallgäu. Auf Veranstaltungen dieses Kreisverbandes gab es schon früher offen neonazistischen Besuch von »Voice of Anger« und NPD.
+
+Thomas Wagenseil, der Beisitzer von Maiers AfD-Kreisverband, gibt sich auf seiner Facebook-Seite als Anhänger der »German Defence League« (GDL) zu erkennen. Andreas Speit, auf die extreme Rechte und Neonazis spezialisierter Journalist, schreibt über die GDL: »Das sind radikale Islam-Feinde mit Neonazi-Verbindung.« Als Profilbild setzte Wagenseil einen Auszug aus der ersten Strophe des Deutschlandliedes: »Deutschland Deutschland über alles«.
+
+Der Oberbürgermeisterkandidat Christoph Maier hat einige weitere Wahlkampftermine angekündigt. Seine Gegner wollen ihn weiter begleiten.
+
+(Zuerst erschienen beim [Störungsmelder](http://blog.zeit.de/stoerungsmelder).)

artcl
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+---
+Autor_in: Alboffensive
+Titel: Sigmaringen: Pegida abgesagt
+Rubrik: 
+Themen:
+  - AfD
+  - Pegida
+  - Demo
+Lizenz: 
+Abstract: Ein Kommentar der antifaschistischen Kampagne »Alboffensive – kein brauner Alb(t)raum!«
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+In Baden-Württemberg sind die Pegida-Ableger bisher bemerkenswert erfolglos geblieben. Lediglich in Karlsruhe finden noch regelmäßig Demonstrationen einer Pegida-Nachfolgeorganisation statt. Hier sind sie zu reinen Neonazi-Aufmärschen mutiert, deren Organisation von Mitgliedern und SympathisantInnen der Neonazi-Kleinstpartei »Die Rechte« übernommen wurde. Von der bürgerlichen Fassade ist dort nicht mehr viel übrig geblieben.
+Aber auch da, wie etwa in Dresden, wo noch bürgerliche Rechte und neonazistische Rechte miteinander auf die Straße gehen, sind sie in ihrem rassistischen Weltbild vereint. Lediglich im Ziel gibt es gewisse Differenzen. Der Neonazi will sein »Drittes Reich« und die rechte Bürgerin will ihre autoritär-stickiges Adenauer-Deutschland zurück haben. Beide blicken auf ihre jeweilige »goldene Zeit« mit Sehnsucht, weil in dieser Zeit Minderheiten kaum sichtbar waren, also in ihrem völkisch-rassistischen Verständnis Deutschland noch »Deutsch« war.
+Dem rassistischen Weltbild entsprechend sollen »die Anderen« also draußen bleiben. Diese »Anderen« sind je nach politischer Konjunktur und Vorliebe zum Beispiel »die Flüchtlinge«, »die Muslime« oder »die Roma«.
+
+Mit diesen Feindbilder und Feindmarkierungen lassen sich auch im Kreis Sigmaringen Menschen mobilisieren. So gut wie unbemerkt, mobilisierte die Facebook-Gruppe »Bildung statt BEA – Bad Saulgau«, unter dem Motto »Oberschwaben wehrt sich gegen Asylmissbrauch!«, in Bad Salgau Menschen gegen die Einrichtung einer »Bedarfsorientierten Erstaufnahmeeinrichtung«, kurz BEA. Vom Oktober bis zum November 2015 und noch einmal im März 2016 fanden bis zu sechs Kundgebungen mit bis zu 100 Beteiligten statt.
+In Sigmaringen selbst gab es seit dem November 2014 Protest gegen die Unterbringung von Flüchtlingen in der Graf-Stauffenberg-Kaserne. Dieser bündelte sich online in der Facebook-Gruppe »Nein zum Heim in Sigmaringen«.
+
+Am 25. September 2016 plante nun Pegida Dreiländereck in Sigmaringen auf dem Leopoldplatz 15 Uhr eine Kundgebung abzuhalten. Als Anmelder fungierte ein Marc Toller aus Meßkirch, der seine Anmeldung inzwischen wieder zurück gezogen hat. Er war gleichzeitig auch der einzige angekündigte Redner. Toller war früher offenbar in der örtlichen AfD aktiv.
+Auch in Sigmaringen existiert eine Kreisverband der AfD. Mit dem Tübinger Markus Frohnmaier als zeitweiligen Kreissprecher der AfD Sigmaringen seit 2014 und Moritz Brodbeck als zeitweiligen stellvertretenden Kreisvorsitzenden waren auch zwei ausgesprochene Hardliner der AfD Mitglied im Kreisvorstand.
+Der AfD-Landtagsabgeordnete Lars-Patrick Berg war bis Sommer 2014 sogar ein knappes Jahr als Pressesprecher im Landratsamt in Sigmaringen tätig. Anschließend wechselte er als Pressesprecher für die AfD ins Europaparlament nach Brüssel.
+
+Gegen die Pegida-Kundgebung formierte sich vor Ort schnell Widerstand. Auch wenn es damit noch lange nicht getan ist, müssen rechte Aufmärsche und rassistische Straßenproteste verhindert und blockiert werden. Es hat sich gezeigt, wo Pegida entschieden und zahlreich gegenüber getreten wurde, da konnte sich die rechtspopulistische Bewegung sich nicht etablieren.
+Auch die Alboffensive plante sich am Gegenprotest zu beteiligen. Leider vertreten die Anmelderinnen der, ursprünglich in Reaktion auf die Pegida-Kundgebung, angemeldeten Veranstaltung unter dem Titel »Sigmaringen ist bunt« eine Position, die sie selbst als »unpolitisch« bezeichnen. Daraus resultiert die widersprüchliche Haltung, sich zwar gegen Rassismus zu positionieren, nicht aber zu Pegida äußern zu wollen.
+Am Sonntag, den 25. September, sollen deswegen bei »Sigmaringen ist bunt« explizit keine politische Reden gehalten werden. Stattdessen soll eine Pro-Flüchtlingsveranstaltung unter Einbezug der Geflüchteten stattfinden. Die Zusammenarbeit mit Geflüchteten ist ausdrücklich zu begrüßen.
+
+Wir als Alboffensive halten aber diese entpolitisierte Haltung für einen großen Fehler. Rechte Erscheinungen verschwinden in der Regel nicht, wenn über sie geschwiegen wird. Eine klare antifaschistische Position und eine explizite Benennung der Probleme ist notwendig. Erscheinungen wie Pegida, AfD oder Neonazis verschwinden nicht dadurch, dass man sie ignoriert. Wir sehen uns deswegen nicht in der Lage die Veranstaltung am 25. September zu unterstützen, wünschen ihr aber viel Erfolg. Es ist generell erst einmal zu begrüßen, wenn Menschen vor Ort auf eine anstehende rechte Veranstaltung reagieren, auch wenn wir die Haltung für falsch halten.
+
+Rassismus Grenzen aufzeigen!

nopegdia
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@@ -0,0 +1,26 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+RezTitel: NoPegida
+RezUntertitel: Die helle Seite der Zivilgesellschaft?
+RezAutor_in: Stine Marg et al
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: transcript
+ISBN: 978-3-8376-3506-5
+Umfang: 168 Seiten
+Preis: 19,99
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Pegida
+  - Protest
+  - Studie
+  - Rechts
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+Die NoPegida-Proteste organisierten sich vielerorts als Reaktion auf Pegida, die »Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes«. Wurde Pegida als Ausdruck von Ressentiments gegenüber religiösen Minderheiten, der »Lügenpresse« und den »Volksverrätern« interpretiert, gilt NoPegida als das leuchtende Gegenbeispiel: Sie stehen ein für Weltoffenheit, Freiheit, Gleichheit und Toleranz und werden somit als Garant und Ausdruck einer offenen und funktionierenden Zivilgesellschaft und als Gestalter einer »Willkommenskultur« wahrgenommen.
+
+Doch wie steht es wirklich um NoPegida? Was motiviert den Protest? Was verstehen die Demonstranten unter Freiheit, Gleichheit, Toleranz und Weltoffenheit und welche politischen Deutungsmuster und Werthierarchien prägen sie?
+
+Nach dem viel beachteten Buch zu Pegida legt das Göttinger Institut für Demokratieforschung nun ein detailliertes Bild des Gegenprotestes vor und untersucht, inwieweit man NoPegida tatsächlich als demokratisches Gegenstück zu Pegida interpretieren kann. (Buchrücken)

afd lindenberg
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@@ -0,0 +1,25 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Protest gegen die AfD – gfür ein weltoffenes Allgäu«
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Aktion
+Lizenz: 
+Abstract: Mit etwa 300 Besuchern konnten AfD-Bundessprecherin Frauke Petry und Landeschef Petr Bystron im Löwensaal der Stadt Lindenberg im Allgäu weniger Gäste als erwartet begeistern. Dafür zogen sie bei weitem mehr Gegner als erwartet an. Etwa 700 Personen trafen sich zu Kundgebung, Demonstration und Blockadeversuchen.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Für den 11. Juni lud der Kreisverband Lindau-Kempten-Oberallgäu der AfD zu einem Auftritt der Budessprecherin ihrer Partei Frauke Petry in den Löwensaal der Stadt Lindenberg. Der bayerische Landesvorsitzende Petr Bytron und der Vorsitzende des lokalen Kreisverbandes sprachen ebenfalls. Trotzdem gaus Sicherheitsgründen« nur eingelassen wurde, wer sich im Vorfeld mit Name und Anschrift registrieren ließ, blieben einige Stühle leer und die Besucherzahlen mit nur 300 Gästen hinter den Erwartungen zurück. Beim Auftritt in der 11.000-Einwohner-Stadt musste die Partei keine peinlichen Gäste aus der neonazistischen Rechten wie im Münchner Hofbräukeller beklagen. Für die Durchsuchung und Vorkontrolle wurde der »DSSD Sicherheitsdienst« aus Pfullendorf engagiert, im Saal war zusätzlich eine Vielzahl AfD-eigener Ordner eingesetzt.
+
+Bereits vor Einlass um 14 Uhr postierten sich einige AfD-Kritiker direkt vor dem Eingang des Löwensaales, um gegen den Auftritt von Frauke Petry zu demonstrieren. Ohne die bereits anwesenden Protestierenden zu entfernen sperrte die Polizei kurz darauf den Bereich unmittelbar vor dem Eingang des Veranstaltungssaales für AfD-Kritiker. Diese sammelten sich nunmehr an den Sperrpunkten und empfingen die Besucher der AfD-Veranstaltung lautstark protestierend – für die AfD ein »Speißrutenlaufen vor dem Saal« (Fehler im Original). Laut Augenzeugen wurden dadurch sogar einige Interessierte dazu bewegt, die Veranstaltung doch nicht zu besuchen.
+
+Gleichzeitig begann unter dem Motto gLindenberg bleibt bunt! Gemeinsam gegen Rassismus und Rechtspopulismus« um 14:30 eine erste Kundgebung von SPD, Jusos und Grünen auf dem Stadtplatz unweit des Löwensaales. Anschließend umkreiste eine Demonstration den Veranstaltungsort der AfD. Lautstark umrundeten die AfD-Kritiker den Veranstaltungsort der Partei zwei Mal, was zeitweise bis in den Löwensaal hinein zu vernehmen war, ohne allerdings eine Störung der Versammlung darzustellen. Hierzu eingeladen hatten einige antirassistische Gruppen, darunter die »Initiative gegen Rassismus Westallgäu«, das »Antirassistische Jugendaktionsbür« im react!OR und »Gegen Rassismus im Allgäu und sonstwo«. Unter dem Motto »Kein Platz für Rassismus – Grenzenose Solidarität statt rechter Hetze« positionierte sich der Aufruf mit folgenden Worten »für ein weltoffenes Allgäu«.
+
+gAnstatt […] die unzureichenden Vorkehrungen zur Aufnahme und Versorgung von Geflüchteten und die katastrophalen Bedingungen an den EU-Außengrenzen und in vielen Erstaufnahmeländern der EU zu kritisieren, richtet die AfD ihre Propaganda gegen eben jene Menschen, die in ihren Herkunftsländern, auf der Flucht und auch in der BRD bereits genug Leid erfahren mussten. Es ist aus unserer Sicht ein Fehler, dass die Lindenberger Stadtverwaltung der AfD ihre Räumlichkeiten zur Verfügung stellen will und damit eine Plattform für ihre rassistische Stimmungsmache bietet. Dass auf dieser Veranstaltung nun ausgerechnet Frauke Petry auftreten soll, die mit ihrer Forderung nach einem Schießbefehl an deutschen Grenzen für bundesweites Aufsehen gesorgt hat, verschärft diese Problematik noch zusätzlich. […] Bei uns gibt es genug Platz für geflüchtete Menschen, nicht aber für rassistische Hetze.«
+
+In einem Offenen Brief kritisierte die gInitiative Gegen Rassismus Westallgäu« die Stadtverwaltung dafür, den Löwensaal zur Verfügung zu stellen. Die Partei schüre »mit ihren populistischen Äußerungen eine gefährliche rassistische Grundstimmung« und biete somit einen »fruchtbaren Nährboden« für Gewalttaten wie die Brandaschläge in Marktoberdorf und Kaufbeuren. Wenn man den Auftritt schon nicht verhindern könne, solle man als Stadtverwaltung wenigstens »ein deutliches AfD- und rassismuskritisches öffentliches Statement in Erwägung ziehen.« Eine Reaktion erhielt die Initiative, wie ein Mitglied erklärt, nicht. Im Interview mit der Lokalzeitung hält Lindenbergs Bürgermeister Eric Ballerstedt dagegen, es gäbe keine gesetzeskonforme Lösung, den Saal nicht an eine zugelassene Partei zu vermieten. »Das Podium und die Aufmerksamkeit haben andere geschaffen«, sagt er und spielt damit offenbar auf die Gegenproteste an.
+
+»Ohne nennenswerte Störungen« verlief der Tag laut Polizei. Diese hielt den Demonstrationszug mehrmals an und fertigte Videoaufnamen der Versammlung. Zur Erklärung wurde angeführt, es läge der Anfangsverdacht auf Straftaten vor. Nach Beendigung der Versammlungen hieß es dann, die Aufnahmen seien gelöscht worden, weil sich der Verdacht jeweils nicht bestätigt hätte. Allerdings ermittelt die Polizei gegen Unbekannt. Einige Tage vor dem Auftritt von Frauke Petry wurde in Lidenberg ein Handzettel in Briefkästen eingeworfen, auf dem die Bürger Lindenbergs dazu aufgerufen wurden, die öffentliche Parkplätze um den Löwensaal zu beparken um zu zeigen, »dass sie keine rechte Hetze in ihrer Stadt dulden.« Als Verantwortlicher für den Aufruf wurde ein lindenberger AfD-Mitglied benannt, das für die Organisation der Veranstaltung mit Frauke Petry verantwortlich ist. Dieses hat Anzeige erstattet, weswegen nun wegen Urkundenfälschung ermittelt wird.
+
+Während eines der Redebeiträge wurde darauf hingewiesen, dass sich in Kempten erneut eine rassistische Bewegung zu etablieren versucht. Nachdem gAllgäuer gegen die Islamisierung des Abendlandes« (»Allgida«) bereits einmal scheiterten, kündigte ein Tätowieren ohne Studio vor einem Monat an, es als »Division Kempten – Nationaler Widerstand« erneut zu versuchen. Er wollte als »Allgida Kempten« unter dem Motto »Deutsche zu erst Asyl Flut stopen« durch Kempten marschieren und kündigte als Redner die Neonazis Viktor Seibel und Daniel Köckert an. Nachdem der Verfassungsschutz die Überwachung des Projekts begann und Antifaschisten gegen das Event zu mobilisieren begannen, zog der Initiator seine Ankündigung auch mit Verweis auf Antifaschistische Aktivitäten zurück – ohne dass Antifaschisten tatsächlich agieren mussten. Trotzdem wird weiter zu Gegenaktivitäten aufgerufen: »Jetzt erst recht! Allgida? Nein Danke!«. Weiterhin sei die Gefahr Rechter Kundgebungen und Demonstrationen durch »Allgida« oder andere Gruppierungen nicht gebannt. Um für eine möglicherweise überraschende Neuanmeldung gerüstet zu sein wird vorerst für den zuletzt von »Allgida« angekündigten Termin der »Allgida« am 2.7.2016 mobilisiert. Nach eigenen Angaben ist der Gründer der Gruppierung zwar ausgestiegen, sie würde jedoch weiter von »guten Patrioten« geführt.

integrationsgesetz
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@@ -0,0 +1,18 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Dritte Brandstiftung bei Asylsuchenden in Kaufbeuren
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Aktion
+  - Anschlag
+Lizenz: 
+Abstract: In der Nacht zum 14.7. wurde im Keller eines Hauses, in dem Asylsuchende untergebracht sind, ein Feuer entfacht. In Kaufbeuren-Neugablonz ist das die dritte Brandstiftung zum Nachteil Geflüchteter in diesem Jahr. Zwei Dutzend Menschen zeigten ihre Solidarität.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Wie die Polizei meldet, wurden am 14.6. Kleidungsstücke im Keller eines Hauses in Kaufbeuren-Neugablonz vorsätzlich in Brand gesteckt. In dem Haus in der Grünwalderstraße sind auch Asylsuchende untergebracht. Der Brand wurde bereits gegen 5 Uhr von Heimkehrenden bemerkt und gelöscht, verletzt wurde niemand. Die Polizei ist sich sicher, dass es sich um Brandstiftung handelt, kennt aber weder Motiv noch Täter. Ein Mitarbeiter des mit der Bewachung des Gebäudes beauftragten Sicherheitsdienstes bestätigt, dass zum fraglichen Zeitpunkt jeder hätte in das Haus gelangen können. Isolde Radler, die Asylsuchende in Kaufbeuren betreut, sagte der Allgäuer Zeitung: »Wir müssen von Brandstiftung und Fremdenfeindlichkeit ausgehen«.
+
+Auch wenn noch nicht klar sei ob es sich im jüngsten Fall tatsächlich um eine rassistisch motivierte Brandstiftung handelte, riefen Antifaschisten zur Solidarität mit den Betroffenen auf. Spontan hielten etwa 25 Personen eine Kundgebung vor dem betroffenen Gebäude in der Grünwalderstraße ab. Auch Hausbewohner beteiligten sich. Zwei Monate zuvor brannte es bereits nur wenige Meter entfernt im Keller eines Gebäudes, in dem ebenfalls Flüchtlinge untergebracht sind. Drei Menschen mussten ins Krankenhaus verbracht werden.
+
+Anschließend zog man wenige Straßen weiter vor das Gebäude, das im Februar durch Brandstiftung unbewohnbar gemacht wurde. Auch hier sollten Geflüchtete untergebracht werden. Nach einer kurzen Zwischenkundgebung zog die Demonstration zum »Neuen Markt«, wo die Solidaritätsbekundung ihren Abschluss fand. (*zuerst erschienen beim Störungsmelder*)
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+++ b/artikel/Verfassung_gegen_Blutrecht.mdwn
@@ -0,0 +1,29 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Verfassung gegen Blutrecht
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Repression
+  - Aktion
+  - Antifa
+  - Rassismus
+Lizenz: 
+Abstract: 
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Bayernweit finden Aktionen gegen den CSU-Entwurf eines »Integrationsgesetzes« statt. Das ist auch bitter nötig. Sollte das Gesetz verabschiedet werden – was aufgrund der CSU-Mehrheit im Landtag zu erwarten ist –, will ein breites Bündnis vor dem Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe dagegen klagen. Oppositionsparteien, Gewerkschaften, Verbände und antifaschistische Gruppen üben heftig Kritik an dem Entwurf, den Bayerns Regierungspartei Anfang Juni in den Landtag einbrachte. Der Vorstoß der Staatsregierung sei »ein Angriff auf uns alle«, der verhindert werden müsse, heißt es im Aufruf des Bündnisses, das im April auf Einladung des ver.di-Arbeitskreises »Aktiv gegen rechts« im Gewerkschaftshaus zusammenfand. Das Spektrum reicht von der Münchner Ortsgruppe der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) über den Bundesvorstand der Vereinigung Demokratischer Juristinnen und Juristen bis zur SPD-Fraktion im Bayerischen Landtag, die von einem »Abschottungs- und Ausgrenzungsgesetz« spricht. So sollen Geflüchtete weiter keinen Rechtsanspruch auf Integrationsleistungen erhalten. »Statt dessen drohen immer mehr Sanktionen für vermeintlich Integrationsunwillige, die Angebote nicht in Anspruch nehmen, die es gar nicht gibt«, sagte Nicole Gohlke, Münchner Bundestagsabgeordnete der Linksfraktion und Teilnehmerin der Demonstration gegen das bayerische »Integrationsgesetz« am Sonntag in München. Laut Veranstalter waren 1.500 Menschen zusammengekommen.
+
+Das Vorwort zum Gesetzentwurf nimmt Bezug auf die »Flüchtlingskrise«, die Bayern vor enorme Herausforderungen stelle. Zu deren Bewältigung sei das Gesetz vorgelegt worden, das »konsequent den doppelten Ansatz des ›Förderns‹ und des ›Forderns‹« verfolge. Gefordert wird vor allem die Unterwerfung unter eine bayerische »Leitkultur«. Während der Begriff dabei völlig unbestimmt bleibt, wird mit Sanktionen bei Verstößen gedroht.
+
+Selbst Menschen, die längst deutsche Staatsbürger sind, aber »zumindest einen Eltern- oder Großelternteil haben«, der eingewandert ist, gelten laut Begriffsdefinition als »in besonderer Weise integrationsbedürftig«. Außerdem sollen dazu all diejenigen gehören, die die deutsche Sprache nicht so »gut« beherrschen, wie es die CSU gerne hätte.
+
+Der Gesetzentwurf hat auch Auswirkungen auf Kindergärten und Schulen. Kinder, die in Abschiebezentren leben müssen, sind von der Schulpflicht ausgeschlossen, womit ihnen faktisch der Zugang zur Schule verwehrt ist. Nach dem Motto »Schulrecht folgt dem Asylrecht« können alle Verschlechterungen in der entsprechenden Gesetzgebung und im Status der Eltern auf die Kinder übertragen werden. Die Fraktionschefin der Grünen im Bayerischen Landtag, Margarete Bause, sagte vor gut drei Wochen der Süddeutschen Zeitung, es verstoße gegen die UN-Kinderrechtskonvention, »dass man den Kindern das Recht auf Bildung vorenthält«.
+
+Der CSU-Entwurf sieht außerdem vor, das Innenministerium solle bei der Vergabe von öffentlich geförderten Wohnungen »dafür Sorge tragen, dass möglichst nur Wohnungssuchende benannt werden, deren Zuzug einseitige Bewohnerstrukturen weder schafft noch verfestigt«. Der Partei geht es dabei um Einwanderer, unterschiedliche Bildungs- und Einkommensschichten oder Milieus.
+
+Unterkünfte für Asylsuchende sollen zu »gefährlichen Orten« erklärt werden. So könnten etwa ohne Anlass Personenkontrollen durchgeführt und Wohnungen jederzeit ohne richterlichen Beschluss durchsucht werden. Der Zugang zu öffentlichen Einrichtungen wie Schwimmbädern oder Bibliotheken soll »von einer vorherigen Belehrung und dem ausdrücklichen Anerkennen der bestehenden Vorschriften abhängig gemacht werden« können. Demnach müssten dort Beschäftigte wohl von »nichtdeutsch« aussehenden Menschen verlangen, sich auszuweisen, um sie im Zweifel zu belehren oder ihnen den Zutritt zu verwehren.
+
+In der Präambel des Gesetzentwurfs will die CSU alle auf ihre »Leitkultur« festlegen: »Jeder einzelne ist daher zur Wahrung des Rechts und zur Loyalität gegenüber Volk und Verfassung, Staat und Gesetzen verpflichtet.« Im Fall »demonstrativer Regelverstöße« sieht das Gesetz die Einbestellung der Betroffenen zu Integrationskursen vor. Nicht nur eine »Ahndungsmöglichkeit für das Nichterscheinen« ist geplant. Selbst auf »Unmutsbekundungen« sollen ausdrücklich Sanktionen folgen können. Nach dem Willen der CSU soll künftig mit Geldbuße bis zu 50.000 Euro bestraft werden, wer die »geltende verfassungsmäßige Ordnung« missachte. Damit sind nicht zwingend Straftaten oder Ordnungswidrigkeiten gemeint. Es ist durchaus denkbar, dass solche Instrumente etwa gegen antikapitalistische Bewegungen eingesetzt werden.
+
+Klaus Hahnzog, ehrenamtlicher Richter am Bayerischen Verfassungsgerichtshof und ehemals dritter Bürgermeister der Landeshauptstadt München, hält den Vorstoß der bayerischen Staatsregierung für verfassungswidrig. Der Gesetzentwurf verstoße klar gegen das Rechtsstaatsprinzip. Das Bündnis will im Fall der Verabschiedung klagen. Auch auf Bundesebene ist ein entsprechendes »Integrationsgesetz« geplant.

afd
diff --git a/Ausgaben/09/artikel/kurz_notiert.mdwn b/Ausgaben/09/artikel/kurz_notiert.mdwn
index e9ad87b..2ea830b 100644
--- a/Ausgaben/09/artikel/kurz_notiert.mdwn
+++ b/Ausgaben/09/artikel/kurz_notiert.mdwn
@@ -63,7 +63,11 @@ Auf unsere Nachfrage gab die Vorarlberger Polizei am **12.7.** an, noch immer ke
 Wie die Allgäuer Zeitung vom **4.2.** berichtet, wurden Sprengkörper unter einer Bank vor einer Asylsuchendenunterkunft in Hard bei Bregenz gezündet. Die Explosion war derartig wuchtig, dass drei Fensterscheiben zu Bruch gingen. Die Polizei erklärte auf unsere Nachfrage am **12.7.**, dass es noch immer keine neuen Ermittlungsergebnisse gäbe. Der oder die Täter\_innen sind demnach noch immer unbekannt.
 
 ## OA: Keine Räume der AfD
-Der Kreisverband Oberallgäu / Lindau / Kempten der AfD muss am **15.7.** seinen für den 26.7. geplanten Vortrag mit Peter Boehringer absagen. Gemeinderäte und Bürgermeister in Sulzberg würden dem Kreisverband Räumlichkeiten verwehren. In anderen Orten des Kreisverbandes sei es ebenso. Das ist sicher auch auf die jüngsten Protestaktionen gegen die AfD zurück zu führen. Statt dessen wird geladen zu einem »gemütlichen Ausklang« ohne Tagesordnung in den Biergarten des Hotel Seekrone in Wasserburg. Das Handtuch werfen will der Kreisverband aber offenbar nicht. Er ruf gleichzeitig zu Spenden auf. Die Betreiber der Seekrone sagen vorab, die AfD sei weder angemeldet, »noch sind die bei uns erwünscht.«
+Der Kreisverband Oberallgäu / Lindau / Kempten der AfD muss am **15.7.** seinen für den 26.7. geplanten Vortrag mit Peter Boehringer absagen. Gemeinderäte und Bürgermeister in Sulzberg würden dem Kreisverband Räumlichkeiten verwehren. In anderen Orten des Kreisverbandes sei es ebenso. Das ist sicher auch auf die jüngsten Protestaktionen gegen die AfD zurück zu führen. Statt dessen wird geladen zu einem »gemütlichen Ausklang« ohne Tagesordnung in den Biergarten des Hotel Seekrone in Wasserburg. Das Handtuch werfen will der Kreisverband aber offenbar nicht. Er ruf gleichzeitig zu Spenden auf. Die Betreiber der Seekrone sagen vorab, die AfD sei weder angemeldet, »noch sind die bei uns erwünscht.« Zu Gast in dem Hotel war die Partei trotzdem, habe aber keine politische Aussage nach außen getragen.
+
 
 ## Bad Waldsee: Brandstiftung an Asyl-UK
 Am Abend des **10.1.** wurde eine Geflüchtetenunterkunft im Kohlstattweg mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Das berichteten wir in der letzten Ausgabe. Inzwischen ist, wie die Staatsanwaltschaft am **14.7.** mitteilte, Anklage wegen versuchter schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit Sachbeschädigung erhoben worden. Der 27-jährige Beschuldigte sei seit Ende Mai in Untersuchungshaft, da er untertauchte und nach England zu fliehen versuchte. Sein 24-jähriger mutmaßliche Komplize ist auf freiem Fuß. Beide rechnet die Staatsanwaltschaft der rechten Szene zu. Gegen den 27-jährigen läuft aktuell ein Verfahren wegen Volksverhetzung.
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+## Ke: Graue Wölfe gegen Özdemir
+Nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung vom Folgetag wurde am **29.7.** aus einer Gruppe von über zwei Dutzend Personen der »Wolfsgruß« gezeigt. Der Gruß ist das Erkennungszeichen der faschistischen Grauen Wölfe, wie sich die Mitglieder der »Partei der Nationalistischen Bewegung« (MHP) nennen. Die Personengruppe traf sich um die Rede des Grünen-Chef Cem Ödemir am Hildegardplatz in Kempten zu stören. Sie beschimpften Özdemir als »Vaterlandsverräter«.

seedings will nicht
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@@ -53,8 +53,8 @@ In der Nacht zum **5.7.** haben sich in Haldenwang ein 19- und ein 43-Jähriger
 ## KE: »Asyl ist Menschenrecht«
 Bis zum **9.7.** war im Verdi-Haus in Kempten eine Ausstellung »Asyl ist Menschenrecht« zu sehen.
 
-## Ke: Hitlergruß und »erhebliche Belästigung« türkischer Familie
-Am Abend des **11.7.**, wurde die Polizei, so berichtet sie am Folgetag, zu einer »Streitigkeit« gerufen. Es hieß, dass ein 48-jähriger »türkischer Familienvater« und seine Familie »immer wieder von einer Mitbewohnerin erheblich belästigt wird«. »Neben ausländerfeindlichen Äußerungen zeigte die Frau noch den anwesenden Polizeibeamten den »Hitlergruß‹.« Dafür wurde sie wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingehandelt. Welche »ausländerfeindlichen Äußerungen« fielen, sagt die Polizei nicht.
+## KE: Hitlergruß und »erhebliche Belästigung« türkischer Familie
+Am Abend des **11.7.**, wurde die Polizei, so berichtet sie am Folgetag, zu einer »Streitigkeit« gerufen. Es hieß, dass ein 48-jähriger »türkischer Familienvater« und seine Familie »immer wieder von einer Mitbewohnerin erheblich belästigt wird«. »Neben ausländerfeindlichen Äußerungen zeigte die Frau noch den anwesenden Polizeibeamten den »Hitlergruß‹.« Dafür wurde sie wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen angezeigt. Auf Nachfrage präzisierte die Polizei, die Frau habe gesagt, »dass Türken hier nichts verloren haben und abhauen sollen.«
  
 ## Vorarlberg: Keine Aufklärung zu Nazi Konzert
 Auf unsere Nachfrage gab die Vorarlberger Polizei am **12.7.** an, noch immer keine neuen Erkenntnisse zum geheimen Konzert des verbotenen B&H-Netzwerkes zu haben - nach über drei Monaten Ermittlungszeit! Wir berichteten damals wie folgt. Am **5.3.** veranstalte das in Deutschland verbotene »Blood & Honour«-Netzwerk ein geheimes Konzert, an dem laut Sicherheitslandesrat Schwärzler (ÖVP) rund 70 Personen teilgenommen hätten. Wo genau in Vorarlberg das im Geheimen organisierte Konzert statt gefunden hat, ist bisher schleierhaft, erst im Nachhinein wurde es überhaupt bekannt. Eigentlich hätte es in Thüringen stattfinden sollen. Zum Auftakt soll ein »Schießwettkampf« in Feldkirch ausgerichtet worden sein. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands sieht insgesamt ein Aufblühen der rechtsextremen Szene. Bereits Ende der 80er bildete sich damals eine lebhafte Nazi-Skinhead-Szene. In den 90ern »sorgten Vorarlberger Skinheads vor allem durch Übergriffe auf Punks, Linke und ausländische Jugendliche für Schlagzeilen. Kaum öffentlich wahrgenommen wurde dagegen eine extrem Häufung von Bränden in Ausländerwohnheimen in Vorarlberg 1993«, heißt es in der 2003 veröffentlichten Broschüre »Gegen Rechtsextremismus« des Jüdischen Museum Hohenems. Die Pressestelle der Landespolizeidirektion teilte etwa einen Monat später »auf Anfrage des ORF Vorarlberg mit, dass vom Konzert im März nichts bekannt sei. Man werde sich jedoch um den Fall kümmern.«
@@ -63,4 +63,7 @@ Auf unsere Nachfrage gab die Vorarlberger Polizei am **12.7.** an, noch immer ke
 Wie die Allgäuer Zeitung vom **4.2.** berichtet, wurden Sprengkörper unter einer Bank vor einer Asylsuchendenunterkunft in Hard bei Bregenz gezündet. Die Explosion war derartig wuchtig, dass drei Fensterscheiben zu Bruch gingen. Die Polizei erklärte auf unsere Nachfrage am **12.7.**, dass es noch immer keine neuen Ermittlungsergebnisse gäbe. Der oder die Täter\_innen sind demnach noch immer unbekannt.
 
 ## OA: Keine Räume der AfD
-Der Kreisverband Oberallgäu / Lindau / Kempten muss am **15.7.** seinen für den 26.7. geplanten Vortrag mit Peter Boehringer absagen. Gemeinderäte und Bürgermeister in Sulzberg würden dem Kreisverband Räumlichkeiten verwehren. In anderen Orten des Kreisverbandes sei es ebenso. Das ist sicher auch auf die jüngsten Protestaktionen gegen die AfD zurück zu führen.
+Der Kreisverband Oberallgäu / Lindau / Kempten der AfD muss am **15.7.** seinen für den 26.7. geplanten Vortrag mit Peter Boehringer absagen. Gemeinderäte und Bürgermeister in Sulzberg würden dem Kreisverband Räumlichkeiten verwehren. In anderen Orten des Kreisverbandes sei es ebenso. Das ist sicher auch auf die jüngsten Protestaktionen gegen die AfD zurück zu führen. Statt dessen wird geladen zu einem »gemütlichen Ausklang« ohne Tagesordnung in den Biergarten des Hotel Seekrone in Wasserburg. Das Handtuch werfen will der Kreisverband aber offenbar nicht. Er ruf gleichzeitig zu Spenden auf. Die Betreiber der Seekrone sagen vorab, die AfD sei weder angemeldet, »noch sind die bei uns erwünscht.«
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+## Bad Waldsee: Brandstiftung an Asyl-UK
+Am Abend des **10.1.** wurde eine Geflüchtetenunterkunft im Kohlstattweg mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Das berichteten wir in der letzten Ausgabe. Inzwischen ist, wie die Staatsanwaltschaft am **14.7.** mitteilte, Anklage wegen versuchter schwerer Brandstiftung in Tateinheit mit Sachbeschädigung erhoben worden. Der 27-jährige Beschuldigte sei seit Ende Mai in Untersuchungshaft, da er untertauchte und nach England zu fliehen versuchte. Sein 24-jähriger mutmaßliche Komplize ist auf freiem Fuß. Beide rechnet die Staatsanwaltschaft der rechten Szene zu. Gegen den 27-jährigen läuft aktuell ein Verfahren wegen Volksverhetzung.

lustenau
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@@ -14,8 +14,11 @@ Abstract: Eine unvollständige Chronik bedenkenswerter Vorfälle und einiger Akt
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-## KE: Hitlergruß verurteilt
-Am Nachmittag des **11.3.** zeigte ein 34-jähriger den »Hitlergr«. Nach dem Bericht der Allgäuer Zeitung vom **15.6.** wurde er zu 1200 Euro Geldstrafe (80 TS) verurteilt. Damals berichteten wir, dass der Täter bereits mehrfach auch wegen Körperverletzung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen Vorbestraft ist und mehrere Haftstrafen verbüßte. Einen Bezug zu neonazistischen Kreisen mochte die Polizei damals nicht erkennen. Von den Vorstrafen wegen Körperverletzungen und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen berichtet die Allgäuer Zeitung nicht, von anderen schon.
+## Steigerung rechter Straftaten
+Im ersten Quartal 2016, also bis zum **31.3.** registrierte die Polizei im Bereich des Präsidiums Schwaben Süd/West eine Steigerung der Straftaten, die sie dem »Phänomenbereich Politisch Motivierte Kriminalität (PMK) - rechts« zuordnet. Das antwortet deren Sprecher auf unsere Nachfrage. Im Übrigen sei auch ein Anstieg im Bereich PMK-links zu verzeichnen.
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+## Lustenau (Ö): Waffen und Munition
+Am **4.5.** stellte die Polizei im Vorarlberger Lustenau zwei Maschinenpistolen, eine Pumpgun, eine Pistole und weitere Waffen mit zugehöriger Munition und 1,8 Kilo Schwarzpulver sicher. Gegen den 27-jährigen Täter bestand bereits ein behördliches Waffenverbot. Ob der Mann Bezüge zur extremen rechten aufweist und worauf das Waffenverbot beruhte möchte die Polizei nicht sagen, er selbst schweigt zu seinen Motiven.
 
 ## Ob: Kirche schwarz-rot-gold
 Die Allgäuer Zeitung vom **3.6.** berichtet, dass die Kirche im Ostallgäuer Ob komplett verhüllt ist - in den deutschen Nationalfarben! Allerdings seien das reiner Zufall; die Kirche würde lediglich »wegen Schädlingsbefall begast«. Wer's glaubt...
@@ -23,9 +26,21 @@ Die Allgäuer Zeitung vom **3.6.** berichtet, dass die Kirche im Ostallgäuer Ob
 ## KE: Graffiti gegen Schlachten
 Zwischen 7. und **10.6.** besprühten Unbekannte nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung vom 13.6. einen Anhänger in der Kaufbeurer Straße mit gelber Farbe. Die Polizei sieht einen Zusammenhang mit einer vorhergehenden Tat in der Bleicherstraße: »Auch hier wurde ein hetzerischer Schriftzug gegen das Schlachten von Tieren angebracht«.
 
+## KE: Hitlergruß verurteilt
+Am Nachmittag des **11.3.** zeigte ein 34-jähriger den »Hitlergr«. Nach dem Bericht der Allgäuer Zeitung vom **15.6.** wurde er zu 1200 Euro Geldstrafe (80 TS) verurteilt. Damals berichteten wir, dass der Täter bereits mehrfach auch wegen Körperverletzung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen Vorbestraft ist und mehrere Haftstrafen verbüßte. Einen Bezug zu neonazistischen Kreisen mochte die Polizei damals nicht erkennen. Von den Vorstrafen wegen Körperverletzungen und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen berichtet die Allgäuer Zeitung nicht, von anderen schon.
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+## Winterrieden: Asylsuchende verprügelt
+Vier Eritreer wurden in der Nacht auf den **18.6.** in Winterrieden bei Memmingen (Lkrs Unterallgäu) »von einer Gruppe Deutscher in deutlicher Überzahl tätlich angegriffen und verletzt.« Später zogen vermummte Gestalten um die dortige Asylscuhendenunterkunft. Das berichtet die Allgäuer Zeitung am 5.7., nachdem die Tat im Mitteilungsblatt der Gemeinde Winterrieden bekannt gemacht wurde. Die Polizei hat den Vorfall bis dahin zurück gehalten, dann aber bestätigt. Es handele sich um »Besucher der Sonnwendfeier aus Memmingen und Umgebung«, wie die Zeitung weiter schreibt. Von der Feier des FV Winterrieden aus hätten die Angreifer die jungen Eritreer bis zu ihrer Unterkunft verfolgt und sie auf dem Weg und davor angegriffen. Die Polizei wolle sich nicht äußern, inwiefern »Fremdenfeindlichkeit« eine Rolle gespielt hätte. Der Helferkreis Winterrieden, der den Vorfall im Gemeinde-Mitteilungsblatt veröffentlichte, gibt sich verständnisvoll: »Hat jemand einen konkreten Nachteil durch die Flüchtlinge erfahren? Wir haben durchaus Verständnis dafür, dass die Begegnung mit fremden Kulturen Unsicherheit und Ängste hervorrufen kann.« Man müsse aber »gewalttätigem Reden und Handeln entschieden entgegen« treten.
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 ## MOD: »Reichsbürgerin« flüchtig
 Die »Reichsbürgerin«, die Anfang des Jahres während ihres Gerichtsverfahrens die Akte klaute (wir berichteten), ist nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung vom **24.6.** flüchtig, nachdem ein Haftbefehl eröffnet wurde.
 
+## MOD: Hitlergruß
+In Anwesenheit der Polizei zeigte ein 33-jähriger in der Nacht auf den **30.6.**, »auf der Straße offen den Hitler-Gruß« und beleidigte die Polizisten. Der Polizei ist weder klar, weshalb er das tat, noch ob der dabei alkoholisiert war. Zur Verhinderung weiterer Straftaten sei er in Gewahrsam genommen, schließt der Polizeibericht vom 30.6.
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+## Weiter Steigerung rechter Straftaten
+Auch im zweiten Quartal 2016 bis zum **30.6.** registrierte das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West eine Steigerung der von ihr als PMK rechts eingestuften Straftaten in seinem Zuständigkeitsbereich. Das bedeutet, dass es mehr als die 47 von der Polizei genannten Taten aus dem Vorjahreszeitraum sein müssen. Aktuelle zahlen möchte die Polizei noch nicht nennen.
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 ## Ke: Bundeswehr? Wegtreten!
 »Der Bundeswehrstandort Kempten ist endgültig Geschichte. Gestern wurde zum letzten Mal die Fahne eingeholt«, berichtet die Allgäuer Zeitung vom **1.7.** unter dem Titel »Letzter Appell«. Nach 212 Jahren sei die Garnison Geschichte. 300 Kemptener Soldaten seien aus der »Ari«- in die »Rommel«-Kaserne nach Dornstadt nördlich von Ulm verlegt worden. Dort gebe es aber zu wenig Platz, sodass die Soldaten in Containern arbeiten und teils in Hotels und eigenen Wohnungen untergebracht werden müssten - einige schliefen sogar »auf dem Campingplatz« - eine unfreiwillige Vorbereitung auf den Dienst im Feld? Die Stadt möchte die Liegenschaften kaufen, um Gewerbe unterzubringen, befürchtet aber, dass der Bund es zur Unterbringung von Geflüchteten nutzen will.
 
@@ -37,3 +52,15 @@ In der Nacht zum **5.7.** haben sich in Haldenwang ein 19- und ein 43-Jähriger
 
 ## KE: »Asyl ist Menschenrecht«
 Bis zum **9.7.** war im Verdi-Haus in Kempten eine Ausstellung »Asyl ist Menschenrecht« zu sehen.
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+## Ke: Hitlergruß und »erhebliche Belästigung« türkischer Familie
+Am Abend des **11.7.**, wurde die Polizei, so berichtet sie am Folgetag, zu einer »Streitigkeit« gerufen. Es hieß, dass ein 48-jähriger »türkischer Familienvater« und seine Familie »immer wieder von einer Mitbewohnerin erheblich belästigt wird«. »Neben ausländerfeindlichen Äußerungen zeigte die Frau noch den anwesenden Polizeibeamten den »Hitlergruß‹.« Dafür wurde sie wegen Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen eingehandelt. Welche »ausländerfeindlichen Äußerungen« fielen, sagt die Polizei nicht.
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+## Vorarlberg: Keine Aufklärung zu Nazi Konzert
+Auf unsere Nachfrage gab die Vorarlberger Polizei am **12.7.** an, noch immer keine neuen Erkenntnisse zum geheimen Konzert des verbotenen B&H-Netzwerkes zu haben - nach über drei Monaten Ermittlungszeit! Wir berichteten damals wie folgt. Am **5.3.** veranstalte das in Deutschland verbotene »Blood & Honour«-Netzwerk ein geheimes Konzert, an dem laut Sicherheitslandesrat Schwärzler (ÖVP) rund 70 Personen teilgenommen hätten. Wo genau in Vorarlberg das im Geheimen organisierte Konzert statt gefunden hat, ist bisher schleierhaft, erst im Nachhinein wurde es überhaupt bekannt. Eigentlich hätte es in Thüringen stattfinden sollen. Zum Auftakt soll ein »Schießwettkampf« in Feldkirch ausgerichtet worden sein. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands sieht insgesamt ein Aufblühen der rechtsextremen Szene. Bereits Ende der 80er bildete sich damals eine lebhafte Nazi-Skinhead-Szene. In den 90ern »sorgten Vorarlberger Skinheads vor allem durch Übergriffe auf Punks, Linke und ausländische Jugendliche für Schlagzeilen. Kaum öffentlich wahrgenommen wurde dagegen eine extrem Häufung von Bränden in Ausländerwohnheimen in Vorarlberg 1993«, heißt es in der 2003 veröffentlichten Broschüre »Gegen Rechtsextremismus« des Jüdischen Museum Hohenems. Die Pressestelle der Landespolizeidirektion teilte etwa einen Monat später »auf Anfrage des ORF Vorarlberg mit, dass vom Konzert im März nichts bekannt sei. Man werde sich jedoch um den Fall kümmern.«
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+## Vorarlberg: Sprengkörper auf Asyl-UK unaufgeklärt
+Wie die Allgäuer Zeitung vom **4.2.** berichtet, wurden Sprengkörper unter einer Bank vor einer Asylsuchendenunterkunft in Hard bei Bregenz gezündet. Die Explosion war derartig wuchtig, dass drei Fensterscheiben zu Bruch gingen. Die Polizei erklärte auf unsere Nachfrage am **12.7.**, dass es noch immer keine neuen Ermittlungsergebnisse gäbe. Der oder die Täter\_innen sind demnach noch immer unbekannt.
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+## OA: Keine Räume der AfD
+Der Kreisverband Oberallgäu / Lindau / Kempten muss am **15.7.** seinen für den 26.7. geplanten Vortrag mit Peter Boehringer absagen. Gemeinderäte und Bürgermeister in Sulzberg würden dem Kreisverband Räumlichkeiten verwehren. In anderen Orten des Kreisverbandes sei es ebenso. Das ist sicher auch auf die jüngsten Protestaktionen gegen die AfD zurück zu führen.

artcls neu
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@@ -0,0 +1,31 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: »Allgida«: Alter Wein wird Essig
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Aktion
+  - Recherche
+Lizenz: 
+Abstract: An den großspurigen Ankündigungen der beiden Allgäuer Pegida-Ableger, diverse Neonazigruppen vergangenen Samstag nach Kempten zu schaffen, scheiterten diese zum wiederholten Mal. Aus der Demonstration »Deutsche zu erst Asyl flut stopen« wurde nichts, Störaktionen gegen die vermeintlich »schwer bewaffnet« mit »Rohrbomben« marodierend durch Kempten ziehende Demonstration »Allgida? Nein danke – Kein Platz für Rassismus« blieben aus. Stattdessen zeigten 300 lautstark Flagge gegen rechte Hetze. Die Hetzer indes bereiten sich auf ihren nächsten Flop vor – nur diesmal auf noch höherem Niveau.
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+[[!ftemplate id="artikel"]]
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+## Der Rohrkrepierer
+Im Februar mobilisierten Neonazis als »Allgida« etwa 150 teils bewaffnete und vermummte Hetzer nach Obergünzburg in Schwaben. 50 Nazigegner stellten sich ihnen direkt in den Weg, 1500 waren es eine Woche später. Die gezeigten Hitlergrüße waren den Repressionsbehörden, die damals trotz offener Mobilisierung kaum Präsenz zeigten, wohl nicht eindeutig genug. Wegen der anderen Delikte laufen die Ermittlungen noch. Damals wurde gedroht: »Wir kommen wieder!« Jedoch entpuppte sich »Allgida«, der erste allgäuer Ableger der »Pegida«, schnell als Rohrkrepierer: Die nächsten beiden Mobilisierungen scheiterten, dann wurde es still um »Allgida«.
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+## Alter Wein in neuen Schläuchen
+Einen erneuten Versuch unternahm Michael Kleemann als selbsternannter »Nationaler Widerstand – Division Kempten« und gründete »Allgida Kempten«. Er meldete zunächst für den 25.6. eine Demonstration unter dem Motto »Deutsche zu erst Asyl Flut stopen« in Kempten an. Kurz darauf verschob er das Event »Gegen die Überfremdung unserer Heimat« auf den 2.7. Nachdem der Störungsmelder die Pläne öffentlich machte, verkündete der Verfassungsschutz die Beobachtung der extrem rechten Projekte. Die Allgäuer Zeitung lässt sich ein Interview geben: »National, aber nicht rechtsextrem« – so wird Michael Kleemann dort zitiert. Das Motto »Deutsche zuerst, Invasoren stoppen« und die Sympathie zur NPD seien nicht Ausdruck einer entsprechenden Gesinnung. Mit Gewalt und der örtlichen Skinhead-Szene habe man nichts zu tun. Stattdessen schütze man Frauen und Kinder vor Flüchtlingen und versorge Obdachlose, die wegen der Geflüchteten nicht mehr ausreichend versorgt würden. Bei den letzten beiden Behauptungen macht sich die Zeitung die Mühe, sie mit gegenläufigen offiziellen Aussagen zu kontrastieren. Gegen die Distanzierung von der extremen Rechten und Gewalt hätte ein einfacher Blick auf das Facebook-Profil der 31-jährigen Servicekraft genügt. Dort droht Kleemann als »Nationaler Widerstand« mit einem Schlagring vor der Flagge des Deutschen Reiches. Deutschland gefiele ihm wohl in den Grenzen von 1937 am Besten und es läuft unter Anderem ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung gegen den Kemptener. Auf der Homepage des selbstverwalteten Jugendzentrums in Kempten hieß es zynisch: »Aber wo selbst der Verfassungsschutz keine ausgeprägte neonazistische Ideologie erkennen mag sondern nur ›Hinweise darauf, dass diese Gruppierung Kontakte in die rechtsextreme Szene hat‹ – da kann man doch nicht anspruchsvollere Recherche von einer Lokalzeitung verlangen – oder doch?!«
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+## Gegenwind
+Zuvor meinte die regionale Jugendzeitung »vruzt« noch, ob es gelänge, »dass dieser neueste Pegida-Ableger das Scheitern seines Vorgängers als Rohrkrepierer noch in den Schatten stellt«, müsse sich an der antifaschistischen Gegenmobilisierung zeigen. Tatsächlich wurde eine Demonstration »Allgida? Nein danke – Kein Platz für Rassismus« angemeldet. Ein Aufruf kündigte an, man werde sich erneut den Rassisten »entschlossen entgegenstellen«. Jedoch zog »Allgida Kempten« zurück und behauptete, man werde keine Demonstration am 2.7. veranstalten wollen. Der Gründer Kleemann ziehe sich aus dem Vorstand zurück. Allerdings – so betonte er auf Nachfrage – nur »vorerst«.
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+## »Allgida« reloaded?
+Darauf wurde die ursprüngliche »Allgida« online wieder aktiv und drohte mit Horrorszenarien. Man befürchte »Plünderungen« und »schwere Unruhen«. Nazigegner könnten am 2.7. »mit Rohrbomben oder Schusswaffen in Kempten auftreten.« Es hätten »diverse Gruppen« der Rechten ihr Erscheinen angekündigt, darunter: »»German Defence League«, »Identitäre Bewegung Allgäu«, »HoGeSa Ulm / Neu-Ulm«, »Freikorps – JS«, diverse Rocker, PEGIDA-Aktivisten, und natürlich auch Anhänger und Aktivisten diverser bekannter Parteien.« Gemeint sein dürfte genau jenes Klientel, dass bereits zur ebenso unangemeldeten Versammlung in Obergünzburg erschien.
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+## Alter Wein wird Essig
+Wie bei ihren letzten gescheiterten Mobilisierungen blieben diese aber aus. Stattdessen zeigen laut Polizei etwa 300 Menschen Flagge – gegen »Allgida« und Rassismus insgesamt. In den Redebeiträgen wurde nicht nur das konsequente Scheitern der beiden allgäuer Pegida-Ableger nachgezeichnet. Ein Redner kritisierte ganz im Sinne des Fronttransparentes »Allgida? – Nein Danke! Gemeinsam gegen Rassismus Sexismus und Homophobie« die AfD für ihre Mitverantwortung für einen gesellschaftlichen »Rechtsruck«, ein Anderer rief dazu auf, das Integrationsgesetz der bayerischen CSU-Regierung zu verhindern. Antifaschistische Beobachter nahmen nur vereinzelt Rechte im Umfeld der Versammlung wahr.
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+## Und wir scheitern immer schöner…
+Michael Kleemann bereitet sich anscheinend darauf vor, auf noch höherem Niveau zu scheitern. Am Telefon gab er an, inzwischen 2800 Unterschriften für die Gründung einer Partei »Allgida Kempten« gesammelt zu haben. Bei den nächsten Wahlen will er als deren Vorsitzender in den Kemptener Stadtrat einziehen. (*Zuerst erschienen beim Störungsmelder.*)
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@@ -0,0 +1,46 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: »Voice of Anger«: Neues Clubhaus für Nazi-Kameradschaft
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Recherche
+  - Aktion
+  - Voice of Anger
+Lizenz: 
+Abstract: Seit einiger Zeit verdichteten sich die Hinweise, dass der Nazi-Kameradschaft »Voice of Anger« ein neues Clubhaus zur Verfügung steht. Eine spontane Kundgebung am Donnerstag erwischte die Neonazis dort beim gucken des letzten Spiels der National-Elf – und bestätigte den Verdacht. Glaubt man dem bayerischen Verfassungsschutz, stellen »gemeinsame Freizeitgestaltung« und Konzertbesuche den Mittelpunkt der Aktivitäten der Vereinigung dar. Tatsächlich stellt dies eine Verharmlosung der immerhin größten Nazi-Skinhead-Gruppe Bayerns dar.
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+Auf dem vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz (BfV) mitverantworteten Portal »Bayern gegen Rechtsextremismus« heißt es zur 2002 gegründeten Kameradschaft »Voice of Anger« (VoA), sie sei »entgegen der sonst rückläufigen Entwicklung in Bayern die größte noch aktive Skinheadgruppierung« mit etwa 80 Mitgliedern. Allerdings ließt sich die Beschreibung ansonsten eher harmlos: »Im Mittelpunkt ihrer Aktivitäten steht die gemeinsame Freizeitgestaltung, interne Veranstaltungen und Feiern sowie die Veranstaltung bzw. Besuche von Skinhead-Konzerten.«
+
+Seit ihrer Gründung kämpfen die Neonazis um ein eigenes Clubhaus – bisher konnten sie keines halten. In der letzten Zeit verdichteten sich nun die Hinweise, dass Ihnen ein neues Objekt zur Verfügung steht: Die ehemalige »Gartenschänke« am Rande der Kleingartenanlage »Hart« in Memmingen-Buxach an der Talstraße. Nachdem bereits beim Vorhergehenden Spiel der National-Elf mehrere Autos der örtlichen Rechten in der Nähe der Anlage abgeparkt wurden, war davon auszugehen, dass die Neonazis auch gemeinsam das Halbfinalspiel gegen Frankreich am 7.7. ansehen würden. Deshalb führten Antifaschisten spontan eine Kundgebung »Kein Raum für Nazis« am Gelände durch.
+
+Der Verdacht wurde bestätigt. Die Neonazis reisten geschlossen kurz vor Spielbeginn an, weil sie von der Polizei über die geplante Kundgebung informiert wurden. Die etwas weniger als 30 Rechten wurden über den Hof einer angrenzenden Zimmerei geführt. Der Kleingartenverein Memmingen distanziert sich von den Neonazis. Auf die kürzlich verkaufte »Gartenschänke« habe der allerdings keinen Einfluss. Kundgebungsteilnehmer machten Anwohner per Flugblatt auf die neuen Nutzer der »Gartenschänke« aufmerksam.
+
+Unter den Anwesenden waren auch NPD-Anhänger. Umgekehrt nahm »Voice of Anger« bei der letzten »Sonnwendfeier« der örtlichen NPD teil, bei der die als Veranstaltungsort genutzte Scheune aufflog. Der Veranstalter der Feier und NPD-Vorsitzende Stefan Winkler besuchte am 9.3. zusammen mit Anhängern seiner Partei eine Veranstaltung der AfD zu »Merkels Asylpolitik« und formulierte seine Zustimmung. Damals waren auch Mitglieder von »Voice of Anger« im Saal. Zum letzten EM-Spiel der Deutschen zog es auch Kameraden aus dem Umfeld der Band »Faustrecht«, sowie solche die bei der einzigen geglückten »Allgida«-Aktion dabei waren oder beim jüngsten Scheitern von »Allgida« im Umfeld der antirassistischen Demo gesehen wurden.
+
+Auch Achim Kast bewegt sich im Umfeld von Voice of Anger. Er kandidierte als Direktkandidat bei der Bundestagswahl 2013 für die NPD, nachdem Kast mit Rudolf Rieger schon 2012 weder in den bayerischen Landtag, noch in den schwäbischen Bezirkstag einziehen konnte. Achim Kast war laut Informationen des Münchner Aida-Archivs Domain-Inhaber und »Hauptaktivist« der »Kameradschaft Neu-Ulm« (KSNU), gleichzeitig Pressesprecher für den Neu-Ulmer NPD-Verband und inhaltlich verantwortlich für deren Homepage. Schlagzeilen machte die KSNU, wie Aida weiter berichtet, im Juli 2008 mit einem Angriff auf eine Abi-Party im schwäbischen Nersingen, bei der Teilnahmer von Neonazis als »Judenbüble« und »Nigger« worden seien, bevor einer davon eine Gaspistole gezogen habe und einem der Jugendlichen ins Gesicht schoss. Die Polizei erteilte Platzverweise. Aida berichtet weiter, dass die Neonazis Verstärkung holten und erneut zuschlugen:
+
+> »Bewaffnet mit Bierflaschen, Holzlatten und Schlagstöcken griffen zehn bis
+> fünfzehn Neonazis die zahlenmäßig unterlegenen Jugendlichen an und verletzten
+> 2 Personen so schwer, das sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. Die in
+> Ulm erscheinende »Südwestpresse« und die »Antifaschistische Aktion
+> Ulm/Neu-Ulm« berichten von blutüberströmten Opfern, mit Schnitten und
+> Platzwunden am Auge, der Lippe und an den Händen. Ein anderer Verletzter habe
+> Hämatome und Kratzer am ganzen Körper davongetragen. Die Angreifer hatten ihn
+> mit Springerstiefeln oder Schlagstöcken traktiert. Im Nachhinein sprechen
+> einige der Jugendlichen von einer regelrechten Hetzjagd: »Die haben mit Autos
+> im ganzen Ort nach uns gesucht«, berichten zwei Zeugen der Lokalzeitung.«
+
+Thomas B. bedrohte am Donnerstag einen Pressefotografen, als dieser Fotos der Gartenschenke fertigte. Angesichts der hinzutretenden Polizeibeamten wollte er dann doch lieber eine Anzeige versuchen. Das aber wurde zurück gewiesen. Schließlich mache er sich gerade zu einer relativen Person der Zeitgeschichte und müsse sich die Arbeit der Presse gefallen lassen.
+
+Einer der extrem rechten Fußballfans ist offenbar Kampfsportler im »Herzblut Sportclub« in Memmingen, wo in »Blood&Honour«-Shorts trainiert wird. »Blood&Honour« (B&H) ist der Name eines im Jahr 2000 in Deutschland verbotenen internationalen Neonazi-Netzwerk, das mit »Combat 18« (C18) über einen bewaffneten Arm verfügt. Nach Erkenntnissen von ZDF-Heute sollen 20 Personen aus dem Umfeld des NSU zu B&H gehört haben. Das Landeskriminalamt Thüringen schrieb 1999, das Kerntrio des NSU gehöre »in Jena zum harten Kern der Blood and Honour Bewegung«. Mitglieder des B&H-Netzwerkes waren der Frankfurter Rundschau (FR) nach auch Musiker Rechtsrock-Veteranen »Faustrecht«, die sich nach dem Verbot des Netzwerkes auflöste, seit einigen Jahren aber wieder spielt. Die FR charakterisiert die Band so:
+
+> »Faustrecht gehören zu den Veteranen der rechten Skinhead-Szene. 1994
+> gegründet, waren sie anfangs eine Art Hausband der 1996 verbotenen Skinheads
+> Allgäu. Hetze gegen »zionistische Bastarde« von der Bühne, Hitler-Grüße und
+> Sieg-Heil-Rufe aus dem Publikum waren an der Tagesordnung. Mehrere CDs der Band
+> sind indiziert.«
+
+Heute wird »Faustrecht« produziert und vertrieben vom in Bad Grönenbach bei Memmingen ansässigen Platten- und Klamottenproduzenten »Oldschool Records«. Im Sortiment des Neonazi-Versandes finden sich neben Eigen- auch Fremdproduktionen und ein umfangreiches Sortiment neonazistischer Devotionalien, darunter selbst produzierte Textilien. Bei einer Hausdurchsuchung in den Geschäftsräumen von »Oldschool Records« 2014 stellte die Polizei über 900 Straftaten fest. Später wurden bundesweit 16 Objekte durchsucht, um einen Beschlagnahmebeschluss wegen Verherrlichung des NSU gegen einen bei »Oldschool Records« erschienen Tonträger des Liedermachers »FreilichFrei« durchzusezten. Der Geschäftsführer Benjamin Einsieder wird der Führungsebene von »Voice of Anger« zugerechnet. (*Zuerst erschienen beim Störungsmelder.*)

kurz notiert
diff --git a/Ausgaben/09/artikel/kurz_notiert.mdwn b/Ausgaben/09/artikel/kurz_notiert.mdwn
index 2834e7b..2b7cf54 100644
--- a/Ausgaben/09/artikel/kurz_notiert.mdwn
+++ b/Ausgaben/09/artikel/kurz_notiert.mdwn
@@ -14,9 +14,26 @@ Abstract: Eine unvollständige Chronik bedenkenswerter Vorfälle und einiger Akt
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-# OSR: VÖ italienischer Band
-Am **6.5.** kündigt das örtliche Neonazi-Label »Oldschool Records« einen bei ihnen neu erschienenen Tonträger der italienische Skinhead-Band »Onda Nera«, die »keine unpolitischen Weichflöten sind«, an. Die Band bekenne sich »zur schwarzen Fahne, zum dritten Weg und zu ihrem Vaterland. Alles in der Heimatsprache«, so etwa: »astalavista antifaschista«.
+## KE: Hitlergruß verurteilt
+Am Nachmittag des **11.3.** zeigte ein 34-jähriger den »Hitlergr«. Nach dem Bericht der Allgäuer Zeitung vom **15.6.** wurde er zu 1200 Euro Geldstrafe (80 TS) verurteilt. Damals berichteten wir, dass der Täter bereits mehrfach auch wegen Körperverletzung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen Vorbestraft ist und mehrere Haftstrafen verbüßte. Einen Bezug zu neonazistischen Kreisen mochte die Polizei damals nicht erkennen. Von den Vorstrafen wegen Körperverletzungen und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen berichtet die Allgäuer Zeitung nicht, von anderen schon.
 
-# KF: Solidarität nach Anschlag?
-»Solidarität mit ALLEN Geflüchteten« - unter diesem Motto fanden sich am Nachmittag des **13.5.** gut ein Dutzend Menschen in Kaufbeuren - Neugablonz vor der Asylunterkunft in der Grünwalder Straße ein. Grund für die kurzfristig angemeldete Kundgebung war ein Brand in der vorhergehenden Nacht im Keller des Gebäudes, das auch als Asylunterkunft dient. Wie auch in einem Redebeitrag betont wurde, sei es unabhängig der Brandursache wichtig, sich gerade in dieser Zeit mit den Geflüchteten zu solidarisieren. Während die Teilnehmer der Kundgebung mit Musik ihre Solidarität bekundeten, waren die Ermittlungen zur Brandursache noch nicht abgeschlossen. Im Gegensatz zur geplanten Unterkunft nur 300 Meter entfernt. Hier ist klar, dass Anfang des Jahres eine Brandstiftung vorlag..
+## Ob: Kirche schwarz-rot-gold
+Die Allgäuer Zeitung vom **3.6.** berichtet, dass die Kirche im Ostallgäuer Ob komplett verhüllt ist - in den deutschen Nationalfarben! Allerdings seien das reiner Zufall; die Kirche würde lediglich »wegen Schädlingsbefall begast«. Wer's glaubt...
 
+## KE: Graffiti gegen Schlachten
+Zwischen 7. und **10.6.** besprühten Unbekannte nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung vom 13.6. einen Anhänger in der Kaufbeurer Straße mit gelber Farbe. Die Polizei sieht einen Zusammenhang mit einer vorhergehenden Tat in der Bleicherstraße: »Auch hier wurde ein hetzerischer Schriftzug gegen das Schlachten von Tieren angebracht«.
+
+## MOD: »Reichsbürgerin« flüchtig
+Die »Reichsbürgerin«, die Anfang des Jahres während ihres Gerichtsverfahrens die Akte klaute (wir berichteten), ist nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung vom **24.6.** flüchtig, nachdem ein Haftbefehl eröffnet wurde.
+
+## Ke: Bundeswehr? Wegtreten!
+»Der Bundeswehrstandort Kempten ist endgültig Geschichte. Gestern wurde zum letzten Mal die Fahne eingeholt«, berichtet die Allgäuer Zeitung vom **1.7.** unter dem Titel »Letzter Appell«. Nach 212 Jahren sei die Garnison Geschichte. 300 Kemptener Soldaten seien aus der »Ari«- in die »Rommel«-Kaserne nach Dornstadt nördlich von Ulm verlegt worden. Dort gebe es aber zu wenig Platz, sodass die Soldaten in Containern arbeiten und teils in Hotels und eigenen Wohnungen untergebracht werden müssten - einige schliefen sogar »auf dem Campingplatz« - eine unfreiwillige Vorbereitung auf den Dienst im Feld? Die Stadt möchte die Liegenschaften kaufen, um Gewerbe unterzubringen, befürchtet aber, dass der Bund es zur Unterbringung von Geflüchteten nutzen will.
+
+## Westallgäu: Militärübung
+Die Allgäuer Zeitung vom **5.7.** berichtet davon, dass die UN im westallgäuer »Krisengebiet ›Sandland‹« Krieg spielt. 91 Offiziere aus 33 Ländern sollen demnach zu UN-Militärbeobachtern ausgebildet werden. Bundespräsident Gauck kommt, um das Schauspiel zu beobachten: Blauhelme sollen in Rollenspielen zwischen Kriegsparteien vermitteln, die am Weiler Wolfsbühl aufeinander treffen.
+
+## Haldenwang: Falsche Polizisten
+In der Nacht zum **5.7.** haben sich in Haldenwang ein 19- und ein 43-Jähriger als Polizisten in Zivil ausgegeben und versucht, die Insassen eines Fahrzeuges zu kontrollieren. Die fuhren weiter. Als die falschen Cops später wieder auf die Insassen trafen, kam es zu Beleidigungen und einem Steinwurf. Das berichtet die Allgäuer Zeitung vom Folgetag.
+
+## KE: »Asyl ist Menschenrecht«
+Bis zum **9.7.** war im Verdi-Haus in Kempten eine Ausstellung »Asyl ist Menschenrecht« zu sehen.

sonnwendfeier
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Sonnwendfeier - NPD-Scheine fliegt auf
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Recherche
+  - NPD
+Lizenz: 
+Abstract: Wie im letzten Jahr veranstaltete der Kreisverband Neu-Ulm/Günzburg der NPD am 18.6. sein Sommerfest in einer Scheune bei Illertissen. Trotz aller Konspirativität – die Gäste wurden über einen Schleusungspunkt an der Autobahn zur Veranstaltung geleitet – gelang es den über 50 Neonazis nicht unentdeckt zu bleiben.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Direkt am Entwässerungsgraben, wenige hundert Meter östlich vom Illertissener Ortsteil Tiefenbach im schwäbischen Landkreis Neu-Ulm, liegt die Scheune eines örtlichen Landwirtes. Das Gebäude, das dieser sonst als Unterstand für landwirtschaftliches Gerät nutzt, stand bereits im vergangenen Jahr für das Sommerfest der NPD zur Verfügung. Zur diesjährigen »Sonnwendfeier« begrüßte dort der Kreisvorsitzende Stefan Winkler seine über 50 Gäste. Für deren Unterhaltung sollten erneut der braune Liedermacher Frank Rennicke und als Redner Sascha Roßmüller sorgen. Wohl um sich familienfreundlich präsentieren zu können, errichtete man eine Hüpfburg für die Kinder. Abends wollten die extremen Rechten gemeinsam am Lagerfeuer sitzen.
+
+Die NPD im Bezirk Schwaben tritt jüngst vermehrt mit Aktivitäten an die Öffentlichkeit. Am 28.10.2015 etwa versuchten 20 der Neonazis einen Vortrag der Grünen-Politikerin Claudia Roth in Tannhausen im Landkreis Günzburg mit »rassistischen und provozierenden Fragen« zu stören und die Diskussion zu dominieren. Während eines Infostandes des NPD-Kreisverbandes wenige Tage später in Blaubeuren fuhr der städtische Bauhof zur »spontanten Leistungsschau« auf. Rund 50 Nazigegner begleiteten die Szenerie. Weihnachten will die NPD über 100 Besucher zum »Kerzenabend« in Memmingen gelockt haben. Am 9.3.2016 waren Mitglieder des Bezirksverbandes zu Gast auf einem Vortrag des Kreisverbandes Unterallgäu/Memmingen der AfD in Babenhausen zu »Merkels Asylpolitik«. Der Inhalt war dabei so angelegt, dass Winkler seine Zustimmung formulieren konnte, wenn er auch die Parteispitze stellenweise zu lasch finde. Auch Mitglieder von »Voice of Anger« und andere Neonazis waren im Saal anzutreffen.
+
+Auch zur »Sonnwendfeier« am Samstag zeigten sich die Überschneidungen und Sympathien der verschiedenen Szenen in Schwaben. Unter den Gästen in Tiefenbach befanden sich auffällig viele Skinheads. Mit dabei: Mitglieder von der neonazistischen »Voice of Anger« (VoA). Die Skinheadkameradschaft ist noch immer eine der größten aktiven ihrer Sorte in Bayern.
+
+Stefan Winkler wurde diesen April als Bezirksvorsitzender der schwäbischen NPD bestätigt, womit er diese nach eigener Darstellung seit zehn Jahren anführe. Der ehemalige Gartenmarktverkäufer ist zudem Vorsitzender in seinem Kreisverband Neu-Ulm/Günzburg. Neben seinem Engagement für die »Nationaldemokraten« betreibt er im Nebenerwerb ein Imkergewerbe im 2012 erbauten Einfamilienhaus am Rande eines Neubaugebietes in Holzheim bei Neu-Ulm.
+
+Roßmüller bekleidete diverse hohe Ämter in der Bayern- und Bundes-NPD und war Mitarbeiter der sächsischen Landtagsfraktion der Partei. Heute ist er stellvertretender Landesvorsitzender in Bayern. Der Neonazi war Gründungsmitglied des 1993 verbotenen »Nationalen Block«. Außerdem war er zeitweise Teil der Führungsriege der inzwischen aufgelösten »Bandidos« Regensburg. Dieses Chapter hat sich inzwischen allerdings aufgelöst.

spontankundgebung lindau
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: »Allgida«: Neonazis mobilisieren in die Provinz - 1500 dagegen
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Aktion
+Lizenz: 
+Abstract: Am 20.2. mobilisierten Neonazis rund 150 Rechte zu einer unangemeldeten Kundgebung in die Allgäuer Provinz. Während sich die Sicherheits- und Ordnungsbehörden trotz rechtzeitiger Kenntnis kaum zeigten, stellten sich 50 Gegendemonstranten den Rassisten entgegen. Nur eine Woche später wurden die Neonazis um das zehnfache überboten: 1500 hielten einen »Lichterzug« in Obergünzburg ab.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Am Samstag, den 20.2. sammelten sich etwa 150 Neonazis und andere extrem Rechte unangemeldet auf dem Obergünzburger Marktplatz im Landkreis Ostallgäu. Begleitet wurden sie dabei zunächst nur von einigen Antifaschisten, deren spontane Gegenkundgebung schnell auf etwa 50 Teilnehmer anwuchs. Die Polizei indes zeigte kaum Präsenz, obwohl bereits knapp einen Monat zuvor öffentlich mobilisiert wurde. Die Polizei räumt ein, dass dieser Umstand zwar bekannt war, mangels Ankündigung gegenüber den Behörden aber nicht ernst genommen wurde. Obergünzburgs Bürgermeister Lars Leveringhaus (CSU) rechtfertigt gegenüber dem Bayerischen Fernsehen: »Wenn Sie keine offiziellen Anhaltspunkte dafür haben, dass es eine Allgida-Bewegung überhaupt gibt und dann auch noch im Öffentlichen Raum auftritt, dann müssen Sie halt entsprechend verhältnismäßig reagieren.« Die Polizei beobachte »natürlich das rechte Spektrum um natürlich adäquat reagieren zu können«, meint eine Sprecherin. Erst im Laufe der Versammlung wurden weitere Polizeikräfte heran gezogen.
+
+Auffällig oft wurde in den vorderen Reihen der Rassisten von zum Teil Vermummten der rechte Arm erhoben. Die Polizei, die weder die Versammlung auflösen noch Personalien aufnehmen konnte, ermittelt nun wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz - wohl auch, weil eine der Fahnenstangen waffentauglich angespitzt war. Getragen wurden Fackeln, sowie zwei Deutschland- und eine Wirmer-Flagge, die zudem in einer Abwandlung im Erkennungszeichen der »German Defense Leage« verwendet wird. Es tauchten unter Anderem Mitglieder der Neonazikameradschaft »Voice of Anger« und Anhänger der NPD auf. Sie reisten aus dem gesamten Allgäu und dem angrenzenden Umland an. Skandiert wurden neben Beleidigungen gegen die Gegendemonstranten Parolen wie »Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen«, »Wir sind das Volk« oder »Es gibt kein Recht auf Volksverrat« - aber auch »AfD, AfD, ...«. Mobilisiert wurde etwa über von NPD-Mitgliedern betreute Facebook-Seiten, die auch sonst gegen Geflüchtete hetzen. Die 50 Nazigegner hielten dagegen: »Rassismus aus den Köpfen - Nazis von der Straße jagen!« und drückten ihre Solidarität mit Geflüchteten aus. Zunächst konnte dafür noch ein Megaphon verwendet werden, was die Polizei aber bald untersagte, »um die Rechten nicht weiter zu provozieren«.
+
+Für den folgenden Samstag gelang es der Marktgemeinde und den Kirchengemeinden 1500 Menschen zu einem »Kerzenzug« durch Obergünzburg zu bewegen - bei rund 6000 Einwohnern. Unter dem Motto »Hand in Hand für Menschlichkeit« zog die Versammlung von einem Gottesdienst zur Kundgebung am Marktplatz. Hier positionierte sich der Bürgermeister für »Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde«. Anschließend stellte Michael Bauer als Vertreter der Bürgerschaft einen Bezug der »Allgida«-Versammlung zum historischen Nationalsozialismus her. Er wolle sich »klar von Fackelzügen distanzieren, deren Bezug zur Nazizeit unverkennbar ist. Und wir distanzieren uns von den simplen Wahrheiten einiger Schreihälse.«
+
+Die »Schreihälse« haben weitere Aktionen angekündigt. Das nächste Mal wollen sie in knapp zwei Wochen in einer anderen Stadt im Allgäu aufmarschieren. Dieses mal sind andere Behörden zuständig - und wissen von nichts. Ob sie die Rechten auch hier weitgehend unbehelligt lassen?
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-Autor_in: bacuh
-Titel: »Allgida«: Neonazis mobilisieren in die Provinz - 1500 dagegen
-Rubrik: Antifa
-Themen:
-  - Antifa
-  - Aktion
-Lizenz: 
-Abstract: Am 20.2. mobilisierten Neonazis rund 150 Rechte zu einer unangemeldeten Kundgebung in die Allgäuer Provinz. Während sich die Sicherheits- und Ordnungsbehörden trotz rechtzeitiger Kenntnis kaum zeigten, stellten sich 50 Gegendemonstranten den Rassisten entgegen. Nur eine Woche später wurden die Neonazis um das zehnfache überboten: 1500 hielten einen »Lichterzug« in Obergünzburg ab.
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-Am Samstag, den 20.2. sammelten sich etwa 150 Neonazis und andere extrem Rechte unangemeldet auf dem Obergünzburger Marktplatz im Landkreis Ostallgäu. Begleitet wurden sie dabei zunächst nur von einigen Antifaschisten, deren spontane Gegenkundgebung schnell auf etwa 50 Teilnehmer anwuchs. Die Polizei indes zeigte kaum Präsenz, obwohl bereits knapp einen Monat zuvor öffentlich mobilisiert wurde. Die Polizei räumt ein, dass dieser Umstand zwar bekannt war, mangels Ankündigung gegenüber den Behörden aber nicht ernst genommen wurde. Obergünzburgs Bürgermeister Lars Leveringhaus (CSU) rechtfertigt gegenüber dem Bayerischen Fernsehen: »Wenn Sie keine offiziellen Anhaltspunkte dafür haben, dass es eine Allgida-Bewegung überhaupt gibt und dann auch noch im Öffentlichen Raum auftritt, dann müssen Sie halt entsprechend verhältnismäßig reagieren.« Die Polizei beobachte »natürlich das rechte Spektrum um natürlich adäquat reagieren zu können«, meint eine Sprecherin. Erst im Laufe der Versammlung wurden weitere Polizeikräfte heran gezogen.
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-Auffällig oft wurde in den vorderen Reihen der Rassisten von zum Teil Vermummten der rechte Arm erhoben. Die Polizei, die weder die Versammlung auflösen noch Personalien aufnehmen konnte, ermittelt nun wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz - wohl auch, weil eine der Fahnenstangen waffentauglich angespitzt war. Getragen wurden Fackeln, sowie zwei Deutschland- und eine Wirmer-Flagge, die zudem in einer Abwandlung im Erkennungszeichen der »German Defense Leage« verwendet wird. Es tauchten unter Anderem Mitglieder der Neonazikameradschaft »Voice of Anger« und Anhänger der NPD auf. Sie reisten aus dem gesamten Allgäu und dem angrenzenden Umland an. Skandiert wurden neben Beleidigungen gegen die Gegendemonstranten Parolen wie »Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen«, »Wir sind das Volk« oder »Es gibt kein Recht auf Volksverrat« - aber auch »AfD, AfD, ...«. Mobilisiert wurde etwa über von NPD-Mitgliedern betreute Facebook-Seiten, die auch sonst gegen Geflüchtete hetzen. Die 50 Nazigegner hielten dagegen: »Rassismus aus den Köpfen - Nazis von der Straße jagen!« und drückten ihre Solidarität mit Geflüchteten aus. Zunächst konnte dafür noch ein Megaphon verwendet werden, was die Polizei aber bald untersagte, »um die Rechten nicht weiter zu provozieren«.
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-Für den folgenden Samstag gelang es der Marktgemeinde und den Kirchengemeinden 1500 Menschen zu einem »Kerzenzug« durch Obergünzburg zu bewegen - bei rund 6000 Einwohnern. Unter dem Motto »Hand in Hand für Menschlichkeit« zog die Versammlung von einem Gottesdienst zur Kundgebung am Marktplatz. Hier positionierte sich der Bürgermeister für »Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde«. Anschließend stellte Michael Bauer als Vertreter der Bürgerschaft einen Bezug der »Allgida«-Versammlung zum historischen Nationalsozialismus her. Er wolle sich »klar von Fackelzügen distanzieren, deren Bezug zur Nazizeit unverkennbar ist. Und wir distanzieren uns von den simplen Wahrheiten einiger Schreihälse.«
-
-Die »Schreihälse« haben weitere Aktionen angekündigt. Das nächste Mal wollen sie in knapp zwei Wochen in einer anderen Stadt im Allgäu aufmarschieren. Dieses mal sind andere Behörden zuständig - und wissen von nichts. Ob sie die Rechten auch hier weitgehend unbehelligt lassen?
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-Autor_in: bacuh
-Titel: Haben Tiere Bewusstsein?
-Rubrik: Speziesismus
-Themen:
-  - Vortrag
-  - Veranstaltung
-  - Tierrechte
-  - Ethik
-  - Mensch-Tier-Verhältnis
-  - react!OR
-Lizenz: 
-Abstract: Am 13.12.2012 wurde im react!OR ein Vortrag DDr. Martin Balluchs präsentiert, in dem der Physiker klärte, warum viele Tiere ein Bewusstsein besitzen müssen und inwiefern ihnen diese Eigenschaften den Status eines Subjektes mit Anspruch auf Berücksichtigung gegebener Interessen geben (sollten).
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-[[!ftemplate id="artikel"]]
-
-## Was ist Bewusstsein?
-Bewusstsein wird zunächst definiert als das subjektive Erleben bei Wahrnehmungen und Empfindungen und als das was verschwindet, wenn dessen Träger bewusstlos werden, also zum Beispiel schlafen oder unter Narkose stehen.
-
-Dabei macht Balluch über einen kurzen Ausflug zur Entstehung des Universums klar, dass ein physikalisches System nur ebenso physikalische Systeme, hier das Gehirn das Bewusstsein, hervorbringen kann. Wenngleich wir es demnach nicht mit einem metaphysischen Phänomen zu tun haben, ist es nicht mit einem Computer zu vergleichen. Im Gegensatz zu diesem besitzt es die Fähigkeit zu verstehen und nicht nur zur formalen Problemlösung (bestimmten Mustern folgend).
-
-Autonomie wird sodann definiert als die Auswirkung des Bewusstseins auf das Handeln des Individuums.
-
-## Hinweise für Bewusstsein
-Bevor sich Balluch Hinweise auf das Vorhandensein von Bewusstsein aus der (kognitiven) Ethologischen (das Verhalten betreffend) Forschung an Tieren analysiert, widerlegt er das Argument der Gehirngröße als hinreichenden Indikator für kognitive Leistungsfähigkeit. Viele Arten, denen regelmäßig das Vorhandensein eines Bewusstseins abgesprochen wird haben nämlich ein - ob absolut oder relativ - größeres Gehirn als Menschen.
-
-Es gibt verschiedene Verhaltensweisen, die *nicht* auf das Vorhandensein von Bewusstsein schließen lassen, diese laufen auch bei Menschen meist unbewusst ab. Dazu zählt ankonditioniertes Verhalten (["Kluger-Hans-Effekt"](https://de.wikipedia.org/wiki/Kluger_Hans)) und Instinkthandlungen die keinerlei Einsicht bedürfen und oft sogar widersinnig erscheinen wie Gestik und Mimik am Telefon. 
-
-Wer aber durch Einsicht statt Konditionierung lernt, zeigt, dass ein Bewusstsein vorhanden ist. Das ist zum Beispiel der Fall, wenn Verhalten Anderer auf eigene Kontexte übertragen wird oder die Umwelt mental repräsentiert, also die Lösung für Probleme im Kopf durchgespielt und gefunden und erst danach real ausgeführt wird.
-
-Vielen Tieren ist experimentell nachgewiesen, dass sie Konzepte wie Farben oder Formen verstehen lernen können. Die Experimentator\_innen hatten hier natürlich dem Ausschluss von Konditionierungen besonders viel Aufmerksamkeit geschenkt. Ein weiterer wichtiger Hinweis ist die Fähigkeit, ein Verständnis über den Bewusstseinszustand eines Gegenübers ("Theorie of Mind") zu demonstrieren, Hier wurden Experimente mit Affen durchgeführt. Ein Affe konnte nicht sehen, in welchem Behältnis ein Stück Essen platziert wurde, eins der beiden menschlichen Gegenüber aber schon, dem anderen war zum Beispiel durch einen Eimer auf dem Kopf die Sicht versperrt. Dem Affen war klar, wem er vertrauen musste, um an das Futter zu kommen. So weit nur eine Auswahl aus den Beispielen, die Balluch ausgewählt hat. Wer sich damit genauer befassen möchte, findet einen [Mitschnitt](https://www.youtube.com/watch?v=G3hrEq0PW0Q) des Vortrags im Internet.
-
-## Schlussfolgerung
-Ethik müsse rational-säkular sein, um einen Konsens auf einer gemeinsamen Grundlage aufbauen zu können, Religion scheide damit aus. Eine solche rationale Ethik leitet er über Birnbacher her. Der meinte, diese ließe sich nicht mit Werten, sondern nur mit der Betrachtung Konsequenzen von Handlungen bauen. Dieser Ansatz führt Balluch zu einer Singer'schen Utilitaristischen Ethik, deren Ansatz, Handlungen seine ethisch wünschenswert, wenn sie insgesamt in der Welt vorhandene Freude maximieren und/oder das gesamte Leid verringern, Balluch angesichts derer verheerender Konsequenzen sofort verwirft.
-
-Ein besserer Ansatz sei Tom Reagans De-Ontologische Ethik, mit der Tom Reagan weg von den Konsequenzen von Handlungen und hin zu Grundwerten bringt, wenn auch dieser die Zuschreibung dieser Werte willkürlich vornimmt. Diesem Problem lässt sich begegnen, indem mensch kategorische, objektive statt subjektiver Werte zur Grundlage nimmt.
-
-Nun leitet Balluch diese kategorischen Grundwerte als das subjektive Wertesystem her, das jedes Bewusstsein dadurch hervorbringt, dass dessen zentrale Fähigkeit das Verstehen ist, was sich als Wille äußere, der Werte ("Was ist gut für mich?") erzeuge. Die objektiven Werten sind die über-subjektiven Anteile des subjektiven Wertesystems, nämlich die, die als Grundvoraussetzungen für das Wollen gegeben sein müssen: Lebendigkeit, Unversehrtheit, Freiheit zu Handeln.
-
-Diese drei Bedingungen seien als kategorische Interessen eines jeden bewussten Wesens anzusehen und in der hier dargestellten Ethik unbedingt anzuerkennen.
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@@ -1,27 +0,0 @@
----
-Autor_in: bacuh
-RezTitel: 62 Dinge, die du mit einem kaputten Computer und anderem Elektroschrott machen kannst
-RezUntertitel: 
-RezAutor_in: Randy Sarafan
-Art: Sachbuch
-Ausstattung:
-Verlag: Eichborn
-ISBN: 978-3-8218-3680-5
-Umfang: 252 Seiten
-Preis: 16,95 EUR
-Rubrik: Rezension
-Themen: 
-  - DIY
-  - basteln
-  - Technik
-  - Computer
-  - Recycling
-Lizenz: 
----
-[[!ftemplate id="rezi"]]
-
-Zumal der Autor Randy Sarafan für das MAKE Magazin schreibt und (laut Verlagsinfo) als Leiter von instructables.com, einer Plattform und Community zum Austausch von DIY-Bauanleitungen, fungiert, habe ich einiges von diesem Buch erwartet. Leider wurde ich enttäuscht.
-
-Der Großteil der 62 vorgestellten Basteleien sind Accessoires, »Wohnungseinrichtung« oder »Kunsthandwerk« ohne echten Gebrauchswert. Wer braucht schon wirklich Ohrringe aus Kondensatoren, einen alten Scanner mit vier Gewindestangen zum Beistelltisch gemacht oder einen Notizblock mit je einer Diskette als Deckel und Rücken... Die Lautsprecherkabel in eine Festplatte zu stecken und darüber Musik zu hören, ist - wie die Infrarotkamera - bestenfalls eine interessante Spielerei. Allerdings kann ein zum tragbaren Verstärker umgebautes Computernetzteil praktisch sein. Der Eigenbau eines Beamers aus einem ausgedienten Laptop oder LCD-Bildschirm und einem Overhead-Projektor kann sich lohnen. Mangels Altgerät konnte ich das zwar nicht ausprobieren, das Prinzip klingt aber vernünftig.
-
-Wer auf der Suche nach sinnvolleren oder anspruchsvolleren Projekten ist, ist mit instructables und ähnlichem wohl besser dran als mit diesem Buch. Denn das Buch ist eindeutig für (potentiell) technik- und bastelbegeisterte Kids gemacht. Die können im gelungenen Einführungskapitel über »Die Anatomie eines Computers« und die Grundlagen der Elektronik sicher einiges lernen. Der Autor stellt auch die wichtigsten elektronischen Bauteile und einige Werkzeuge vor. Vorwissen ist also nicht erforderlich. Die (eigentliche) Zielgruppe wird ihren Spaß mit den 62 Projekten haben.
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--- a/Ausgaben/08/rezensionen/Basiskurs_Kreatives_Schreiben.mdwn
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@@ -1,26 +0,0 @@
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-Autor_in: bacuh
-RezTitel: Basiskurs Kreatives Schreiben
-RezUntertitel: Ein Einstieg, für alle, die Lust zum Schreiben haben
-RezAutor_in: Tania Konnerth
-Art: Sachbuch
-Ausstattung: PDF
-Verlag: 
-ISBN: 
-Umfang: 115 Seiten
-Preis: 35EUR
-Rubrik: Rezension
-Themen: 
-  - schreiben
-  - lernen
-Lizenz: 
----
-[[!ftemplate id="rezi"]]
-
-Der »Basiskurs« ist - wie »[[Garantiert schreiben lernen]]« auch - für Menschen gemacht, die »unsachlich« schreiben möchten. Darin ist er allerdings ziemlich gut. Die vielen Übungen machen die beschriebenen Effekte unmittelbar erfahrbar und geben damit ein direktes Feedback zu deren Nützlichkeit.
-
-Neben Gabrielle L. Rico's Clustern werden unter anderem Mind Mapping sowie kreative Spielereien mit Buchstaben und Wörtern trainiert. Die für's Clustern grundlegende freie Assoziation bekam hier ein eigenes Kapitel. Kreativitätsstopper werden beleuchtet und sogar auf mögliche Umgangsweisen mit Kritik zu den eigenen Texten geht Frau Konnerth ein. Gut ist das Buch auch in den Alltag einzuplanen, da zu den meisten Kapiteln die Bearbeitungsdauer vermerkt ist. Wer ohne theoretischen Hintergrund direkt mit dem Schreiben loslegen möchte, wird hier bedient.
-
-Das Verzeichnis weiterführender Literatur fällt recht umfangreich aus und wurde unterteilt in die Verschiedenen Bereiche des Schreibens. Es finden sich sogar Bücher über das Schreiben von Sachtexten, zum Stil und sogar Material zur Veröffentlichung der eigenen Werke wird empfohlen.
-
-Alles in allem liegt ein netter Einstieg in das Kreative Schreiben vor; wer die Übungen konsequent mit macht, kann einiges mitnehmen. Es bleibt aber beim Einstieg und fraglich ob die Investition von 35EUR für die PDF-Datei wirklich lohnt.
diff --git "a/Ausgaben/08/rezensionen/Das_Gef\303\274hlsleben_der_Tiere.mdwn" "b/Ausgaben/08/rezensionen/Das_Gef\303\274hlsleben_der_Tiere.mdwn"
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@@ -1,34 +0,0 @@
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-Autor_in: bacuh
-RezTitel: Das Gefühlsleben der Tiere
-RezUntertitel: Ein führender Wissenschaftler untersucht Freude, Kummer und Empathie bei Tieren
-RezAutor_in: Marc Bekoff
-Art: Sachbuch
-Ausstattung:
-Verlag: animal learn
-ISBN: 978-3-936188-42-4
-Umfang: 231 Seiten
-Preis: 20,00 EUR
-Rubrik: Rezension
-Themen: 
-  - Tierrechte
-  - Verhaltensforschung
-  - Ethologie
-  - Mensch-Tier-Verhältnis
-Lizenz: 
----
-[[!ftemplate id="rezi"]]
-
-Marc Bekoff ist Professor für Ökologie und Verhaltensforschung und Tierrechtsaktivist. Seine Thesen zum »Gefühlsleben der Tiere« werden international in akademischen Kreisen immer mehr akzeptiert. In dieser Arbeit legt er seine Forschungen zur kogntitiven Ethologie, dem »Studium des Verstandes und der Herzen von Tieren« an ein breites Publikum gerichtet, aber trotzdem wissenschaftlich argumentiert dar.
-
-Natürlich ist Bekoff bewusst, dass Menschen auch nur Tiere sind, verdeckt dies aber, weil ihm eine korrekte Schreibweise zu umständlich wäre. Daran, dass er damit die Dichotomie Mensch - Tier reproduziert, ändert auch seine Hoffnung, das nicht zu tun, nichts. Allgemein ist sein Sprachstil sehr unsensibel, mehrmals definiert er nichtmenschliche Tiere anhand ihrer Funktion für Menschen.
-
-Dass er früher selbst Tierversuche im Interesse biologischer Wissenschaft durchführte, sieht er mittlerweile kritisch und möchte so etwas nie wieder tun, wenngleich er es nur verwerflich findet, wenn Tierversuchen Schmerzen (physische) verursachen, im Allgemeinen stellt er diese aber nicht in Frage, selbst wenn sie nur dem besseren Verständnis des Verhaltens der Forschungsobjekte dienen. Und das, obwohl er sonst die Gefühle und Bedürfnisse nichtmenschlicher Tiere erkennt und deren Berücksichtigung einfordert.
-
-Trotz all der Kritik leistet Bekoffs Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der Tatsche, dass nichtmenschliche Tiere keine bloßen Automaten darstellen, die nach Belieben durch Menschen für deren Zwecke ausgebeutet werden können und dass sie im Gegenteil über Bewusstsein und Gefühle verfügen, deren Berücksichtigung geboten ist.
-
-Für das Vorhandensein von Gefühlen und Verstand beschreibt Bekoff unzählige Beispiele aus seiner eigenen und der Forschung anderer und nennt die Literatur zu den Experimenten.
-
-Noch mehr Beispiele finden sich in »Tugend und Leidenschaft im Tierreich«, einer umfangreichen Zusammenstellung einiger seiner Aufsätze, die sich mit dem Selbstbewusstsein, dem höchst vielfältigen Gefühlsleben und dem hochkomplexen Sozialverhalten verschiedener Tierarten beschäftigen. Hauptsächlich beschreibt er canide (hundeartige) Arten, da er sich hauptsächlich mit diesen beschäftigt und selbst bereits mit einigen Vertretern dieser Art zusammenlebte, es sind aber auch einige andere Arten vertreten.
-

(Diff truncated)
vorarlberg
diff --git a/artikel/Amoklauf_bei_Rockerfest.mdwn b/artikel/Amoklauf_bei_Rockerfest.mdwn
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index 0000000..7aad5f4
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+++ b/artikel/Amoklauf_bei_Rockerfest.mdwn
@@ -0,0 +1,30 @@
+---
+Autor_in: Andrea Röpke
+Titel: Vorarlberg: Nazi-Amoklauf bei Rockerfest
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+Lizenz: 
+Abstract: Wieder gibt es eine Gewalttat aus dem »Blood&Honour«-Netzwerk: Ein österreichisches Mitglied der militanten Organisation lief Amok, angeblich wegen eines Streits mit seiner Freundin.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Der Amokläufer von Nenzing war mehrfach vorbestraft und gehörte dem radikalen rechten Lager an. Er mochte die bundesdeutschen Holocaust-Leugner Horst Mahler und Ursula Haverbeck. Zwei seiner zahlreichen Facebook-Freunde sind junge Neonazis der Partei »Die Rechte« aus dem niedersächsischen Verden an der Aller, die anderen stammen zum Teil aus FPÖ-Kreisen oder zählen zum tiefbraunen Spektrum in Vorarlberg. Am Wochenende erschoss Gregor S. nachts bei einem Rock-Konzert auf dem Gelände des »MC The Lords« in Nenzing zwei Menschen und verletzte elf schwer, danach hielt sich der Waffennarr die serbische Kalaschnikow-Nachbildung in den Mund und drückte ab. Zuhause und in seinem Auto fand die Polizei später weitere Waffen und Kriegsmaterial, er hätte demnach ein weitaus größeres Blutbad anrichten können.
+
+Die österreichischen Behörden räumten zwar ein, dass S. dem Inlandsgeheimdienst lange bekannt sei und zwischen 2005 und 2010 achtmal rechtskräftig wegen Körperverletzung und gefährlicher Drohung verurteilt worden sei, aber ein politischer Hintergrund für den Amoklauf wird nicht angegeben. Es soll sich dagegen um eine Beziehungstat handeln.
+
+Gregor S. beging die Tat vor den Augen der Mutter seines kleinen Sohnes, die sich anscheinend überhaupt nicht in der rechten Szene bewegt.  Sie stand  Medienberichten zufolge in der Nähe auf einem Parkplatz, als der Täter die Waffe aus dem Auto holte und scheinbar wahllos in die Menge der Konzertbesucher schoss. Auch sie floh vor ihm. Bei Facebook schreibt »C... «, nicht mit den Medien reden zu wollen: »Ned hüt, ned morn und ned in 10 johr!«  Freunde pflichten ihr bei, dass sie nichts für die Tat könne.  Worin liegt also das Motiv für die Tat ? Warum schoss der Neonazi auf die rund 150 Gäste der zweitägigen »Lordsparty« . Der 1986 gegründete »Töff«-Club  schreibt auf seiner Internetseite, dass es »immer wieder diverse Troubles unter Gleichgesinnten" gegeben habe. Diese hätten aber »alle erfolgreich geregelt« werden können.
+
+## Im Zusammenhang mit Gewalttaten aufgefallen
+
+Auffällig schnell dezimierte sich nach dem Verbrechen der Freundeskreis von S. bei Facebook. Zuvor hatten sogar Funktionäre der FPÖ dazu gehört. Einem FPÖ-Nachwuchspolitiker hatte Gregor S. 2015 zum »Wiegenfest« gratuliert. Besonders beachtlich ist jedoch, dass der 27-jährige Amokläufer, gegen den seit 2004 ein Waffenverbot bestand und der ganz offensichtlich dagegen verstieß, bis mindestens 2010 »Blood&Honour Vorarlberg« angehörte. Das berichten österreichische Medien übereinstimmend.
+
+Nicht zuletzt seit den Verbrechen des »Nationalsozialistischen Untergrund« (NSU) rückte deren Unterstützernetzwerk »Blood&Honour« (B&H) ins Visier der Öffentlichkeit. Im Nachbarland existierten bereits Ende 1999 Sektionen von »Blood&Honour« in Vorarlberg, Tirol, und Wien. 2002 war ein Konzert in Vorarlberg unter anderem mit der Chemnitzer Band »Blitzkrieg«, deren Musiker  aus dem NSU-Netzwerk stammen, geplant. Über 1000 Gäste wurden erwartet. Auch das  Chemnitzer Skinzine »White Supremacy« von Jan Werner schrieb über die österreichischen Ableger, die sich nach der Auflösung von »Blood&Honour Südtirol« 2001 durch die italienische Polizei und darauf folgenden Hausdurchsuchungen zerstritten. 2003 kam es zu einer heftigen Schlägerei zwischen der rivalisierenden Wiener und Vorarlberger Sektion. Wenig später  soll es allerdings ein Treffen zwischen internationalen Aktivisten in einer Berghütte in Vorarlberg gegeben haben – es ging um die Fortführung von »Blood&Honour«. In Thüringen zum Beispiel bestand das Netzwerk nach dem bundesdeutschen Verbot im Jahr 2000  im Untergrund bis 2006 weiter. 2003 wurde ein Konzert mit den bekannten bundesdeutschen Szene-Bands »Noie Werte« und »Endstufe« in der Heimatregion des Amokläufers angekündigt.
+
+2005 war Gregor S. an einem Angriff auf ein Punk-Konzert in Bludenz beteiligt.  Die angreifenden Neonazis seien mit Baseballschlägern, Pfeffersprays und Gaspistolen bewaffnet gewesen. Die Vorarlberger Szene wurde zunehmend aktiver und gewaltbereiter. 2009 gab es eine Massenschlägerei zwischen Rockern und Neonazis mit einem Toten und mehreren Schwerverletzten. Der Installateur mit den dunklen Haaren fiel bis etwas 2010 immer wieder im Zusammenhang mit Gewalttaten auf.
+
+## Für Thüringen geplantes »Blood&Honour«-Konzert in Vorarlberg
+
+S. kannte auch den »Die Rechte«-Funktionär Markus Walter, der zeitweilig in Liechtenstein, aber auch in Verden an der Aller wohnte. Das ergaben Recherchen der Autonomen Antifa Freiburg. Auf Facebook postete Walter folgenden Satz an S. und andere treue Gefolgsleute:  »Viele Wegbegleiter entpuppten sich als charakterlose Versager oder Verräter und sind größtenteils nicht mehr aktiv, oder sind gar dem jüd****** Zeitgeist zum Opfer gefallen! Doch der wahren Bewegung bricht das kein Bein ab, ganz im Gegenteil es trennte sich eher die Spreu vom Weizen – und das ist auch gut so! Doch diejenigen die stehen blieben, sind wahrlich charakterstarke Personen wo selbst die Freundschaft bis heute trotz unzählige hunderte Kilometer Entfernung überdauert! DANKE! ;)«
+
+Über Walter kann auch S.s Faible für bundesdeutsche  Holocaust-Leugner oder einschlägige Gruppen wie die  »Europäische Aktion« entstanden sein. Noch im März dieses Jahres fand ein für Thüringen geplantes »Blood&Honour«-Konzert in Vorarlberg statt. Politiker der österreichischen Grünen wiesen darauf hin, dass die Kameraden zuvor in einem Schießstand in Feldkirch einen Schießwettkampf durchgeführt hätten. Einer von S.s Neonazi-Freunden poste stolz mit einer Knarre im Anschlag.  Der Amokschütze selbst zeigte sich im Internet eher harmlos, postete aber die Neonazi-Musikveranstaltung »Fest der Nationalen« – »In.Bewegung« – die im Juli  in Sonderhausen in Thüringen stattfinden soll.

polt
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@@ -0,0 +1,23 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Murnau: »Sommer, Sonne, NPD«
+Rubrik: 
+Themen:
+  - Repression
+  - Aktion
+Lizenz: 
+Abstract: Erneut veranstaltete der Neonazi Matthias Polt einen »Redner- und Liederabend für seinen NPD-Berzirksverband Oberbayern in seinem Szeneladen »Versand der Bewegung« in Murnau. Für Gäste sorgen sollten die Reden von Sascha Roßmüller und Baldur Landogart, der seit kurzen Beisitzer im Bundesvorstand der Nationaldemokraten ist. Als Musiker wurde »Lunikoff« angekündigt. Das Motto: »Sommer, Sonne, NPD«.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Zur Veranstaltung am 18.5. reisten laut Polizei zwischen 50 und 60 Rechte an. Die Veranstalter sprechen von »genau 72« Besuchern und bezeichnen den Tag als eine »tolle und erfolgreiche Veranstaltung«, trotzdem sie ausnahmsweise nicht am Wochenende statt fand. Damit wäre der Trend zu wieder mehr Besuchern ungebrochen. Vermeldete die Polizei zur »Weisse Weihnacht« 2014 [[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2016/01/04/braune-weihnachtsfeier-in-oberbayern_20911][nur 15 NPD-Anhänger]], waren es [[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2016/01/04/braune-weihnachtsfeier-in-oberbayern_20911][im Folgejahr bereits 30 bis 40]].
+
+Ausgerichtet wurde der Abend erneut in einem Anwesen am Burggraben in Murnau am Staffelsee. Der Vorsitzende des oberbayerischen Bezirksverbands der NPD Matthias Polt betreibt hier seinen „Versand der Bewegung“. Der Laden wird als Anlaufpunkt der Szene in der Region genutzt.
+
+Der als Musiker angekündigte »Lunikoff« kennt den Veranstaltungsort. Auf dem Weg zum letztjährigen Liederabend am 6.7.2015 wurde Michael Regener, wie der ehemalige Sänger der als kriminelle Vereinigung verbotenen Neonaziband »Landser« mit bürgerlichem Namen heißt, in Murnau festgenommen. Er führte einen als Taschenlampe getarnten Elektroschocker mit sich.
+
+Baldur Landogart ist [[http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/lunikoff-zu-gast-bei-der-npd][laut »blick nach rechts«]] tellvertretender Bezirksvorsitzender der NPD Oberbayern und seit Ende November 2015 auch Beisitzer im Bundesvorstand der Nationaldemokraten. Die »antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München« [[https://www.aida-archiv.de/index.php/chronik/4935-6-juli-2015-01][verwieß bereits im letzten Jahr darauf]], dass es sich bei ihm um Tobias Sch. aus Traunstein handelt.
+
+Roßmüller bekleidete diverse hohe Ämter in der Bayern- und Bundes-NPD und war Mitarbeiter der sächsischen Landtagsfraktion der Partei. Heute ist er nurmehr im Vorsitz des Landesverbands in Bayern. Der Neonazi war [[http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/der-rocker-aus-bayern-9673][Gründungsmitglied des 1993 verbotenen »Nationalen Block«]]. Außerdem ist er laut Störungsmelder [[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2010/03/04/der-braune-biker-aus-der-pfalz_2857][Teil der Führungsriege der »Bandidos« in Regensburg]]. 
+
+Der Ladenbetreiber muss häufig über Sachbeschädigungen am Gebäude und dem Sortiment klagen und ist daher nach eigenen Ausführungen auf Spenden angewiesen.

sarrazin
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@@ -0,0 +1,78 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Sarrazin's »Apologie des weißen Mannes« in Betzigau
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Rassismus
+Lizenz: 
+Abstract: Am 9.5.durfte Thilo Sarrazin sein neues Buch »Wunschdenken« in der bayerischen Provinz vorstellen. Den Auszügen aus seiner »Apologie des weißen Mannes« (zeit.de), bestehend aus analytisch schwachen Vorwürfen an die Politik, völlig ahistorischen Ausführungen zu Deutschlands Rolle in der Welt und diversen rassistischen Zuschreibungen lauschten allerdings gerade einmal 70 Personen. Erhofft hätten sich die Veranstalter wohl etwa 300 Gäste. Das Podium bot die Gemeinde Betzigau mit ihrem Bürgersaal.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Eingeführt und moderiert wurde Sarrazin am 9.5. von Hans-Hermann
+Gockel. Der ehemalige TV-Journalist spricht auf Veranstaltungen der AfD
+- unter Anderem im sächsischen Freital. Dort gefalle es ihm - anders als
+in seiner Heimat sehr, denn: »Wenn ich in Bielefeld durch die Innenstadt
+gehe, dann habe ich an manchen Tagen das Gefühl, ich bin im Nahen Osten
+oder in Afrika auf jeden Fall nicht mehr in Deutschland.« Der
+»Islamkritiker« schreibt den Untergang Deutschlands aufgrund der
+Aufnahme von Migranten insbesondere aus islamischen Staaten herbei.
+
+An diesem Punkt trifft er sich mit Sarrazin, der in der Öffnung der
+Grenzen für Geflüchtete »die größte politische Torheit seit dem Zweiten
+Weltkrieg« sieht. Durch die seiner Ansicht nach »Millionen kulturfremden
+Einwanderern mit durchschnittlich niedriger kognitiver Kompetenz« drohe
+der Abstieg Deutschlands.
+
+»Seinem Publikum präsentiert Sarrazin auch gleich eine einfache Erklärung für das von ihm konstatierte Versagen der Politik. Es sei darauf zurückzuführen, dass sich Politiker von einem "utopischen Denken" leiten lassen, das zunehmend an die Stelle der technokratisch inspirierten Problemlösung vergangener Jahrzehnte trete. Im Bestreben, die Welt zu einem besseren Ort und es allen recht zu machen, setzten sie "Wünsche an die Stelle der Wirklichkeit" und blendeten dabei "die realen Zusammenhänge" aus. Diese realen Zusammenhänge – das sind für Sarrazin die Gesetze der Ökonomie und der menschlichen Natur, denen er eine überzeitliche Geltung zuspricht. Wer sich als Politiker über diese Gesetze hinwegsetzen will, der muss aus Sarrazins Sicht scheitern.« (zeit.de)
+
+Zu diesen »Gesetzen der menschlichen Natur« gehören für Sarrazin
+»niedere Antriebe aus dem Stammhirn«. Die seien für das Handeln der
+Menschen verantwortlich. Der Verstand würde dann erst im Nachhinein zur
+Rechtfertigung aktiviert und benutzt, um die entsprechenden Ziele auch
+zu erreichen.
+
+Mit Blick auf Griechenland, Nigeria und andere afrikanische Staaten
+behauptet er, es fehle an Fleiß, Pflichtbewusstsein und westlichen
+Gesetzen. »Jede Gesellschaft hat exakt den Wohlstand, den sie sich
+selbst geschaffen hat.« Sämtliche Entwicklungen innerhalb von
+Gesellschaften seien allein auf Bedingungen innerhalb dieser
+zurückzuführen. Er selbst nennt ausdrücklich ehemalige
+Kolonialstaaten. Von denen dürfe aber keines sich erdreisten, ein
+anderes Land - insbesondere Deutschland - mit der eigenen Lage in
+Verbindung zu bringen. Auch eine Verantwortung Deutschlands im Hinblick
+auf Geflüchtete weist er so zurück. Den Menschen müsse es so schlecht
+gehen, dass sie gezwungen sind, ihre Probleme selbst zu lösen:
+»Verantwortlich für die Verhältnisse seid ihr ganz alleine.«
+
+In der Gemeinde Betzigau sei man Hans-Hermann Gockel nach »mit offenen
+Armen empfangen« worden. Das Kulturamt der Gemeindeverwaltung ist
+verantwortlich für den Veranstaltungsort. In die Vorbereitung der
+Buchvorstellung war diese zwar nicht involviert, hätte aber das letzte
+Wort bei einer möglichen Absage. Die Gemeinde sah - so gab Herr
+Bürgermeister Helfrich auf telefonische Nachfrage vorab Auskunft -
+keinerlei Veranlassung zum Handeln. Sarrazin bewege sich schließlich mit
+seinen Thesen auf dem Boden der Verfassung. Angesprochen auf den
+Rassismusvorwurf gegen Sarrazins Thesen und den derzeitigen Rechtsruck
+in der Gesellschaft wiegelte er ab: Dann dürfte Frauke Petry auch nicht
+mehr auftreten.
+
+Auch Kritiker besuchten die Gemeinde mit weniger als 2800 Einwohnern und
+protestierten vor dem Bürgersaal. Eine ältere Dame nimmt an der
+Veranstaltung teil, um ihre Kritik zu äußern. Mit ihrem Schild »Schafft
+Sarrazin ab« und einer Trillerpfeife betritt sie den Saal. Während
+andere Klatschen ruft sie »Buh«, wodurch sich in der Lokalzeitung, die
+die Veranstaltung zuvor mehrmals unkritisch angekündigt hatte und den
+Verkauf der Anfangs etwa 300 verfügbaren Tickets übernahm, auch
+kritische Töne niederschlugen: »Eine Zuhörerin zwei Reihen vor ihr steht
+abrupt von ihrem Sitz auf, kommt nach hinten. ›Wir haben
+Meinungsfreiheit in Deutschland‹, sagt sie laut. Und sie wolle sich ihre
+Meinung bilden. ›Klar, sie klatschen und ich pfeife‹, entgegnet ihr die
+Seniorin unbeeindruckt.«
+
+In der Nacht zuvor brachten Unbekannte einen Schriftzug gegen die
+Veranstaltung an der Fassade des für die Bewirtung des Bürgersaals
+zuständigen Gasthaus Hirsch an. Die Zufahrtsstraßen wurden von
+Bereitschaftspolizei kontrolliert und Fahrzeuge durchsucht. Laut einem
+Polizeisprecher weil Sarrazin in der Öffentlichkeit »durchaus
+umstritten« sei.

soli, onda nera
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@@ -0,0 +1,22 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: kurz notiert
+Rubrik: Aktuelles
+Themen:
+  - Rassismus
+  - Antifa
+  - Brandstiftung
+  - Musik
+  - NPD
+  - AfD
+Lizenz: 
+Abstract: Eine unvollständige Chronik bedenkenswerter Vorfälle und einiger Aktivitäten dagegen - von ersterem viel zu viel und vom Zweiten viel zu wenig. Informiert uns und vor allem: ändert das!
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+# OSR: VÖ italienischer Band
+Am **6.5.** kündigt das örtliche Neonazi-Label »Oldschool Records« einen bei ihnen neu erschienenen Tonträger der italienische Skinhead-Band »Onda Nera«, die »keine unpolitischen Weichflöten sind«, an. Die Band bekenne sich »zur schwarzen Fahne, zum dritten Weg und zu ihrem Vaterland. Alles in der Heimatsprache«, so etwa: »astalavista antifaschista«.
+
+# KF: Solidarität nach Anschlag?
+»Solidarität mit ALLEN Geflüchteten« - unter diesem Motto fanden sich am Nachmittag des **13.5.** gut ein Dutzend Menschen in Kaufbeuren - Neugablonz vor der Asylunterkunft in der Grünwalder Straße ein. Grund für die kurzfristig angemeldete Kundgebung war ein Brand in der vorhergehenden Nacht im Keller des Gebäudes, das auch als Asylunterkunft dient. Wie auch in einem Redebeitrag betont wurde, sei es unabhängig der Brandursache wichtig, sich gerade in dieser Zeit mit den Geflüchteten zu solidarisieren. Während die Teilnehmer der Kundgebung mit Musik ihre Solidarität bekundeten, waren die Ermittlungen zur Brandursache noch nicht abgeschlossen. Im Gegensatz zur geplanten Unterkunft nur 300 Meter entfernt. Hier ist klar, dass Anfang des Jahres eine Brandstiftung vorlag..
+

erster entwurf
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@@ -0,0 +1,16 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Editorial
+Rubrik: Fortsetzung
+Themen:
+  - Editorial
+Lizenz: 
+Abstract: ~
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+So wie auf der Titelseite oben und unter »kurz notiert« dargestellt, geht »das Jahr der Brandanschläge« (taz) auch bei uns voller Naziaktivitäten zu Ende. Trotzdem gibt es - wenn auch nicht viel - erfreuliches zu berichten: Für den Antifaschisten, Gewerkschafter und Kommunisten Willi Wirthgen wurde Ende November eine Gedenktafel errichtet. (Seite \pageref{Gedenktafelfrden}) Die Verfolgung des Anmelders einer antifaschistischen Demonstration in Gedenken an die Opfer rechter Gewalt - insbesondere des zuvor am Tänzelfest getöteten - hat nun endlich ein Ende gefunden. Nachdem er sich nicht beugen wollte, tat dies die Justiz und hob den Haftbefehl gegen den Betroffenen auf. (\pageref{Provinz-Posseendgltigbeendet}) Auch die Schwarzstrafen-Kampagne für einen kostenlosen öffentlichen Personennahverkehr und die Entkriminalisierung fahrscheinloser Teilnahme am öffentlichen Personenverkehr kann einen weiteren juristischen Erfolg melden: Drei Freisprüche. (\pageref{VollerErfolgDrei}) Natürlich sparen wir wie immer nicht an Kritik an den Verhältnissen (\pageref{DieGrenzenwerden}, \pageref{nichtnur}, \pageref{InflationderWerte}, \pageref{Entsetzen-Aufregen-Weitermachen}, \pageref{StaatundSchlepper}, \pageref{TotalIrre}).
+
+Außerdem wollen drei Kemptner, wie die Allgäuer Zeitung einen Tag vor Weihnachten berichtet, mit einem umgebauten Fischkutter vor der Küste Lampedusas Flüchtlinge vor dem Ertrinken retten.
+
+Ansonsten schließen wir uns der auch eben erst erschienen Ausgabe #11 der Straßen aus Zucker an. Denn die »sagt ja gerne mal, wie's is. Das ist uns selten so schwer gefallen wie jetzt, because it's fucking complicated! Besorgte Eltern protestieren noch im Jahr 2015 für Homophobie in der Schule. Im gleichen Jahr tragen mitten in Berlin mehrere tausend abgedrehte Christen Kreuze auf die Straße und demonstrieren für mehr ungewollte Schwangerschaften. Deutschland, das miese Stück Weltmacht, prahlt mit offenen Grenzen und offenen Armen und verabschiedet Gesetze, die Ausgrenzung von Geflüchteten noch stärker und Asylanträge noch aussichtsloser machen als bisher. Und trotzdem riskieren doch Menschen ihr Leben und durchqueren Länder und Meere, um hier in Sicherheit zu sein. Zum Beispiel vor lebensbedrohlichen Islamisten. Wie können wir gegen diese argumentieren, ohne uns mit den Abendländischen Patridioten gegen Islamisierung die Argumente zu teilen? Was macht überhaupt diese Erklärungen so beliebt, die auf »Angst und Besorgnis« basieren und auf die Unterscheidung von einem guten ›Wir‹ und einem bösen ›Die Anderen‹ hinauslaufen? **Warum nicht endlich mal auf gutes Leben für alle und keine Angst für niemand? Verdammt?!**«
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+[[!img waffenfund.png size="300x" caption="Waffen und Hakenkreuze im Unterallgäu"]]
+
+# Bizarre Gewaltphantasien und Waffenführung
+Mit einer durchgeladenen Glock 17 ging ein Ex-NPD-Mitglied durch die Stadt. Sein Wunsch: »im Kampf sterben und dann in
+Walhalla einziehen.« Das Risiko, dass er wieder so und dann erfolgreich handele, sei beträchtlich, sagt die Staatsanwaltschaft. (Seite \pageref{BizarreGewaltphantasienund})
+\newline
+
+Weitere Recherchen: »Faustrecht« ist wieder international und einschlägig unterwegs (\pageref{Einschlgigeinternationalbesetzte}); Antisemitische Hetzschrift aus Bregenz wittert »jüdische Lobby« hinter den NSU-Verbrechen (\pageref{BrauneVerschwrungstheorien}); die NPD feiert Weihnachten in Memmingen (\pageref{KerzenabendderNPD}) und Murnau (\pageref{MurnauBrauneWeihnachtsfeier}); Waffenfund bei Nazi im Unterallgäu (\pageref{WaffenfundnachFacebook-Hetze})
+
+tags: Antifa, Recherche
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+\begin{shortnews}{3}{Formalia}{langweiliges}{}
+\shortnewsitem{Impressum}{
+\begin{quote}
+\textbf{verrönscht und zugenetzt}\\ 
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+
+\textbf{Redaktion:}
+
+\begin{quote}
+verrönscht und zugenetzt\\
+c/o react!OR\\
+Fürhling Str. 17\\
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+\end{quote}
+
+\textbf{E-Mail:} vruzt@resyst-a.net
+
+\textbf{Spendenkonto:}
+JuBiKu e.V. - Förderverein Jugend * Bildung * Kultur, IBAN: DE31 4306 0967 8208 4235 01, BIC: GENODEM1GLS, GLS Bank
+
+\textbf{Autor\_innen der Ausgabe:}
+Anton Maegerle, CrimethInc, Franz Schandl, Fritz Burschel, Initiative gegen Rassismus - Westallgäu, Jörg Bergstedt, Kurt Wirth, Lorenz Glatz, Sebastian Lipp, Tobias Bevc
+
+\textbf{Satz und Layout, ViSdP, Hrsg:}
+Sebastian Lipp (Anschrift: Redaktion)
+
+\textbf{Bildnachweis:}
+Seite 11: Anarchist Federation Dundee; 17: inventadi.org
+
+\textbf{Auflage:}
+500 Hefte
+
+Namentlich gekennzeichnete Beiträge müssen nicht mit der Meinung der Redaktion oder des Herausgebers übereinstimmen, schon allein weil es »die« Kollektivmeinung nicht gibt.
+}
+
+\shortnewsitem{Eigentumsvorbehalt}{
+Diese Zeitung bleibt solange im Besitz der Redaktion, bis sie der\_dem Gefangenen ausgehändigt wurde. »Zur Habe Nahme« ist keine persönliche Aushändigung im Sinne dieses Eigentumsvorbehalts. Wird ein Teil der Ausgabe nicht ausgehändigt, dann ist der beanstandete Teil, und nur dieser, unter Angebe der Gründe an die Redaktion zurück zu senden, der Rest ist auszuhändigen. Gleiches gilt, wenn ein bestimmtes Heft beanstandet wird.
+}
+
+\shortnewsitem{Sprache}{
+Hier sollen nicht durchgehend »männliche« Formulierungen benutzt und behauptet
+werden, damit sei keine Diskriminierung verbunden, da alle Geschlechter gemeint
+seinen. Sprache ist auch Ausdruck gesellschaftlicher Realitäten. Auch wenn
+»Emanzipation« und »Gleichberechtigung« obligatorische Schlagwörter geworden
+sind, ist diese Gesellschaft noch weit entfernt von ihrer tatsächlichen
+Umsetzung.
+
+Schon vor Jahrzehnten entstanden in der Gender-Debatte Ansätze für eine
+Sprachregelung, die das ernsthafte Streben nach der Aufhebung der
+Stigmatisierung auch sozial konstruierter und konditionierten Geschlechtern
+signalisiert.
+
+Hier werden autorInnenabhängig für manche Menschen ungewöhnlich erscheinende
+Sprachkonventionen verwendet. Beispiel: der Großbuchstabe (z.B. »I«) wird von
+einigen AutorInnen benutzt, um anzudeuten, dass sowohl »männliche« als auch
+»weibliche« Form gemeint sind. Verbreitet sind auch Endungen wie »-i«/»-is« etc.
+
+Manchmal wird auch die Endung »\_in«/»\_innen« verwendet. Statt dieser »Gender-Gap« wird oft auch ein Stern verwendet. Das bedeutet soviel
+wie: »männliche, weiblich und die ganze Bandbreite an möglichen Geschlechtern
+dazwischen«.
+}
+\end{shortnews}
+
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+\indexitem{\textbf{Gedenktafel} für Antifaschisten \textbf{Willy Wirthgen}\hfill}{Gedenktafelfrden}
+
+\indexitem{\textbf{Der lange Arm Erdogans} politische Isolationshaft in Kempten\hfill}{DerlangeArm}
+
+\indexitem{Lindau: mehrere \textbf{rechtswidrige Abschiebungen}\hfill}{AuslnderbehrdeLindauveranlasst}
+
+\indexitem{\textbf{Entsetzen-Aufregen-Weitermachen?}\hfill}{Entsetzen-Aufregen-Weitermachen}
+
+\indexitem{\textbf{Staat und Schlepper}\hfill}{StaatundSchlepper}
+
+\indexitem{\textbf{Inflation der Werte}\hfill}{InflationderWerte}
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+++ b/Ausgaben/08/secondnews.mdwn
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+# Die Grenzen werden dich nicht schützen
+## aber sie könnten dich töten
+
+Durch koordinierte Bombenanschläge und Schusswechsel in Paris, zu denen sich der Islamische Staat bekannte, wurden am 13. November 129 Menschen getötet. Europäische Nationalist\_innen waren sofort zur Stelle, um die Anschläge mit der sogenannten Flüchtlingskrise zu verknüpfen, trotzdem viele der Flüchtlinge vor ähnlichen vom IS durchgeführten Taten fliehen. Härtere Grenzkontrollen werden uns nicht vor Anschlägen wie dem in Paris schützen, aber weiter den Tod unzähliger Flüchtlinge verursachen. Luftschläge werden Selbstmordattentäter nicht stoppen, aber neue Generationen mit Hass auf den Westen hervorbringen. 
+
+Unsere einzige Hoffnung ist es, gemeinsame Sache zu machen; Brücken zu bauen über die Begrenztheiten von Nation und Religion bevor die ganze Welt auf der Schlachtbank des Krieges zerlegt ist. (Seite \pageref{DieGrenzenwerden})
+
+tags: Rassismus, Flucht, IS
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@@ -0,0 +1,10 @@
+# Voller Erfolg: Drei Freisprüche in Schwarzfahr-Prozess
+## Aber: Noch nicht alle Fragen beantwortet
+
+Es dauerte nur etwa eine Stunde, dann war der Prozess gegen den Aktionsschwarzfahrer Jörg Bergstedt zu Ende: Drei angeklagte Fahrten, darunter von Kempten über München mit ICEs bis Frankfurt - drei Freisprüche. Damit hat (nach mehreren absurden gegenteiligen Gerichtsurteilen) wieder ein Gericht die Frage bejaht, dass offensiv gekennzeichnetes Schwarzfahren keine »Erschleichung von Leistungen« sei.
+\newline
+\hfill(Seite \pageref{VollerErfolgDrei})
+
+[[!img umsonst.png size="333x"]]
+
+tags: Repression, Kapitalismus, Aktion
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+# Titelseite
+* [[firstnews]]
+* [[secondnews]]
+* [[thirdnews]]
+* [[index]]
+* [[weatherblock|Themen]]
+
+# Aktuelles
+* [[editorial]]
+* [[artikel/kurz_notiert]]
+
+# Antifa
+* [[artikel/300_zeigen_Solidarität_nach_Brandanschlag_Marktoberdorf]]
+* [[artikel/AfD_nimmt_Wahlkampf_in_Mainz_wörtlich]]
+* [[artikel/Allgäuer_Neonazi_Immobilie_Zwangsverswteigert]]
+* [[artikel/Allgida_als_Rohrkrepierer]]
+* [[artikel/Allgida]]
+* [[artikel/Neugablonz_Brandstiftung_an_Asylunterkunft]]
+* [[artikel/Rechte_Buergerwehren_ruesten_auf]]
+* [[artikel/Reichsbürgerin_klaut_Gerichtsakte]]
+* [[artikel/Remembering_means_fighting]]
+* [[artikel/Russlanddeutsche_Demo]]
+* [[rezensionen/In_guter_Gesellschaft]]
+* [[rezensionen/Keine_neue_Gestapo]]
+
+# Repression
+* [[rezensionen/Versammlungsrecht]]
+* [[rezensionen/Selbst-Gerechtigkeit]]
+* [[rezensionen/Justiz_von_unten]]
+
+# Debatte
+* [[artikel/Ballern_fuer_Bananen]]
+* [[artikel/Pleite_made_in_BRD]]
+* [[rezensionen/Karl_Marx]]
+* [[rezensionen/Klasse_gemacht]]
+
+# Rassismus
+* [[artikel/Das_Bündnis_vom_Mob_und_Elite_benennen]]
+* [[artikel/Humans_welcome_everywhere]]
+* [[artikel/Interview_Live_In]]
+
+# Rezensionen
+* [[rezensionen/Die_Kunst_der_Recherche]]
+
+# langweilig
+* [[impressum]]
+
+# Deadlines
+
+# eh drin
+* [[rezensionen/Fotojournalismus]]
+* [[rezensionen/Reportage_und_Feature]]
+
+# nicht erschienen
+* [[artikel/Haben_Tiere_Bewusstsein]]
+* [[rezensionen/62_Dinge__44___die_du_mit_einem_kaputten_Computer_machen_kannst]]
+* [[rezensionen/Basiskurs_Kreatives_Schreiben]]
+* [[rezensionen/Das_Gefühlsleben_der_Tiere]]
+* [[rezensionen/Das_Stilwörterbuch]]
+* [[rezensionen/Garantiert_schreiben_lernen]]
+* [[rezensionen/Natur_ohne_Jagd]]
+* [[rezensionen/Schreiben_wie_ein_Profi]]
+* [[rezensionen/Tugend_und_Leidenschaft_im_Tierreich]]
+
+# Belegexemplare
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+[[vruzt.pdf]]
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@@ -0,0 +1,34 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Brandanschlag Marktoberdorf - 300+ zeigen Solidarität
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Demo
+  - Aktion
+  - Brandanschlag
+  - Geflüchtete
+Lizenz: 
+Abstract: Am 27.12.2015 wurde der Neubau einer Marktoberdorfer Geflüchtetenunterkunft vermutlich mit einem Molotowcockatail beworfen. Über 300 Menschen zeigten daraufhin ihre Solidarität auf einem von der Stadt sowie den muslimischen und christlichen Gemeinden ausgerufenen Sternmarsch für den Frieden durch die Stadt zur noch nicht bezogenen Unterkunft. Die Allgäuer Zeitung erinnert sich an einen ähnlichen Brandanschlag aus den 90ern, »vergisst« aber einen anderen.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Am 27.12.2015 wurde versucht, eine Gelüchtetenunterkunft in Marktoberdorf (Landkreis Ostallgäu) in Brand zu setzen. Gegen 22:30 bemerkte eine Anwohnerin Brandgeruch, konnte die Ursache aber nicht feststellen. Erst am nächsten Morgen wurden die Brandspuren entdeckt, nachdem das Feuer anscheinend von selbst erlosch. Die Brandspuren deuten auf die Verwendung eines Molotowcocktails hin, von der Polizei gefundene Glasscherben weisen ebenfalls in diese Richtung. Von weiteren Ermittlungserfolgen konnte die Polizei auf Nachfrage nicht berichten, auch die Hinweise aus der Bevölkerung gingen gegen Null. So bleibt der oder die Täter bisher unbekannt.
+
+## Über 300 Menschen zeigen ihre Solidarität
+
+Eine gemeinsame Stellungnahme zur Tat wurde vom Oberbürgermeister der Stadt Dr. Wolfgang Hall (CDU) und seinen beiden Stellvertretern Wolfgang Hannig (SPD) und Carl Singer (FW) am Tag nach dem Anschlag verfasst. Darin heißt es: »Jegliche Gewaltantwendung, ob tätlich oder verbal, gegenüber denen, die gerade vor Krieg, Gewalt und Verfolgung Zuflucht in unserem Land suchen, ist für uns in keiner Weise akzeptabel.« Ein fremdenfeindlicher Hintergrund bedeute eine Schande für die Stadt.
+
+Über 300 Menschen folgten dann am 7.1.2016 dem Aufruf der Stadt sowie der muslimischen und christlichen Gemeinden Marktoberdorfs zu einem Sternmarsch für den Frieden, um ihre Solidarität mit denen zu zeigen, denen der Brandanschlag offenbar galt. Dieser führte aus der Innenstadt an den Rand der Stadt zur angegriffenen Unterkunft, die nach wie vor im Februar bezogen werden soll. In einem Redebeitrag verurteilte der Oberbürgermeister Dr. Hall den »feigen Anschlag«. Stadtpfarrer Schilling betonte die Notwendigkeit, gegen Rassismus und Nationalismus anzugehen. Die sexistischen Übergriffe in Köln wurden von mehreren Rednern im Sinne von Bernhard Gattner, dem Pressesprecher der Caritas Augsburg aufgegriffen. Der sagte dem Bayerischen Rundfunk:
+
+»Wenn man die Situation in Köln betrachtet, dass dort hunderte junge Männer alkoholisiert auf einem Haufen waren, hat das weniger mit Religion und Kultur zu tun. Denken sie an das Oktoberfest: Jahr für Jahr werden dort Frauen vergewaltigt, angemacht, begrapscht.«
+
+## Nicht der erste Anschlag in der Region
+
+Die Allgäuer Zeitung berichtet am zweiten Tag nach der Tat und stellt Bezug zum ihrer Meinung nach einzigen ähnlichen Fall in der Region her. »Bereits Anfang der 1990er Jahre hatte es einmal einen fremdenfeindlichen Anschlag auf eine Asylbewerberunterkunft in Immenstadt gegeben.« Damals waren Flüchtlinge in einem alten Pfarrhof in Immenstadt untergebracht. Dieser wurde bei einem Brandanschlag am 13.10.1991 völlig zerstört. Zwei Kurden überlebten schwer verletzt, nachdem sie sich durch einen Sprung aus dem Fenster retten konnten. Drei rechte Skinheads waren die Brandstifter. Allerdings gab es bereits einen Tag zuvor einen ähnlichen Anschlag, von dem auch die Allgäuer Zeitung berichtete: »Sieben Schwerverletzte forderte am Samstag kurz nach Mitternacht eine Brandstiftung am Obstmarkt in Kaufbeuren.« Unbekannte entzündeten Autoreifen im hölzernen Treppenhaus. Trotzdem das Haus von türkischen Gastarbeiterfamilien bewohnt wurde, sah die Zeitung am 14.10.1991 »offenbar keine politischen Motive«, denn: Rechtsradikale hätten - »wie […] in Immenstadt« - »wohl andere Einrichtungen wie etwa ein Asylbewerber-Wohnheim ausgewählt.« Schon im November 1991 wurden dann in der selben Zeitung die örtlichen Skinheads entpolitisiert und verharmlost:
+
+»Bei den Skins hier sei weder eine Struktur, noch ein politischer Hintergrund vorhanden, sagt Kripochef Paul Geister. Er kennt die Skinheads, die in typischer Uniform - Springerstiefeln, hochgerollten Jeans, Bomberjacke und vor allem Kahlkopf - am Obstmarkt in Kaufbeuren oder am Rüdigerbrunnen in Neugablonz rumstehen. Für die Kriminalpolizei Kaufbeuren gibt es aber ›keine Anhaltspunkte, daß man deswegen Angst haben müßte‹. Es handle sich nur um ›junge Leute, die den starken Mann spielen‹. Es gebe auch keine Erkenntnisse, daß die Skins mit Repressalien drohten.«
+
+Augangspunkt des Artikels ist der Bericht zweier Schülerinnen, die Angst hätten und bedroht würden, weil sie sich gegen Ausländerfeindlichkeit einsetzten.
+
+In einer Materialsammlung »[Hasskriminalität: Ein Überblick aus kriminologischer Sicht](http://www.kriminalpraevention.de/files/DFK/dfk-publikationen/2003_hass-kriminologische_sicht.pdf)«, die ein Deutsches Forum für Kriminalprävention im Auftrag des Bundesministerium der Justiz erstellte, wird der Anschlag 2003 als von Rechtsextremisten gelegter Brand erwähnt.
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: AfD nimmt Wahlkampf in Mainz wörtlich
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Repression
+  - Antifa
+  - AfD
+  - Pressefreiheit
+Lizenz: 
+Abstract: »Zwischenzeit«, das Mainzer »Medium für Unbequemes« berichtet am 27.2.2016, wie ein Wahlkämpfer der AfD Antifaschist\_innen angriff. Nun versucht die Partei die Redaktion mundtot zu machen. Mittels eines anwaltlichen Schreibens verlangt sie eine Unterlassungserklärung. Natürlich lassen die Betroffenen es auf das Gerichtsverfahren ankommen - Ausgang ungewiss. Daher ruft die »Zwischenzeit«-Redaktion zur Solidarität auf. Gegen die Unterdrückung des kritischen Berichtes soll er verbreitet werden. Auch in der vruzt wird die Pressefreiheit hochgehalten, weswegen der Bericht hier dokumentiert wird und solidarische Grüße nach Mainz gehen. (*Vollumfängliche (Presse-)rechtliche Verantwortung: Sebastian Lipp*)
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Der Samstag könnte so schön sein, wäre da nicht die AfD. Mit ihrem »Eurowehr«-Wahlkampfmobil versuchte die rechtsradikale Partei heute an der Mainzer Alten Universität ihre gefährlichen Thesen zu verbreiten. Etwa 15 Antifaschist\_innen wollten dem etwas entgegensetzen: Mit Flatterband begannen sie, den Wahlkampfstand zu markieren,  sprachen Passant\_innen auf die Partei an und verklebten antirassistische Aufkleber. Der rechten Wahlkampf-Truppe schmeckte die spontane Aktion wenig. Sofort zerrissen die sprichwörtlichen Wahlkämpfer das Absperrband und gingen die Protestierenden aggressiv an.
+
+## Der AfD-Wahlkämpfer zieht das Pfefferspray erneut.
+
+Einer der AfD-Wahlkampfhelfer beließ es jedoch nicht bei den Pöbeleien seiner Spießgesellen. Als eine der Protestierenden sich dem Stand näherte, versuchte er, sie zu Boden zu bringen und griff sie mit Pfefferspray an. Doch die kurz darauf eintreffende Polizei hatte nichts Besseres zu tun, als die Gegner\_innen der AfD zu kontrollieren und ihre Personalien aufzunehmen. Der Angreifer blieb bis auf eine kurze Ansprache unbehelligt. Nach der Störaktion war den Rechten die Lust am Wahlkampf vorerst vergangen, sodass sie die »Eurowehr« und zwei Transparente vom benachbarten Gutenbergplatz abzog.
+
+Ein weiteres Mal hat sich gezeigt, dass von der AfD ein nicht zu leugnendes Gewaltpotential ausgeht. Nicht nur, dass die Partei ein Spiegel des grassierenden Rassismus ist, den sie aufgreift und verstärkt. Die AfD ist eine menschenfeindliche Organisation, die Gewalt fördert und Gewalt verkörpert. Vor bereits einem Monat hatte das Bündnis »Mainz stellt sich quer« unter anderem vor dem rheinland-pfälzischen AfD-Listenzweitplatziertem Joachim Paul gewarnt. Paul ist Mitglied in der Nazi-Burschenschaft der Raczeks zu Bonn, die viele Verbindungen ins militant-rechte Lager hat. Auf einem Wahlkampfevent der AfD in Mainz-Finthen wurden jüngst bei den Partei-Securities verschiedene Waffen sichergestellt. Dass die Militanz der AfD-Anhänger kein Problem von Einzelpersonen ist, hat die Partei heute erneut unter Beweis gestellt.
+
+Seitens verschiedener Medien, unter anderem der offiziellen Polizei-Pressemeldung, der AZ und dem Merkurist, wird der Pfefferspray-Angriff bezweifelt oder schlicht verschwiegen. Unter anderem heißt es, es habe »keine Verletzten durch den Einsatz von Pfefferspray« gegeben. Das ist unzutreffend: Der Angriff wurde uns von unserem Fotografen und mehreren anderen Augenzeug\_innen, unter anderem der Angegriffenen selbst, die nicht mit der Polizei reden will, bestätigt. Unser Titelbild zeigt einen Ausschnitt aus einem Foto des Angreifers wenige Sekunden nach der Tat. Dieses Bild wurde auch von Polizist\_innen am Ort des Geschehens in Augenschein genommen und ihnen gegenüber durch kurze Schilderungen des Angriffs ergänzt. Siehe: <https://zwischenze.it>
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@@ -0,0 +1,19 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: »Allgida«: Neonazis mobilisieren in die Provinz - 1500 dagegen
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Aktion
+Lizenz: 
+Abstract: Am 20.2. mobilisierten Neonazis rund 150 Rechte zu einer unangemeldeten Kundgebung in die Allgäuer Provinz. Während sich die Sicherheits- und Ordnungsbehörden trotz rechtzeitiger Kenntnis kaum zeigten, stellten sich 50 Gegendemonstranten den Rassisten entgegen. Nur eine Woche später wurden die Neonazis um das zehnfache überboten: 1500 hielten einen »Lichterzug« in Obergünzburg ab.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Am Samstag, den 20.2. sammelten sich etwa 150 Neonazis und andere extrem Rechte unangemeldet auf dem Obergünzburger Marktplatz im Landkreis Ostallgäu. Begleitet wurden sie dabei zunächst nur von einigen Antifaschisten, deren spontane Gegenkundgebung schnell auf etwa 50 Teilnehmer anwuchs. Die Polizei indes zeigte kaum Präsenz, obwohl bereits knapp einen Monat zuvor öffentlich mobilisiert wurde. Die Polizei räumt ein, dass dieser Umstand zwar bekannt war, mangels Ankündigung gegenüber den Behörden aber nicht ernst genommen wurde. Obergünzburgs Bürgermeister Lars Leveringhaus (CSU) rechtfertigt gegenüber dem Bayerischen Fernsehen: »Wenn Sie keine offiziellen Anhaltspunkte dafür haben, dass es eine Allgida-Bewegung überhaupt gibt und dann auch noch im Öffentlichen Raum auftritt, dann müssen Sie halt entsprechend verhältnismäßig reagieren.« Die Polizei beobachte »natürlich das rechte Spektrum um natürlich adäquat reagieren zu können«, meint eine Sprecherin. Erst im Laufe der Versammlung wurden weitere Polizeikräfte heran gezogen.
+
+Auffällig oft wurde in den vorderen Reihen der Rassisten von zum Teil Vermummten der rechte Arm erhoben. Die Polizei, die weder die Versammlung auflösen noch Personalien aufnehmen konnte, ermittelt nun wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz - wohl auch, weil eine der Fahnenstangen waffentauglich angespitzt war. Getragen wurden Fackeln, sowie zwei Deutschland- und eine Wirmer-Flagge, die zudem in einer Abwandlung im Erkennungszeichen der »German Defense Leage« verwendet wird. Es tauchten unter Anderem Mitglieder der Neonazikameradschaft »Voice of Anger« und Anhänger der NPD auf. Sie reisten aus dem gesamten Allgäu und dem angrenzenden Umland an. Skandiert wurden neben Beleidigungen gegen die Gegendemonstranten Parolen wie »Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen«, »Wir sind das Volk« oder »Es gibt kein Recht auf Volksverrat« - aber auch »AfD, AfD, ...«. Mobilisiert wurde etwa über von NPD-Mitgliedern betreute Facebook-Seiten, die auch sonst gegen Geflüchtete hetzen. Die 50 Nazigegner hielten dagegen: »Rassismus aus den Köpfen - Nazis von der Straße jagen!« und drückten ihre Solidarität mit Geflüchteten aus. Zunächst konnte dafür noch ein Megaphon verwendet werden, was die Polizei aber bald untersagte, »um die Rechten nicht weiter zu provozieren«.
+
+Für den folgenden Samstag gelang es der Marktgemeinde und den Kirchengemeinden 1500 Menschen zu einem »Kerzenzug« durch Obergünzburg zu bewegen - bei rund 6000 Einwohnern. Unter dem Motto »Hand in Hand für Menschlichkeit« zog die Versammlung von einem Gottesdienst zur Kundgebung am Marktplatz. Hier positionierte sich der Bürgermeister für »Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde«. Anschließend stellte Michael Bauer als Vertreter der Bürgerschaft einen Bezug der »Allgida«-Versammlung zum historischen Nationalsozialismus her. Er wolle sich »klar von Fackelzügen distanzieren, deren Bezug zur Nazizeit unverkennbar ist. Und wir distanzieren uns von den simplen Wahrheiten einiger Schreihälse.«
+
+Die »Schreihälse« haben weitere Aktionen angekündigt. Das nächste Mal wollen sie in knapp zwei Wochen in einer anderen Stadt im Allgäu aufmarschieren. Dieses mal sind andere Behörden zuständig - und wissen von nichts. Ob sie die Rechten auch hier weitgehend unbehelligt lassen?
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+++ b/Ausgaben/08/artikel/Allgida_als_Rohrkrepierer.mdwn
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: »Allgida« als Rohrkrepierer?
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Aktion
+  - Demo
+  - Recherche
+Lizenz: 
+Abstract: Im Februar mobilisierten Neonazis rund 150 Rechte zu einer unangemeldeten Kundgebung - »Allgida« war geboren. Die großspurige Ankündigung »Wir kommen wieder!« konnte die Gruppe trotz zweier Aufrufe nicht verwirklichen. Statt dessen sahen die Rechten sich antifaschistischem Widerstand und einer breiten Solidarisierungswelle mit Geflüchteten ausgesetzt. War's das nun?
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Am 20.2. mobilisierten Neonazis rund 150 Rechte zu einer unangemeldeten
+Kundgebung in die Allgäuer Provinz nach Obergünzburg. Während sich die
+Sicherheits- und Ordnungsbehörden trotz rechtzeitiger Kenntnis kaum
+zeigten, nahmen etwa 50 Gegendemonstranten den bereits einen Monat zuvor
+ergangenen Aufruf der Rechten ernst und stellten sich ihnen entgegen:
+»Rassismus aus den Köpfen - Nazis von der Straße jagen!« stand auf einem
+ihrer Transparente. Auffällig oft wurde in den vorderen Reihen der
+Rassisten von zum Teil Vermummten der rechte Arm erhoben. Die Polizei,
+die weder die Versammlung auflösen noch Personalien aufnehmen konnte,
+ermittelt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger
+Organisationen und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz – wohl auch,
+weil eine der Fahnenstangen waffentauglich angespitzt war. Vor Ort waren
+auch Mitglieder der Neonazikameradschaft »Voice of Anger«, Anhänger
+der NPD und der AfD. Skandierend verließen sie den Platz und drohten:
+»Wir kommen wieder!«
+
+1500 gegen »Allgida«
+
+Nur eine Woche später wurden die Neonazis um das zehnfache überboten:
+1500 hielten »Hand in Hand für Menschlichkeit« einen »Lichterzug« in
+Obergünzburg ab. Der Bürgermeister der Marktgemeinde mit rund 6000
+Einwohnern positionierte sich für »Freiheit, Gleichheit und
+Menschenwürde«. Ein Vertreter der Bürgerschaft stellte einen Bezug der
+»Allgida«-Versammlung zum historischen Nationalsozialismus her indem er
+unterstrich, er wolle sich »klar von Fackelzügen distanzieren, deren
+Bezug zur Nazizeit unverkennbar ist. Und wir distanzieren uns von den
+simplen Wahrheiten einiger Schreihälse.«
+
+Auch der Kemptener Bezirksverband der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di
+»verurteilt« anlässlich des »Allgida«-Aufmarsches »fremdenfeindliche
+Äußerungen und Bündnisse auf das Schärfste.« In ihrer
+»Presseinformation« vom 22.2. allerdings sieht ver.di-Geschäftsführer
+Werner Röll die Geflüchteten wohl vor allem auch unter ökonomischen
+Gesichtspunkten: »Rassismus schadet unserem Ruf im Allgäu als
+Fremdenverkehrsregion immens, schafft eine Gewaltatmosphäre, verursacht
+uns Steuerzahlern hohe Kosten und führt letztlich in eine intolerante
+Gesellschaftsform«. Leute, die Häuser anzünden müssten »hart bestraft«
+werden. Statt »stumpfsinnige Parolen« nachzuplappern sollte für
+Integration gesorgt werden. Komplex sei das Thema zwar, aber bei näherer
+Beschäftigung zeige sich ein »gigantisches
+Konjunkturprogramm«. »Zahlungen an geflüchtete Menschen fließen
+Großteils sofort wieder in den Wirtschaftskreislauf und es werden viele
+neue Arbeitsplätze in diesem Bereich geschaffen - das hilft allen
+Bürgern«. Eine klare Solidarisierung mit den Betroffenen rechter Hetze
+und Gewalt sieht anders aus.
+
+»Allgida« bleibt aus …
+
+Erneut aufmarschieren wollten die Neonazis offenbar am 12.3. in Aitrach im
+Landkreis Ravensburg. So jedenfalls interpretierten Antifaschisten einen
+kryptischen Aufruf, den »Allgida« auf Facebook verbreitete und dabei von
+600 Teilnehmenden phantasierte.
+
+Die Polizei folgte der Interpretation der Antifaschisten und zeigte
+diesmal Präsenz in Aitrach und Isny, einer Stadt in der Nähe. Da eine
+Formulierung auf Mindelheim hätte verweisen können, war auch hier
+Polizei im Einsatz. Nirgendwo ließen sich die Rassisten
+blicken. Gesichtet wurden lediglich vereinzelt Autos, die bekannten
+Rechten zuzuordnen waren und wenige Rechte deren kurze Anwesenheit eher zufällig wirkte. Angesichts der etwa 60 Nazigegner am
+Kriegerdenkmal war deren Aufzug in Aitrach allerdings
+verunmöglicht. Satt dessen behaupteten die Neonazis einen stillen
+»Fackelmarsch« durch Aitrang im Landkreis Ostallgäu. Falls dieser
+stattgefunden haben sollte - wofür nichts spricht - war dieser derart
+still, dass in Aitrang offenbar kein Mensch Notiz davon nahm.
+
+… und scheitert in der Defensive
+
+»Hand in Hand gegen Rassismus« demonstrierten etwa 450 Personen am
+19.3. durch die Kemptener Innenstadt, »weil jeder Mensch das Recht hat,
+egal wo er leben möchte leben darf«, wie es eine Teilnehmerin
+ausdrückte. Aufgerufen zu der Aktion hatte unter anderem Pro Asyl. Zwei
+Tage zuvor mobilisierten »Allgida«-Kreise gegen die Versammlung und
+riefen »zur Gegendemo auf!!! […] Wir würden uns über ein zahlreiches
+erscheinen von euch freuen […] Danke Kameraden«. Gesichtet wurde statt
+einer Gegendemo nur einer der Aufrufenden.
+
+Das war dann auch schon - nach allen uns vorliegenden Informationen -
+der letzte Auftritt der »Allgäuer gegen die Islamisierung des
+Abendlandes«. Aus der Offensive wurden sie dank antifaschistischem
+Protest bei ihrem zweiten angekündigten Auftritt bereits zur Aufgabe
+gebracht, um schließlich beim dritten und letzten Versuch auch an der
+Gegenmobilisierung aus der Defensive zu scheitern.
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   - Demo
   - Recherche
 Lizenz: 
-Abstract: Im Februar mobilisierten Neonazis rund 150 Rechte zu einer
-unangemeldeten Kundgebung - »Allgida« war geboren. Die großspurige
-Ankündigung »Wir kommen wieder!« konnte die Gruppe trotz zweier Aufrufe
-nicht verwirklichen. Statt dessen sahen die Rechten sich
-antifaschistischem Widerstand und einer breiten Solidarisierungswelle
-mit Geflüchteten ausgesetzt. War's das nun?
+Abstract: Im Februar mobilisierten Neonazis rund 150 Rechte zu einer unangemeldeten Kundgebung - »Allgida« war geboren. Die großspurige Ankündigung »Wir kommen wieder!« konnte die Gruppe trotz zweier Aufrufe nicht verwirklichen. Statt dessen sahen die Rechten sich antifaschistischem Widerstand und einer breiten Solidarisierungswelle mit Geflüchteten ausgesetzt. War's das nun?
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rezi neu
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+++ b/rezensionen/Keine_neue_Gestapo.mdwn
@@ -0,0 +1,25 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+RezTitel: »Keine neue Gestapo«
+RezUntertitel: Das Bundesamt für Verfassungsschutz und die NS-Vergangenheit
+RezAutor_in: Constantin Goschler, Michael Wala
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: Rowohlt
+ISBN: 978-3498024383
+Umfang: 464 S.
+Preis: 29,95 Euro
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Nationalsozialismus
+  - Verfassungsschutz
+  - Geschichte
+Lizenz: 
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+
+Die Mordserie des NSU hat Vorwürfe laut werden lassen, das Bundesamt für Verfassungsschutz sei von jeher «auf dem rechten Auge blind». Und das habe damit zu tun, dass die Behörde in ihrer Gründungsphase von Altnazis durchsetzt gewesen sei. Wie zutreffend ist dieses Urteil?
+
+Die Historiker Constantin Goschler und Michael Wala haben die ersten 25 Jahre des Bundesamtes für Verfassungsschutz erforscht und hatten dafür Zugang zu vielen bislang geheimen Akten. Nun lässt sich zum ersten Mal genauer einschätzen, wie viele Belastete es gab und welchen Einfluss sie in der Behörde hatten. Darüber hinaus beleuchtet dieses Buch die Handlungsspielräume des Verfassungsschutzes unter alliierter Kontrolle, seine Rolle im Kalten Krieg und bei der »Inneren Sicherheit« sowie seine zahlreichen Skandale.
+
+Klar ist: Ebenso wie sich wandelte, was Politik und Verfassungsschutz als Bedrohung sahen, wurde die Behörde selbst in der Gesellschaft zunehmend als Bedrohung gesehen.

rezis neu
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+++ b/rezensionen/Die_Kunst_der_Recherche.mdwn
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+---
+Autor_in: bacuh
+RezTitel: Die Kunst der Recherche
+RezUntertitel: 
+RezAutor_in: Hektor Haarkötter
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: UVK
+ISBN: 978-3867644600
+Umfang: 294 S.
+Preis: 29,99
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Journalismus
+  - Recherche
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+»Die Kunst der Recherche« erscheint wie der Versuch einer Modernisierung von Michael Haller's »Recherchieren«. Folgerichtig bezieht sich der Autor auch gleich im Vorwort auf das quasi-Standardwerk zum methodischen Recherchieren im deutschsprachigen Raum. Trotz 30 Jahren Verfügbarkeit von »Recherchieren« zeigen empirische Studien, dass methodisches Vorgehen unter Journalisten noch immer alles andere als selbstverständlich ist. Zudem konnte Haller einige medientechnische Entwicklungen damals natürgemäß nicht einbeziehen. »Darum soll hier nicht nur eine Methodik der Recherche, also das ›Wie‹ journalistischer Informationsgewinnung, dargelegt werden, sondern auch das ›Wo‹: Wo finde ich konkret Gesprächspartner, Datensätze, Hintergrundinformationen? Wer konkret kann mir dabei helfen (beziehungsweise auf wessen Hilfe kann ich gerne verzichten)?« Und: Welche Datensammlungen, Websites und Tools lassen sich benutzen? Zum Schluss wird darauf eingegangen, welche Grenzen und aber auch Privilegien das deutsche (Presse-)recht setzt. Der Verlag gibt - ebenfalls in der Reihe »Praktischer Journalismus« - einen Ratgeber »**FotoJournalismus**« und »**Reportage und Feature**« heraus. Julian J. Rossig erläutert in der inzwischen 3. überarbeiteten Auflage grundlegend-technisches zur Fotographie, zur Komposition von Motiven, sowie Tipps zu konkreten Fotosituationen. Zum Abschluss werden rechtliche Rahmenbedingungen, Bildzeilen und Bildauswahl behandelt. Peter Linden und Christian Bleher stellen »Reportage und Feature« nacheinander vor, vermitteln je geeignete Herangehensweisen für die Recherche und führen in die Spezifika des Schreibens in der jeweiligen Darstellungsform ein. Die zu beherrschen sei nämlich »angesichts der Tendenz zur Personalisierung und zum Storytelling« für Journalisten inzwischen unverzichtbar.
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+++ b/rezensionen/Fotojournalismus.mdwn
@@ -0,0 +1,20 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+RezTitel: Fotojournalismus
+RezUntertitel: 
+RezAutor_in: Julian J. Rossig
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: UVK
+ISBN: 978-3867644822
+Umfang: 240 S.
+Preis: 24,99 Euro
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Journalismus
+  - Fotographie
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+Siehe [[Die Kunst der Recherche]].
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+++ b/rezensionen/Reportage_und_Feature.mdwn
@@ -0,0 +1,21 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+RezTitel: Reportage und Feature
+RezUntertitel: 
+RezAutor_in: Christian Bleher, Peter Linden
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: UVK
+ISBN: 978-3867644761
+Umfang: 226 S.
+Preis: 24,99 Euro
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Journalismus
+  - Recherche
+  - Schreiben
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+Siehe [[Die Kunst der Recherche]].

rezis neu
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@@ -0,0 +1,22 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+RezTitel: Justiz von unten
+RezUntertitel: Berichte, Kritik und Denkanstöße aus der Black Box
+RezAutor_in: Christoph Strecker
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: von Leoper
+ISBN: 978-3860595268
+Umfang: 218 S.
+Preis: 19,90
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Justiz
+  - Kritik
+  - Repression
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+
+Der Titel von Christoph Strecker's »Justiz von Unten. Berichte, Kritik und Denkanstäße aus der Black Box« weckt große Erwartungen an den Inhalt. Der ehemalige Rechtsanwalt und Richter beklagt die oft undurchschaubar wahrgenommene und nicht nachvollziehbare Justiz. Er berichtet, so der Verlag, »aus der Black Box über seine Erfahrungen und über die richterlice Lebenswelt in einem System von Hierarchie und Karriere. Er bemängelt, dass es in der Justiz weniger auf Gerechtigkeit und menschenfreundliche Verfahren ankommt als auf die effiziente Erledigung von ‚Fällen‘. Dazu gehört auch, dass in der Richterschaft die Vorstellung weit verbreitet ist, Rechtsprechung habe nichts mit Politik zu tun. So führt das Desinteresse an den gesellschaftlichen Rahmenbedingungen zu einer permanenten Bestätigung der bestehenden Machtverhältnisse.« Soweit zutreffend. Doch zu einer grundsätzlichen Kritik kann bewegt sich der Autor von diesem Standpunkt aus nicht: »Gegenüber den inneren und äußeren Anpassungszwängen plädiert der Autor für einen ‚aufrechten Gang‘ in der Justiz, für einen rücksichtsvollen Umgang mit den Menschen vor Gericht und für eine bewusste Orientierung an den Menschenrechten.«
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@@ -0,0 +1,21 @@
+---
+Autor_in: Jörg Bergstedt
+RezTitel: Selbst-Gerechtigkeit
+RezUntertitel: Zum Verhältnis von Juristenpersönlichkeit, Urteilsrichtigkeit und »effektiver Strafrechtspflege«
+RezAutor_in: Dirk Fabricius
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: Nomos
+ISBN: 978-3-8487-0288-6
+Umfang: 376 S.
+Preis: 98 Euro
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Justiz
+  - Kritik
+  - Repression
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+Das Buch ist eine Überraschung: Im renommierten Nomos-Verlag, bekannt für Fachbücher und unter anderem Rechtskommentare, darf Dirk Fabricius eine entschlackte Neuauflage seiner 20 Jahre alten Habilitationsschrift herausbringen. Seite für Seite finden sich dort Polemiken gegen den Berufsstand der Jurist\_en (so etwas eigenwillig geschrieben als vermeintlich geschlechtsneutrale Form). Allgemeine juristische Einwände gegen den Unsinn des Strafens, Fallbeispiele und philosophische Betrachtungen wechseln sich ab. So ist es eher ein Lesebuch, welches Kopfschütteln hervorruft – aber aus berufenem Mund, denn der Autor ist Professor für Strafrecht in Frankfurt. Leider ein bisschen teuer als das das Buch größere Massen erreichen kann, von denen die meisten unerklärlicherweise hohen Respekt für Roben und Sprüche im Namen des Volkes haben.

neue rezis
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@@ -0,0 +1,21 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+RezTitel: Karl Marx
+RezUntertitel: Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals? Zur Kritik der »Neuen Marx-Lektüre«
+RezAutor_in: Karl Reitter (Hrsg.)
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: Mandelbaum
+ISBN: 978385476-639-1
+Umfang: 315 S.
+Preis: 19,90
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Marxismus
+  - Kapitalismus
+  - Kritik
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+Im Sammelband »Karl Marx. Philosoph der Befreiung oder Theoretiker des Kapitals?« Äußern sich verschieden Autor\_innen »Zur Kritik der ›Neuen Marx-Lektüre‹«. Der Ausdruck »Neue Marx-Lektüre« würde von ihren Protagonist\_innen als positive Selbstbeziechnung verwendet. Vorgeblich handele es sich dabei um jene Marx-Rezeption, die vorhergehende Irrtümer und Unzulänglichkeiten überwindet und den heutigen Standard der Beschäftigung mit Marx darstellt. Im vorliegenden Band wird dieser Anspruch methodisch und inhaltlich in Frage gestellt. Slave Cubela liefert im im gleichen Verlag erschienenen Buch »**Klasse gemacht!**« »Beiträge zur Aktualität der Klassentheorie«.
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+++ b/rezensionen/Klasse_gemacht.mdwn
@@ -0,0 +1,21 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+RezTitel: Klasse gemacht!
+RezUntertitel: Beiträge zur Aktualität der Klassentheorie
+RezAutor_in: Slave Cubela
+Art: Sachbuch
+Ausstattung:
+Verlag: Mandelbaum
+ISBN: 978385476-634-6
+Umfang: 198 S.
+Preis: 15 Euro
+Rubrik: Rezension
+Themen: 
+  - Marxismus
+  - Kapitalismus
+  - Kritik
+Lizenz: 
+---
+[[!ftemplate id="rezi"]]
+
+siehe [[Karl Marx]].

immo
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--- a/artikel/Allgida_als_Rohrkrepierer.mdwn
+++ b/artikel/Allgida_als_Rohrkrepierer.mdwn
@@ -65,17 +65,17 @@ und Gewalt sieht anders aus.
 
 »Allgida« bleibt aus …
 
-Erneut aufmarschieren wollten die Neonazis offenbar in Aitrach im
+Erneut aufmarschieren wollten die Neonazis offenbar am 12.3. in Aitrach im
 Landkreis Ravensburg. So jedenfalls interpretierten Antifaschisten einen
 kryptischen Aufruf, den »Allgida« auf Facebook verbreitete und dabei von
 600 Teilnehmenden phantasierte.
 
 Die Polizei folgte der Interpretation der Antifaschisten und zeigte
 diesmal Präsenz in Aitrach und Isny, einer Stadt in der Nähe. Da eine
-Formulierung auf Mindelheim hätte verweisen können, waren auch hier
+Formulierung auf Mindelheim hätte verweisen können, war auch hier
 Polizei im Einsatz. Nirgendwo ließen sich die Rassisten
 blicken. Gesichtet wurden lediglich vereinzelt Autos, die bekannten
-Rechten zuzuordnen waren. Angesichts der etwa 60 Nazigegner am
+Rechten zuzuordnen waren und wenige Rechte deren kurze Anwesenheit eher zufällig wirkte. Angesichts der etwa 60 Nazigegner am
 Kriegerdenkmal war deren Aufzug in Aitrach allerdings
 verunmöglicht. Satt dessen behaupteten die Neonazis einen stillen
 »Fackelmarsch« durch Aitrang im Landkreis Ostallgäu. Falls dieser
diff --git "a/artikel/Allg\303\244uer_Neonazi_Immobilie_Zwangsverswteigert.mdwn" "b/artikel/Allg\303\244uer_Neonazi_Immobilie_Zwangsverswteigert.mdwn"
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+++ "b/artikel/Allg\303\244uer_Neonazi_Immobilie_Zwangsverswteigert.mdwn"
@@ -0,0 +1,21 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Allgäuer Neonazi-Immobilie zwangsversteigert
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Recherche
+Lizenz: 
+Abstract: Anton Pfahler, der ehemalige »Offizier« der paramilitärischen »Wehrsportgruppe Hoffmann«, hat seine »Alte Sennküche«, ein Anwesen in Südschwaben bei Immenstadt im Allgäu, bei einer Zwangsversteigerung am 15. Januar 2016 verloren. Zuletzt nutzte Bernd Burger, »erster Stellvertretender Leiter« der »Artgemeinschaft«, einer in der Szene bedeutenden völkisch-rassistischen und neonazistischen Religionsgemeinschaft, die Immobilie.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Bereits am 24. Juli 2015 sollte die »Alte Sennküche« in Rieggis am Amtsgericht Kempten zwangsversteigert werden. Auf dem Gebäude liegt seit 2011 eine sechsstellige Hypothek, die der Eigentümer Anton Pfahler offenbar nicht mehr bedienen konnte. Auch Grundsteuer und Kanalgebühren wurden nicht mehr beglichen. Damals allerdings kam es zu keinem Gebot, das die Gläubigerbank akzeptierte.
+
+Kurz zuvor am 11. Juli 2015 räumten bundesweit angereiste Aktivisten und Familien der »germanischen Glaubensgemeinschaft wesensgemäßer Lebensgestaltung« - oder »Artgemeinschaft« - das Gebäude. Stundenlang werden Pappkisten und Umzugskartons aus dem Haus getragen und abtransportiert. Mit dem Inventar wechselt die Kontaktadresse des »Buchdienst der Artgemeinschaft« auf der »Asatru«-Website kurz darauf von Kempten nach Zeitz. Ein Zusammenhang drängt sich auf, denn Bernd Burger ist mit seiner Familie mit Pachtverträgen und Wohn- und Nutzungsrechten ausgestattet. Bernd Burger ist »erster stellvertretender Leiter« der »Artgemeinschaft«, einer Vereinigung mit hoher Bedeutung in der radikalen Rechten. Vor allem unter dem Vorsitz des Hamburger Neonazis Jürgen Rieger (1989-2009) fand die »Artgemeinschaft« engen Anschluss an den militanten Neonazismus. Norddeutsche Wehrsport-Aktivisten, Funktionäre der »Heimattreuen Deutschen Jugend« (HDJ) sowie Anführer von »Blood&Honour« aus Norddeutschland tummelten sich dort in den vergangenen Jahren. Blick nach rechts  erkennt gar Verbindungen zum innersten Kreis des Terror-Netzwerkes NSU.
+
+Am 15. Januar 2016 fand der zweite Zwangsversteigerungstermin vor dem Amtsgericht Kempten statt. Obschon es diesmal formal kein Mindestgebot gab, setzte die Gläubigerbank mittels eigenem Gebot die Mindestsumme auf 200.000 Euro fest. Ein Allgäuer (genauer wollte er sich nicht äußern) erhielt dann den Zuschlag für 220.000 Euro.
+
+Damit verliert Anton Pfahler seine Immobilie. Allerdings besitzt der einstige »Offizier« der paramilitärischen »Wehrsportgruppe Hoffmann« und frühere Aktivist der verbotenen neonazistischen »Wiking-Jugend« noch weitere Anwesen. Bei einer Razzia im Juni 1998 fanden Polizeibeamte auf einem davon Maschinenpistolen, Sturmgewehre, Handgranaten, Munition und Tretminen, er wurde wegen Verstoßes gegen das Kriegswaffenkontrollgesetz verurteilt. Übrigens verliert wohl auch Karl-Heinz Hoffman, Gründer der »Wehrsportgruppe Hoffmann« sein Rittergut bei einer Ende Januar angesetzten Zwangsversteigerung.
+
+Der Ersteher der »Alten Sennküche« sagte dem Bayerischen Rundfunk er wisse noch nicht, was er mit seinem neuen Gebäude anfange, es werde aber »auf jeden Fall keine Burg für Neonazis«. Bernd Burger und seine Familie allerdings befinden sich weiterhin in der Region: Sie fanden nach ihrem Auszug in Rieggis eine neue Unterkunft nur wenige Kilometer entfernt.

artcl neu
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+++ b/artikel/Ballern_fuer_Bananen.mdwn
@@ -0,0 +1,43 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Ballern für Bananen?
+Rubrik: Militarismus
+Themen:
+  - Militarismus
+  - Aktion
+Lizenz: 
+Abstract: »Gerade Deutschland als führende Exportnation hat ein vitales Interesse am Schutz globaler Logistikketten« - das sagte der Präsident des Bundesverband Deutscher Industrie (BDI) zum Auftakt der sogenannten Münchner Sicherheitskonferenz 2014. Es gelte, globale Handelswege auszubauen und zu sichern. Im Fokus der Konferenz stand folglich auch der freie Zugang zu Rohstoff- und Energievorkommen auf der ganzen Welt, genau wie Maßnahmen gegen Piraterie und terroristische Anschläge. Seither sind Strategiepapiere der NATO und deutscher Streitkräfte wie ihre Einsätze von diesem Leitgedanken geprägt und konzentrierten sich bis zur Eskalation in Syrien auf afrikanische Länder.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Die Annahme, es gebe in Afrika große Potenziale für deutsche Unternehmen, ist dem BDI zufolge nicht einfach aus der Luft gegriffen: Ende 2013 führte der Verband eine Umfrage zum wirtschaftlichen Engagement deutscher Unternehmen durch. Die große Mehrheit der Befragten habe angegeben, »ihr Subsahara-Geschäft in den kommenden Jahren auszuweiten«. »Aktuell erschließen wir eine Reihe von Ländern«, äußert sich zum Beispiel Volkmar Denner, Vorsitzender der Geschäftsführung der Robert Bosch GmbH, »wir wollen in diesem Jahr Vertriebsniederlassungen in sechs afrikanischen Ländern gründen«.
+
+Bereits 2008 veröffentlichte die Deutsche Industrie- und Handelskammer ihre Vorschläge für eine bessere Verzahnung von Außenwirtschaft und Entwicklungszusammenarbeit unter dem Titel »Chancenkontinent Afrika. Plädoyer für eine wirtschaftsfreundliche Afrikastrategie«. »Deutschlands Wohlstand hängt nicht zuletzt vom Erfolg seiner Firmen auf internationalen Märkten ab«, sekundiert der Afrika-Verein der Deutschen Wirtschaft (AV). Die Leiterin Außenwirtschafts- und Entwicklungspolitik beim AV forderte die Bundesregierung daher direkt auf, »alle Möglichkeiten zu nutzen, um Afrikaengagements im Rahmen des bestehenden Instrumentariums in breiterem Umfang abzusichern«.
+
+Seit Jahren arbeitet das BMZ, das »Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung« in Abstimmung mit Wirtschaftsverbänden daran, Profite deutscher Unternehmen in Afrika auszubauen. Letztere bringen sich so »aktiv in die Afrikapolitik der deutschen Bundesregierung ein«, dass sich Strategiepapiere aus Wirtschaft und Politik zum Teil bis in die Wortwahl ähneln.
+
+Kurz vor der 50. Münchner »Sicherheitskonferenz« 2014, früher passender »Wehrkundetagung« genannt, wurde ein Strategiepapier »Neue Macht - Neue Verantwortung« veröffentlicht, das es in sich hat: Es verbindet die Forderung des BDI, globale Handelswege auszubauen und zu sichern, mit dem Entwurf der »Elemente einer außenpolitischen Strategie für Deutschland« - gerade auch militärisch. Erarbeitet wurde es von Autoren unter anderem vom Bundeskanzleramt, dem Auswärtigen Amt, dem Verteidigungsministerium, dem Wirtschaftsministerium, der Daimler AG, der Bertelsmann Stiftung, der Konrad-Adenauer-Stiftung, der Friedrich-Ebert-Stiftung, sowie dem Bundesverband der Deutschen Industrie. »Deutschland braucht die Nachfrage aus anderen Märkten sowie den Zugang zu internationalen Handelswegen und Rohstoffen«, heißt es dort. Das Papier teilt die Welt ein in »Mitstreiter«, »Herausforderer« und »Störer«. Die Sortierung der Akteure in die Kategorien ließt sich etwa so: »Wer nicht mitspielt und trotzdem Einfluss hat, der stört. [...] Afghanistan, der Irak und Libyen sind durch Krieg zerstörte Staaten, die dieser ›Ordnung‹, aus welchen Gründen auch immer, als ›Störer‹ galten. Wer stört, wird zerstört?« (Paul Schreyer) Das Gefasel des Strategiepapiers davon, Demokratie in die Welt zu exportieren, endet dann auch an der Stelle wo es um Rendite geht: »Gleichzeitig unterhält Deutschland allerdings auch strategisch wichtige Beziehungen zu Staaten, die zwar hohe Wachstumsraten und Renditen versprechen, aber bisher wenig Neigung zeigen, sich das westliche Staats- und Gesellschaftsmodell zum Vorbild zu nehmen. [...] Richtig ist, dass Zielkonflikte zwischen deutschen Werten und Interessen, gerade im Verkehr mit autoritären Staaten, kurzfristig oft unvermeidbar sind und im konkreten Einzelfall ausbalanciert werden müssen.«
+
+In der Folge basierte auch die Abschlussrede zur »Sicherheitskonferenz« des Bundespräsidenten Joachim Gauck auf der Blaupause »Neue Macht - Neue Verantwortung«. In beeindruckendem Gleichklang meldeten sich kurz darauf auch Außen- und Verteidigungsministerin mit der Forderung nach einer »aktiveren Rolle« Deutschlands. Klare Worte also, was die Aufgabe der Bundeswehr angeht.
+
+## Ballern für Bananen?
+
+Genau so offen geht die Marine als Teil der Bundeswehr in ihrer Imagekampagne »Meer. Für Dich.« mit ihrer Rolle um: »Unser Wohlstand hängt wesentlich vom Handel über die Weltmeere ab«. »Der ungehinderte Zugang zu Rohstoffen, ihren Märkten und zu wichtigen Energieträgern wie Erdöl und Erdgas ist die Grundvoraussetzung für das Funktionieren eines modernen Industriestaates. Störungen oder Unterbrechungen dieses Zugangs« sollen durch die Marine unterbunden werden. Ganz offen also wird ausgesprochen, wofür es früher noch eine Friedensbwewegung brauchte. Die Motive der für die Kampagne zentralen Imagevideos »Heute kein(e) Benzin, ... Bananen, ... Handys« sprechen Bände. Etwa steht ein Kind vor einem Supermarktregal mit der entsprechenden Aufschrift und ist ganz, ganz traurig, dass es eben »heute keine Bananen« gebe. Bezeichnend ist, dass es inzwischen möglich ist den Leuten zu erzählen, dass die Bundeswehr eben andernorts rumballern muss damit die Bananen futtern und auf Handys rumwischen können - und die finden das noch okay! Andererseits verdeckt diese Erzählung die tatsächlichen Zusammenhänge. Es geht eben im Kapitalismus gerade nicht darum, dass deutsche Kinder glücklich Bananen futtern. Das Bedürfnis nach Bananen ist nur austauschbares Mittel zu einem ganz anderen Zweck: Einzelkapitale machen aus Geld mehr Geld, um daraus mehr Geld zu machen, um daraus mehr... Der Staat hat zu sichern, dass das auch insgesamt so klappt.
+
+Strategisch allerdings hat die Führungsebene der deutschen (und NATO-) Streitkräfte aus Afghanistan ihre Lehren gezogen: Neben immerwährender technologischer Aufrüstung und der zunehmenden Einbindung von zivilen, diplomatischen und polizeilichen Kräften wird militärische Gewaltanwendung zunehmend outgesourced. Deutsche Soldaten bilden Kräfte vor Ort für den Kampf aus. Das sieht für die öffentliche Meinung an der Heimatfront netter aus: »Helfen statt abknallen«. Freilich nicht ohne die Kontrolle aufzugeben. So werden langfristig Abhängigkeiten geschaffen und finanzielle und soziale Kosten der dann geführten Kriege für die BRD minimiert. Gleichzeitig soll die Bundeswehr fähig zum schnellen Eingreifen sein: »Deutsche Sicherheitspolitik muss beides gleichzeitig können: schnelle Reaktion und lange Sicht«, heißt es im vom Planungsstab des Auswärtigen Amt finanzierten Bericht »Neue Macht – Neue Verantwortung«.
+
+## War starts here...
+
+Grund genug also, dem deutschen Kapital und der dazugehörigen Streitmacht gehörig in die Suppe zu spucken. Das geht etwa am GÜZ, dem »Gefechtsübungszentrum« der Bundeswehr. Das GÜZ ist Teil des Truppenübungsplatzes in der Altmark etwa 40 Kilometer nördlich von Magdeburg. Das Gelände als »modernsten« Truppenübungsplatz Europas vermietet Rheinmetall an die Bundeswehr und andere europäische Armeen. Geübt werden kann alles, was sich eine Militaristin so wünschen könnte. Von Operationen kleinerer Verbände, Panzergefechten und sogar Luftschlägen geht so einiges. Damit künftig auch realistische Trainings im »urbanen Ballungsaum« stattfinden können, wird eigens eine ganze Stadt aufgebaut.
+
+Hier soll sich bis 2017 »eine Stadt erheben, wie sie in Europa einmalig ist. Sie hat all das, was andere Städte auch haben, Hochhäuser, ein Stadion, ein Krankenhaus, einen Stadtwald, auch eine U-Bahn und ein Botschaftsviertel, nur Bewohner hat sie nicht. Diese Stadt ist eine Attrappe, ein Phantom, um Kriegsschauplätze in aller Welt zu simulieren.
+
+›Wir haben eine Altstadt, eine Neustadt, eine Stadtautobahn, die Kanalisation ist 1,5 Kilometer lang und begehbar‹, spult [Oberstleutnant] Makowski routiniert ab. Dazu kommen Müllhalde, Trümmerfeld, Elendsviertel und die Moschee, die mit wenigen Handgriffen zur Kirche umfunktioniert werden kann. Oder umgekehrt. Hier, im dünnbesiedelten Norden von Sachsen-Anhalt, umgeben von einem undurchdringlichen Gürtel aus Wald, ist für 100 Millionen Euro eine Retortenstadt im Werden, eine Mischung aus Kinshasa, Timbuktu und Bagdad, ihr Name ist Schnöggersburg«. (taz.de)
+
+Was hier trainiert wird? Häuserkampf, Aufstandsbekämpfung, »Crowd and Riot Control«. Das lässt sich in Timbuktu und Bagdad gegen islamistische Milizen ebenso gut anwenden wie in Hamburg oder Paris gegen unliebsame Bewegungen.
+
+## ... let's stop it here 
+
+Dagegen regt sich Widerstand. Eine Bürgerinitiative »Offene Heide« kämpft seit 1993 für die Schließung des Ausbildungslagers. Sie stören trotz Repression unter anderem den Betrieb der Anlage durch regelmäßige Begehungen. Jährlich findet ein antimilitaristisches Aktionscamp in der Nähe statt: »War starts here - let's stop it here«. Hier treffen sich verschiedene Spektren antimilitaristischer Zusammenhänge, debattieren und legen selbst Hand an. Mit vielfältigen Aktionen im, am und um das Gelände wird in den reibungslosen Ablauf des Übungsplatzes eingegriffen, die Infrastruktur sabotiert und die militaristische Verwendung des Geländes in die öffentliche Wahrnehmung gebracht. Während des Camps konzentriert sich, was auch sonst über's Jahr hier und an anderen Standorten der Bundeswehr in Deutschland an Widerstand geleistet wird. Gegen Ende des Camps 2013 wurden gar 16 gepanzerte Fahrzeuge und Radpanzer der Bundeswehr abgefackelt. Eine Klärung, wer dafür verantwortlich war, gelang der Polizei nicht. Der Anschlag löste hitzige Debatten unter den Campteilnehmden über dessen Legitimität aus. Klar aber ist: Was hier brennt, kann anderswo keinen Schaden mehr anrichten - und wer hier nicht trainieren kann, wird dabei zumindest weniger effektiv sein.
+
+Ürigens: Wege, die für den Warenabsatz gewaltsam geöffnet werden, werden für die Menschen, die auch deshalb dort nicht mehr leben können oder wollen ebenso gewaltsam geschlossen - schon 2011 wurden Flüchtlingsströme als Grund für militärische Interventionen in die »Verteidigungspolitschen Richtlinien« des Verteidigungsministeriums aufgenommen.

artcl
diff --git a/artikel/Pleite_made_in_BRD.mdwn b/artikel/Pleite_made_in_BRD.mdwn
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@@ -0,0 +1,28 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Pleite made in BRD
+Rubrik: Kapitalismus
+Themen:
+  - Kapitalismus
+  - Kritik
+  - Aktion
+Lizenz: 
+Abstract: Der Kollaps der Staatsfinanzen in südeuropäischen Euro-Ländern ist die direkte Folge der aggressiven deutschen Außenwirtschaftspolitik - fette Profite inklusive
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Den größten Beitrag zur Eskalation der Euro-Krise leistete Deutschland. Berlin verfolgt seit Jahrzehnten eine aggressive, exportorientierte Wirtschaftspolitik, die in der – bis 2008 behaupteten – »Exportweltmeisterschaft« gipfelte. Den größten Absatzmarkt für das deutsche Kapital bildet die EU. An die zwei Drittel seines gesamten Außenhandels wickelt die BRD mit Ländern der Europäischen Union ab. Bereits 2005 erreichte der deutsche Handelsüberschuss mit den EU-Ländern mehr als 97 Milliarden Euro (Bei einem Gesamtüberschuss von 160 Milliarden Euro).
+
+Die europäische Gemeinschaftswährung nahm den Euro-Ländern, die dieser deutschen Exportoffensive ausgesetzt waren, die Möglichkeit, mittels einer Währungsabwertung die Konkurrenzfähigkeit ihrer Wirtschaft wiederherzustellen. Das daraus erwachsene enorme ökonomische Ungleichgewicht zeigt sich drastisch an dem Pleitekandidaten Griechenland, der in 2008 deutsche Waren im Wert von 8,3 Milliarden Euro einführte, während die Exporte sich lediglich auf 1,9 Milliarden Euro summierten.
+
+(Auch im Warenverkehr mit anderen Pleitekandidaten der Eurozone wurden große Überschüsse erwirtschaftet. Diese äußerst erfolgreiche Exportoffensive des deutschen Kapitals wurde vor allem durch eine binnenwirtschaftliche Verelendungsstrategie befeuert. Das Lohnniveau und auch die Lohnstückkosten - die Aufwendungen pro produzierter Wareneinheit - sind eingebrochen. Die Lohnabhängigen in der BRD mussten sich also die Exportweltmeisterschaft des deutschen Kapital durch beständiges »Gürtel-enger-schnallen« vom Munde absparen.)
+
+Für die von der deutschen Exportmaschine niedergewalzten Volkswirtschaften bedeutete das steigende Defizite, die entweder in permanent steigender Staatsverschuldung – wie im Fall Griechenlands –, oder in spekulativer Blasenbildung auf den Immobilienmärkten – wie in Spanien – mündeten. Bei der Verschuldung standen deutsche Banken den wirtschaftlich unterlegenen südeuropäischen Volkswirtschaften »helfend« zur Seite. Deutsche Institute, allen voran die Deutsche Bank, hielten (2/2010) beispielsweise in Griechenland (wie auch in anderen Ländern Südeuropas) Forderungen in der Höhe von 47 Milliarden US-Dollar. Es sind also vor allem die deutschen Banken und das dazugehörige Kapital, die an der Defizitbildung Griechenlands blendend verdienen. 
+
+Auch damit das so weitergehen konnte, wurde der griechische Staat mittels »Hilfspaketen« vor der Pleite »gerettet«. Bei jedem dieser EU-Kreditpakete an Griechenland ist Athen genötigt worden, drastische Sparmaßnahmen durchzusetzen, die zu einer Vertiefung der Depression führten und die Schuldenkrise immer weiter eskalieren ließen. Und jedes Mal bestanden Brüssel und insbesondere Berlin darauf, dass neue Kahlschlagprogramme - »Austeritätsmaßnahmen« - durchgesetzt werden. Für die Bevölkerung bedeutete das massive Verarmung und Verelendung.
+
+## Robin' Banks!
+
+Abhilfe von oben ist nicht zu erwarten: Selbst die »linksradikale« Syriza-Regierung knickte vor dieser Erpressungspolitik der EU ein. Vielversprechender ist da schon die direkte Aneignung des Benötigten: Etwa mittels Kooperativen, Selbstorganisierung, Besetzungen, Betriebsübernahmen, Projekten solidarischer und Umsonst-Ökonomie, aus denen heraus weiterer Widerstand organisiert werden kann. Das gilt nicht nur für die Peripherie der kapitalistischen Zentren wie Griechenland. Früher oder später werden sich die Krisen auch massiv in die »Herzen der Bestie« fressen müssen. Eine radikale Linke, die es dann geschafft hat, »Teil einer funktionierenden Gemeinschaft [zu] sein, die in der Lage ist, sich selbst zu helfen« (CrimethInc.) hätte eine Chance, weiter Kämpfe zu führen, wenn die Zeiten härter werden - ohne darin unter zu gehen, die eigene Reproduktion sicherzustellen. Daraus kann sich eine starke Bewegung entwickeln, die Alternativen zum Bestehenden authentisch vertreten und verbreiten, Angriffe abwehren und sich gegenseitig auffangen kann.
+
+Noch vor Ausbruch der jüngsten Finanzkrise erbeutete Enric Duran knapp eine halbe Million Euro. Mit erfundenen Geschichten und gefälschten Lohnzetteln nahm der »Robin Hood der Banken« immer höhere Kredite auf. »Um das System am laufen zu halten« bediente er die Raten der alten mit den neuen Krediten und hob schließlich alles ab, bevor er im September 2008 - vorläufig - in Lateinamerika untertauchte. Er umverteilte das erbeutete Geld an antikapitalistische Projekte und machte seine Aktion öffentlich. 

interview neu
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+++ b/artikel/Interview_Live_In.mdwn
@@ -0,0 +1,184 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: »den Rahmen des öffentlich sagbaren weit nach rechts verschoben«
+Rubrik: Rassismus
+Themen:
+  - Rassismus
+  - Antifa
+Lizenz: 
+Abstract: Die Live-In hat Mitte Februar mit einem Aktivisten des Antirassistischen Jugendaktionsbüro im react!OR ein Interview über Rassismus und Rechtsruck geführt. Mit freundlicher Genehmigung dürfen wir es übernehmen.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+> Wie erklärst du dir den Wandel, dass immer mehr Leute, den rechten
+> Rattenfängern auf den Leim fallen?
+
+Tatsächlich leben wir ja in unsicherer werdenden Zeiten. Soziale
+Gegensätze verschärfen sich und die Bedrohung etwa durch die
+Teorrorbanden des IS sind, wenn auch in der Hauptsache gerade nicht für
+Europäer\_innen, nicht zu unterschätzen. Rechte Deutungen bieten da
+einfache Antworten auf komplexe gesellschaftliche Fragen und liefern
+gleich Schuldige mit. Trotzdem bleibt festzuhalten: Rassismus ist kein neues
+Problem. Phänomene wie Pegida und die AfD haben aber meiner Ansicht nach
+den Rahmen des öffentlich sagbaren weit nach rechts verschoben, sodass
+sich nun mehr Leute trauen entsprechend rauszugehen und die schon lange
+vorhandenen Probleme mit Rassismus in all seinen Formen nun sichtbar werden.
+
+> Unlängst macht auch das Allgäu negative Schlagzeilen wegen
+> ausländerfeindlichen Brandanschlägen. So wurde in
+> Kaufbeuren/Neugablonz am 7. Februar ein Brandanschlag auf eine
+> zukünftige Flüchtlingsunterkunft begangen, was einen Sachschaden von
+> über 300 000 Euro verursachte. Daraufhin wurde ein 15 köpfiger
+> Ermittlungstrupp der Polizei eingeschalten und es kam zu einer
+> Soli-Demo mit über 1000 Demonstranten. Ich denke, dass der
+> Brandanschlag einen fremdenfeindlichen Hintergrund hat, dürfte auf der
+> Hand liegen. Gibt es trotzdem schon nähere Indizien, wegen des Täters?
+
+Keine Wesentlichen, die mir bekannt wären. Die anscheinend überlegte
+Ausführung der Tat spricht auch eher für organisierte Neonazis als
+Anwohnende. Tatsächlich fanden wir während der spontanen
+Solidaritätsbekundung einige Stunden nach der Tat im Umfeld des Hauses
+gegen Geflüchtete hetzende Aufkleber der extrem rechten »Identitären
+Bewegung«. Eine Aufklärung ist aber unwahrscheinlich. Nur etwa ein
+Viertel der Straftaten gegen Gelüchtetenunterkünfte wird aufgeklärt.
+
+> Und wie sieht die Situation in Sachen Ausländerfeindlichkeit, vor Ort
+> in Kaufeuren aus? Schließlich wurde bereits 2013 ein Mitbürger aus
+> Kasachstan von angereisten Naziskins beim alljährlich stattfindenden
+> Tänzelfest in Kaufbeuren zu Tode geprügelt?
+
+Zur aktuellen Situation meinte eine Kaufbeurerin gegenüber a.tv, die
+Stimmung im Ort kippe »mit absoluter Sicherheit«. Der Kreisbote schreibt
+vom »Widerstand der Anwohner« gegen die Unterbringung von Geflüchteten
+vor dem Anschlag, die Allgäuer meint, dass hier nach wie vor keine
+Flüchtlinge geduldet werden - trotz des Anschlages. Die Asylsuchenden,
+die in der Nähe wohnen müssen, haben Angst. Gleichzeitig tobt sich die
+NPD mit ihren Stopp-Seiten auch für Kaufbeuren auf Facebook aus und es
+wurden sogenannte »Bürgerwehren« für Kaufbeuren und das Ostallgäu
+gegründet. Das spricht Bände über die Situation in Kaufbeuren. Gut, dass
+sich immerhin 1000 solidarisch zeigten.
+
+> Welche rechten Gewalttaten waren insbesondere im Allgäu, ansonsten in
+> den letzten Monaten oder Jahren zu verzeichnen? Und gibt es Städte
+> oder Regionen im Allgäu, die ganz besonders betroffen sind von
+> fremdenfeindlichen Gesinnungen und Aktivitäten?
+
+Es wird immer mehr. Das Allgäu ist keine Ausnahme. Jüngere Beispiele
+wären der Brandanschlag in Marktoberdorf Ende letzten Jahres, und die
+Schläger, die, vermutlich aus rassistischen Gründen, einen Marokkaner
+niederschlugen und mit einem Messer verletzten, nachdem sie ihn zu
+seiner Herkunft befragt hatten. In Vorarlberg wurde eine Asylunterkunft
+mit Sprengkörpern angegriffen, bei Kißlegg ein Stein geworfen und
+Menschen verletzt. Von Hakenkreuzschmierereien und anderen
+neonazistischen Ausfällen müssen wir andauernd berichten. Ein weiterer
+spektakulärer Fall aus den letzten Jahren ist Peter Siebert, der im
+April 2008 vom Neonazi Alexander B. in Memmingen erstochen wurde. Daran
+wollen wir übrigens mit einer Demo am 23.4. erinnern und ein Zeichen
+gegen die sich aktuell drastisch verschärfende Situation
+setzen. Eindrücklich posiert auch die »Bürgerwehr Wangen« auf Facebook
+schwer gepanzert und bewaffnet. Das Profil verweist auf neonazistische
+Seiten, darunter »Oldschool Records«, ein bundesweit bekanntes
+Plattenlabel aus Memmingen, das neonazistische Musik und sonstige
+Propaganda vertreibt. Darunter NSU-Verherrlichung. Der Betreiber des
+Unternehmens hat eine Führungsrolle bei »Voice of Anger«, der größten
+rechten Skinheadkameradschafts Bayerns mit mindestens 80
+Kern-Mitgliedern und muss sich in Kürze wegen 88 Straftaten
+verantworten. Ursprünglich erstreckte sich das Verfahren auf 907 Taten.
+
+> Bleiben wir noch kurz bei dem Thema Brandanschläge mit
+> ausländerfeindlichen Hintergrund. Kurz nach der Wende gab es schon mal
+> eine Welle von Brandanschlägen in Hoyerswerda, Rostock-Lichtenhagen
+> usw. die von einem rechtsradikalen Mob ausging. Liegt die Anzahl der
+> Brandanschläge und rechten Übergriffen, in der aktuellen Zeit höher,
+> als damals nach der Wende?
+
+Die Abweichung ist inzwischen eklatant und die Entwicklung
+schockierend. Gab es 2010 noch zwei, im Folgejahr drei, 2012 schon
+zwölf, dann 20 und 36 im Jahr 2014, vervielfachten sich die
+Brandstiftungen im letzten Jahr auf 132. Bis zum 19. Februar waren es
+2016 bereits 35. Ein Ende dieser Entwicklung ist also nicht
+abzusehen. Was die Übergriffe allgemein angeht, liegen mir zu damals
+gerade keine Zahlen vor, aber heute zählt Mut gegen Rechte Gewalt
+inklusive der Brandanschläge für 2016 bereits 213 Angriffe auf
+Unterkünfte und 54 Körperverletzungsdelikte. Die Zahlen für 2015: 1118
+und 213.
+
+> Was hat es mit der Organisation »Deutsch-Russische-Bruderschaft« auf
+> sich? Die waren ja an der Demonstration auf dem
+> Kemptener Rathausplatz beteiligt. Was ist das für ein Verein,
+> welche Ziele und Ideale verfolgt die »Deutsch-Russische-Freundschaft«?
+
+Die »Deutsch-Russische Bruderschaft« hat zeitweise während eines
+Redebeitrages auf russisch ihr Banner über die Deutschlandfahne der
+Veranstalter gelegt. Auf Facebook machen sie klar wo sie stehen: »wir
+fahren alle großen Schlachtfelder des 2 Weltkrieges ab und bringen
+Muttererde aus Deutschland für [die] deutschen Soldaten«. Ein anderer
+Beitrag nimmt positiven Bezug zum Nationalsozialismus: Eine korpulente
+Person mit Regenbogen-Fahne wird als »Über 70 Jahre Degeneration« einem
+Hitlerjungen gegenübergestellt.
+
+> Was entgegnest Du Äußerungen wie »Wir können ja nicht alle hier
+> aufnehmen« oder »Das sind alles Wirtschaftsflüchtlinge«?
+
+Dem ist erstmal entgegen zu halten, dass etwa 80 Prozent der
+Geflüchteten in ihren Nachbarstaaten bleiben. Zur Verdeutlichung des
+Verhältnisses: 2012 waren 1 Million Flüchtlinge aus Syrien in der
+unmittelbaren Umgebung geblieben, während Deutschland 6000
+erreichten. Zudem hat gerade auch Deutschland eine klare Verantwortung
+in Bezug auf Fluchtursachen, etwa was Waffenexporte oder
+(Post-)Koloniale Strukturen angeht. Deutschland profitiert auch davon,
+dass Leute woanders nicht mehr leben können oder wollen. Und der
+pauschale Vorwurf etwa gegen Geflüchtete vom Balkan ist absolut krass
+angesichts des dort grassierenden Antiziganismus zum Beispiel.
+
+> Welcher Satz in der Flüchtlingsdebatte macht Dich am meisten wütend?
+
+Eigentlich AfD-Petry's Polizisten müssten an der Grenze »auch von der
+Schusswaffe Gebrauch machen.« - Andererseits wollte sich Seehofer ja
+bereits 2011 »bis zur letzten Patrone« wehren...
+
+> Was war Dein einschneidendstes Erlebnis im medialen Bereich (Presse,
+> TV, online,..) im Zusammenhang mit der Flüchtlingskrise der letzten
+> Monate?
+
+Sylvester in Köln. Dabei vor allem, wie die Ereignisse ethnisiert und
+statt zu einer gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit sexualisierter
+Gewalt zu führen für die Hetze gegen Flüchtlinge nutzbar gemacht wurden.
+
+> Gab es bei den Demos in letzter Zeit (z.B. Solidemo am 12.02.2016
+> Kaufbeuren, ca 1000 Teilnehmer) Momente, die Dir besonders positiv in
+> Erinnerung geblieben sind? Oder besonders negative Eindrücke?
+
+Die massive Anzahl von 400 Leuten, die (nicht nur in Kempten) gegen
+Geflüchtete auf die Straße ging und dafür eine Ablehnung sexualisierter
+Gewalt instrumentalisiert. Andererseits aber waren ganze 1000 Leute in
+Kaufbeuren, um sich solidarisch mit denen zu zeigen, denen der
+Brandanschlag galt.
+
+> Die Flüchtlingskrise birgt Risiken aber auch Chancen für Deutschland
+> (und Bayern). Welchen Nutzen für die Menschen könnten wir vielleicht
+> aus der augenblicklichen Situation ziehen?
+
+Ein Nutzen wäre es, Menschen eine Alternative zu Tod, Hunger und Elend
+zu ermöglichen. Ihr merkt schon, ich finde die Frage zynisch.
+
+> Auf der anderen Seite gibt es im Allgäu aber auch viele Leute, die
+> helfend und oft auch ehrenamtlich zur Seite stehen, wenn es um
+> Integration der Flüchtlinge geht. An welche Institutionen oder
+> Organisationen, muss man sich wenden, wenn man tatkräftig mit anpacken
+> möchte?
+
+An beinahe jedem Ort gibt es ja tolle Helferkreise für die
+Unterkünfte. Das wäre die richtige Adresse. Ansonsten im Zweifel
+vielleicht der Bayerische Flüchtlingsrat.
+
+> Und zum Schluss, die folgende Frage. Was sind eurer Meinung nach die
+> sinnvollsten Schritte um ein friedliches und tolerantes Miteinander zu
+> erschaffen?
+
+Also als allererstes rassistische und andere rechte Sprüche nicht stehen
+lassen - egal ob auf der Straße, am Stammtisch, auf Facebook oder am
+Küchentisch - sondern dagegenhalten und sich solidarisch zu den
+Betroffenen verhalten - für eine offene, vielfältige und soziale
+Gesellschaft jenseits diskriminierender Ausschlüsse und Ausgrenzungen -
+für alle und überall!

aufruf 1
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+++ b/artikel/Remembering_means_fighting.mdwn
@@ -0,0 +1,47 @@
+---
+Autor_in: LIA
+Titel: Remembering means fighting! Demo gegen Nazis und Rassismus in Memmingen
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Antira
+  - Aktion
+  - Demo
+Lizenz: 
+Abstract: Im April 2016 jährt sich zum 8. Mal der Todestag von Peter Siebert, der in seiner Wohnung in Memmingen von seinem Nachbarn dem Neonazi Alexander B. niedergestochen wurde. Am Samstag den 23. April 2016 wollen wir im Rahmen einer Demonstration in Memmingen (Allgäu) Peter Siebert und allen anderen Opfern, die durch rechte Gewalt sterben mussten, gedenken. Zudem wollen wir mit unserer Demonstration ein klares Zeichen gegen den aktuellen Rechtsruck in Deutschland und ganz Europa setzten. Wir zeigen uns solidarisch mit allen geflüchteten Menschen und möchten gemeinsam und entschlossen für eine bessere Welt fernab von Rassismus, Sexismus und allen Formen von kapitalistischer Ausbeutung kämpfen.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+ 
+**Demonstration für ein aktives Gedenken – gegen Nazis und Rassismus am 23.04.2016 in Memmingen**
+
+In der Nacht zum 26. April 2008 wird der 40-jährige Peter Siebert von seinem 22-jährigen Nachbarn, dem Neonazi Alexander B. in Memmingen erstochen. Zuvor hatte sich das Opfer (nicht zum ersten Mal) über den lauten Rechtsrock seines Nachbarn beschwert und diesem seine braune Gesinnung vorgeworfen. Im Laufe des Streits verfolgte Alexander B. seinen Nachbarn bis in dessen Wohnung und stach ihn dort mit einem Bajonett nieder.
+
+Im Dezember 2008 wurde der Täter nach nur einem Prozesstag vom Landgericht Memmingen wegen Totschlags (!) zu acht Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Eine rechts motivierte Tat wurde von den Behörden damals nicht in Betracht gezogen. Erst zwei Jahre nach der Verurteilung räumte Manfred Mürbe, Vizepräsident des Landgericht Memmingen, ein, dass ein extrem rechter Hintergrund »wahrscheinlich« sei. Trotzdem taucht der Fall Peter Siebert bis heute nicht in der offiziellen Statistik der Todesopfer rechter Gewalt auf.
+
+Nicht in die offizielle Statistik aufgenommen wurde unter anderem ein weiterer Fall tödlicher neonazistischer Gewalt aus dem Allgäu. Am 17. Juli 2013 wurde in Kaufbeuren der 34-jährige Spätaussiedler Konstantin M. vom wegen neonazistischer Gewalttaten einschlägig vorbestraften Falk H. erschlagen. Vorausgegangen sind der Tat rassistische Pöbeleien. Obgleich all das unbestritten war, wollte der zuständige Richter nur eine »sinnlose Sauferei und Prügelei« sehen.
+
+Genau diese Entpolitisierung und Bagatellisierung ist im Zusammenhang mit rechter Gewalt immer wieder zu beobachten. Sie trägt ihren Teil dazu bei, dass zwischen offiziellen Angaben zu Todesopfern rechter Gewalt (75 seit 1990) und den Statistiken nicht-staatlicher Stellen (184 seit 1990) eine erhebliche Differenz besteht.
+
+Unerträglich ist auch die Zunahme rassistischer »Proteste« von Bürgern, die sich zusammen mit Neonazis gegen Asylsuchende, Muslime und alle Menschen, die sich für einen solidarischen Umgang mit Geflüchteten und hilfebedürftigen einsetzen, formieren. Die rechte Partei AFD beeinflusst deutschlandweit immer mehr den öffentlichen Diskurs und gründet Ortsgruppen  – auch in ländlichen Regionen wie bei uns im Allgäu.
+
+Angeheizt von rechtspopulistischen Medienberichten, sprießen überall sogenannte Bürgerwehren aus dem Boden, die sich anmaßen mit einem Mackerhaften Auftreten »deutsche Frauen« vor Übergriffen durch »Asylanten« zu schützen.
+
+Unter dem Label »Stopp« (Stopp Memmingen usw.) wird Allgäuweit über Facebook die Stimmung gegen Asylsuchende und Ausländer weiter angeheizt. Auch die CSU trägt in klassisch bayrischer Manier mit ihren braunen »Law and Order« Forderungen, ihren Teil zum aktuellen Rechtsruck bei.
+
+All das spielt natürlich auch der örtlichen Neonazi Szene in die Hände, deren Einstellung und Ansichten mittlerweile schon feste Positionen am rechten Rand der sogenannten bürgerlichen Mitte haben.
+
+Der Großteil der organisierten Memminger Neonazi Szene ist Teil der Kameradschaft Voice of Anger (VoA). Die Gruppierung zählt mit ihren mindestens 80 Kern-Mitgliedern zu den größten aktiven Nazi-Kameradschaften in Bayern und ist bundesweit vernetzt.
+
+Diese Mischung aus organisierten Neonazis, »besorgten Bürgern« und der konservativen Mitte führen zu einem Klima der Angst und sind der Nährboden für die zahlreichen Angriffe auf Unterkünfte von Asylbewerbern. Als aktuelle regionale Beispiele sind hier der Brandanschlag auf ein Asylbewerberheim am 06.02.2016 in Kaufbeuren und der versuchte Brandanschlag einen Monat zuvor in Marktoberdorf zu nennen. Allein im Jahr 2015 gab es 528 Übergriffe auf Unterkünfte von Geflüchteten.
+
+Diese Zustände nehmen wir nicht länger hin. Wir wollen mit unserer Demonstration ein deutliches Zeichen gegen rechte Gewalt und Alltagsrassismus setzen. Niemand ist vergessen. Wir kämpfen weiter für eine solidarische und gemeinschaftliche Welt ohne Grenzen, ohne Nationalismus und ohne Faschos!
+
+Wir wollen Alternativen aufzeigen und den Rassismus, so wie die durch ihn immer weiter vorangetriebene soziale Spaltung von der Wurzel an bekämpfen.
+
+Wir wollen ein Bewusstsein schaffen, wonach alle Menschen gleich sind und wir nur gemeinsam - und zwar von unten - diese Welt zum Positiven ändern können.
+
+Wir wollen uns zusammenschließen, organisieren und für die Interessen aller Menschen, ohne Hinblick auf Herkunft, Religion und Nationalität kämpfen!
+
+Lasst uns gemeinsam am 23. April in Memmingen auf die Straße gehen – zum Gedenken an Peter Siebert, Konstantin M. und all die anderen Opfer rechter Gewalt.
+
+Denn Erinnern heißt kämpfen – für eine offene, vielfältige und soziale Gesellschaft jenseits diskriminierender Ausschlüsse und Ausgrenzungen – für ein schönes Leben für alle – überall!

artcl neu
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+++ "b/artikel/Das_B\303\274ndnis_vom_Mob_und_Elite_benennen.mdwn"
@@ -0,0 +1,122 @@
+---
+Autor_in: Detlev Beutner
+Titel: Das Bündnis von Mob und Elite benennen
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Antira
+Lizenz: 
+Abstract: Die Ereignisse von Clausnitz haben in weiten Teilen der Bevölkerung Empörung ausgelöst; allerdings fallen die Urteile sehr unterschiedlich aus, wenn man zu den Ereignissen auch den staatlichen Umgang hinzurechnet. Wenn man von der gesamtgesellschaftlichen Reaktion auf Clausnitz eines lernen kann, dann dies: Rassismus in Form eines Pulks von Dorfnazis ist gesellschaftlich - noch - geächtet; der, in seiner Wirkung oft sehr viel fatalere, Rassismus aber in den dahinterliegenden gesellschaftlichen, staatlichen wie zivilen Strukturen wird kaum noch als solcher benannt, zumindest ist eine solche Benennung weit weg von einem gesellschaftlichen Konsens.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Die Gründe hierfür sind unterschiedlich und reichen von Unkenntnis und fehlender Empathie bis zu einem aggressiven Staatsrassismus, in dessen Vorstellung bitteschön auch das Gewaltmonopol gegenüber Geflüchteten - in welch widerlicher Weise es auch ggf. ausgeübt wird - immer noch beim Staat zu liegen hat. Unter diesen Vorzeichen ist die wahrgenommene Empörung zu relativieren; das, was gesellschaftlich geächtet wird, ist dann nicht mehr viel.
+
+Etwa 20 Menschen, geflohen und aktuell so etwas wie »heimatlos« (von mittellos mal ganz zu schweigen), und schon damit ohne Frage in einer um Größenordnungen massiveren existentiellen Not als alle »UreinwohnerInnen« des Erzgebirges, werden in ihre neue Unterkunft nach Clausnitz gebracht. Dort wird der Bus von etwa 100 Menschen (im Wesentlichen: Männern) blockiert, umringt, mit Sprechchören belagert. Zwei Stunden lang. Die Situation macht bereits beim Zuschauen Angst, aber 104 Sekunden auf YouTube sind ein Sahneschlecken gegenüber 120 Minuten im Bus.
+
+## »Man fragt sich, auf welcher von drei möglichen Alarmstufen man sich befindet«
+
+Zwei Frauen müssen aufgrund der ausgelösten Panik später notärztlich behandelt werden. Was eine solche Situation psychisch auslöst, ist genau das: Panik, Angst; pure akute Angst (ein psychischer Zustand, den viele Deutsche übrigens nicht kennen, was ein kleiner Teil des weiteren Problems sein mag). Eines der Kinder hat Angst auszusteigen und will den Bus nicht verlassen. Nach Rufen aus der Menge: »Dann hol ihn doch raus, jetze!« - »Rausholen!« - »Rausholen!« - »Raus!« greift sich ein Bundespolizist den Jungen gegen seinen Widerstand und zieht diesen schließlich - unter lautem Gejohle der Menge - mit dem Unterarm am Hals würgend aus dem Bus.
+
+Alles dokumentiert auf Video - ein »Glücksfall«, sollte man meinen. Gegen zwei Frauen wurde ebenfalls »einfacher unmittelbarer Zwang« angewendet - sprich, die Polizei setzte auch gegen diese Gewalt ein, um ihren durch berechtigte Angst geprägten Willen zu brechen. Keine Gewalt wurde allerdings gegen die eingesetzt, die diese Angst mit ihrem dumpfen Dorfrassismus und bedrohendem Gehabe geschürt haben.
+
+Am 23.02. fragte Dietmar Dath in der FAZ:
+
+> Man beobachtet also den Polizisten vor dem Mob und fragt sich, auf welcher von drei möglichen Alarmstufen man sich befindet: der niedrigsten, wo der Staat gegen die Stämme noch handlungsfähig ist, der zweiten, auf der er sie ihren Zank unter sich ausmachen lässt, oder der schlimmsten, auf der er Partei ergreift und das Bündnis von Mob und Elite baut, das die Geschichtsschreibung ›Faschismus‹ nennt?
+
+Gute Frage!
+
+Für die gesellschaftspolitische Einordnung ist weniger das Einzelereignis als solches ausschlaggebend. Machen wir ein Gedankenexperiment: Man stelle sich den »optimalen demokratischen sozialen Rechtsstaat« unter Berücksichtigung realer menschlicher Psyche vor.
+
+Ihnen sei die Fähigkeit gegeben, vor jedem Zu-Bett-gehen jeden einzelnen polizeilichen Übergriff des Tages vor Ihrem inneren Auge abspielen zu lassen (mit Bild & Ton). Selbst im gedachten optimalen System würde jedem halbwegs empathiebegabten Menschen dabei der Schweiß etwas auf die Stirn gekrochen kommen.
+
+Andererseits könnten Sie sich nach wenigen Minuten des Reflektierens relativ beruhigt auf die andere Seite drehen: Sie wissen, dass diese Auswüchse geächtet sind; Sie wissen, dass diese morgen verurteilt werden; Sie wissen, dass sich dieses System etwa der Tendenz bewusst ist, dass staatliche Strukturen mit Gewaltausübungsmonopol (Polizei, Militär) zur Rechtslastigkeit neigen; Sie wissen, dass die Übergriffe eben »die Ausnahme« waren, die das System weder leugnet noch ignoriert noch fördert.
+
+Aufwachen! Kalter Rücksprung in die Realität: Ist man sich einig, dass ein solcher Vorfall nie wieder vorkommen darf? Leider muss man zum diametralen Ergebnis kommen.
+
+## »Konsequent handeln« - Polizei, sächsische Behörden, Innenministerium, Regierung, deutscher Innenminister
+
+Zunächst steht die Frage im Raum: Wie äußert sich die Polizei als solche zu dem Vorfall? Der Chemnitzer Polizeipräsident Uwe Reißmann: »An diesem Einsatz gibt es nichts zu rütteln« und es gäbe für die Polizei »überhaupt keine Konsequenzen«. Aber damit nicht genug, er geht weiter und erklärt die Opfer zu Tätern, die »mit Gesten« ebenfalls »provoziert« hätten:
+
+> Was wir allerdings ausweiten werden, das sind sicherlich auch die Ermittlungen gegen den einen oder anderen Businsassen.
+Das ist zwar inzwischen offiziell vom Tisch, aber die Stoßrichtung des zuständigen Polizeipräsidenten ist unzweifelhaft: Gewalt gegen Geflüchtete durch die Polizei ist in Ordnung, Gewaltdrohungen durch einen männlichen Mob sind irrelevant, und wer sich in zwei Stunden Busbelagerung evtl. zu einer »Geste« hinreißen lässt, der ist dann allerdings doch ggf. strafrechtlich zu verfolgen.
+
+Nun gut, mit ganz viel Systemtoleranz könnte man versuchen, sich zu beruhigen und zu sagen: Da hat es halt einen Durchgeknallten irgendwo in der sächsischen Provinz auf den Präsidentenstuhl gehievt, spätestens jetzt wird der auffällig und die Systemkorrektur greift - etwas später, aber sie greift - erst auf höherer Ebene ein. Leider: Fehlanzeige.
+
+Sachsens Innenminister Markus Ulbig, der beim ersten Bekanntwerden des Videos spontan zutreffend erklärte, die Bilder sprächen für sich, bezog sein Unwohlsein wohl doch nur auf die Menschenmenge, nicht den staatlichen Umgang mit der Situation. »Die Polizei musste konsequent handeln und hat das getan«, so Ulbig. An diesem Punkt muss man eine Sekunde verweilen.
+
+Denn wenn sächsische Polizei »konsequent handelt«, dann sieht das aus der Lebenserfahrungsperspektive linker Demonstranten nicht so aus, als ob rund 30 Polizisten nicht mit 100 Demonstranten fertig werden könnten.
+
+Es ist sächsischer Alltag, dass in einer solchen Situation, ob angemessen oder nicht, Schlagstock und Pfefferspray mit einer Deutlichkeit zum Einsatz kommen, die den Titel »konsequent« verdient hat. Insofern sind auch alle Versuche, hier ernstlich behaupten zu wollen, die Polizei habe ein »Kräfteverhältnisproblem« gehabt, nur als hochgradig lächerlich zu bezeichnen. Das mag ein Bürgertum glauben, das solche Einsätze mit deutscher Verwaltungsmentalität auswertet und vor sich hin murmelt: »Naja, 30 gegen 100, ungünstig.«
+
+Das hat aber rein gar nichts mit der Lebenswirklichkeit zu tun und muss als das benannt werden, was es ist: Eine Lüge, um davon abzulenken, dass die Polizei sich hier - unter der Fragestellung bzgl. des vorhandenen Rassismus - eben nicht von dem Mob trennen lässt. Zumindest dann nicht, wenn ein solches Fehlverhalten im Einzelfall keinerlei Korrektur im Apparat erfährt.
+
+Und es geht ja immer so weiter. Ob Matthias Damm, Landrat von Mittelsachsen, der das AfD-Mitglied Thomas Hetze als Leiter der betroffenen Unterkunft ablöste - nicht zum Schutz der Flüchtlinge, sondern »zum Schutz des Mitarbeiters«; zugleich war es das Landratsamt, das die Räumung des Busses durch die Polizei jeder anderen Alternative bevorzugte.
+
+Ob Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich, der die Ausschreitungen in Clausnitz ernsthaft mit den Protesten gegen das Bahn-Projekt »Stuttgart 21« vergleicht, »wo es auch sehr unsachlich zugegangen« sei; dass im Falle von Umweltschützern der Staat nicht zögert, auch Wasserwerfer unter Inkaufnahme schwerster Körperverletzungen einzusetzen, während die Polizei in Sachsen den »Unsachlichen« gar nichts entgegenzusetzen hat, das vergisst Tillich dann aber wieder.
+
+Ob Rainer Wendt, Vorsitzender der »Deutschen Polizeigewerkschaft«, nach dessen Wahrnehmung »die Polizei absolut richtig und angemessen reagiert« habe (und der wenige Tage später der »Jungen Freiheit«, dem Leitorgan der Neuen Rechten, ein Interview zum Thema gab, was er im Übrigen mit einer gewissen Regelmäßigkeit macht).
+
+Ob Oliver Malchow, Vorsitzender der »Gewerkschaft der Polizei«, der keinen Anlass habe, »daran zu zweifeln, dass die Beamten verantwortungsvoll gehandelt haben«.
+
+Ob Dieter Romann, Chef der Bundespolizei, der zu dem Schluss kommt, »dass der Einsatz des Beamten und seiner Kollegen rechtmäßig und verhältnismäßig war zum Schutze der Betroffenen«. Oder schließlich Bundesinnenminister Thomas de Maizière, der »Kritik an diesem Polizeieinsatz nicht erkennen« könne. Auch er argumentierte, dass der Schutz der Flüchtlinge im Vordergrund gestanden habe.
+
+Schutz also. Wenn in Deutschland eine Minderheit offen angegriffen wird durch Kreise der Bevölkerung, und diese Minderheit anschließend der Gewalt der Polizei »zu ihrem eigenen Schutz« ausgeliefert wird, dann sollten die Alarmglocken dauerklingeln. Aber kein Klingeln weit und breit, stattdessen erklärt de Maizière:
+
+> Stellen Sie sich mal vor, der Bus wäre zurückgefahren. Dann hätten ja diese grölenden Leute noch Recht bekommen. Nein, das war in Ordnung.
+
+Nein, das war es nicht. Beziehungsweise: Nur wer den Wertmaßstab setzen will, dass, bevor ein einziger pöbelnder Dorfnazi auch nur angefasst wird, man einen Flüchtling »zu seinem eigenen Schutz« auch mal würgen kann - nur für den mag das in Ordnung sein. Also: Für Rassisten. Für alle anderen ist die Lage viel trivialer.
+
+## Jede Alternative wäre eine bessere
+
+Ob nun Schlagstock und Pfefferspray gegen die Menge unter den Augen der Businsassen (als Ausprägung des Grundsatzes, dass das Recht nicht vor dem Unrecht zu weichen habe, immer noch besser; aber sicherlich auch optimierbar), oder ob man den Bus zeitweise entfernt, um die Situation vor Ort unter Zuhilfenahme von weiterer Verstärkung zu entschärfen. Dresden etwa ist 60 km und eine Stunde Fahrtzeit entfernt - hätten Linke einen AfD-Bus äquivalent belagert, die sächsische Polizei hätte notfalls ein logistisches Meisterstück vorgeführt.
+
+Wie es etwa die Berliner Kollegen am 13. Januar dieses Jahres getan haben, als 500 Polizisten, SEK & Hubschraubereinsatz inklusive, ein ganzes Straßenviertel gestürmt haben, weil ein Kollege vor einem Haus von Linken zu Fall gebracht und leicht verletzt wurde.
+
+Oder man beschließt, den Geflüchteten einen Einzug unter diesen Vorzeichen nicht zumuten zu können und kehrt wirklich endgültig um - kein Sieg der Nazis, sondern eine demütige Verbeugung vor den Schutzbedürftigen: Leute, wir haben es leider versäumt, in manchen Regionen menschlich-solidarische Wertmaßstäbe aufrecht zu erhalten, wir sehen, hier liegt so ein furchtbarer Fall vor, aber: Wir können und werden Euch das nicht zumuten.
+
+Über jede Alternative kann man sich auseinandersetzen, welches die bessere wäre. Aber: Jede Alternative wäre eine bessere; jede Alternative wäre aushaltbar, nur der gewählte Weg, der ist es nicht. Nicht, weil er unter den möglichen Alternativen die schlechteste wäre. Sondern weil jeder andere Weg von dem Leitbild getragen wäre, Schutzbedürftige zu schützen und Angreifern Grenzen aufzuzeigen. Und weil der gewählte Weg demgegenüber von einem Leitbild getragen war, das Geflüchtete zu Objekten degradierte. Weil dem Weg Rassismus zugrunde lag.
+
+All das ist ja nicht so schwierig zu verstehen. Und ein rassistischer Einzelfall wäre schlimm, aber letztlich zu ertragen, wenn es alle verstehen würden - und sich der Rassismus maximal in den hintersten Ecken bestehender staatlicher Strukturen tummeln könnte: Der Polizeipräsident erklärt, dass ihm die Vorfälle leidtun; er entschuldigt sich bei den Betroffenen und sichert zu, dass es zu disziplinarischen Maßnahmen kommen werde; Strafanzeigen gegen die eingesetzten Beamte werden ernsthaft geprüft. Die Innenminister von Land und Bund haben dem außer weiterer Schamesröte nichts hinzuzufügen.
+
+Der Rechtsfrieden bliebe gewahrt, die, die bei uns Schutz gesucht haben, hätten das Gefühl, diesen am Ende auch zu bekommen, und das gesellschaftliche Signal wäre gesetzt: Dass aggressiver Rassismus keinen Platz bekommt, sich zu entfalten. Dass das alles wie in einem Märchen klingt, ist das eigentliche Problem: Die Realität verweist die Vorstellung von einem nicht durch und durch von Rassismus infiltrierten Staatswesen in das Reich der Ammenmärchen, die nur »Gutmenschen« hören wollen.
+
+Man könnte dem entgegenhalten: Ja, dass polizeiliche Strukturen da anfällig sind, ist bekannt; auch dass der kritische Umgang mit solchen Entwicklungen über die Führungsspitzen nicht klappt: ist leider so. Das ist auch schlimm, aber: Mehr ist da nicht. Ein isoliertes Problem von Polizeistrukturen, von dem aber nicht auf den Zustand der Politik oder der Gesellschaft abzuleiten ist.
+
+Aber: Da ist mehr. Denn der Teil der Empörung, der sich gegenüber einem sächsischen Dorfmob noch ein bisschen Weg bereitet, der ist nicht zu hören, wenn politische Entscheidungen auch in diesem Land dazu führen, dass Kinder nicht nur von Polizisten harsch angegangen werden, sondern im Mittelmeer ertrinken.
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+## Die Spitze des Eisbergs
+
+Wenn Deutschlands Rüstungsexporte in 2015 auf den neuen Rekordwert von 12,5 Milliarden Euro steigen, dann ist es albern, einen kausalen Zusammenhang mit Fluchtbewegungen zu verneinen. Deutschland liegt zwar im gesellschaftlichen Diskurs zur Flüchtlingsfrage in Europa nicht am hintersten Ende. Allerdings sollte sich das Land dafür nicht zu sehr auf die Schultern klopfen. Die Lage ist schlimm genug und zugleich hat das Land weltpolitische Verantwortung in einem Ausmaß, das jenes von Österreich, Dänemark, Schweden, Polen oder Ungarn deutlich übersteigt.
+
+Der Diskurs zur Flüchtlingspolitik wird davon bestimmt, dass man sich in scheinbar demokratischer Manier über gröbste Unmenschlichkeiten wie etwa die Aussetzung des Familiennachzugs bei geflüchteten Kindern oder die erleichterte Abschiebung Schwerkranker streitet (und solche Maßnahmen am Ende tatsächlich beschließt). Oder zur Frage der Abschiebung von straffällig gewordenen Ausländern: Da wird im Juli 2015 eine Verschärfung beschlossen, die am 01.01.2016(!) in Kraft tritt, und Silvesterereignisse 2015(!) führen zur nächsten Verschärfung.
+
+Wie willig muss die deutsche Bevölkerung sein, einem rassistischen Grundgefühl Platz zu machen, wenn ein dermaßen billiger Populismus nicht sofort als solcher enttarnt wird. Die Frage kann an einer solchen Stelle eigentlich nur lauten: Überwiegt hier die Dummheit oder der Rassismus - oder bedingt das eine das andere.
+
+In Sachsen konnte man an diesem Einzelfall die Spitze des Eisbergs erahnen. Das sächsische Prinzip der Blindheit gegenüber dumpfem um sich greifendem Rassismus ist besonders ausgeprägt; es hat sich in den politischen Strukturen verfestigt und teilweise verselbständigt. Die dem zugrunde liegende Gleichgültigkeitsmentalität breiter Kreise in der Bevölkerung unterscheidet sich aber quer durch die Republik nicht so sehr.
+
+Dass die politischen Strukturen einer Korrektur bedürfen, sollte klar sein. Aber auch das zivile Umfeld macht es da nicht leichter. Wenn etwa in der Tagesschau der Zweiklang »kriminelle Ausländer« regelmäßig nicht mehr nur als Zitat benutzt wird, dann sagt das einiges über die Veränderungen seit Anfang der 1990er Jahre aus, als diese Vokabel noch eindeutig faschistischen Kreisen vorbehalten war.
+
+## Die Elemente einer zivilen Gesellschaft
+
+Oder wenn - wiederum die Tagesschau, hier am 21.02.16 - das Clausnitz-Video bearbeitet wird, und, ganz im Gegensatz zum Pressekodex, Gesichter unkenntlich gemacht werden: Die von Polizisten, aber nicht die der betroffenen Geflüchteten! Wenn die Medien sich auf einen Dorfmob stürzen, aber mit jeder Leiterstufe der politisch Verantwortlichen hinauf die Empörung überproportional abnimmt; dann ist die Gefahr da, dass auch die restlichen Elemente einer zivilen Gesellschaft in sich zusammen fallen können.
+
+Aber: Sie sind noch da. Auf der einen Seite die immer noch große Menge derjenigen, die in der Flüchtlingshilfe stark engagiert sind. Sie kommen in den Medien und damit in der allgemeinen Wahrnehmung nur noch am Rande vor, aber sind zahlenmäßig und von ihrem Engagement her nicht zu unterschätzen. Politisch ändert aber diese Schicht wenig, weil sie in ihrer Hilfe vor allem nach innen wirkt.
+
+Daneben gibt es aber auch noch eine kämpferische Opposition, parlamentarisch und außerparlamentarisch. Aber erst, wenn die von purem Humanismus Getriebenen auch nach außen Stellung beziehen und zusammen mit den politischen Oppositionsgruppen laut und wütend werden, gibt es, eventuell, noch eine Chance, in Deutschland die Bewegung hin zu einer offen aggressiv-rassistischen Gesellschaft zu vermeiden oder ihr zumindest dauerhaft Relevantes entgegenzustellen.
+
+Der Staat ist da akut die letzte Stelle, auf die man setzen darf. Sachsens Ministerpräsident Tillich hat nach einigem Hin und Her doch eingeräumt, dass sein Bundesland ein besonders großes Problem habe. Nun, er ist deswegen nicht in Demut zurückgetreten. Nein: »Wir brauchen wieder einen starken Staat«. Mehr Polizei soll es richten.
+
+Das ist unter sächsischen Verhältnissen eine weitere Drohung von rechts. Man mag ja darüber streiten, ob landauf landab die Anzahl der Polizistinnen und Polizisten wirklich das Problem ist; mehr von einer von Rassismus durchtrieften sächsischen Polizei ist nun allerdings mit das Schlimmste, was diesem Bundesland passieren könnte.
+
+Am 26.02.16 wurden in Dresden 202 frische Polizeikräfte in den Dienst gestellt. Dabei erklärte der Inspekteur der Sächsischen Polizei, Dieter Hanitsch, unter konkretem Bezug auf die Ereignisse von Clausnitz:
+
+> Polizisten haben das Recht und die Pflicht, Gewalt anzuwenden, um das Wohl der Menschen zu schützen. […] Bilder von einfachem, unmittelbaren Zwang können niemals schön aussehen, sind aber in gewissen Situationen notwendig.
+
+Hanitsch, der also die neuen Polizisten explizit auffordert, es dem Bundespolizisten im Zweifelsfall gleich zu tun, war 2011 als Chef der Dresdner Polizeidirektion abgelöst worden, nachdem im Zuge der Ermittlungen gegen Links von seiner Dienststelle aus Telefonverbindungsdaten von fast einer Million Menschen ausgewertet wurden. Das absurde sächsische Demokratieverständnis arbeitet weiter vor sich hin und wird bundesweit flankiert.
+
+Ein Zitat von 1992, damals um die Pogrome von Rostock-Lichtenhagen herum, das ich leider nicht mehr sicher zuordnen und evtl. auch nur noch nahe am Wortlaut wiedergeben kann, hat mich seinerzeit sehr wachgerüttelt, und ich habe es immer wieder auf seine aktuelle Relevanz hin überprüft.
+
+Die Tendenz, auf die diese Gesellschaft zuläuft, macht es heute leider relevanter als in den letzten 20 Jahren. Ich tausche das damalige »Schwarze« gegen »Flüchtlinge« und stelle es erneut in den Raum, mit dem Appell an alle Halbwachen, aufzustehen und sich zusammenzuschließen und Schlimmeres zu verhindern:
+
+> Dass man die Juden nicht umbringt, haben die Deutschen inzwischen gelernt; bei den Flüchtlingen ist man sich noch nicht ganz sicher. (*zuerst erschienen bei Telepolis*)

lindauer ins koma geprügelt
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@@ -151,7 +151,7 @@ Der örtliche Kreisverband der AfD kann seine öffentliche Mitgliedsversammlung
 Am Nachmittag des **2.3.** entfernte ein 22-Jähriger zwei Wahlplakate der Republikaner in Überlingen am Bodensee. Allerdings wurde er dabei von einer Polizeistreife beobachtet und angezeigt. Laut Polizeibericht wollte er die Plakate anschließend vernichten.
 
 ## Vorarlberg: »Blood & Honour« Konzert
-Am **5.3.** veranstalte das in Deutschland verbotene »Blood & Honour«-Netzwerk ein geheimes Konzert, an dem laut Sicherheitslandesrat Schwärzler (ÖVP) rund 70 Personen teilgenommen hätten. Wo genau in Vorarlberg das im Geheimen organisierte Konzert statt gefunden hat, ist bisher schleierhaft, erst im Nachhinein wurde es überhaupt bekannt. Eigentlich hätte es in Thüringen stattfinden sollen. Zum Auftakt soll ein »Schießwettkampf« in Feldkirch ausgerichtet worden sein. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands sieht insgesamt ein Aufblühen der rechtsextremen Szene. Bereits Ende der 80er bildete sich damals eine lebhafte Nazi-Skinhead-Szene. In den 90ern »sorgten Vorarlberger Skinheads vor allem durch Übergriffe auf Punks, Linke und ausländische Jugendliche für Schlagzeilen. Kaum öffentlich wahrgenommen wurde dagegen eine extrem Häufung von Bränden in Ausländerwohnheimen in Vorarlberg 1993«, heißt es in der 2003 veröffentlichten Broschüre »Gegen Rechtsextremismus« des Jüdischen Museum Hohenems. Die Pressestelle der Landespolizeidirektion teilte etwa einen Monat später »auf Anfrage des ORF Vorarlberg mit, dass vom Konzert im März nichts bekannt sei. Man werde sich jedoch um den Fall kümmern.«
+Am **5.3.** veranstalte das in Deutschland verbotene »Blood & Honour«-Netzwerk (B&H) ein geheimes Konzert, an dem laut Sicherheitslandesrat Schwärzler (ÖVP) rund 70 Personen teilgenommen hätten. Wo genau in Vorarlberg das im Geheimen organisierte Konzert statt gefunden hat, ist bisher schleierhaft, erst im Nachhinein wurde es überhaupt bekannt. Eigentlich hätte es in Thüringen stattfinden sollen. Zum Auftakt soll ein »Schießwettkampf« in Feldkirch ausgerichtet worden sein. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands sieht insgesamt ein Aufblühen der rechtsextremen Szene. Bereits Ende der 80er bildete sich damals eine lebhafte Nazi-Skinhead-Szene. In den 90ern »sorgten Vorarlberger Skinheads vor allem durch Übergriffe auf Punks, Linke und ausländische Jugendliche für Schlagzeilen. Kaum öffentlich wahrgenommen wurde dagegen eine extrem Häufung von Bränden in Ausländerwohnheimen in Vorarlberg 1993«, heißt es in der 2003 veröffentlichten Broschüre »Gegen Rechtsextremismus« des Jüdischen Museum Hohenems. B&H-Mitglieder aus Vorarlberg waren damals beteiligt, als im Jahr 2006 eine Person im deutschen Lindau ins Koma geprügelt wurde. Die Pressestelle der Landespolizeidirektion teilte etwa einen Monat später »auf Anfrage des ORF Vorarlberg mit, dass vom Konzert im März nichts bekannt sei. Man werde sich jedoch um den Fall kümmern.«
 
 ## Kempten: »Beten für den Frieden«
 Auf Initiative des »interreligiösen Gesprächskreises« fanden sich am **7.3.** etwa 200 Personen auf dem Hildegardplatz ein, um ein Zeichen für Frieden und gegen Fremdenhass zu setzen. Es wurde religionsübergreifend »für die friedensstiftende Kraft Gottes« gebetet.

asatru
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@@ -210,5 +210,8 @@ In der Nacht zum **1.4** brannte  eine Garage im Oberstaufener Ortsteil Thalkirc
 ## Oberschwaben: »Der III. Weg« ohne Mitglieder?
 Auf Nachfrage zur Mitgliederstärke der Partei »Der III. Weg« antwortet das für die an's Allgäu angrenzenden württembergischen Regionen (für Bayerisch-Schwaben siehe oben) zuständige Polizeipräsidium am **5.4.** Über Mitgliedschaften sind demnach landesweit laut LKA und Landesamt für Verfassungsschutz keine Erkenntnisse vorhanden. Sympathisanten allerdings gäbe es im Bereich des Präsidiums. Die Polizei geht von »fünf bis zehn Personen« mit »Schwerpunkt Singen-Radolfzell« aus. Deren Aktionen seien bisher allerdings »insgesamt nicht sehr öffentlichkeitswirksam«.
 
+## Artgemeinschaft modernisiert?
+Nachdem die eigentliche Homepage der »Artgemeinschaft - Germanische Glaubensgemeinschaft Wesensgemäßer Lebensgestaltung nur noch eine Fehlermeldung ausgibt, versucht sie am **7.4.** eine Modernisierung der Website. Shop und Seite werden auf Wordpress umgestellt und sind kurzzeitig erreichbar. Wenige Stunden später geben auch diese nur eine Fehlermeldung aus. Die »Artgemeinschaft« bietet verschiedenen Strömungen der extremen auch neonazistischen Rechten einen völkisch-religiösen Überbau. Während des letzten Jahres fiel die ihnen von Anton Pfahler, ehemaliges Mitglied der »Wehrsportgruppe Hoffmann«, zur Nutzung überlassene Immobilie bei Niedersonthofen der Zwangsversteigerung zum Opfer. (Siehe vruzt #06)
+
 ## OSR: »Act of Violence« spielen in Thüringen
 Die Band »Act of Violence« um ihren Sänger Stefan Schneider aus Laupheim und sein Solo-Projekt »[sub'sist]« wollen auf einem konspirativ organisierten Rechtsrock-Event am **7.5.** irgendwo in Südthüringen auftreten. Das Motto: »Rock für Identität«. Selbst russische Neonazis und das in Deutschland verbotene Neonazi-Netzwerk »Blood & Honour« bewerben das Event. Organisatoren dürften laut bnr.de Patrick Schröder aus der Oberpfalz und der Süd-Thüringer Tommy Frenck sein. Schröder lebt vom Vertrieb des als Nazi-Marke bekannten »Ansgar Aryan« und betreibt den Internetsender »FSN TV«, wobei »FSN« für »Frei Sozial National« steht. Frenck ist Gastwirt und finanziert sich ebenfalls über einen Online-Vertrieb: »Druck 18«. »18« ist der Szene-Code für »Adolf Hitler«.

diiiw in würtemmberg
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@@ -151,7 +151,7 @@ Der örtliche Kreisverband der AfD kann seine öffentliche Mitgliedsversammlung
 Am Nachmittag des **2.3.** entfernte ein 22-Jähriger zwei Wahlplakate der Republikaner in Überlingen am Bodensee. Allerdings wurde er dabei von einer Polizeistreife beobachtet und angezeigt. Laut Polizeibericht wollte er die Plakate anschließend vernichten.
 
 ## Vorarlberg: »Blood & Honour« Konzert
-Am **5.3.** veranstalte das in Deutschland verbotene »Blood & Honour«-Netzwerk ein geheimes Konzert, an dem laut Sicherheitslandesrat Schwärzler (ÖVP) rund 70 Personen teilgenommen hätten. Wo genau in Vorarlberg das im Geheimen organisierte Konzert statt gefunden hat, ist bisher schleierhaft, erst im Nachhinein wurde es überhaupt bekannt. Eigentlich hätte es in Thüringen stattfinden sollen. Zum Auftakt soll ein »Schießwettkampf« in Feldkirch ausgerichtet worden sein. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands sieht insgesamt ein Aufblühen der rechtsextremen Szene. Bereits Ende der 80er bildete sich damals eine lebhafte Nazi-Skinhead-Szene. In den 90ern »sorgten Vorarlberger Skinheads vor allem durch Übergriffe auf Punks, Linke und ausländische Jugendliche für Schlagzeilen. Kaum öffentlich wahrgenommen wurde dagegen eine extrem Häufung von Bränden in Ausländerwohnheimen in Vorarlberg 1993«, heißt es in der 2003 veröffentlichten Broschüre »Gegen Rechtsextremismus« des Jüdischen Museum Hohenems.
+Am **5.3.** veranstalte das in Deutschland verbotene »Blood & Honour«-Netzwerk ein geheimes Konzert, an dem laut Sicherheitslandesrat Schwärzler (ÖVP) rund 70 Personen teilgenommen hätten. Wo genau in Vorarlberg das im Geheimen organisierte Konzert statt gefunden hat, ist bisher schleierhaft, erst im Nachhinein wurde es überhaupt bekannt. Eigentlich hätte es in Thüringen stattfinden sollen. Zum Auftakt soll ein »Schießwettkampf« in Feldkirch ausgerichtet worden sein. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands sieht insgesamt ein Aufblühen der rechtsextremen Szene. Bereits Ende der 80er bildete sich damals eine lebhafte Nazi-Skinhead-Szene. In den 90ern »sorgten Vorarlberger Skinheads vor allem durch Übergriffe auf Punks, Linke und ausländische Jugendliche für Schlagzeilen. Kaum öffentlich wahrgenommen wurde dagegen eine extrem Häufung von Bränden in Ausländerwohnheimen in Vorarlberg 1993«, heißt es in der 2003 veröffentlichten Broschüre »Gegen Rechtsextremismus« des Jüdischen Museum Hohenems. Die Pressestelle der Landespolizeidirektion teilte etwa einen Monat später »auf Anfrage des ORF Vorarlberg mit, dass vom Konzert im März nichts bekannt sei. Man werde sich jedoch um den Fall kümmern.«
 
 ## Kempten: »Beten für den Frieden«
 Auf Initiative des »interreligiösen Gesprächskreises« fanden sich am **7.3.** etwa 200 Personen auf dem Hildegardplatz ein, um ein Zeichen für Frieden und gegen Fremdenhass zu setzen. Es wurde religionsübergreifend »für die friedensstiftende Kraft Gottes« gebetet.
@@ -172,7 +172,7 @@ Am **11.3.** wollte die AfD Unterallgäu/Memmingen mal wieder ihre Vortragsveran
 Am Nachmittag des **11.3.** zeigte ein 34-jähriger den »Hitlergruß«, nachdem er mehrmals Passant\_innen belästigte. Er ist bereits mehrfach auch wegen Körperverletzung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen Vorbestraft und verbüßte mehrere Haftstrafen. Einen Bezug zu neonazistischen Kreisen mag die Polizei nicht erkennen.
 
 ## Schwaben: »Der III. Weg« mit 15 Mitgliedern vertreten
-Die junge Neonazipartei »Der III. Weg« hat in Schwaben inzwischen 15 Mitglieder. Das berichtet die Allgäuer Zeitung vom **11.3.** Auf Nachfrage gibt das Präsidium Schwaben Süd/West an, in Ihren Zuständigkeitsbereich fielen »etwa ein Drittel« der 15 Parteimitglieder. Bundesweit hat die Partei etwa 200 Mitglieder. Im Unterschied zu anderen Parteien ist »Der III. Weg« sehr aktivistisch ausgerichtet und umtriebig; es ist nicht davon auszugehen, dass die Partei Mitglieder hat, die nicht aktiv sind.
+Die junge Neonazipartei »Der III. Weg« hat in Schwaben inzwischen 15 Mitglieder. Das berichtet die Allgäuer Zeitung vom **11.3.** Auf Nachfrage gibt das Präsidium Schwaben Süd/West an, in Ihren Zuständigkeitsbereich fielen »etwa ein Drittel« der 15 Parteimitglieder. Bundesweit hat die Partei etwa 200 Mitglieder. Im Unterschied zu anderen Parteien ist »Der III. Weg« sehr aktivistisch ausgerichtet und umtriebig; es ist nicht davon auszugehen, dass die Partei Mitglieder hat, die nicht aktiv sind. Für den Bereich des angrenzenden Polizeipräsidiums in Württemberg siehe unten.
 
 ## OSR: »Pride 'n' Pain« veröffentlichen
 Die Allgäuer Rechtsrock-Truppe »Pride 'n' Pain« veröffentlicht beim Bad Grönenbacher Label »Oldschool Records«. Das meldet die Band am **11.3.** auf Facebook. Nachdem sie 2008 - als »Oldschool« noch »Rebel Records« hieß - das Studio betraten ist es ihnen wohl endlich gelungen, ihr bisher einziges Album fertig zu stellen. Zwei der Bandmitglieder - darunter der Babenhausener Sänger und Lead-Gitarrist - spielten bereits bei Faustrecht. Auch sind Teile der »Pork Hunters« bei der Band, die der »Blood % Honour Central Division UK« als Interviewpartner zur Verfügung stehen, untergekommen.
@@ -207,5 +207,8 @@ Am **28.3.** wurden, wie die Polizei berichtet, Nazi-Schmierereien an einem Kind
 ## Oberstaufen: Brandstiftung an Asyl-UK?
 In der Nacht zum **1.4** brannte  eine Garage im Oberstaufener Ortsteil Thalkirchdorf neben einer Geflüchtetenunterkunft. Der Brand wurde gegen 1 Uhr gemeldet und die Bewohner der Unterkunft aus Sicherheitsgründen evakuiert. Die Polizei ermittelt auch in Richtung Brandstiftung. Kurz vor Brandausbruch wurde eine »dunkel gekleidete« Person beobachtet, die sich in Richtung Garage bewegte. Die Bewohner mussten das Gebäude »in den Morgenstunden« erneut verlassen - zur Durchführung von Spurensicherungen!
 
+## Oberschwaben: »Der III. Weg« ohne Mitglieder?
+Auf Nachfrage zur Mitgliederstärke der Partei »Der III. Weg« antwortet das für die an's Allgäu angrenzenden württembergischen Regionen (für Bayerisch-Schwaben siehe oben) zuständige Polizeipräsidium am **5.4.** Über Mitgliedschaften sind demnach landesweit laut LKA und Landesamt für Verfassungsschutz keine Erkenntnisse vorhanden. Sympathisanten allerdings gäbe es im Bereich des Präsidiums. Die Polizei geht von »fünf bis zehn Personen« mit »Schwerpunkt Singen-Radolfzell« aus. Deren Aktionen seien bisher allerdings »insgesamt nicht sehr öffentlichkeitswirksam«.
+
 ## OSR: »Act of Violence« spielen in Thüringen
 Die Band »Act of Violence« um ihren Sänger Stefan Schneider aus Laupheim und sein Solo-Projekt »[sub'sist]« wollen auf einem konspirativ organisierten Rechtsrock-Event am **7.5.** irgendwo in Südthüringen auftreten. Das Motto: »Rock für Identität«. Selbst russische Neonazis und das in Deutschland verbotene Neonazi-Netzwerk »Blood & Honour« bewerben das Event. Organisatoren dürften laut bnr.de Patrick Schröder aus der Oberpfalz und der Süd-Thüringer Tommy Frenck sein. Schröder lebt vom Vertrieb des als Nazi-Marke bekannten »Ansgar Aryan« und betreibt den Internetsender »FSN TV«, wobei »FSN« für »Frei Sozial National« steht. Frenck ist Gastwirt und finanziert sich ebenfalls über einen Online-Vertrieb: »Druck 18«. »18« ist der Szene-Code für »Adolf Hitler«.

thürungen+schießwettbewerk
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@@ -151,7 +151,7 @@ Der örtliche Kreisverband der AfD kann seine öffentliche Mitgliedsversammlung
 Am Nachmittag des **2.3.** entfernte ein 22-Jähriger zwei Wahlplakate der Republikaner in Überlingen am Bodensee. Allerdings wurde er dabei von einer Polizeistreife beobachtet und angezeigt. Laut Polizeibericht wollte er die Plakate anschließend vernichten.
 
 ## Vorarlberg: »Blood & Honour« Konzert
-Am **5.3.** veranstalte das in Deutschland verbotene »Blood & Honour«-Netzwerk ein geheimes Konzert, an dem laut Sicherheitslandesrat Schwärzler (ÖVP) rund 70 Personen teilgenommen hätten. Wo genau in Vorarlberg das im Geheimen organisierte Konzert statt gefunden hat, ist bisher schleierhaft, erst im Nachhinein wurde es überhaupt bekannt. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands sieht insgesamt ein Aufblühen der rechtsextremen Szene. Bereits Ende der 80er bildete sich damals eine lebhafte Nazi-Skinhead-Szene. In den 90ern »sorgten Vorarlberger Skinheads vor allem durch Übergriffe auf Punks, Linke und ausländische Jugendliche für Schlagzeilen. Kaum öffentlich wahrgenommen wurde dagegen eine extrem Häufung von Bränden in Ausländerwohnheimen in Vorarlberg 1993«, heißt es in der 2003 veröffentlichten Broschüre »Gegen Rechtsextremismus« des Jüdischen Museum Hohenems.
+Am **5.3.** veranstalte das in Deutschland verbotene »Blood & Honour«-Netzwerk ein geheimes Konzert, an dem laut Sicherheitslandesrat Schwärzler (ÖVP) rund 70 Personen teilgenommen hätten. Wo genau in Vorarlberg das im Geheimen organisierte Konzert statt gefunden hat, ist bisher schleierhaft, erst im Nachhinein wurde es überhaupt bekannt. Eigentlich hätte es in Thüringen stattfinden sollen. Zum Auftakt soll ein »Schießwettkampf« in Feldkirch ausgerichtet worden sein. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands sieht insgesamt ein Aufblühen der rechtsextremen Szene. Bereits Ende der 80er bildete sich damals eine lebhafte Nazi-Skinhead-Szene. In den 90ern »sorgten Vorarlberger Skinheads vor allem durch Übergriffe auf Punks, Linke und ausländische Jugendliche für Schlagzeilen. Kaum öffentlich wahrgenommen wurde dagegen eine extrem Häufung von Bränden in Ausländerwohnheimen in Vorarlberg 1993«, heißt es in der 2003 veröffentlichten Broschüre »Gegen Rechtsextremismus« des Jüdischen Museum Hohenems.
 
 ## Kempten: »Beten für den Frieden«
 Auf Initiative des »interreligiösen Gesprächskreises« fanden sich am **7.3.** etwa 200 Personen auf dem Hildegardplatz ein, um ein Zeichen für Frieden und gegen Fremdenhass zu setzen. Es wurde religionsübergreifend »für die friedensstiftende Kraft Gottes« gebetet.

vorarlberg
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@@ -150,6 +150,9 @@ Der örtliche Kreisverband der AfD kann seine öffentliche Mitgliedsversammlung
 ## Überlingen: REP-Plakate entfernt
 Am Nachmittag des **2.3.** entfernte ein 22-Jähriger zwei Wahlplakate der Republikaner in Überlingen am Bodensee. Allerdings wurde er dabei von einer Polizeistreife beobachtet und angezeigt. Laut Polizeibericht wollte er die Plakate anschließend vernichten.
 
+## Vorarlberg: »Blood & Honour« Konzert
+Am **5.3.** veranstalte das in Deutschland verbotene »Blood & Honour«-Netzwerk ein geheimes Konzert, an dem laut Sicherheitslandesrat Schwärzler (ÖVP) rund 70 Personen teilgenommen hätten. Wo genau in Vorarlberg das im Geheimen organisierte Konzert statt gefunden hat, ist bisher schleierhaft, erst im Nachhinein wurde es überhaupt bekannt. Das Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstands sieht insgesamt ein Aufblühen der rechtsextremen Szene. Bereits Ende der 80er bildete sich damals eine lebhafte Nazi-Skinhead-Szene. In den 90ern »sorgten Vorarlberger Skinheads vor allem durch Übergriffe auf Punks, Linke und ausländische Jugendliche für Schlagzeilen. Kaum öffentlich wahrgenommen wurde dagegen eine extrem Häufung von Bränden in Ausländerwohnheimen in Vorarlberg 1993«, heißt es in der 2003 veröffentlichten Broschüre »Gegen Rechtsextremismus« des Jüdischen Museum Hohenems.
+
 ## Kempten: »Beten für den Frieden«
 Auf Initiative des »interreligiösen Gesprächskreises« fanden sich am **7.3.** etwa 200 Personen auf dem Hildegardplatz ein, um ein Zeichen für Frieden und gegen Fremdenhass zu setzen. Es wurde religionsübergreifend »für die friedensstiftende Kraft Gottes« gebetet.
 

durchsuchung uk nach brand
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@@ -202,7 +202,7 @@ Die Nazi-»Punk« Band »Punkfront«, die beim Bad Grönenbacher Label »Oldscho
 Am **28.3.** wurden, wie die Polizei berichtet, Nazi-Schmierereien an einem Kindergarten im Stadtteil Hattenhofen in Weißenhorn (Lkr. Neu-Ulm) gemeldet. Ein Hakenkreuz, »88«, was für »Heil Hitler« steht und dasselbe als »HH« in Buchstaben.
 
 ## Oberstaufen: Brandstiftung an Asyl-UK?
-In der Nacht zum **1.4** brannte  eine Garage im Oberstaufener Ortsteil Thalkirchdorf neben einer Geflüchtetenunterkunft. Der brand wurde gegen 1 Uhr gemeldet und die Bewohner der Unterkunft aus Sicherheitsgründen evakuiert. Die Polizei ermittelt auch in Richtung Brandstiftung.
+In der Nacht zum **1.4** brannte  eine Garage im Oberstaufener Ortsteil Thalkirchdorf neben einer Geflüchtetenunterkunft. Der Brand wurde gegen 1 Uhr gemeldet und die Bewohner der Unterkunft aus Sicherheitsgründen evakuiert. Die Polizei ermittelt auch in Richtung Brandstiftung. Kurz vor Brandausbruch wurde eine »dunkel gekleidete« Person beobachtet, die sich in Richtung Garage bewegte. Die Bewohner mussten das Gebäude »in den Morgenstunden« erneut verlassen - zur Durchführung von Spurensicherungen!
 
 ## OSR: »Act of Violence« spielen in Thüringen
 Die Band »Act of Violence« um ihren Sänger Stefan Schneider aus Laupheim und sein Solo-Projekt »[sub'sist]« wollen auf einem konspirativ organisierten Rechtsrock-Event am **7.5.** irgendwo in Südthüringen auftreten. Das Motto: »Rock für Identität«. Selbst russische Neonazis und das in Deutschland verbotene Neonazi-Netzwerk »Blood & Honour« bewerben das Event. Organisatoren dürften laut bnr.de Patrick Schröder aus der Oberpfalz und der Süd-Thüringer Tommy Frenck sein. Schröder lebt vom Vertrieb des als Nazi-Marke bekannten »Ansgar Aryan« und betreibt den Internetsender »FSN TV«, wobei »FSN« für »Frei Sozial National« steht. Frenck ist Gastwirt und finanziert sich ebenfalls über einen Online-Vertrieb: »Druck 18«. »18« ist der Szene-Code für »Adolf Hitler«.

kurz notiert
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index a3cf17c..09da9ae 100644
--- a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
+++ b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
@@ -153,6 +153,9 @@ Am Nachmittag des **2.3.** entfernte ein 22-Jähriger zwei Wahlplakate der Repub
 ## Kempten: »Beten für den Frieden«
 Auf Initiative des »interreligiösen Gesprächskreises« fanden sich am **7.3.** etwa 200 Personen auf dem Hildegardplatz ein, um ein Zeichen für Frieden und gegen Fremdenhass zu setzen. Es wurde religionsübergreifend »für die friedensstiftende Kraft Gottes« gebetet.
 
+## Ravensburg: AfD: »Braune Scheiße«
+»Braune Scheiße gibt's jetzt auch in Blau & Rot sprühte ein\_e Unbekannte\_r zusammen mit der Abbildung eines Kot-Haufens auf ein Wahplakat der AfD in Ravensburg. Das berichtet die Polizei am **8.3.**
+
 ## Wangen: Ermittlungen gegen Bürgerwehr 
 Wie die Polizei auf Nachfrage am **8.3.** mitteilte, ermittelt die Kripo Friedrichshafen gegen die »Bürgerwehr Wangen«. Auslöser war allerdings erst die Mitteilung, dass eine »auffällig schwarz bekleidete Person mit der reflektierenden Aufschrift auf der Jacke ›Bürgerwehr Wangen‹« gesichtet wurde. Von einer auf Facebook behaupteten »Prüfung« oder »Abnahme« der »Ausrüstung« durch die Polizei ist dieser indes nichts bekannt.
 
@@ -168,12 +171,15 @@ Am Nachmittag des **11.3.** zeigte ein 34-jähriger den »Hitlergruß«, nachdem
 ## Schwaben: »Der III. Weg« mit 15 Mitgliedern vertreten
 Die junge Neonazipartei »Der III. Weg« hat in Schwaben inzwischen 15 Mitglieder. Das berichtet die Allgäuer Zeitung vom **11.3.** Auf Nachfrage gibt das Präsidium Schwaben Süd/West an, in Ihren Zuständigkeitsbereich fielen »etwa ein Drittel« der 15 Parteimitglieder. Bundesweit hat die Partei etwa 200 Mitglieder. Im Unterschied zu anderen Parteien ist »Der III. Weg« sehr aktivistisch ausgerichtet und umtriebig; es ist nicht davon auszugehen, dass die Partei Mitglieder hat, die nicht aktiv sind.
 
-## »Pride 'n' Pain« bei Oldschool Records
+## OSR: »Pride 'n' Pain« veröffentlichen
 Die Allgäuer Rechtsrock-Truppe »Pride 'n' Pain« veröffentlicht beim Bad Grönenbacher Label »Oldschool Records«. Das meldet die Band am **11.3.** auf Facebook. Nachdem sie 2008 - als »Oldschool« noch »Rebel Records« hieß - das Studio betraten ist es ihnen wohl endlich gelungen, ihr bisher einziges Album fertig zu stellen. Zwei der Bandmitglieder - darunter der Babenhausener Sänger und Lead-Gitarrist - spielten bereits bei Faustrecht. Auch sind Teile der »Pork Hunters« bei der Band, die der »Blood % Honour Central Division UK« als Interviewpartner zur Verfügung stehen, untergekommen.
 
 ## Ke: Polizei vergisst Messerangriff
 Die Allgäuer Zeitung berichtete am **11.3.** erfreulicherweise einen Artikel »Unterallgäu ein Schwerpunkt der Rechten«. Darin wurde Frau Höppler, Pressesprecherin des Polizeipräsidium Schwaben Süd/West, folgendermaßen zitiert: »Angriffe auf Personen, also direkt auf Flüchtlinge, gab es bisher aber nicht«. Auf Nachfrage, wie das etwa zu der Messerattacke auf den 36-jährigen Marokkaner am 25.12.2015 passt, musste Frau Höppler einräumen, dass der Fall »sozusagen ›untergegangen‹« und ein »Kommunikationsfehler« die Ursache sei. Bleibt zu hoffen, dass hier tatsächlich eine Ausnahme vorliegt. Auch der Zeitung hätte die Unstimmigkeit auffallen können - sie hat von der Tat berichtet.
 
+## OSR: »Kodex frei« in Magdeburg
+Die Oberallgäuer Naziband »Kodex frei« spielte am *12.3.** zusammen mit den Rechtsrock-Veteranen »Blackout« aus Wales in »Mitteldeutschland«. »Naked But Armed« mussten angeblich wegen einem Besetzungswechsel am Schlagzeug absagen. Die beiden süddeutschen Bands veröffentlichen beim Grönenbacher Label »Oldschool Records«.
+
 ## Kempten: Krankenhaus verpfeift Flüchtenden
 Nach einem Bericht der Polizei vom **14.3.** versuchte ein 27-jähriger Kemptener, sich vor der Vollstreckung eines gegen ihn vorliegenden Haftbefehls durch einen Sprung durch ein Fenster in fünf Meter Höhe zu retten, was ihm zunächst auch gelang. Allerdings informierte die Polizei »vorsorglich« das Krankenhaus, das die Polizei verständigte als der Flüchtende seine durch den Sprung hervorgerufenen Verletzungen versorgen lassen wollte. Dadurch gelang die Festnahme doch. Das Vertrauen in Ärzte dürfte dadurch gelitten haben.
 
@@ -186,6 +192,12 @@ Am **16.3.** fanden sich nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung fast 500 Marti
 ## Kempten: »LAUTER« gegen Rassismus
 Für den **21.3.** - dem internationalen Tag gegen Rassismus - lud der Integrationsbeirat der Stadt Kempten zur Aktion »LAUTER sein gegen Rassismus«. Die Veranstalter verlegen den Zeitpunkt, an dem »rassistische und menschenfeindliche rechtsextreme Äußerungen und Haltungen salonfähig werden« in die Zukunft, als sie in ihrem Aufruft zudem schreiben, es drohe lediglich die Gefahr dessen. Um »lauter« zu sein, sollten Musikinstrumente mitgebracht werden. Weitere Statements waren aber wie im letzten Jahr nicht erwünscht (»keine Fahnen und Transparente«); das blieb der Bürgermeisterin Sibylle Knott und dem Integrationsbeaftragten Siegfried Oberdörfer vorbehalten.
 
+## Uhldingen-Mühlhofen: Randale in Asyl-UK
+In der Nacht auf den **24.3.** sind zwei Personen in eine Geflüchtetenunterkunft in Oberuhldingen im Bodenseekreis eingedrungen. Dort spritzten sie Tomatencreme gegen die Wände und verstreuten Zucker auf dem Boden. Die Polizei beschreibt die Flüchtigen Täter so: »Einer der beiden soll etwa 185 cm groß sein und eine blaue Hose getragen haben. Sein Begleiter ist etwa 175 cm groß, kräftig, Dreitagebart und trug einen schwarzen Kapuzenpullover mit weißer Aufschrift sowie eine khakifarbene Hose.«
+
+## OSR: »Punkfront« spielt mit »Endstufe«
+Die Nazi-»Punk« Band »Punkfront«, die beim Bad Grönenbacher Label »Oldschool Records« veröffentlicht, spielte am **26.3.** vor etwa 400 aus mehreren Staaten angereisten Besucher\_innen im sächsischen Staupitz (Torgau). Anlass war das 35-jährige Bestehen des Rechtsrock-Urgensteins »Endstufe«.
+
 ## Weißenhorn: Nazi-Schmierereien
 Am **28.3.** wurden, wie die Polizei berichtet, Nazi-Schmierereien an einem Kindergarten im Stadtteil Hattenhofen in Weißenhorn (Lkr. Neu-Ulm) gemeldet. Ein Hakenkreuz, »88«, was für »Heil Hitler« steht und dasselbe als »HH« in Buchstaben.
 

aov
diff --git a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
index 6e9c6ef..a3cf17c 100644
--- a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
+++ b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
@@ -191,3 +191,6 @@ Am **28.3.** wurden, wie die Polizei berichtet, Nazi-Schmierereien an einem Kind
 
 ## Oberstaufen: Brandstiftung an Asyl-UK?
 In der Nacht zum **1.4** brannte  eine Garage im Oberstaufener Ortsteil Thalkirchdorf neben einer Geflüchtetenunterkunft. Der brand wurde gegen 1 Uhr gemeldet und die Bewohner der Unterkunft aus Sicherheitsgründen evakuiert. Die Polizei ermittelt auch in Richtung Brandstiftung.
+
+## OSR: »Act of Violence« spielen in Thüringen
+Die Band »Act of Violence« um ihren Sänger Stefan Schneider aus Laupheim und sein Solo-Projekt »[sub'sist]« wollen auf einem konspirativ organisierten Rechtsrock-Event am **7.5.** irgendwo in Südthüringen auftreten. Das Motto: »Rock für Identität«. Selbst russische Neonazis und das in Deutschland verbotene Neonazi-Netzwerk »Blood & Honour« bewerben das Event. Organisatoren dürften laut bnr.de Patrick Schröder aus der Oberpfalz und der Süd-Thüringer Tommy Frenck sein. Schröder lebt vom Vertrieb des als Nazi-Marke bekannten »Ansgar Aryan« und betreibt den Internetsender »FSN TV«, wobei »FSN« für »Frei Sozial National« steht. Frenck ist Gastwirt und finanziert sich ebenfalls über einen Online-Vertrieb: »Druck 18«. »18« ist der Szene-Code für »Adolf Hitler«.

brandstiftung oberstaufen
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@@ -171,6 +171,9 @@ Die junge Neonazipartei »Der III. Weg« hat in Schwaben inzwischen 15 Mitgliede
 ## »Pride 'n' Pain« bei Oldschool Records
 Die Allgäuer Rechtsrock-Truppe »Pride 'n' Pain« veröffentlicht beim Bad Grönenbacher Label »Oldschool Records«. Das meldet die Band am **11.3.** auf Facebook. Nachdem sie 2008 - als »Oldschool« noch »Rebel Records« hieß - das Studio betraten ist es ihnen wohl endlich gelungen, ihr bisher einziges Album fertig zu stellen. Zwei der Bandmitglieder - darunter der Babenhausener Sänger und Lead-Gitarrist - spielten bereits bei Faustrecht. Auch sind Teile der »Pork Hunters« bei der Band, die der »Blood % Honour Central Division UK« als Interviewpartner zur Verfügung stehen, untergekommen.
 
+## Ke: Polizei vergisst Messerangriff
+Die Allgäuer Zeitung berichtete am **11.3.** erfreulicherweise einen Artikel »Unterallgäu ein Schwerpunkt der Rechten«. Darin wurde Frau Höppler, Pressesprecherin des Polizeipräsidium Schwaben Süd/West, folgendermaßen zitiert: »Angriffe auf Personen, also direkt auf Flüchtlinge, gab es bisher aber nicht«. Auf Nachfrage, wie das etwa zu der Messerattacke auf den 36-jährigen Marokkaner am 25.12.2015 passt, musste Frau Höppler einräumen, dass der Fall »sozusagen ›untergegangen‹« und ein »Kommunikationsfehler« die Ursache sei. Bleibt zu hoffen, dass hier tatsächlich eine Ausnahme vorliegt. Auch der Zeitung hätte die Unstimmigkeit auffallen können - sie hat von der Tat berichtet.
+
 ## Kempten: Krankenhaus verpfeift Flüchtenden
 Nach einem Bericht der Polizei vom **14.3.** versuchte ein 27-jähriger Kemptener, sich vor der Vollstreckung eines gegen ihn vorliegenden Haftbefehls durch einen Sprung durch ein Fenster in fünf Meter Höhe zu retten, was ihm zunächst auch gelang. Allerdings informierte die Polizei »vorsorglich« das Krankenhaus, das die Polizei verständigte als der Flüchtende seine durch den Sprung hervorgerufenen Verletzungen versorgen lassen wollte. Dadurch gelang die Festnahme doch. Das Vertrauen in Ärzte dürfte dadurch gelitten haben.
 
@@ -185,3 +188,6 @@ Für den **21.3.** - dem internationalen Tag gegen Rassismus - lud der Integrati
 
 ## Weißenhorn: Nazi-Schmierereien
 Am **28.3.** wurden, wie die Polizei berichtet, Nazi-Schmierereien an einem Kindergarten im Stadtteil Hattenhofen in Weißenhorn (Lkr. Neu-Ulm) gemeldet. Ein Hakenkreuz, »88«, was für »Heil Hitler« steht und dasselbe als »HH« in Buchstaben.
+
+## Oberstaufen: Brandstiftung an Asyl-UK?
+In der Nacht zum **1.4** brannte  eine Garage im Oberstaufener Ortsteil Thalkirchdorf neben einer Geflüchtetenunterkunft. Der brand wurde gegen 1 Uhr gemeldet und die Bewohner der Unterkunft aus Sicherheitsgründen evakuiert. Die Polizei ermittelt auch in Richtung Brandstiftung.

rep weg
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@@ -147,6 +147,9 @@ Eine »total hysterisch wirkende Frau« rief am Morgen des **29.2** den Notruf u
 ## Kempten: Keine Mitgliedesversammlung für AfD
 Der örtliche Kreisverband der AfD kann seine öffentliche Mitgliedsversammlung am **29.2.** nicht in der Kemptener Gaststätte zum Stift abhalten. Nach Boykottdrohungen wurde diese vom Restaurantbetreiber untersagt. Die Partei reagiert mit einer Pressemitteilung und »verurteilt diskriminierendes Vorgehen linksextremer Facebooknutzer«. Das angeblich »undekomkratische, diskriminierende und hetzerische Verhalten« - gemeint sind Ankündigung und Aufruf, nicht mehr im Stift zu speisen, sollte die AfD tatsächlich weiter dort verkehren dürfen - sei bis zu einer Morddrohung gegangen. Worin diese bestanden haben soll, wird allerdings nicht erwähnt.
 
+## Überlingen: REP-Plakate entfernt
+Am Nachmittag des **2.3.** entfernte ein 22-Jähriger zwei Wahlplakate der Republikaner in Überlingen am Bodensee. Allerdings wurde er dabei von einer Polizeistreife beobachtet und angezeigt. Laut Polizeibericht wollte er die Plakate anschließend vernichten.
+
 ## Kempten: »Beten für den Frieden«
 Auf Initiative des »interreligiösen Gesprächskreises« fanden sich am **7.3.** etwa 200 Personen auf dem Hildegardplatz ein, um ein Zeichen für Frieden und gegen Fremdenhass zu setzen. Es wurde religionsübergreifend »für die friedensstiftende Kraft Gottes« gebetet.
 

reichsbürgi
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@@ -0,0 +1,26 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Reichsbürgerin stiehlt Gerichtsakte
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Gericht
+  - Recherche
+Lizenz: 
+Abstract: Während ihres Prozesses im Januar vor dem Amtsgericht Kaufbeuren klaute die angeklagte Reichsbürgerin die Gerichtsakte zu ihrem Verfahren. Sie wurde dabei von einem Pulk gleichgesinnter Verschwörungsgläubiger unterstützt und machte sich davon. Ein Eingreifen war dem Gericht nicht möglich. Die mehrfach vorbestrafte wurde dann in Abwesenheit zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Ähnlichen Szenen kam ein benachbartes Gericht zuvor.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Es war nicht ihre erste Auseinandersetzung mit der Justiz. Manuela H. ist bereits mehrfach vorbestraft wegen unerlaubtem Handel mit Betäubungsmitteln, Fahren ohne Fahrerlaubnis und Trunkenheit im Verkehr. Dafür saß sie bereits im Gefängnis. Diesmal wurde ihr wieder vorgeworfen, ohne die nötige Fahrerlaubnis einen PKW gesteuert zu haben.
+
+Zwei Polizisten haben sie dabei im Juli 2014 in Marktoberdorf im Landkreis Ostallgäu erwischt. Sie wussten, dass die 49-jährige bereits mehrmals ohne Führerschein unterwegs war und hielten sie an, wogegen die Reichsbürgerin sich verbal gewehrt haben will. Sie habe die beiden hingewiesen, dass die Straßenverkehrsordnung ungültig sei und sie nach ihren »Allgemeinen Geschäftsbedingungen« nicht von der Polizei verfolgt werden dürfe. Die Polizisten allerdings seien gar keine und würden sich der Amtsanmaßung schuldig machen.
+
+Die Staatsanwaltschaft sah das anders und erhob Anklage gegen H., das Amtsgericht Kaufbeuren lud auf Januar diesen Jahres. Justillon, ein Blog über kuriose Rechtsnachrichten, beschreibt den weiteren Verlauf:
+
+»Wie in der Reichsbürgerszene üblich, folgte nun das übliche Prozedere: Man versteht die Ladung zum Prozess als ›Einladung‹ und weist diese mittels diverser wirrer ›Rechtsausführungen‹ zurück. In diesem Fall ging es sogar soweit, dass die Angeklagte eine ›Klage‹ gegen das Gericht beim von Szeneangehörigen geschaffenen und damit de facto fiktiven ›International Common Law Court of Justice‹ einreichte. Dieser ›Internationale Justizgerichtshof für Naturrecht, Völkerrecht und allgemeingültige Rechtsprechung‹ soll in Wien seinen Sitz haben und sei von der UN in Genf und vom IGH anerkannt und beauftragt, hier tätig zu werden. Wie eine solche ›Anerkennung‹ aussieht, bleibt der als ›Beschluss‹ betitelte Schriftsatz aber schuldig. Darüber hinaus heißt es mahnend: ›Dieser Beschluss ist rechtsgültig und rechtskräftig. Es sind keine Rechtsmittel zulässig! Von positiver Erledigung wird ausgegangen.‹ Anhand der gesamten Wortwahl ist recht schnell ersichtlich, dass dort noch niemand etwas von einer Prozessordnung, geschweige denn vom Recht auf ein faires Verfahren gehört hat. Der ›Beschluss‹ ist mehr eine Aneinanderreihung hilfloser Aufforderungen, vermischt mit diffusen rechtlichen Fehlinterpretationen. Während die Angeklagte, die durchwegs im Schriftstück als ›Souverän manuela aus der Familie …‹ bezeichnet wird, Vorladungen als Einladungen zurückweisen kann, schließt der Empfänger dieses Fantasiedokumentes aber konkludent einen ›Vertrag mit Gebührenpflicht‹ ab. Ganze 339,42 Euro will das fiktive Gericht für seine ›Arbeit‹ verlangen. Ansonsten droht man mit ›Inkasso‹. Und überhaupt droht man noch so einiges an, wenn den Aufforderungen nicht schleunigst nachgekommen wird.«
+
+Während der Gerichtsverhandlung in Kaufbeuren erklärte sich ein Zuschauer kurzerhand selbst zum »Richter« und bedrohte den Staatsanwalt. Daraufhin ließ er sich von der Angeklagten die Gerichtsakte zuwerfen, um diese zu »Beschlagnahmen«. Nach einigen Minuten tumultartiger Szenen verließen die bis zu 20 Anwesenden, die teilweise dem »One People Publics Trust« (OPPT) und dem Umfeld der rechten und verschwörungsideologischen »Kemptener Friedensmahnwache« zugerechnet werden, samt Akte und Angeklagter das Gebäude, ohne von der inzwischen zugezogenen Justizwachtmeisterei mit Polizeiverstärkung durchsucht oder identifiziert werden zu können.
+
+Manuela H. wurde anschließend in Abwesenheit zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten ohne Bewährung verurteilt. Ermittlungen wegen dem Aktendiebstahl, dem Aufzeichnen der Verhandlung auf Video und anschließender Veröffentlichung wurden eingeleitet. 
+
+Zwei Monate später wollte das Amtsgericht Sonthofen im benachbarten Landkreis Oberallgäu ähnlichen Szenen zuvor kommen und verschärfte die Zugangskontrollen bei erhöhter Polizeipräsenz. Wie die Allgäuer Zeitung berichtet, stand am ein Prozess gegen einen »Bürger des Freistaats Preußen« an. Weil dieser die BRD nicht anerkenne, verweigerte er die Anmeldung gemäß Meldegesetz. Den ergangenen Bußgeldbescheid akzeptierte der 38-jährige Sonthofer nicht, zog es dann aber vor nicht zur Gerichtsverhandlung zu erscheinen. Dadurch wurde sein Rechtsmittel verworfen und der Bußgeldbescheid rechtskräftig.

rohrkrepierer
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@@ -0,0 +1,101 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: »Allgida« als Rohrkrepierer?
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Aktion
+  - Demo
+  - Recherche
+Lizenz: 
+Abstract: Im Februar mobilisierten Neonazis rund 150 Rechte zu einer
+unangemeldeten Kundgebung - »Allgida« war geboren. Die großspurige
+Ankündigung »Wir kommen wieder!« konnte die Gruppe trotz zweier Aufrufe
+nicht verwirklichen. Statt dessen sahen die Rechten sich
+antifaschistischem Widerstand und einer breiten Solidarisierungswelle
+mit Geflüchteten ausgesetzt. War's das nun?
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Am 20.2. mobilisierten Neonazis rund 150 Rechte zu einer unangemeldeten
+Kundgebung in die Allgäuer Provinz nach Obergünzburg. Während sich die
+Sicherheits- und Ordnungsbehörden trotz rechtzeitiger Kenntnis kaum
+zeigten, nahmen etwa 50 Gegendemonstranten den bereits einen Monat zuvor
+ergangenen Aufruf der Rechten ernst und stellten sich ihnen entgegen:
+»Rassismus aus den Köpfen - Nazis von der Straße jagen!« stand auf einem
+ihrer Transparente. Auffällig oft wurde in den vorderen Reihen der
+Rassisten von zum Teil Vermummten der rechte Arm erhoben. Die Polizei,
+die weder die Versammlung auflösen noch Personalien aufnehmen konnte,
+ermittelt wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger
+Organisationen und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz – wohl auch,
+weil eine der Fahnenstangen waffentauglich angespitzt war. Vor Ort waren
+auch Mitglieder der Neonazikameradschaft »Voice of Anger«, Anhänger
+der NPD und der AfD. Skandierend verließen sie den Platz und drohten:
+»Wir kommen wieder!«
+
+1500 gegen »Allgida«
+
+Nur eine Woche später wurden die Neonazis um das zehnfache überboten:
+1500 hielten »Hand in Hand für Menschlichkeit« einen »Lichterzug« in
+Obergünzburg ab. Der Bürgermeister der Marktgemeinde mit rund 6000
+Einwohnern positionierte sich für »Freiheit, Gleichheit und
+Menschenwürde«. Ein Vertreter der Bürgerschaft stellte einen Bezug der
+»Allgida«-Versammlung zum historischen Nationalsozialismus her indem er
+unterstrich, er wolle sich »klar von Fackelzügen distanzieren, deren
+Bezug zur Nazizeit unverkennbar ist. Und wir distanzieren uns von den
+simplen Wahrheiten einiger Schreihälse.«
+
+Auch der Kemptener Bezirksverband der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di
+»verurteilt« anlässlich des »Allgida«-Aufmarsches »fremdenfeindliche
+Äußerungen und Bündnisse auf das Schärfste.« In ihrer
+»Presseinformation« vom 22.2. allerdings sieht ver.di-Geschäftsführer
+Werner Röll die Geflüchteten wohl vor allem auch unter ökonomischen
+Gesichtspunkten: »Rassismus schadet unserem Ruf im Allgäu als
+Fremdenverkehrsregion immens, schafft eine Gewaltatmosphäre, verursacht
+uns Steuerzahlern hohe Kosten und führt letztlich in eine intolerante
+Gesellschaftsform«. Leute, die Häuser anzünden müssten »hart bestraft«
+werden. Statt »stumpfsinnige Parolen« nachzuplappern sollte für
+Integration gesorgt werden. Komplex sei das Thema zwar, aber bei näherer
+Beschäftigung zeige sich ein »gigantisches
+Konjunkturprogramm«. »Zahlungen an geflüchtete Menschen fließen
+Großteils sofort wieder in den Wirtschaftskreislauf und es werden viele
+neue Arbeitsplätze in diesem Bereich geschaffen - das hilft allen
+Bürgern«. Eine klare Solidarisierung mit den Betroffenen rechter Hetze
+und Gewalt sieht anders aus.
+
+»Allgida« bleibt aus …
+
+Erneut aufmarschieren wollten die Neonazis offenbar in Aitrach im
+Landkreis Ravensburg. So jedenfalls interpretierten Antifaschisten einen
+kryptischen Aufruf, den »Allgida« auf Facebook verbreitete und dabei von
+600 Teilnehmenden phantasierte.
+
+Die Polizei folgte der Interpretation der Antifaschisten und zeigte
+diesmal Präsenz in Aitrach und Isny, einer Stadt in der Nähe. Da eine
+Formulierung auf Mindelheim hätte verweisen können, waren auch hier
+Polizei im Einsatz. Nirgendwo ließen sich die Rassisten
+blicken. Gesichtet wurden lediglich vereinzelt Autos, die bekannten
+Rechten zuzuordnen waren. Angesichts der etwa 60 Nazigegner am
+Kriegerdenkmal war deren Aufzug in Aitrach allerdings
+verunmöglicht. Satt dessen behaupteten die Neonazis einen stillen
+»Fackelmarsch« durch Aitrang im Landkreis Ostallgäu. Falls dieser
+stattgefunden haben sollte - wofür nichts spricht - war dieser derart
+still, dass in Aitrang offenbar kein Mensch Notiz davon nahm.
+
+… und scheitert in der Defensive
+
+»Hand in Hand gegen Rassismus« demonstrierten etwa 450 Personen am
+19.3. durch die Kemptener Innenstadt, »weil jeder Mensch das Recht hat,
+egal wo er leben möchte leben darf«, wie es eine Teilnehmerin
+ausdrückte. Aufgerufen zu der Aktion hatte unter anderem Pro Asyl. Zwei
+Tage zuvor mobilisierten »Allgida«-Kreise gegen die Versammlung und
+riefen »zur Gegendemo auf!!! […] Wir würden uns über ein zahlreiches
+erscheinen von euch freuen […] Danke Kameraden«. Gesichtet wurde statt
+einer Gegendemo nur einer der Aufrufenden.
+
+Das war dann auch schon - nach allen uns vorliegenden Informationen -
+der letzte Auftritt der »Allgäuer gegen die Islamisierung des
+Abendlandes«. Aus der Offensive wurden sie dank antifaschistischem
+Protest bei ihrem zweiten angekündigten Auftritt bereits zur Aufgabe
+gebracht, um schließlich beim dritten und letzten Versuch auch an der
+Gegenmobilisierung aus der Defensive zu scheitern.

pridenpain
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index 4fefe75..c18eef1 100644
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+++ b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
@@ -165,6 +165,9 @@ Am Nachmittag des **11.3.** zeigte ein 34-jähriger den »Hitlergruß«, nachdem
 ## Schwaben: »Der III. Weg« mit 15 Mitgliedern vertreten
 Die junge Neonazipartei »Der III. Weg« hat in Schwaben inzwischen 15 Mitglieder. Das berichtet die Allgäuer Zeitung vom **11.3.** Auf Nachfrage gibt das Präsidium Schwaben Süd/West an, in Ihren Zuständigkeitsbereich fielen »etwa ein Drittel« der 15 Parteimitglieder. Bundesweit hat die Partei etwa 200 Mitglieder. Im Unterschied zu anderen Parteien ist »Der III. Weg« sehr aktivistisch ausgerichtet und umtriebig; es ist nicht davon auszugehen, dass die Partei Mitglieder hat, die nicht aktiv sind.
 
+## »Pride 'n' Pain« bei Oldschool Records
+Die Allgäuer Rechtsrock-Truppe »Pride 'n' Pain« veröffentlicht beim Bad Grönenbacher Label »Oldschool Records«. Das meldet die Band am **11.3.** auf Facebook. Nachdem sie 2008 - als »Oldschool« noch »Rebel Records« hieß - das Studio betraten ist es ihnen wohl endlich gelungen, ihr bisher einziges Album fertig zu stellen. Zwei der Bandmitglieder - darunter der Babenhausener Sänger und Lead-Gitarrist - spielten bereits bei Faustrecht. Auch sind Teile der »Pork Hunters« bei der Band, die der »Blood % Honour Central Division UK« als Interviewpartner zur Verfügung stehen, untergekommen.
+
 ## Kempten: Krankenhaus verpfeift Flüchtenden
 Nach einem Bericht der Polizei vom **14.3.** versuchte ein 27-jähriger Kemptener, sich vor der Vollstreckung eines gegen ihn vorliegenden Haftbefehls durch einen Sprung durch ein Fenster in fünf Meter Höhe zu retten, was ihm zunächst auch gelang. Allerdings informierte die Polizei »vorsorglich« das Krankenhaus, das die Polizei verständigte als der Flüchtende seine durch den Sprung hervorgerufenen Verletzungen versorgen lassen wollte. Dadurch gelang die Festnahme doch. Das Vertrauen in Ärzte dürfte dadurch gelitten haben.
 

kleine zusatzinfos
diff --git a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
index f2bcbec..4fefe75 100644
--- a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
+++ b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
@@ -160,10 +160,10 @@ Der AfD-KV Unterallgäu/Memmingen hielt am **9.3.** im Gasthaus »Sailer« in Kr
 Am **11.3.** wollte die AfD Unterallgäu/Memmingen mal wieder ihre Vortragsveranstaltung »Merkels Asylpolitik eine Gefahr für Deutschland?« abhalten. Als der Wirt des Griechischen Restaurants allerdings antifaschistischen Besuch bekam, konnte er davon überzeugt werden, dass auch hier eine Absage der Korrekte Umgang ist. Zur Kompensation des Ausfalls und als Dankeschön wurden daher statt zum AfD-Vortrag zum antifaschistischen dinieren geladen; es gab »kein Tzatziki für Kartoffeln!«
 
 ## Kempten: Hitlergruß
-Am Nachmittag des **11.3.** zeigte ein 34-jähriger den »Hitlergruß«, nachdem er mehrmals Passant\_innen belästigte. Er ist bereits mehrfach auch wegen Körperverletzung Vorbestraft und verbüßte mehrere Haftstrafen.
+Am Nachmittag des **11.3.** zeigte ein 34-jähriger den »Hitlergruß«, nachdem er mehrmals Passant\_innen belästigte. Er ist bereits mehrfach auch wegen Körperverletzung und dem Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen Vorbestraft und verbüßte mehrere Haftstrafen. Einen Bezug zu neonazistischen Kreisen mag die Polizei nicht erkennen.
 
 ## Schwaben: »Der III. Weg« mit 15 Mitgliedern vertreten
-Die junge Neonazipartei »Der III. Weg« hat in Schwaben inzwischen 15 Mitglieder. Das berichtet die Allgäuer Zeitung vom **11.3.** Bundesweit hat die Partei etwa 200 Mitglieder. Im Unterschied zu anderen Parteien ist »Der III. Weg« sehr aktivistisch ausgerichtet und umtriebig; es ist nicht davon auszugehen, dass die Partei Mitglieder hat, die nicht aktiv sind. Die Polizei weigert sich, Zahlen für das südliche Schwaben zu nennen, um die Neonazis vor einer »Identifizierung« zu schützen.
+Die junge Neonazipartei »Der III. Weg« hat in Schwaben inzwischen 15 Mitglieder. Das berichtet die Allgäuer Zeitung vom **11.3.** Auf Nachfrage gibt das Präsidium Schwaben Süd/West an, in Ihren Zuständigkeitsbereich fielen »etwa ein Drittel« der 15 Parteimitglieder. Bundesweit hat die Partei etwa 200 Mitglieder. Im Unterschied zu anderen Parteien ist »Der III. Weg« sehr aktivistisch ausgerichtet und umtriebig; es ist nicht davon auszugehen, dass die Partei Mitglieder hat, die nicht aktiv sind.
 
 ## Kempten: Krankenhaus verpfeift Flüchtenden
 Nach einem Bericht der Polizei vom **14.3.** versuchte ein 27-jähriger Kemptener, sich vor der Vollstreckung eines gegen ihn vorliegenden Haftbefehls durch einen Sprung durch ein Fenster in fünf Meter Höhe zu retten, was ihm zunächst auch gelang. Allerdings informierte die Polizei »vorsorglich« das Krankenhaus, das die Polizei verständigte als der Flüchtende seine durch den Sprung hervorgerufenen Verletzungen versorgen lassen wollte. Dadurch gelang die Festnahme doch. Das Vertrauen in Ärzte dürfte dadurch gelitten haben.

einiges angefügt
diff --git a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
index 4dd35e1..f2bcbec 100644
--- a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
+++ b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
@@ -132,6 +132,9 @@ Am **19.2.** erfand ein 14-jähriges Mädchen einen sexuellen Übergriff durch e
 ## Illertissen: Rassistische Schmiererei
 »Refugees Not Welcome! Go Home!« (Rückübersetzung aus der Polizeimeldung) haben Unbekannte während des Wochenendes zum **21.2.** an eine von der Straße nicht einsehbare Stelle der Fassade des Pfarramtes in Au/Illertissen gesprüht. Ein Teil des Gebäudes solle als Unterkunft für Geflüchtete genutzt werden.
 
+## Kempten: Geflüchtete für ver.di zuvorderst Humankapital
+Anlässlich der »Allgida«-Demonstration im Februar in Obergünzburg »verurteilt« der ver.di Bezirksverband Kempten »fremdenfeindliche Äußerungen und Bündnisse auf das Schärfste.« In ihrer »Presseinformation« vom **22.2.** allerdings sieht ver.di-Geschäftsführer Werner Röll die Geflüchteten wohl vor allem auch unter ökonomischen Gesichtspunkten: »Rassismus schadet unserem Ruf im Allgäu als Fremdenverkehrsregion immens, schafft eine Gewaltatmosphäre, verursacht uns Steuerzahlern hohe Kosten und führt letztlich in eine intolerante Gesellschaftsform«. Leute, die Häuser anzünden müssten »hart bestraft« werden. Statt »stumpfsinnige Parolen« nachzuplappern sollte für Integration gesorgt werden. Komplex sei das Thema zwar, aber bei näherer Beschäftigung zeige sich ein »gigantisches Konjunkturprogramm«. »Zahlungen an geflüchtete Menschen fließen Großteils sofort wieder in den Wirtschaftskreislauf und es werden viele neue Arbeitsplätze in diesem Bereich geschaffen - das hilft allen Bürgern«.
+
 ## Lindau: Auto beschädigt und Hakenkreuze aufgemalt
 Unbekannte malten in Lindau vermutlich in der Nacht auf den **27.2.** in den Schnee auf einem geparkten PKW Hakenkreuze, nachdem sie diesen hinten anhoben, halb auf die Fahrbahn zogen und die Frontscheibe mit einem großen Stein beschädigten.
 
@@ -139,7 +142,40 @@ Unbekannte malten in Lindau vermutlich in der Nacht auf den **27.2.** in den Sch
 In der Nacht zum **29.2.** wurde das Fenster einer Gemeinschaftsunterkunft in Friedrichshafen mit einem Stein eingeworfen.
 
 ## Neu-Ulm: Schlägerei vor GU erfunden
-Eine »total hysterisch wirkende Frau« rief am Morgen des **29.2** den Notruf und behauptete, vor einer Neu-Ulmer Asylsuchendenunterkunft würde ein Mann totgeprügelt werden. Die alarmierten Polizeikräfte fanden allerdings nur die betrunkene Anrufende vor, die die Polizisten beleidigte und nun mit Strafverfahren wegen mehrerer Delikte rechnen muss. Die Frau sei amtsbekannt.
+Eine »total hysterisch wirkende Frau« rief am Morgen des **29.2** den Notruf und behauptete, vor einer Neu-Ulmer Asylsuchendenunterkunft würde ein Mann totgeprügelt werden. Die alarmierten Polizeikräfte fanden allerdings nur die betrunkene Anrufende vor, die die Polizisten beleidigte und nun mit Strafverfahren wegen mehrerer Delikte rechnen muss. Die Frau sei amtsbekannt, nicht aber wegen rechtsmotivierter Taten.
 
 ## Kempten: Keine Mitgliedesversammlung für AfD
-Der örtliche Kreisverband der AfD kann ihre öffentliche Mitgliedsversammlung am **29.2.** nicht in der Kemptener Gaststätte zum Stift abhalten. Nach Boykottdrohungen wurde diese vom Restaurantbetreiber untersagt.
+Der örtliche Kreisverband der AfD kann seine öffentliche Mitgliedsversammlung am **29.2.** nicht in der Kemptener Gaststätte zum Stift abhalten. Nach Boykottdrohungen wurde diese vom Restaurantbetreiber untersagt. Die Partei reagiert mit einer Pressemitteilung und »verurteilt diskriminierendes Vorgehen linksextremer Facebooknutzer«. Das angeblich »undekomkratische, diskriminierende und hetzerische Verhalten« - gemeint sind Ankündigung und Aufruf, nicht mehr im Stift zu speisen, sollte die AfD tatsächlich weiter dort verkehren dürfen - sei bis zu einer Morddrohung gegangen. Worin diese bestanden haben soll, wird allerdings nicht erwähnt.
+
+## Kempten: »Beten für den Frieden«
+Auf Initiative des »interreligiösen Gesprächskreises« fanden sich am **7.3.** etwa 200 Personen auf dem Hildegardplatz ein, um ein Zeichen für Frieden und gegen Fremdenhass zu setzen. Es wurde religionsübergreifend »für die friedensstiftende Kraft Gottes« gebetet.
+
+## Wangen: Ermittlungen gegen Bürgerwehr 
+Wie die Polizei auf Nachfrage am **8.3.** mitteilte, ermittelt die Kripo Friedrichshafen gegen die »Bürgerwehr Wangen«. Auslöser war allerdings erst die Mitteilung, dass eine »auffällig schwarz bekleidete Person mit der reflektierenden Aufschrift auf der Jacke ›Bürgerwehr Wangen‹« gesichtet wurde. Von einer auf Facebook behaupteten »Prüfung« oder »Abnahme« der »Ausrüstung« durch die Polizei ist dieser indes nichts bekannt.
+
+## Babenhausen: AfD-Vortrag mit Neonazis
+Der AfD-KV Unterallgäu/Memmingen hielt am **9.3.** im Gasthaus »Sailer« in Krumbach seinen Vortrag »Merkels Asylpolitik eine Gefahr für Deutschland?« vor einer interessierten Zuhörer\_innenschaft: Unter den rund 60 Zuhörenden befanden sich laut der NPD-Facebook-Seite »Stopp Krumbach« »auch zwanzig Mitglieder und Sympathisanten der NPD Kreisverbände Neu-Ulm und Memmingen. Auch Mitglieder von »Voice of Anger« und andere Neonazis waren im Saal anzutreffen. Inhaltlich war der Vortrag so angelegt, dass Stefan Winkler, Bezirksvorsitzender der schwäbischen NPD, seine grundsätzliche Zustimmung äußern konnte. Die Parteispitze allerdings sei stellenweise zu lasch.
+
+## Erkheim: »Kein Tzatziki für Kartoffeln!«
+Am **11.3.** wollte die AfD Unterallgäu/Memmingen mal wieder ihre Vortragsveranstaltung »Merkels Asylpolitik eine Gefahr für Deutschland?« abhalten. Als der Wirt des Griechischen Restaurants allerdings antifaschistischen Besuch bekam, konnte er davon überzeugt werden, dass auch hier eine Absage der Korrekte Umgang ist. Zur Kompensation des Ausfalls und als Dankeschön wurden daher statt zum AfD-Vortrag zum antifaschistischen dinieren geladen; es gab »kein Tzatziki für Kartoffeln!«
+
+## Kempten: Hitlergruß
+Am Nachmittag des **11.3.** zeigte ein 34-jähriger den »Hitlergruß«, nachdem er mehrmals Passant\_innen belästigte. Er ist bereits mehrfach auch wegen Körperverletzung Vorbestraft und verbüßte mehrere Haftstrafen.
+
+## Schwaben: »Der III. Weg« mit 15 Mitgliedern vertreten
+Die junge Neonazipartei »Der III. Weg« hat in Schwaben inzwischen 15 Mitglieder. Das berichtet die Allgäuer Zeitung vom **11.3.** Bundesweit hat die Partei etwa 200 Mitglieder. Im Unterschied zu anderen Parteien ist »Der III. Weg« sehr aktivistisch ausgerichtet und umtriebig; es ist nicht davon auszugehen, dass die Partei Mitglieder hat, die nicht aktiv sind. Die Polizei weigert sich, Zahlen für das südliche Schwaben zu nennen, um die Neonazis vor einer »Identifizierung« zu schützen.
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+## Kempten: Krankenhaus verpfeift Flüchtenden
+Nach einem Bericht der Polizei vom **14.3.** versuchte ein 27-jähriger Kemptener, sich vor der Vollstreckung eines gegen ihn vorliegenden Haftbefehls durch einen Sprung durch ein Fenster in fünf Meter Höhe zu retten, was ihm zunächst auch gelang. Allerdings informierte die Polizei »vorsorglich« das Krankenhaus, das die Polizei verständigte als der Flüchtende seine durch den Sprung hervorgerufenen Verletzungen versorgen lassen wollte. Dadurch gelang die Festnahme doch. Das Vertrauen in Ärzte dürfte dadurch gelitten haben.
+
+## Oberdorf: »Besorgte« will Bürgerwehr
+Am **16.3.** fanden sich nach einem Bericht der Allgäuer Zeitung fast 500 Martinszeller und Oberdorfer (Lkrs. Ostallgäu) zu einer Bürgerversammlung über eine geplante Geflüchtetenunterkunft. Die Zeitung fragt: »Gibt es jetzt eine 24-Stunden-Sicherheitswacht im Ort?« und zitiert eine Bürgerin, die »Angst um ihre Sicherheit äußerte«: »Müssen wir auf unsere Bruschen hoffen, dass die eine Bürgerwehr machen?« 200 Anwohner\_innen reichten bereits zuvor eine Petition beim Bayerischen Landtag ein. Ihr Ziel: Statt 80 sollten nur 40 Geflüchtete in der Gemeinde aufgenommen werden.
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+## Kempten: 450 gegen Rassismus
+»Hand in Hand gegen Rassismus« demonstrierten etwa 450 Personen am **19.3.** durch die Kemptener Innenstadt. Allerdings: gefordert wurde auch eine selektive Solidarität. Ein Transparent forderte »Arbeit und Bleiberecht für integrierte Flüchtlinge«. Was von der Allgäuer Zeitung dann als Motto der Demonstration insgesamt aufgegriffen wurde. Es gab aber auch andere Stimmen. So nahm eine Frau teil, »weil jeder Mensch das Recht hat, egal wo er leben möchte leben darf.« Aufgerufen zu der Aktion hatte unter anderem Pro Asyl. Bundesweit seien 145 Aktionen gefolgt. Zwei Tage zuvor, am **17.3.**, mobilisierten »Allgida«-Kreise gegen die Versammlung und riefen »zur Gegendemo auf!!! [...] Wir würden uns über ein zahlreiches erscheinen von euch freuen [...] Danke Kameraden«. Gesichtet wurde statt der Gegendemo nur einer der Aufrufenden.
+
+## Kempten: »LAUTER« gegen Rassismus
+Für den **21.3.** - dem internationalen Tag gegen Rassismus - lud der Integrationsbeirat der Stadt Kempten zur Aktion »LAUTER sein gegen Rassismus«. Die Veranstalter verlegen den Zeitpunkt, an dem »rassistische und menschenfeindliche rechtsextreme Äußerungen und Haltungen salonfähig werden« in die Zukunft, als sie in ihrem Aufruft zudem schreiben, es drohe lediglich die Gefahr dessen. Um »lauter« zu sein, sollten Musikinstrumente mitgebracht werden. Weitere Statements waren aber wie im letzten Jahr nicht erwünscht (»keine Fahnen und Transparente«); das blieb der Bürgermeisterin Sibylle Knott und dem Integrationsbeaftragten Siegfried Oberdörfer vorbehalten.
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+## Weißenhorn: Nazi-Schmierereien
+Am **28.3.** wurden, wie die Polizei berichtet, Nazi-Schmierereien an einem Kindergarten im Stadtteil Hattenhofen in Weißenhorn (Lkr. Neu-Ulm) gemeldet. Ein Hakenkreuz, »88«, was für »Heil Hitler« steht und dasselbe als »HH« in Buchstaben.

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+Autor_in: Lorenz Glatz
+Titel: Humans welcome! Everywhere
+Rubrik: Antikapitalismus
+Themen:
+  - Rassismus
+  - Flucht
+Lizenz: 
+Abstract: Der Literaturnobelpreisträger José Saramago soll geschrieben haben: »Die Vertreibung aus dem Süden in den Norden ist unausweichlich, sie wird weder von Stacheldraht, noch Mauern oder Deportationen zu verhindern sein. Millionen werden kommen und Europa wird von den Hungernden eingenommen werden. Sie werden auf der Suche nach dem kommen, was wir ihnen gestohlen haben. Für sie gibt es keinen Weg zurück, denn sie werden von einem Jahrhunderte währenden Hunger getrieben und folgen dem Duft des Essens. Der Hass ist aufgetischt und wir werden Politiker brauchen, die mit dieser Situation umzugehen wissen.«
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+Der Literaturnobelpreisträger José Saramago soll geschrieben haben: »Die Vertreibung aus dem Süden in den Norden ist unausweichlich, sie wird weder von Stacheldraht, noch Mauern oder Deportationen zu verhindern sein. Millionen werden kommen und Europa wird von den Hungernden eingenommen werden. Sie werden auf der Suche nach dem kommen, was wir ihnen gestohlen haben. Für sie gibt es keinen Weg zurück, denn sie werden von einem Jahrhunderte währenden Hunger getrieben und folgen dem Duft des Essens. Der Hass ist aufgetischt und wir werden Politiker brauchen, die mit dieser Situation umzugehen wissen.«
+
+Die Vorhersage ist auf dem Weg zur Realität. Die Flüchtlingsströme sind durch Sperren und Polizeigewalt nur umzulenken und zu verlangsamen, selbst Schießen wird sie auf die Dauer so viel und wenig aufhalten wie die Aussicht, im Mittelmeer zu ertrinken.
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+Freilich: Die »Politiker, die mit dieser Situation umzugehen wissen«, sind Politiker und dazu da, die Verhältnisse zu verwalten. Aber »die Verhältnisse, die sind nicht so«, dass sie ein gutes Leben für alle erlauben würden. Die globale Konkurrenz der Märkte ruiniert die Lebensgrundlagen von immer mehr Menschen immer schneller. Die gleichfalls konkurrenzgepeitschte Steigerung der Produktivität macht ArbeiterInnen massenhaft überflüssig, treibt sie ins Elend. Zugleich stoppt sie das Wachstum der Verwertung. Sie macht das Geldwachstum, das Herz der Marktwirtschaft, fiktiv, basierend auf Schulden und Spekulation auf künftige Verwertung, die nicht mehr kommt. Die Weltordnungskriege vermehren die Zahl der failed states nur weiter. Und die von zweihundert Jahren Kapitalismus malträtierte Natur wird stückchenweise für uns Säugetiere unbewohnbar.
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+Staat, Geld, Kapital und Arbeit sind Grundstrukturen einer Ordnung gefrorener Gewalt. Sie müssen »abgewickelt« werden, denn sie schmelzen unvermeidlich in den Aggregatzustand flüssiger Gewalt. In dem ist aber nicht zu leben.
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+Was können Menschen, die in diesen wilden Strom geraten, viel anderes tun, als auf eine gerade noch feste Scholle sich zu flüchten? Auch wenn diese durch die Ankunft des Terrors in Europa und die Antwort darauf auch schon deutlich Risse zeigt. Und was sollten Menschen hier, die sich Gedanken um den Gang der Dinge machen, die bei der Not der anderen nicht einfach zuschauen wollen, anderes tun, als ihnen beizuspringen, sie nicht der Charity, dem Lager, dem Staat und seinem Fremdenrecht, der Wirtschaft und den Rassisten zu überlassen, sondern mit ihnen das globale Gastrecht aller Menschen auf der Erde zu beanspruchen, gestalten und verteidigen zu versuchen?
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+Die Menschlichkeit des Kapitals orientiert sich an einem erhofften »Wachstumsschub« durch Millionen Flüchtlinge als arbeitsamem Frischfleisch, durch Lohnsenkung und Sozialabbau. Und die Arbeit sieht in den Asylwerbern bloß Konkurrenten um Arbeitsplätze und noch vorhandene soziale Rechte. Xenophobie grassiert. Diese ausgetretenen Pfade führen zu Selektion nach »Brauchbarkeit«, Verarmung und Verhetzung, Mord und Totschlag. »Der Hass ist aufgetischt«, es können nur wir selber sein, die ihn nicht fressen, sondern vom Tisch fegen.
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+Unsere Scholle ist das Zentrum der Gewalt, Garant der Ordnung, vor deren Konsequenzen zig Millionen Menschen auf der Flucht sind. Hier sind die Waffenschmieden, die Zentralen der wundersamen Geldvermehrung, der Bauch der Welt, der auffrisst, »was wir ihnen gestohlen haben«, wie es Saramago sagt. Und den Dreck davon von sich weg über die Welt verteilt.
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+Nichts davon ist haltbar. Der erodierende Rand wird sozial und geographisch immer breiter. Dass jetzt Hunderttausende Menschen, also unsereiner, fliehend die Grenzen Europas überrennen, und dass Terror und Antiterror auch hier im Inneren aufbrechen, macht die Hoffnungslosigkeit der alten Ordnung sichtbar. Dass die aus ihrem Zerbrechen fließende Barbarei eingedämmt und ausgetrocknet werden kann, braucht die Entmachtung gerade auch des Zentrums, das seinen Untergang hinauszögert, indem es die verheerenden Konsequenzen des Abschmelzens der gefrorenen Gewalt dem weiten »Rest der Welt« aufzubürden sucht. Es geht nicht um den Aggregatzustand der Gewaltordnung, es geht um das Ende der Vergewaltigung von Mensch und Natur. Damit niemand fliehen muss und alle überall willkommen sind. Mit weniger ist ein gutes Leben nicht zu haben. (*zuerst erschienen in: Streifzüge 65/2015*)

kurz notiert
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@@ -105,7 +105,7 @@ Wie die Allgäuer Zeitung vom **4.2.** berichtet, wurden Sprengkörper unter ein
 ## Thannhausen: »Sieg Heil« gegen Geflüchtete
 Am **4.2.** um 12 Uhr (!) rief eine 15-köpfige Gruppe vor eine Asyl-Unterkunft »Sieg Heil« und »Ausländer raus«. Die Polizei räumte dies auf Nachfrage ein, nachdem der entsprechenden Mitteilung nach lediglich »Ausländerfeindliche Parolen gerufen« wurden. Nun wird wegen des Verwendes von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt.
 
-## Immenstadt: Bewaffnet »gerät in Streit« mit Asylsuchenden
+## Immenstadt: Bewaffneter »gerät in Streit« mit Asylsuchenden
 Nach einer Polizeimeldung zettelte ein 34-jähriger mit Einhandmesser bewaffneter am Abend des **6.2.** einen Streit mit Asylsuchenden an und zog sich zurück, nachdem ihm das Messer abgenommen wurde. Die Polizei traf ihn wenig später im Treppenhaus zu seiner Wohnung an, nachdem er sich erneut bewaffnete. Die Polizei titelt: »Alkoholisierter Mann gerät in Streit«.
 
 ## Schwangau: Unterschriften gegen Geflüchtete
@@ -114,6 +114,9 @@ Nach einem Bericht von a.tv vom **9.2.** sammeln Anwoher\_innen Unterschriften g
 ## Waltershofen: Pflasterstein auf Asyl-UK
 In Waltershofen bei Kißlegg haben Unbekannte am **9.2.** mit einem Pflasterstein eine Scheibe einer Geflüchtetenunterkunft eingeworfen. a.tv berichtet am 11.2. davon, dass einer der drei oder vier Täter »beim wegrennen rassistische Parolen gerufen« habe. Eine Jugendliche wurde dabei verletzt, bei einer weiteren Person sei unklar, ob eine Verletzung auf den Steinwurf zurückzuführen sei, berichtet schwäbische.de
 
+## Ebersbach: Schlachtabfälle gegen Geflüchtete
+Am **16.2.** warfen Unbekannte in Ebersbach bei Ulm einen Eimer mit Schlachtabfällen zwischen Zelte in denen Geflüchtete untergebracht sind.
+
 ## Durach: Asylsuchende sollen Hunde essen
 Wie all-in.de am **17.2.** meldet, wird in Durach mit absurden Gerüchten gegen Geflüchtete gehetzt. Sie sollen Hunde entführen, schlachten und essen. Knochen seien im Garten gefunden worden. Laut br.de schaltete der Bürgermeister die Polizei ein, die dann in der Unterkunft der Geflüchteten nach entsprechenden Spuren suchte!
 
@@ -123,5 +126,20 @@ Die Polizei meldet, dass zwischen Sonntag und Dienstag, den **16.2.** in zwei Ge
 ## Bad Waldsee: Sponti von Asylsuchenden
 Die in der Notunterkunft in der Stadthalle Bad Waldsee untergebrachten Geflüchteten beklagten sich am **16.2.** mittels einer spontanen Demonstration vor dem Bürgerbüro über ihre Unterbringungssituation. »Die Anliegen [...] werden nach schriftlicher Vorlage geprüft.¢
 
+## Leutkirch: Mädchen erfindet sexuellen Übergriff
+Am **19.2.** erfand ein 14-jähriges Mädchen einen sexuellen Übergriff durch einen »dunkelhäutigen Mann«, berichtet die Polizei Leutkirch.
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 ## Illertissen: Rassistische Schmiererei
 »Refugees Not Welcome! Go Home!« (Rückübersetzung aus der Polizeimeldung) haben Unbekannte während des Wochenendes zum **21.2.** an eine von der Straße nicht einsehbare Stelle der Fassade des Pfarramtes in Au/Illertissen gesprüht. Ein Teil des Gebäudes solle als Unterkunft für Geflüchtete genutzt werden.
+
+## Lindau: Auto beschädigt und Hakenkreuze aufgemalt
+Unbekannte malten in Lindau vermutlich in der Nacht auf den **27.2.** in den Schnee auf einem geparkten PKW Hakenkreuze, nachdem sie diesen hinten anhoben, halb auf die Fahrbahn zogen und die Frontscheibe mit einem großen Stein beschädigten.
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+## Friedrichshafen: Stein auf Geflüchtetenunterkunft
+In der Nacht zum **29.2.** wurde das Fenster einer Gemeinschaftsunterkunft in Friedrichshafen mit einem Stein eingeworfen.
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+## Neu-Ulm: Schlägerei vor GU erfunden
+Eine »total hysterisch wirkende Frau« rief am Morgen des **29.2** den Notruf und behauptete, vor einer Neu-Ulmer Asylsuchendenunterkunft würde ein Mann totgeprügelt werden. Die alarmierten Polizeikräfte fanden allerdings nur die betrunkene Anrufende vor, die die Polizisten beleidigte und nun mit Strafverfahren wegen mehrerer Delikte rechnen muss. Die Frau sei amtsbekannt.
+
+## Kempten: Keine Mitgliedesversammlung für AfD
+Der örtliche Kreisverband der AfD kann ihre öffentliche Mitgliedsversammlung am **29.2.** nicht in der Kemptener Gaststätte zum Stift abhalten. Nach Boykottdrohungen wurde diese vom Restaurantbetreiber untersagt.

solidarische grüße
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   - AfD
   - Pressefreiheit
 Lizenz: 
-Abstract: »Zwischenzeit«, das Mainzer »Medium für Unbequemes« berichtet am 27.2.2016, wie ein Wahlkämpfer der AfD Antifaschist\_innen angriff. Nun versucht die Partei die Redaktion mundtot zu machen. Mittels eines anwaltlichen Schreibens verlangt sie eine Unterlassungserklärung. Natürlich lassen die Betroffenen es auf das Gerichtsverfahren ankommen - Ausgang ungewiss. Daher ruft die »Zwischenzeit«-Redaktion zur Solidarität auf. Gegen die Unterdrückung des kritischen Berichtes soll er verbreitet werden. Auch in der vruzt wird die Pressefreiheit hochgehalten, weswegen der Bericht hier dokumentiert wird. (*Vollumfängliche (Presse-)rechtliche Verantwortung: Sebastian Lipp*)
+Abstract: »Zwischenzeit«, das Mainzer »Medium für Unbequemes« berichtet am 27.2.2016, wie ein Wahlkämpfer der AfD Antifaschist\_innen angriff. Nun versucht die Partei die Redaktion mundtot zu machen. Mittels eines anwaltlichen Schreibens verlangt sie eine Unterlassungserklärung. Natürlich lassen die Betroffenen es auf das Gerichtsverfahren ankommen - Ausgang ungewiss. Daher ruft die »Zwischenzeit«-Redaktion zur Solidarität auf. Gegen die Unterdrückung des kritischen Berichtes soll er verbreitet werden. Auch in der vruzt wird die Pressefreiheit hochgehalten, weswegen der Bericht hier dokumentiert wird und solidarische Grüße nach Mainz gehen. (*Vollumfängliche (Presse-)rechtliche Verantwortung: Sebastian Lipp*)
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afd
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   - AfD
   - Pressefreiheit
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-Abstract: Das Mainzer »Medium für Unbequemes« »Zwischenzeit« berichtet am 27.2.2016, wie ein Wahlkämpfer der AfD Antifaschist\_innen angriff. Nun versucht die Partei, die Redaktion mundtot zu machen. Mittels eines anwaltlichen Schreibens verlangt sie eine Unterlassungserklärung. Natürlich lassen die Betroffenen es auf das Gerichtsverfahren ankommen - Ausgang ungewiss. Daher ruft die »Zwischenzeit«-Redaktion zur Solidarität auf. Gegen die Unterdrückung des kritischen Berichtes soll er verbreitet werden. Auch in der vruzt wird die Pressefreiheit hochgehalten, weswegen der Bericht hier dokumentiert wird. (*Vollumfängliche (Presse-)rechtliche Verantwortung: Sebastian Lipp*)
+Abstract: »Zwischenzeit«, das Mainzer »Medium für Unbequemes« berichtet am 27.2.2016, wie ein Wahlkämpfer der AfD Antifaschist\_innen angriff. Nun versucht die Partei die Redaktion mundtot zu machen. Mittels eines anwaltlichen Schreibens verlangt sie eine Unterlassungserklärung. Natürlich lassen die Betroffenen es auf das Gerichtsverfahren ankommen - Ausgang ungewiss. Daher ruft die »Zwischenzeit«-Redaktion zur Solidarität auf. Gegen die Unterdrückung des kritischen Berichtes soll er verbreitet werden. Auch in der vruzt wird die Pressefreiheit hochgehalten, weswegen der Bericht hier dokumentiert wird. (*Vollumfängliche (Presse-)rechtliche Verantwortung: Sebastian Lipp*)
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AfD
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: AfD nimmt Wahlkampf in Mainz wörtlich
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Repression
+  - Antifa
+  - AfD
+  - Pressefreiheit
+Lizenz: 
+Abstract: Das Mainzer »Medium für Unbequemes« »Zwischenzeit« berichtet am 27.2.2016, wie ein Wahlkämpfer der AfD Antifaschist\_innen angriff. Nun versucht die Partei, die Redaktion mundtot zu machen. Mittels eines anwaltlichen Schreibens verlangt sie eine Unterlassungserklärung. Natürlich lassen die Betroffenen es auf das Gerichtsverfahren ankommen - Ausgang ungewiss. Daher ruft die »Zwischenzeit«-Redaktion zur Solidarität auf. Gegen die Unterdrückung des kritischen Berichtes soll er verbreitet werden. Auch in der vruzt wird die Pressefreiheit hochgehalten, weswegen der Bericht hier dokumentiert wird. (*Vollumfängliche (Presse-)rechtliche Verantwortung: Sebastian Lipp*)
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+Der Samstag könnte so schön sein, wäre da nicht die AfD. Mit ihrem »Eurowehr«-Wahlkampfmobil versuchte die rechtsradikale Partei heute an der Mainzer Alten Universität ihre gefährlichen Thesen zu verbreiten. Etwa 15 Antifaschist\_innen wollten dem etwas entgegensetzen: Mit Flatterband begannen sie, den Wahlkampfstand zu markieren,  sprachen Passant\_innen auf die Partei an und verklebten antirassistische Aufkleber. Der rechten Wahlkampf-Truppe schmeckte die spontane Aktion wenig. Sofort zerrissen die sprichwörtlichen Wahlkämpfer das Absperrband und gingen die Protestierenden aggressiv an.
+
+## Der AfD-Wahlkämpfer zieht das Pfefferspray erneut.
+
+Einer der AfD-Wahlkampfhelfer beließ es jedoch nicht bei den Pöbeleien seiner Spießgesellen. Als eine der Protestierenden sich dem Stand näherte, versuchte er, sie zu Boden zu bringen und griff sie mit Pfefferspray an. Doch die kurz darauf eintreffende Polizei hatte nichts Besseres zu tun, als die Gegner\_innen der AfD zu kontrollieren und ihre Personalien aufzunehmen. Der Angreifer blieb bis auf eine kurze Ansprache unbehelligt. Nach der Störaktion war den Rechten die Lust am Wahlkampf vorerst vergangen, sodass sie die »Eurowehr« und zwei Transparente vom benachbarten Gutenbergplatz abzog.
+
+Ein weiteres Mal hat sich gezeigt, dass von der AfD ein nicht zu leugnendes Gewaltpotential ausgeht. Nicht nur, dass die Partei ein Spiegel des grassierenden Rassismus ist, den sie aufgreift und verstärkt. Die AfD ist eine menschenfeindliche Organisation, die Gewalt fördert und Gewalt verkörpert. Vor bereits einem Monat hatte das Bündnis »Mainz stellt sich quer« unter anderem vor dem rheinland-pfälzischen AfD-Listenzweitplatziertem Joachim Paul gewarnt. Paul ist Mitglied in der Nazi-Burschenschaft der Raczeks zu Bonn, die viele Verbindungen ins militant-rechte Lager hat. Auf einem Wahlkampfevent der AfD in Mainz-Finthen wurden jüngst bei den Partei-Securities verschiedene Waffen sichergestellt. Dass die Militanz der AfD-Anhänger kein Problem von Einzelpersonen ist, hat die Partei heute erneut unter Beweis gestellt.
+
+Seitens verschiedener Medien, unter anderem der offiziellen Polizei-Pressemeldung, der AZ und dem Merkurist, wird der Pfefferspray-Angriff bezweifelt oder schlicht verschwiegen. Unter anderem heißt es, es habe »keine Verletzten durch den Einsatz von Pfefferspray« gegeben. Das ist unzutreffend: Der Angriff wurde uns von unserem Fotografen und mehreren anderen Augenzeug\_innen, unter anderem der Angegriffenen selbst, die nicht mit der Polizei reden will, bestätigt. Unser Titelbild zeigt einen Ausschnitt aus einem Foto des Angreifers wenige Sekunden nach der Tat. Dieses Bild wurde auch von Polizist\_innen am Ort des Geschehens in Augenschein genommen und ihnen gegenüber durch kurze Schilderungen des Angriffs ergänzt. Siehe: <https://zwischenze.it>

allgida
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+++ b/artikel/Allgida.mdwn
@@ -0,0 +1,19 @@
+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: »Allgida«: Neonazis mobilisieren in die Provinz - 1500 dagegen
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Aktion
+Lizenz: 
+Abstract: Am 20.2. mobilisierten Neonazis rund 150 Rechte zu einer unangemeldeten Kundgebung in die Allgäuer Provinz. Während sich die Sicherheits- und Ordnungsbehörden trotz rechtzeitiger Kenntnis kaum zeigten, stellten sich 50 Gegendemonstranten den Rassisten entgegen. Nur eine Woche später wurden die Neonazis um das zehnfache überboten: 1500 hielten einen »Lichterzug« in Obergünzburg ab.
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+Am Samstag, den 20.2. sammelten sich etwa 150 Neonazis und andere extrem Rechte unangemeldet auf dem Obergünzburger Marktplatz im Landkreis Ostallgäu. Begleitet wurden sie dabei zunächst nur von einigen Antifaschisten, deren spontane Gegenkundgebung schnell auf etwa 50 Teilnehmer anwuchs. Die Polizei indes zeigte kaum Präsenz, obwohl bereits knapp einen Monat zuvor öffentlich mobilisiert wurde. Die Polizei räumt ein, dass dieser Umstand zwar bekannt war, mangels Ankündigung gegenüber den Behörden aber nicht ernst genommen wurde. Obergünzburgs Bürgermeister Lars Leveringhaus (CSU) rechtfertigt gegenüber dem Bayerischen Fernsehen: »Wenn Sie keine offiziellen Anhaltspunkte dafür haben, dass es eine Allgida-Bewegung überhaupt gibt und dann auch noch im Öffentlichen Raum auftritt, dann müssen Sie halt entsprechend verhältnismäßig reagieren.« Die Polizei beobachte »natürlich das rechte Spektrum um natürlich adäquat reagieren zu können«, meint eine Sprecherin. Erst im Laufe der Versammlung wurden weitere Polizeikräfte heran gezogen.
+
+Auffällig oft wurde in den vorderen Reihen der Rassisten von zum Teil Vermummten der rechte Arm erhoben. Die Polizei, die weder die Versammlung auflösen noch Personalien aufnehmen konnte, ermittelt nun wegen des Verwendens von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, und Verstößen gegen das Versammlungsgesetz - wohl auch, weil eine der Fahnenstangen waffentauglich angespitzt war. Getragen wurden Fackeln, sowie zwei Deutschland- und eine Wirmer-Flagge, die zudem in einer Abwandlung im Erkennungszeichen der »German Defense Leage« verwendet wird. Es tauchten unter Anderem Mitglieder der Neonazikameradschaft »Voice of Anger« und Anhänger der NPD auf. Sie reisten aus dem gesamten Allgäu und dem angrenzenden Umland an. Skandiert wurden neben Beleidigungen gegen die Gegendemonstranten Parolen wie »Wer Deutschland nicht liebt, soll Deutschland verlassen«, »Wir sind das Volk« oder »Es gibt kein Recht auf Volksverrat« - aber auch »AfD, AfD, ...«. Mobilisiert wurde etwa über von NPD-Mitgliedern betreute Facebook-Seiten, die auch sonst gegen Geflüchtete hetzen. Die 50 Nazigegner hielten dagegen: »Rassismus aus den Köpfen - Nazis von der Straße jagen!« und drückten ihre Solidarität mit Geflüchteten aus. Zunächst konnte dafür noch ein Megaphon verwendet werden, was die Polizei aber bald untersagte, »um die Rechten nicht weiter zu provozieren«.
+
+Für den folgenden Samstag gelang es der Marktgemeinde und den Kirchengemeinden 1500 Menschen zu einem »Kerzenzug« durch Obergünzburg zu bewegen - bei rund 6000 Einwohnern. Unter dem Motto »Hand in Hand für Menschlichkeit« zog die Versammlung von einem Gottesdienst zur Kundgebung am Marktplatz. Hier positionierte sich der Bürgermeister für »Freiheit, Gleichheit und Menschenwürde«. Anschließend stellte Michael Bauer als Vertreter der Bürgerschaft einen Bezug der »Allgida«-Versammlung zum historischen Nationalsozialismus her. Er wolle sich »klar von Fackelzügen distanzieren, deren Bezug zur Nazizeit unverkennbar ist. Und wir distanzieren uns von den simplen Wahrheiten einiger Schreihälse.«
+
+Die »Schreihälse« haben weitere Aktionen angekündigt. Das nächste Mal wollen sie in knapp zwei Wochen in einer anderen Stadt im Allgäu aufmarschieren. Dieses mal sind andere Behörden zuständig - und wissen von nichts. Ob sie die Rechten auch hier weitgehend unbehelligt lassen?

bisschen aufgearbeitet
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@@ -105,8 +105,23 @@ Wie die Allgäuer Zeitung vom **4.2.** berichtet, wurden Sprengkörper unter ein
 ## Thannhausen: »Sieg Heil« gegen Geflüchtete
 Am **4.2.** um 12 Uhr (!) rief eine 15-köpfige Gruppe vor eine Asyl-Unterkunft »Sieg Heil« und »Ausländer raus«. Die Polizei räumte dies auf Nachfrage ein, nachdem der entsprechenden Mitteilung nach lediglich »Ausländerfeindliche Parolen gerufen« wurden. Nun wird wegen des Verwendes von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt.
 
+## Immenstadt: Bewaffnet »gerät in Streit« mit Asylsuchenden
+Nach einer Polizeimeldung zettelte ein 34-jähriger mit Einhandmesser bewaffneter am Abend des **6.2.** einen Streit mit Asylsuchenden an und zog sich zurück, nachdem ihm das Messer abgenommen wurde. Die Polizei traf ihn wenig später im Treppenhaus zu seiner Wohnung an, nachdem er sich erneut bewaffnete. Die Polizei titelt: »Alkoholisierter Mann gerät in Streit«.
+
 ## Schwangau: Unterschriften gegen Geflüchtete
 Nach einem Bericht von a.tv vom **9.2.** sammeln Anwoher\_innen Unterschriften gegen eine geplante Geflüchtetenunterkunft im Schwangauer Ortsteil Alterschrofen.
 
 ## Waltershofen: Pflasterstein auf Asyl-UK
 In Waltershofen bei Kißlegg haben Unbekannte am **9.2.** mit einem Pflasterstein eine Scheibe einer Geflüchtetenunterkunft eingeworfen. a.tv berichtet am 11.2. davon, dass einer der drei oder vier Täter »beim wegrennen rassistische Parolen gerufen« habe. Eine Jugendliche wurde dabei verletzt, bei einer weiteren Person sei unklar, ob eine Verletzung auf den Steinwurf zurückzuführen sei, berichtet schwäbische.de
+
+## Durach: Asylsuchende sollen Hunde essen
+Wie all-in.de am **17.2.** meldet, wird in Durach mit absurden Gerüchten gegen Geflüchtete gehetzt. Sie sollen Hunde entführen, schlachten und essen. Knochen seien im Garten gefunden worden. Laut br.de schaltete der Bürgermeister die Polizei ein, die dann in der Unterkunft der Geflüchteten nach entsprechenden Spuren suchte!
+
+## Stockach: AfD-Plakate entwendet
+Die Polizei meldet, dass zwischen Sonntag und Dienstag, den **16.2.** in zwei Gemeinden bei Stockach mehrere Plakate der AfD entwendet wurden.
+
+## Bad Waldsee: Sponti von Asylsuchenden
+Die in der Notunterkunft in der Stadthalle Bad Waldsee untergebrachten Geflüchteten beklagten sich am **16.2.** mittels einer spontanen Demonstration vor dem Bürgerbüro über ihre Unterbringungssituation. »Die Anliegen [...] werden nach schriftlicher Vorlage geprüft.¢
+
+## Illertissen: Rassistische Schmiererei
+»Refugees Not Welcome! Go Home!« (Rückübersetzung aus der Polizeimeldung) haben Unbekannte während des Wochenendes zum **21.2.** an eine von der Straße nicht einsehbare Stelle der Fassade des Pfarramtes in Au/Illertissen gesprüht. Ein Teil des Gebäudes solle als Unterkunft für Geflüchtete genutzt werden.

nahezu unwahrscheinlich
diff --git a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
index b360a14..94019c6 100644
--- a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
+++ b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
@@ -78,6 +78,9 @@ In der Nacht auf den **16.1.** wurden laut Polizeibericht Hakenkreuze in den Sch
 ## Krumbach: NPD-Versammlung
 Am **18.1.** berichtet der NPD Kreisverband Neu-Ulm/Günzburg von seiner Jahreshauptversammlung. Die bisherige Vorstandschaft sei unverändert bestätigt worden. Auch dieser Kreisverband scheint im letzten Jahr nicht viel berichtenswertes erlebt zu haben. Allerdings sei die Mitgliederzahl »um fast 40 Prozent gestiegen«. Nachprüfbar ist das nicht.
 
+## Augsburg: Brand in Asyl-UK
+Die Polizei berichtet, dass am **18.1.** ein Brand in einer Asylsuchendenunterkunft ausgebrochen ist. Gleichzeitig wurde behauptet, dass eine Brandlegung von außen ausgeschlossen werden könne. Auf Nachfrage weigerte sich die Polizei beharrlich, auszuführen auf Grund welcher konkreter Erkenntnisse sie diesen Ausschluss vornahm. In einem Nachtrag wenige Wochen später klingt Außenwirkung dann weniger »ausgeschlossen«: Es käme »ls Brandursache am ehesten ein fahrlässiger Umgang beim Entsorgen von Glutresten bzw. sonstigen Rauchzeug in Betracht.« Vorsatz »scheint nach momentanen Erkenntnissen nahezu unwahrscheinlich.« Ein Bewohner sei leicht verletzt und ein Schaden auf rund 10.000 Euro geschätzt worden.
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 ## Horgenzell: mehr Reichsbürgis
 Für den **25.1.** kündigten »die Prozeßbeobachter« eine Veranstaltung an. Aus dem aktuellen Anlass »Verschärfung des Krieges gegen das deutsche Volk« solle ein Jochen Kuschel in einem Gasthaus in Horgenzell (Lkr Ravensburg) referieren zu einem System »wie man auf der Spielwiese der BRD Vermögen schützen kann.« 
 

kißlegg
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--- a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
+++ b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
@@ -101,3 +101,9 @@ Wie die Allgäuer Zeitung vom **4.2.** berichtet, wurden Sprengkörper unter ein
 
 ## Thannhausen: »Sieg Heil« gegen Geflüchtete
 Am **4.2.** um 12 Uhr (!) rief eine 15-köpfige Gruppe vor eine Asyl-Unterkunft »Sieg Heil« und »Ausländer raus«. Die Polizei räumte dies auf Nachfrage ein, nachdem der entsprechenden Mitteilung nach lediglich »Ausländerfeindliche Parolen gerufen« wurden. Nun wird wegen des Verwendes von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt.
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+## Schwangau: Unterschriften gegen Geflüchtete
+Nach einem Bericht von a.tv vom **9.2.** sammeln Anwoher\_innen Unterschriften gegen eine geplante Geflüchtetenunterkunft im Schwangauer Ortsteil Alterschrofen.
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+## Waltershofen: Pflasterstein auf Asyl-UK
+In Waltershofen bei Kißlegg haben Unbekannte am **9.2.** mit einem Pflasterstein eine Scheibe einer Geflüchtetenunterkunft eingeworfen. a.tv berichtet am 11.2. davon, dass einer der drei oder vier Täter »beim wegrennen rassistische Parolen gerufen« habe. Eine Jugendliche wurde dabei verletzt, bei einer weiteren Person sei unklar, ob eine Verletzung auf den Steinwurf zurückzuführen sei, berichtet schwäbische.de

singen
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@@ -42,6 +42,9 @@ Der Marktoberdorfer Teil der Allgäuer Zeitung vom **8.1.** berichtet von einem
 ## Bad Waldsee: Brandstiftung an Asyl-UK
 Am Abend des **10.1.** wurde eine Geflüchtetenunterkunft im Kohlstattweg mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Einer Person konnte die Polizei Dank einer Zeugin wenige Tage später habhaft werden. Eine Hausdurchsuchung belege die Begehung der versuchten schweren Brandstiftung. Sein Komplize wurde inzwischen gefasst. Beide seien mit Malerhosen bekleidet in einem Transporter eines Malergeschäftes vorgefahren.
 
+## Singen: rechter Mob mit Fackeln
+Wie die Polizei mitteilt, begegnete sie am **10.1.** Abends 30 mit Fackeln bewaffneten Personen, die offenbar eine Spontandemonstration bildeten. Auslöser sie ein behaupteter Angriff auf zwei 25-jährige Teilnehmende in der Nacht zuvor. Sie seien von »mehreren Männern mit Migrationshintergrund« geschlagen worden. Der Südkurier zitiert einen Anwohner, der »völkische und ausländerfeindliche Parolen« gehört habe und meint, dass es sich bei einem der angeblich angegriffenen 25-jährigen »um einen auswärtigen NPD-Funktionär« handelt. Die Polizei weigert sich, das zu bestätigen und spricht lediglich vom »Landtagskandidaten einer rechtsgerichteten Partei«. Die Polizei meint, es ging darum »vermutlich gegen die Asylpolitik zu demonstrieren.«
+
 ## MM: Vorgetäuschter Raub durch nicht-Deutsche
 Die Polizei berichtet, dass eine 35-jährige aus dem Landkreis Ostallgäu für den **11.1* einen angeblichen Raub durch »eine Gruppe nicht deutschsprechender Täter« vorgetäuscht hat. Die Frau sei bedroht geschalgen und »unsittlich berührt« worden. Nun wird gegen die Frau ermittelt.
 

ausländerfeindlich, aha
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@@ -95,3 +95,6 @@ Wie die Polizei am **2.2.** mitteilt und auf Nachfrage konkretisiert, wurden »i
 
 ## Vorarlberg: Sprengkörper auf Asyl-UK
 Wie die Allgäuer Zeitung vom **4.2.** berichtet, wurden Sprengkörper unter einer Bank vor einer Asylsuchendenunterkunft in Hard bei Bregenz gezündet. Die Explosion war derartig wuchtig, dass drei Fensterscheiben zu Bruch gingen.
+
+## Thannhausen: »Sieg Heil« gegen Geflüchtete
+Am **4.2.** um 12 Uhr (!) rief eine 15-köpfige Gruppe vor eine Asyl-Unterkunft »Sieg Heil« und »Ausländer raus«. Die Polizei räumte dies auf Nachfrage ein, nachdem der entsprechenden Mitteilung nach lediglich »Ausländerfeindliche Parolen gerufen« wurden. Nun wird wegen des Verwendes von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen ermittelt.

npd jahreshauptversammlungen
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@@ -30,6 +30,9 @@ Laut einer Polizeimeldung schlugen zwei unbekannte deutschsprachige Männer am M
 ## Singen: Pro Putin, gegen EU
 Die zuständige Polizei berichtet, dass die Parolen »Scheiß EU; Putin ist the best; Obama Hurensohn; Fuck USA« am **28.12.** in der Singener Nordstadt gesprüht wurden.
 
+## MM: NPD-Versammlung
+Die NPD berichtet, am **8.1.** die Jahreshauptversammlung ihres Kreisverbands Memmingen/Unterallgäu abgehalten zu haben. Der Vorsitzende sei zurückgetreten, sein bisheriger Stellvertreter neu gewählt worden. Der Bericht über die Aktivitäten des letzten Jahres scheint karg, trotzdem sei es eine »motivierende Jahreshaptversammlung« gewesen.
+
 ## Geislingen: Brandanschlag an Asyl-UK
 Wie die Ulmer Staatsanwaltschaft und Polizei gemeinsam mitteilen, wurde in der Nacht auf den **29.12.** ein Brand an einer Geflüchteten-Unterkunft in Geislingen gelegt. Der Brand wurde schnell gelöscht und der mutmaßliche Täter konnte noch in Tatortnähe angetroffen werde: ein 24-jähriger, der ohne seinen 30-jährigen Begleiter den Brand gelegt haben will. Beide »waren erkennbar alkoholisiert« und gehören der Göppinger extremen Rechten an, wie die Polizei meldet.
 
@@ -69,6 +72,9 @@ Für den **16.1.** kündigte eine Gruppe um einen angeblichen Pastoren »eine au
 ## Mindelheim: Hakenkreuze
 In der Nacht auf den **16.1.** wurden laut Polizeibericht Hakenkreuze in den Schnee auf zwei in der Laubacher Straße in Mindelheim abgestellte PKW gezeichnet. 
 
+## Krumbach: NPD-Versammlung
+Am **18.1.** berichtet der NPD Kreisverband Neu-Ulm/Günzburg von seiner Jahreshauptversammlung. Die bisherige Vorstandschaft sei unverändert bestätigt worden. Auch dieser Kreisverband scheint im letzten Jahr nicht viel berichtenswertes erlebt zu haben. Allerdings sei die Mitgliederzahl »um fast 40 Prozent gestiegen«. Nachprüfbar ist das nicht.
+
 ## Horgenzell: mehr Reichsbürgis
 Für den **25.1.** kündigten »die Prozeßbeobachter« eine Veranstaltung an. Aus dem aktuellen Anlass »Verschärfung des Krieges gegen das deutsche Volk« solle ein Jochen Kuschel in einem Gasthaus in Horgenzell (Lkr Ravensburg) referieren zu einem System »wie man auf der Spielwiese der BRD Vermögen schützen kann.« 
 

korr
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+++ b/artikel/Neugablonz_Brandstiftung_an_Asylunterkunft.mdwn
@@ -1,6 +1,6 @@
 ---
 Autor_in: bacuh
-Titel: Kaufbeuren: Feuer in künftiger Asylsuchendenunterkaunft - Polizei geht von Brandstiftung aus
+Titel: Kaufbeuren: Brandanschlag auf Geflüchtetenunterkunft
 Rubrik: Antifa
 Themen:
   - Antifa
@@ -14,10 +14,10 @@ Abstract: Am frühen Sonntagmorgen, gegen 4:15 brannte der Dachstuhl eines Gebä
 
 Gegen 4:15 am Morgen des 7.2. wurde die Feuerwehr alarmiert, dass der Dachstuhl eines Gebäudes im Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz in Flammen stehe. Gegen 6 Uhr konnte das Feuer laut Polizei unter Kontrolle gebracht und gelöscht werden. Nun ermittelt die Kriminalpolizei und geht, wie später am Tag vermeldet, inzwischen von einer Brandstiftung aus. Das Gebäude war zwar als Asylsuchendenunterkunft geplant, aber noch nicht bezogen.
 
-Das Projekt [[http://mut-gegen-rechte-gewalt.de][Mut Gegen Rechte Gewalt]] listet damit 26 Brandanschläge auf Geflüchtetenunterkünfte allein in diesem Jahr. Für das Vergangene werden 128 entsprechende Brandstiftungen gezählt.
+Das Projekt Mut Gegen Rechte Gewalt listet damit 26 Brandanschläge auf Geflüchtetenunterkünfte allein in diesem Jahr. Für das Vergangene werden 128 entsprechende Brandstiftungen gezählt.
 
-Daher fanden sich gegen Abend einige Antifaschisten vor dem Gebäude ein, um ihrer Solidarität mit den Adressaten des mutmaßlichen Anschlages Ausdruck zu verleihen und auf einen rassistischen Hintergrund, von dem sie ausgehen, aufmerksam zu machen. Mit Transparenten zogen Sie durch die Nachbarschaft. Dabei entfernten sie einige gegen Asylsuchende gerichtete Aufkleber der [[http://publikative.org/tag/identitare-bewegung/][Identitären Bewegung]] in unmittelbarer Nähe zur abgebrannten Unterkunft.
+Daher fanden sich gegen Abend einige Antifaschisten vor dem Gebäude ein, um ihrer Solidarität mit den Adressaten des mutmaßlichen Anschlages Ausdruck zu verleihen und auf einen rassistischen Hintergrund, von dem sie ausgehen, aufmerksam zu machen. Mit Transparenten zogen Sie durch die Nachbarschaft. Dabei entfernten sie einige gegen Asylsuchende gerichtete Aufkleber der [Identitären Bewegung](http://publikative.org/tag/identitare-bewegung/) in unmittelbarer Nähe zur abgebrannten Unterkunft.
 
-Oberbürgermeister Stefan Bosse findet, [[http://www.br.de/nachrichten/schwaben/inhalt/brand-kaufbeuren-fluechtlingsunterkunft-100.html][so berichtet br.de]], »Hinweise auf rechtsradikale oder fremdenfeindliche Tendenzen gab es in jüngster Zeit keine.« Er räume aber ein, es habe »Bedenken« gegen die Unterbringung von Flüchtlingen gegeben. Unterschriften seien gegen das Projekt gesammelt worden. Erst die Zusage nur Familien unterzubringen hätte die Situation beruhigen können.
+Oberbürgermeister Stefan Bosse findet, so berichtet br.de, »Hinweise auf rechtsradikale oder fremdenfeindliche Tendenzen gab es in jüngster Zeit keine.« Er räume aber ein, es habe »Bedenken« gegen die Unterbringung von Flüchtlingen gegeben. Unterschriften seien gegen das Projekt gesammelt worden. Erst die Zusage nur Familien unterzubringen hätte die Situation beruhigen können.
 
-Was er nicht erwähnt ist etwa der [[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2016/01/11/uber-300-zeigen-solidaritat-nach-brandanschlag-in-marktoberdorf_20995][Brandanschlag im nur 20 km entfernten Marktoberdorf Ende Dezember]] und die daraufhin aufgetauchten Hetz-Plakate. Auch die [[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2016/01/20/allgau-rechte-burgerwehren-rusten-auf-gegen-gefluchtete_21081][in der Region gegründeten Bürgerwehren]] - inzwischen sind auch entsprechende Zusammenschlüsse [[http://www.all-in.de/nachrichten/rundschau/Polizei-haelt-Buergerwehren-im-Allgaeu-fuer-bedenklich;art2757,2182237][für Kaufbeuren und den umgebenden Landkreis]] bekannt geworden - bleiben bei seiner Darstellung unbeachtet. Und das sind nur die jüngsten und nächsten Beispiele bedenklicher Vorgänge. Auch scheint längst vergessen, dass erst 2013 in Kaufbeuren ein »Mann aus Kasachstan« von Neonazis [[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2014/07/21/am-liebsten-nicht-mehr-denken-wollen-kundgebung-ein-jahr-nach-toedlicher-neonazigewalt-am-taenzelfest_16742][angepöbelt, angegriffen und schließlich getötet]] wurde.
+Was er nicht erwähnt ist etwa der Brandanschlag im nur 20 km entfernten Marktoberdorf Ende Dezember und die daraufhin aufgetauchten Hetz-Plakate. Auch die in der Region gegründeten Bürgerwehren - inzwischen sind auch entsprechende Zusammenschlüsse für Kaufbeuren und den umgebenden Landkreis  bekannt geworden - bleiben bei seiner Darstellung unbeachtet. Und das sind nur die jüngsten und nächsten Beispiele bedenklicher Vorgänge. Auch scheint längst vergessen, dass erst 2013 in Kaufbeuren ein »Mann aus Kasachstan« von Neonazis angepöbelt, angegriffen und schließlich getötet wurde.

artcl neu
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index 75b6100..e814d21 100644
--- a/artikel/Russlanddeutsche_Demo.mdwn
+++ b/artikel/Russlanddeutsche_Demo.mdwn
@@ -1,6 +1,6 @@
 ---
 Autor_in: bacuh
-Titel: Russlanddeutsche demonstrieren gegen Geflüchtete unter Beteiligung der extremen Rechten
+Titel: Das Spiel mit der Angst
 Rubrik: Antifa
 Themen:
   - Antifa
@@ -10,12 +10,12 @@ Abstract: Am 24. Januar demonstrierten bundesweit vornehmlich Russlanddeutsche a
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 [[!ftemplate id="artikel"]]
 
-Am 24. Januar wurden [[http://www.br.de/nachrichten/demos-russlanddeutsche-bayern-100.html][bundesweit]] Versammlungen »wegen der gegenwärtigen Kriminalität von männlichen Asylbewerber« abgehalten. Auslöser war, wie der Verfassungsschutz mitteilt, die angebliche [[http://www.heise.de/tp/artikel/47/47221/1.html][über russische Medien verbreitete]] Vergewaltigung eines jungen Mädchens. Der Aufruf wurde erst wenige Tage zuvor in deutsch und russisch unter anderem von »Der Russen Treff« auf Facebook verbreitet.
+Am 24. Januar wurden bundesweit Versammlungen »wegen der gegenwärtigen Kriminalität von männlichen Asylbewerber« abgehalten. Auslöser war, wie der Verfassungsschutz mitteilt, die angebliche über russische Medien verbreitete Vergewaltigung eines jungen Mädchens. Der Aufruf wurde erst wenige Tage zuvor in deutsch und russisch unter anderem von »Der Russen Treff« auf Facebook verbreitet.
 
-Wie bereits die Falschmeldung von der Vergewaltigung verbreitete sich der Aufruf rasend schnell, sodass tausende vornehmlich Russlanddeutsche folgten. Etwa 1.300 in Villingen-Schwenningen, wo wenige Tage darauf ein [[http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-01/anschlag-fluechtlingsheim-villingen-schwenningen-hintergrund/komplettansicht][Anschlag mittels einer Handgranate]] versucht wurde. In Ellwangen haben sich [[http://www.schwaebische-post.de/regional/ellwangen/ellwangen/862386/][bis zu 800 Personen unangemeldet]] versammelt und zogen unter NPD-Beteiligung vor die dortige Landeserstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete. Im Vorfeld wurden potentielle Teilnehmende mit dem Gerücht »die Antifa« hätte »eine riesige Gegendemo angekündigt« aufgefordert, statt in Ellwangen in Kempten im Allgäu zu demonstrieren. Angesichts der trotzdem  massiven Beteiligung in Ellwangen spekulieren antifaschistische Kreise, ob die Mobilisierung nach Kempten ein Ablenkungsmanöver war.
+Wie bereits die Falschmeldung von der Vergewaltigung verbreitete sich der Aufruf rasend schnell, sodass tausende vornehmlich Russlanddeutsche folgten. Etwa 1.300 in Villingen-Schwenningen, wo wenige Tage darauf ein Anschlag mittels einer Handgranate versucht wurde. In Ellwangen haben sich bis zu 800 Personen unangemeldet versammelt und zogen unter NPD-Beteiligung vor die dortige Landeserstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete. Im Vorfeld wurden potentielle Teilnehmende mit dem Gerücht »die Antifa« hätte »eine riesige Gegendemo angekündigt« aufgefordert, statt in Ellwangen in Kempten im Allgäu zu demonstrieren. Angesichts der trotzdem  massiven Beteiligung in Ellwangen spekulieren antifaschistische Kreise, ob die Mobilisierung nach Kempten ein Ablenkungsmanöver war.
 
-In Kempten begleiteten tatsächlich bis zu 60 Antifaschisten die entsprechende Kundgebung, der sie rassistische Agitation vorwarfen, mit einem Banner »Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus«. Von einem Balkon des Rathauses herab konnten die über 300 Versammlungsteilnehmenden Redebeiträge auf deutsch und russisch vernehmen. Man wolle »[[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2016/01/20/allgau-rechte-burgerwehren-rusten-auf-gegen-gefluchtete_21081][Gruppen bilden]] zur Verteidigung der Bürger von Kempten.« Zwar betonten die Veranstalter, es gebe keine Rechten innerhalb der Versammlung, an deren Anmeldung ein Politiker der Republikaner beteiligt war. Allerdings positionierten sich gleich mehrere von ihnen eindeutig mit bei extrem rechten beliebten Modemarken wie »[[https://www.antifainfoblatt.de/artikel/%E2%80%9Ethor-steinar%E2%80%9C-mit-millionenumsatz][Thor Steinar]]« oder »[[http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/ansgar-aryan-mode-mit-mehr-als-nordischem-mythos-9371][Ansgar Aryan]]«. Bereits im Vorfeld zeigten Recherchen, dass unter denen, die »Der Russen Treff« mögen, auch neonazistische Seiten beliebt sind: Etwa 300 bekunden auf Facebook gleichzeitig ihre Sympathie für die Neonazipartei »[[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2015/11/12/gericht-bestatigt-fns-verbot-und-legt-teile-der-militanten-neonazistruktur-offen_20593][Der III. Weg]]«, über 50 jeweils für das örtliche Neonazi-Label »[[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2014/11/07/razzia-gegen-bayerischen-neonazi-versand_17472][Oldschool Records]]« und die nächstgelegenen Kreisverbände der NPD Memmingen und Neu-Ulm.
+In Kempten begleiteten tatsächlich bis zu 60 Antifaschisten die entsprechende Kundgebung, der sie rassistische Agitation vorwarfen, mit einem Banner »Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus«. Von einem Balkon des Rathauses herab konnten die über 300 Versammlungsteilnehmenden Redebeiträge auf deutsch und russisch vernehmen. Man wolle »Gruppen bilden zur Verteidigung der Bürger von Kempten.« Zwar betonten die Veranstalter, es gebe keine Rechten innerhalb der Versammlung, an deren Anmeldung ein Politiker der Republikaner beteiligt war. Allerdings positionierten sich gleich mehrere von ihnen eindeutig mit bei extrem rechten beliebten Modemarken wie »Thor Steinar« oder »Ansgar Aryan«. Bereits im Vorfeld zeigten Recherchen, dass unter denen, die »Der Russen Treff« mögen, auch neonazistische Seiten beliebt sind: Etwa 300 bekunden auf Facebook gleichzeitig ihre Sympathie für die Neonazipartei »Der III. Weg«, über 50 jeweils für das örtliche Neonazi-Label »Oldschool Records« und die nächstgelegenen Kreisverbände der NPD Memmingen und Neu-Ulm.
 
-Zudem hing vom Balkon des Kemptener Rathauses zeitweise nicht nur eine Deutschlandfahne. Auch eine der »Deutsch-Russische Bruderschaft« wurde während der Kundgebung verwendet. Diese Gruppe zeigt auf Facebook offen, wo sie steht: »wir fahren alle großen Schlachtfelder des 2 Weltkrieges ab und bringen Muttererde aus Deutschland für [die] deutschen Soldaten«. Ein anderer Beitrag nimmt positiven Bezug zum Nationalsozialismus: Eine korpulente Person mit Regenbogen-Fahne wird als »Über 70 Jahre Degeneration« einem Hitlerjungen gegenübergestellt. Einige Teilnehmende der Gegendemonstration fanden sich daran erinnert, dass am 9. März 1933 [[http://www.all-in.de/nachrichten/lokales/1933-SA-und-SS-stuermen-das-Rathaus-und-nehmen-den-OB-in-Haft;art26090,290067#mobilenav][vom Balkon des Rathauses die Machtübergabe an Hitler proklamiert wurde]].
+Zudem hing vom Balkon des Kemptener Rathauses zeitweise nicht nur eine Deutschlandfahne. Auch eine der »Deutsch-Russische Bruderschaft« wurde während der Kundgebung verwendet. Diese Gruppe zeigt auf Facebook offen, wo sie steht: »wir fahren alle großen Schlachtfelder des 2 Weltkrieges ab und bringen Muttererde aus Deutschland für [die] deutschen Soldaten«. Ein anderer Beitrag nimmt positiven Bezug zum Nationalsozialismus: Eine korpulente Person mit Regenbogen-Fahne wird als »Über 70 Jahre Degeneration« einem Hitlerjungen gegenübergestellt. Einige Teilnehmende der Gegendemonstration fanden sich daran erinnert, dass am 9. März 1933 vom Balkon des Rathauses die Machtübergabe an Hitler proklamiert wurde.
 
-Die Lokalpresse titelt derweil: »[[http://www.all-in.de/nachrichten/lokales/Friedlich-gegen-Gewalt-300-Demonstranten-vor-dem-Kemptener-Rathaus;art26090,2178676][Friedlich gegen Gewalt]]« und portraitiert eine Frau, die Angst habe, weil »dunkelhäutige Männer sie anstarren«. Die Gegendemonstranten und ihre Kritik werden dabei von der »Allgäuer Zeitung« komplett unterschlagen. Eine andere Lokalzeitung [[http://www.all-in.de/nachrichten/lokales/1933-SA-und-SS-stuermen-das-Rathaus-und-nehmen-den-OB-in-Haft;art26090,290067#mobilenav][berichtet]] von störenden Gegendemonstranten und erkennt eine Demonstration gegen Gewalt an Frauen, besonders aber der Gewalt, »die von Flüchtlingen an einheimischen Frauen« verübt werde. 
+Die Lokalpresse titelt derweil: »Friedlich gegen Gewalt« und portraitiert eine Frau, die Angst habe, weil »dunkelhäutige Männer sie anstarren«. Die Gegendemonstranten und ihre Kritik werden dabei von der »Allgäuer Zeitung« komplett unterschlagen. Eine andere Lokalzeitung berichtet von störenden Gegendemonstranten und erkennt eine Demonstration gegen Gewalt an Frauen, besonders aber der Gewalt, »die von Flüchtlingen an einheimischen Frauen« verübt werde. 

buergerwehren
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Rechte Bürgerwehren rüsten auf
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Recherche
+Lizenz: 
+Abstract: Mit vermeintlichen oder tatsächlichen Übergriffen wird gegen Asylsuchende gehetzt, woraufhin sich Bürgerwehren gründen und in Selbstjustiz vor allem Asylsuchende bedrohen. Wir haben einige aktuelle Beispiele aus einer Region herausgegriffen. Diese verdeutlichen das verheerende Potential, das der nach dem Silvesterabend ausgelösten Debatte innewohnt. Ein unsensibel gefbührter Diskurs wird weiter rechten Hetzern in die Hände spielen und die Zahl der Übergriffe - [mindestens 122 im Jahr 2015](http://www.taz.de/!5235937/) - auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte auch im neuen Jahr weiter in die Höhe treiben.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Seit den Vorgängen in der [Silvesternacht](http://www.taz.de/!5266774/) in Köln, als massiv Übergriffe auf Frauen begangen und auch Asylsuchende als Tatverdächtige ausgemacht wurden, tobt eine breite Debatte über »vergewaltigende Asylanten«. In vielen Beiträgen werden Gewalt und Sexismus Geflüchteten insgesamt vorgeworfen - rechts außen kursiert der Begriff »Rapefugees«. Damit wird polemisiert und gehetzt.
+
+Doch nicht erst seit Silvester wird mit vermeintlichen oder tasächlichen Übergriffen durch Geflüchtete gehetzt. In Lindau am Bodensee etwa sei eine junge Frau von mehreren Personen attackiert und misshandelt, anschließend von zweien vergewaltigt worden, woraufhin sie stationär im Krankenhaus behandelt worden sei. So wurde es um Weihnachten auf Facebook verbreitet und sorgte für heftige Reaktionen. Die Polizei fand später heraus, dass der Vorfall [frei erfunden](http://www.all-in.de/nachrichten/polizeimeldungen/Angeblich-Frau-durch-Asylbewerber-in-Lindau-vergewaltigt-Vorfall-war-frei-erfunden;art34469,2155147) war.
+
+In Marktoberdorf tauchten nach dem [Brandanschlag](http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2016/01/11/uber-300-zeigen-solidaritat-nach-brandanschlag-in-marktoberdorf_20995) am zweiten Weihnachtsfeiertag Plakate auf, die ebenso verschwiegene Vergewaltigungen behaupten. Die Polizei stellt klar, dass es in dem Pamphlet um Hetzte gegen Geflüchtete geht und nimmt den Vorfall angesichts des Brandanschlages »sehr ernst«, hat sogar Fingerabdrücke genommen, um die Urheber zu fassen. Die Überschrift der Plakate: »Wacht auf!!«
+
+Gleichzeitig gründen sich in der Region angesichts der vermeintlichen Bedrohung durch Geflüchtete - zumindest auf Facebook - Bürgerwehren, um »was dagegen zu unternehmen da die "Staatsgewalt" die Gewalt so langsam zu verlieren scheint.« Die Gewalt will man wohl nun selbst in die Hand nehmen. Von Geflüchteten ist zwar im hier zitierten Beispiel der »Memminger Bürgerwehr« nicht explizit die Rede, aber »[Memmingen gemeinsam gegen Rechts](https://de-de.facebook.com/Memmingen-gemeinsam-gegen-Rechts-111788295513264/)« schreibt, dass »ausschließlich von Geschichten über (angebliche) Kriminalität von Ausländern berichtet und in Pegida-Manier Ängste geschürt« werden. Der Verantwortliche selbst behaupte nicht rechts zu sein, gibt aber auf Facebook an, dass ihm PEGIDA, die Republikaner und eine weitere gegen Geflüchtete hetzende Seite gefielen. Der Staatsschutz sei alarmiert. Das zuständige Präsidium der bayerischen Polizei kennt noch eine weitere Bürgerwehr »als Diskussionsplattform« in Sonthofen.
+
+Auf Facebook wird die Existenz weiterer Bürgerwehren aus der Region behauptet - als »Vereinte Bürgerwehren im Allgäu« angeblich seit einem Jahr. Der Urheber der Behauptung lädt ein Bild hoch, auf dem ein wütender Lynchmob mit Fackeln und Mistgabeln aus der Zeichentrickserie Simpsons abgebildet und mit den Worten »Bürgerwehr Isny« umschrieben ist.
+
+In Wangen rüsten sich anscheinend Neonazis als Bürgerwehr aus: Ein Fan des Allgäuer Neonazi-Musiklabel »[Oldschool Records](http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2015/11/04/waffenfund-nach-facebook-hetze_20466)« nutzt ein Profilbild mit einer von hinten vor einer Deutschlandfahne photographierten martialisch ausgestatteten Person. Erkennbar ist unter anderem eine Aufschrift »Bürgerwehr Wangen«, Handschellen und vermutlich eine Gasmaske und Baseballschläger. Dazu wird behauptet, über einen »Mannschaftsbus« für »9 Leute und 2 Schäferhunde« zu verfügen. Weiter ist die Rede von »GPS-Überwachung für jeden und LPD-Funk-Zentrale vor Ort, Ortung per Laptop«, aber: »Fehlen nur noch die 2-Schuß-Pfefferpistolen.« Der Urheber des Eintrages hat auf seinem Facebook Profil angegeben, was er mag: eine Unmenge an NPD-Seiten, Anti-Asyl-Hetze, Bürgerwehren, die [Identitäre Bewegung](http://publikative.org/tag/identitare-bewegung/), »[Leipzig steht auf](http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/rechtsextreme-strategie-rassistische-elterninitiative-leipzig-9260)« - und Kampfsport. Davon weiß die hier zuständige Polizei nichts. Im westlichen (württembergischen) Allgäu seien solche Gruppierungen »nicht gegeben«.
+
+In Kempten und Memmingen wurden in den ersten Tagen des neuen Jahres [Hakenkreuze und neonazistische Parolen gesprüht](https://youtu.be/__DQ358x_ow?t=17m) - auf eine Asylsuchendenunterkunft und zum wiederholten Male auf Hinweisschilder einer Moschee.
+
+Am 14.1. druckt die Allgäuer Zeitung einen Leserbrief eines Herrn, der sich auf vorhergehende Berichterstattung zu zunehmender Verbreitung von Schusswaffen im Allgäu bezieht und bietet einen »Erklärungsversuch: Seit der [...] EU-Osterweiterung überfallen uns organisierte ost- und süd-osteuropäische Verbrecherbanden [...]. In unseren Städten haben sich [...] kriminelle Migrantengangs gebildet [...]. Und jetzt die Migranten, Flüchtlinge und Asylbewerber, welche uns an Silvester in Angst und Schrecken versetzt haben. Kann es vielleicht daran liegen?«
+
+Diese Beispiele aus nur einer Region und einem kurzen Zeitraum verdeutlichen das verheerende Potential, das der nach dem Silvesterabend ausgelösten Debatte innewohnt. Ein unsensibel geführter Diskurs wird weiter rechten Hetzern in die Hände spielen und die Zahl der Übergriffe - [mindestens 122 im Jahr 2015](http://www.taz.de/!5235937/) - auf Geflüchtete und ihre Unterkünfte auch im neuen Jahr weiter in die Höhe treiben. Dagegen fordern antirassistische und feministische Aktivisten eine konsequente Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt und Rassismus, die ausdrücklich die deutsche Mehrheitsgesellschaft erfasst. Das findet [Anna-Mareike Krause auf tagesschau.de](http://www.tagesschau.de/kommentar/kommentar-sexismus-101.html), auch der Soziologe und Biologe Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß etwa [kommentiert](http://dasendedessex.de/jahrelang-vergewaltigungen-und-sexuelle-uebergriffe-beim-muenchner-oktoberfest-und-keine-skandalisierung/):
+
+»Konkret zu Köln: Es kommt erst einmal auf nüchterne (und nicht so kurzatmige) Aufarbeitung an. Hier ist die Perspektive von Feministinnen of Color und rassismuskritischen weißen Feministinnen wichtig, die darauf schauen, was in der Kölner Silvesternacht tatsächlich stattgefunden hat. Die Aufarbeitung darf nicht bei den mehrheitsdeutschen Männern aus den Parteien, dem Innenministerium oder den Türstehern liegen, die jetzt schon sehr eilig Asylverschräfungen fordern oder ‚groß aufräumen‘. Die größte Expertise liegt bei den Vereinen, die bereits mit intersektionalen Konzepten arbeiten, also zu Rassismus und Geschlechterverhältnissen gleichermaßen.«
+
+*zuerst erschienen beim Störungsmelder (blog.zeit.de/stoerungsmelder).*

sprengkörper vorarlberg
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--- a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
+++ b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
@@ -86,3 +86,6 @@ In der Nacht auf den **2.2.** wurde nach einer Polizeimeldung ein Gasthof mit ro
 
 ## Leutkirch: »Frei.Wild« Graffitis
 Wie die Polizei am **2.2.** mitteilt und auf Nachfrage konkretisiert, wurden »in den vergangenen zwei Wochen [...] ie Pfeiler des Treppenaufgangs zur Grundschule Oberer Graben sowie einen Verteilerkasten auf dem Schulgelände mit einer in einem Kreis befindlichen Flamme besprüht.« Zudem »auch bereits Anfang Dezember am ›Bockturm‹ und an der Fassade des Polizeireviers«. Genutzt wurde mutmaßlich eine Schablone aus der Fan-Edition eines Albums der Rechtsrock-Band »Frei.Wild«.
+
+## Vorarlberg: Sprengkörper auf Asyl-UK
+Wie die Allgäuer Zeitung vom **4.2.** berichtet, wurden Sprengkörper unter einer Bank vor einer Asylsuchendenunterkunft in Hard bei Bregenz gezündet. Die Explosion war derartig wuchtig, dass drei Fensterscheiben zu Bruch gingen.

ngblz
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Kaufbeuren: Feuer in künftiger Asylsuchendenunterkaunft - Polizei geht von Brandstiftung aus
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Aktion
+  - Rassismus
+Lizenz: 
+Abstract: Am frühen Sonntagmorgen, gegen 4:15 brannte der Dachstuhl eines Gebäudes in Kaufbeuren-Neugablonz, das als Geflüchtetenunterkunft geplant war. Die Polizei geht von Brandstiftung aus. Damit ist dies der 26. bei [[Mut gegen Rechte Gewalt]] gelistete Brandanschlag allein in diesem Jahr. Deshalb entschlossen sich einige Antifaschisten, vor Ort ihre Solidarität zu bekunden.
+
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Gegen 4:15 am Morgen des 7.2. wurde die Feuerwehr alarmiert, dass der Dachstuhl eines Gebäudes im Kaufbeurer Stadtteil Neugablonz in Flammen stehe. Gegen 6 Uhr konnte das Feuer laut Polizei unter Kontrolle gebracht und gelöscht werden. Nun ermittelt die Kriminalpolizei und geht, wie später am Tag vermeldet, inzwischen von einer Brandstiftung aus. Das Gebäude war zwar als Asylsuchendenunterkunft geplant, aber noch nicht bezogen.
+
+Das Projekt [[http://mut-gegen-rechte-gewalt.de][Mut Gegen Rechte Gewalt]] listet damit 26 Brandanschläge auf Geflüchtetenunterkünfte allein in diesem Jahr. Für das Vergangene werden 128 entsprechende Brandstiftungen gezählt.
+
+Daher fanden sich gegen Abend einige Antifaschisten vor dem Gebäude ein, um ihrer Solidarität mit den Adressaten des mutmaßlichen Anschlages Ausdruck zu verleihen und auf einen rassistischen Hintergrund, von dem sie ausgehen, aufmerksam zu machen. Mit Transparenten zogen Sie durch die Nachbarschaft. Dabei entfernten sie einige gegen Asylsuchende gerichtete Aufkleber der [[http://publikative.org/tag/identitare-bewegung/][Identitären Bewegung]] in unmittelbarer Nähe zur abgebrannten Unterkunft.
+
+Oberbürgermeister Stefan Bosse findet, [[http://www.br.de/nachrichten/schwaben/inhalt/brand-kaufbeuren-fluechtlingsunterkunft-100.html][so berichtet br.de]], »Hinweise auf rechtsradikale oder fremdenfeindliche Tendenzen gab es in jüngster Zeit keine.« Er räume aber ein, es habe »Bedenken« gegen die Unterbringung von Flüchtlingen gegeben. Unterschriften seien gegen das Projekt gesammelt worden. Erst die Zusage nur Familien unterzubringen hätte die Situation beruhigen können.
+
+Was er nicht erwähnt ist etwa der [[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2016/01/11/uber-300-zeigen-solidaritat-nach-brandanschlag-in-marktoberdorf_20995][Brandanschlag im nur 20 km entfernten Marktoberdorf Ende Dezember]] und die daraufhin aufgetauchten Hetz-Plakate. Auch die [[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2016/01/20/allgau-rechte-burgerwehren-rusten-auf-gegen-gefluchtete_21081][in der Region gegründeten Bürgerwehren]] - inzwischen sind auch entsprechende Zusammenschlüsse [[http://www.all-in.de/nachrichten/rundschau/Polizei-haelt-Buergerwehren-im-Allgaeu-fuer-bedenklich;art2757,2182237][für Kaufbeuren und den umgebenden Landkreis]] bekannt geworden - bleiben bei seiner Darstellung unbeachtet. Und das sind nur die jüngsten und nächsten Beispiele bedenklicher Vorgänge. Auch scheint längst vergessen, dass erst 2013 in Kaufbeuren ein »Mann aus Kasachstan« von Neonazis [[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2014/07/21/am-liebsten-nicht-mehr-denken-wollen-kundgebung-ein-jahr-nach-toedlicher-neonazigewalt-am-taenzelfest_16742][angepöbelt, angegriffen und schließlich getötet]] wurde.

frei.wild graffiti
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@@ -78,6 +78,11 @@ Am **27.1.** gedachte eine Kundgebung des Vereins »Stolpersteine« der Opfer de
 ## MM: NPD-»Kerzenabend« - Polizei ohne Kenntnis
 Wie die Polizei am **28.1** endlich einräumt, war ihr der von der NPD am **5.12.15** durchgeführt »Kerzenabend« unbekannt. Wie wir in der letzten Ausgabe berichteten, seien laut den Veranstaltern neben dem gemeinsamen Singen von Liedern, Gedichten, einem »Totengedenken« und dem Besuch des Nikolauses einen Vortrag über »Lichter, Lieder und geweihte Nächte« und die Auftritte zweier weiterer Redner geboten worden: Sascha Roßmüller und Christoph Hofer. Veranstalter seien die Kreisverbände Neu-Ulm/Günzburg und Memmingen zusammen als Bezirksverband Schwaben gewesen.
 
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 ## Senden: Mit Messer vor Asyl-UK
 Nach einem Bericht der Polizei soll am **30.1.* ein »Mann mit osteuropäischem Migrationshintergrund« versucht haben, sich Zutritt zu einem Asyllager in Senden zu verschaffen. Dem Sicherheitsdienst nach hätte der 44-jährige mit einem Messer hantiert.
+
+## Kammlach: »AfD geht über Leichen«
+In der Nacht auf den **2.2.** wurde nach einer Polizeimeldung ein Gasthof mit roten Farbbeuteln beworfen und davor auf die Straße »AfD geht über Leichen« gesprüht. Anlass war offenbar eine Veranstaltung der Partei an diesem Tag. Angekündigt wurde ein Vortrag »Merkels Asylpolitik eine Gefahr für Deutschland«. Wegen Überfüllung wurde der Saal, den der Gasthof selbst für Hochzeiten mit 150 Personen »optimal« findet, geschlossen und weitere Besucher abgewiesen.
+
+## Leutkirch: »Frei.Wild« Graffitis
+Wie die Polizei am **2.2.** mitteilt und auf Nachfrage konkretisiert, wurden »in den vergangenen zwei Wochen [...] ie Pfeiler des Treppenaufgangs zur Grundschule Oberer Graben sowie einen Verteilerkasten auf dem Schulgelände mit einer in einem Kreis befindlichen Flamme besprüht.« Zudem »auch bereits Anfang Dezember am ›Bockturm‹ und an der Fassade des Polizeireviers«. Genutzt wurde mutmaßlich eine Schablone aus der Fan-Edition eines Albums der Rechtsrock-Band »Frei.Wild«.

russlanddeutsche demo
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+---
+Autor_in: bacuh
+Titel: Russlanddeutsche demonstrieren gegen Geflüchtete unter Beteiligung der extremen Rechten
+Rubrik: Antifa
+Themen:
+  - Antifa
+  - Recherche
+Lizenz: 
+Abstract: Am 24. Januar demonstrierten bundesweit vornehmlich Russlanddeutsche auf Grund einer angeblichen Vergewaltigung gegen »Kriminalität von männlichen Asylbewerber«. Vertreter der extremen Rechten traten nicht nur als Versammlungsteilnehmer auf. Ein Beispiel.
+---
+[[!ftemplate id="artikel"]]
+
+Am 24. Januar wurden [[http://www.br.de/nachrichten/demos-russlanddeutsche-bayern-100.html][bundesweit]] Versammlungen »wegen der gegenwärtigen Kriminalität von männlichen Asylbewerber« abgehalten. Auslöser war, wie der Verfassungsschutz mitteilt, die angebliche [[http://www.heise.de/tp/artikel/47/47221/1.html][über russische Medien verbreitete]] Vergewaltigung eines jungen Mädchens. Der Aufruf wurde erst wenige Tage zuvor in deutsch und russisch unter anderem von »Der Russen Treff« auf Facebook verbreitet.
+
+Wie bereits die Falschmeldung von der Vergewaltigung verbreitete sich der Aufruf rasend schnell, sodass tausende vornehmlich Russlanddeutsche folgten. Etwa 1.300 in Villingen-Schwenningen, wo wenige Tage darauf ein [[http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2016-01/anschlag-fluechtlingsheim-villingen-schwenningen-hintergrund/komplettansicht][Anschlag mittels einer Handgranate]] versucht wurde. In Ellwangen haben sich [[http://www.schwaebische-post.de/regional/ellwangen/ellwangen/862386/][bis zu 800 Personen unangemeldet]] versammelt und zogen unter NPD-Beteiligung vor die dortige Landeserstaufnahmeeinrichtung für Geflüchtete. Im Vorfeld wurden potentielle Teilnehmende mit dem Gerücht »die Antifa« hätte »eine riesige Gegendemo angekündigt« aufgefordert, statt in Ellwangen in Kempten im Allgäu zu demonstrieren. Angesichts der trotzdem  massiven Beteiligung in Ellwangen spekulieren antifaschistische Kreise, ob die Mobilisierung nach Kempten ein Ablenkungsmanöver war.
+
+In Kempten begleiteten tatsächlich bis zu 60 Antifaschisten die entsprechende Kundgebung, der sie rassistische Agitation vorwarfen, mit einem Banner »Gegen sexualisierte Gewalt und Rassismus«. Von einem Balkon des Rathauses herab konnten die über 300 Versammlungsteilnehmenden Redebeiträge auf deutsch und russisch vernehmen. Man wolle »[[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2016/01/20/allgau-rechte-burgerwehren-rusten-auf-gegen-gefluchtete_21081][Gruppen bilden]] zur Verteidigung der Bürger von Kempten.« Zwar betonten die Veranstalter, es gebe keine Rechten innerhalb der Versammlung, an deren Anmeldung ein Politiker der Republikaner beteiligt war. Allerdings positionierten sich gleich mehrere von ihnen eindeutig mit bei extrem rechten beliebten Modemarken wie »[[https://www.antifainfoblatt.de/artikel/%E2%80%9Ethor-steinar%E2%80%9C-mit-millionenumsatz][Thor Steinar]]« oder »[[http://www.netz-gegen-nazis.de/artikel/ansgar-aryan-mode-mit-mehr-als-nordischem-mythos-9371][Ansgar Aryan]]«. Bereits im Vorfeld zeigten Recherchen, dass unter denen, die »Der Russen Treff« mögen, auch neonazistische Seiten beliebt sind: Etwa 300 bekunden auf Facebook gleichzeitig ihre Sympathie für die Neonazipartei »[[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2015/11/12/gericht-bestatigt-fns-verbot-und-legt-teile-der-militanten-neonazistruktur-offen_20593][Der III. Weg]]«, über 50 jeweils für das örtliche Neonazi-Label »[[http://blog.zeit.de/stoerungsmelder/2014/11/07/razzia-gegen-bayerischen-neonazi-versand_17472][Oldschool Records]]« und die nächstgelegenen Kreisverbände der NPD Memmingen und Neu-Ulm.
+
+Zudem hing vom Balkon des Kemptener Rathauses zeitweise nicht nur eine Deutschlandfahne. Auch eine der »Deutsch-Russische Bruderschaft« wurde während der Kundgebung verwendet. Diese Gruppe zeigt auf Facebook offen, wo sie steht: »wir fahren alle großen Schlachtfelder des 2 Weltkrieges ab und bringen Muttererde aus Deutschland für [die] deutschen Soldaten«. Ein anderer Beitrag nimmt positiven Bezug zum Nationalsozialismus: Eine korpulente Person mit Regenbogen-Fahne wird als »Über 70 Jahre Degeneration« einem Hitlerjungen gegenübergestellt. Einige Teilnehmende der Gegendemonstration fanden sich daran erinnert, dass am 9. März 1933 [[http://www.all-in.de/nachrichten/lokales/1933-SA-und-SS-stuermen-das-Rathaus-und-nehmen-den-OB-in-Haft;art26090,290067#mobilenav][vom Balkon des Rathauses die Machtübergabe an Hitler proklamiert wurde]].
+
+Die Lokalpresse titelt derweil: »[[http://www.all-in.de/nachrichten/lokales/Friedlich-gegen-Gewalt-300-Demonstranten-vor-dem-Kemptener-Rathaus;art26090,2178676][Friedlich gegen Gewalt]]« und portraitiert eine Frau, die Angst habe, weil »dunkelhäutige Männer sie anstarren«. Die Gegendemonstranten und ihre Kritik werden dabei von der »Allgäuer Zeitung« komplett unterschlagen. Eine andere Lokalzeitung [[http://www.all-in.de/nachrichten/lokales/1933-SA-und-SS-stuermen-das-Rathaus-und-nehmen-den-OB-in-Haft;art26090,290067#mobilenav][berichtet]] von störenden Gegendemonstranten und erkennt eine Demonstration gegen Gewalt an Frauen, besonders aber der Gewalt, »die von Flüchtlingen an einheimischen Frauen« verübt werde. 

senden: messer vor lager
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 ## MM: NPD-»Kerzenabend« - Polizei ohne Kenntnis
 Wie die Polizei am **28.1** endlich einräumt, war ihr der von der NPD am **5.12.15** durchgeführt »Kerzenabend« unbekannt. Wie wir in der letzten Ausgabe berichteten, seien laut den Veranstaltern neben dem gemeinsamen Singen von Liedern, Gedichten, einem »Totengedenken« und dem Besuch des Nikolauses einen Vortrag über »Lichter, Lieder und geweihte Nächte« und die Auftritte zweier weiterer Redner geboten worden: Sascha Roßmüller und Christoph Hofer. Veranstalter seien die Kreisverbände Neu-Ulm/Günzburg und Memmingen zusammen als Bezirksverband Schwaben gewesen.
 
+
+## Senden: Mit Messer vor Asyl-UK
+Nach einem Bericht der Polizei soll am **30.1.* ein »Mann mit osteuropäischem Migrationshintergrund« versucht haben, sich Zutritt zu einem Asyllager in Senden zu verschaffen. Dem Sicherheitsdienst nach hätte der 44-jährige mit einem Messer hantiert.

komplize waldsee gefasst
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 Der Marktoberdorfer Teil der Allgäuer Zeitung vom **8.1.** berichtet von einem am Schloss Neuschwanstein eingesetzten Sicherheitsdienst-Mitarbeiter, der solle »über Schlossbesucher hinweg zu einem ausländischen Beschäftigten der Reinigungsfirma gerufen haben: ›Nigger, mach die Türe zu!‹« Ein Mitarbeiter des der bundesweit tätigen Sicherheitsfirma mit über 3500 Beschäftigten sei gekündigt worden. Ob es dieser ist, geht aus dem Bericht nicht hervor.
 
 ## Bad Waldsee: Brandstiftung an Asyl-UK
-Am Abend des **10.1.** wurde eine Geflüchtetenunterkunft im Kohlstattweg mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Einer Person konnte die Polizei Dank einer Zeugin wenige Tage später habhaft werden. Eine Hausdurchsuchung belege die Begehung der versuchten schweren Brandstiftung. Sein Komplize wird noch gesucht. Beide seien mit Malerhosen bekleidet in einem Transporter eines Malergeschäftes vorgefahren.
+Am Abend des **10.1.** wurde eine Geflüchtetenunterkunft im Kohlstattweg mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Einer Person konnte die Polizei Dank einer Zeugin wenige Tage später habhaft werden. Eine Hausdurchsuchung belege die Begehung der versuchten schweren Brandstiftung. Sein Komplize wurde inzwischen gefasst. Beide seien mit Malerhosen bekleidet in einem Transporter eines Malergeschäftes vorgefahren.
 
 ## MM: Vorgetäuschter Raub durch nicht-Deutsche
 Die Polizei berichtet, dass eine 35-jährige aus dem Landkreis Ostallgäu für den **11.1* einen angeblichen Raub durch »eine Gruppe nicht deutschsprechender Täter« vorgetäuscht hat. Die Frau sei bedroht geschalgen und »unsittlich berührt« worden. Nun wird gegen die Frau ermittelt.

cps wissen nichts von kerzenabend
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 ## Kempten: Gedenken an NS-Opfer
 Am **27.1.** gedachte eine Kundgebung des Vereins »Stolpersteine« der Opfer des NS-Regimes. Am selben Tag 1945 wurde Auschwitz befreit.
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+## MM: NPD-»Kerzenabend« - Polizei ohne Kenntnis
+Wie die Polizei am **28.1** endlich einräumt, war ihr der von der NPD am **5.12.15** durchgeführt »Kerzenabend« unbekannt. Wie wir in der letzten Ausgabe berichteten, seien laut den Veranstaltern neben dem gemeinsamen Singen von Liedern, Gedichten, einem »Totengedenken« und dem Besuch des Nikolauses einen Vortrag über »Lichter, Lieder und geweihte Nächte« und die Auftritte zweier weiterer Redner geboten worden: Sascha Roßmüller und Christoph Hofer. Veranstalter seien die Kreisverbände Neu-Ulm/Günzburg und Memmingen zusammen als Bezirksverband Schwaben gewesen.
+

ns-opfer gedenken
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 ## Horgenzell: mehr Reichsbürgis
 Für den **25.1.** kündigten »die Prozeßbeobachter« eine Veranstaltung an. Aus dem aktuellen Anlass »Verschärfung des Krieges gegen das deutsche Volk« solle ein Jochen Kuschel in einem Gasthaus in Horgenzell (Lkr Ravensburg) referieren zu einem System »wie man auf der Spielwiese der BRD Vermögen schützen kann.« 
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+## Kempten: Gedenken an NS-Opfer
+Am **27.1.** gedachte eine Kundgebung des Vereins »Stolpersteine« der Opfer des NS-Regimes. Am selben Tag 1945 wurde Auschwitz befreit.

diiiw in lindenberg
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@@ -39,7 +39,10 @@ Der Marktoberdorfer Teil der Allgäuer Zeitung vom **8.1.** berichtet von einem
 ## Bad Waldsee: Brandstiftung an Asyl-UK
 Am Abend des **10.1.** wurde eine Geflüchtetenunterkunft im Kohlstattweg mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Einer Person konnte die Polizei Dank einer Zeugin wenige Tage später habhaft werden. Eine Hausdurchsuchung belege die Begehung der versuchten schweren Brandstiftung. Sein Komplize wird noch gesucht. Beide seien mit Malerhosen bekleidet in einem Transporter eines Malergeschäftes vorgefahren.
 
-## Memmingen: Hakenkreuze gegen Moschee
+## MM: Vorgetäuschter Raub durch nicht-Deutsche
+Die Polizei berichtet, dass eine 35-jährige aus dem Landkreis Ostallgäu für den **11.1* einen angeblichen Raub durch »eine Gruppe nicht deutschsprechender Täter« vorgetäuscht hat. Die Frau sei bedroht geschalgen und »unsittlich berührt« worden. Nun wird gegen die Frau ermittelt.
+
+## MM: Hakenkreuze gegen Moschee
 Am **11.1.** berichtet die Polizei, dass »in der vergangenen Woche« Hinweisschilder auf die Moschee »In der Neuen Welt, in der Buxheimer Straße und ind der Benninger Straße« mit Hakenkreuzen besprüht wurden. Eine solche Aktion gab es bereits im Herbst (wir berichteten).
 
 ## Kempten: Hakenkreuze an Asyl-UK
@@ -58,7 +61,7 @@ all-in.de berichtet am **13.1.**, dass in Memmingen das »Iller-Günz-Blättle«
 Am **14.1.** druckt die Allgäuer Zeitung einen Leserbrief eines Peter Koller aus Tannheim, der sich auf vorhergehende Berichterstattung zu zunehmender Verbreitung von Schusswaffen im Allgäu bezieht und bietet einen »Erklärungsversuch: Seit der [...] EU-Osterweiterung überfallen uns organisierte ost- und süd-osteuropäische Verbrecherbanden [...]. In unseren Städten haben sich [...] kriminelle Migrantengangs gebildet [...]. Und jetzt die Migranten, Flüchtlinge und Asylbewerber, welche uns an Silvester in Angst und Schrecken versetzt haben. Kann es vielleicht daran liegen?«
 
 ## Lindenberg: »Der III. Weg«
-Die Neonazipartei »Der III. Weg« behauptet am **15.1.** auf Facebook, sie habe soeben »im Zuge der Deutschen Winterhilfe mehrere Sachspenden für die Bewohner eines Obdachlosenwohnheimes in Lindenberg im Allgäu abgegeben.« Eine Nachfrage beim Landratsamt ergab, dass von einer Anwesenheit der Neonazis nichts bekannt war, allerdings Sachen »vor der Unterkunft abgelegt« wurden.
+Die Neonazipartei »Der III. Weg« behauptet am **15.1.** auf Facebook, sie habe soeben »im Zuge der Deutschen Winterhilfe mehrere Sachspenden für die Bewohner eines Obdachlosenwohnheimes in Lindenberg im Allgäu abgegeben.« Eine Nachfrage beim Landratsamt ergab, dass von einer Anwesenheit der Neonazis nichts bekannt war, allerdings Sachen »vor der Unterkunft abgelegt« wurden. Anlass war das herunterregeln des Warmwassers auf nur 30 Grad durch das Landratsamt wegen Zahlungsschierigkeiten der Bewohnenden. So eklig der Vorgang ist, so eklig ist die Haltung der Nazis, die warmes Wasser nur ihren »deutschen Volksgenossen« zugestehen, gegen Asylsuchende im gleichen Zuge aber nur Hetze übrig haben: »Gerade einmal in 400 Meter Entfernung zeigt sich, wofür die volksfeindliche Politik heutiger Tage genügend Geld zur Verfügung stellt. Dort wurden nagelneue Holzhäuser für zahlreiche kulturfremde Ausländer erschaffen, die seit geraumer Zeit in Massen Asyl suchend nach Deutschland strömen. Dort läuft das Wasser selbstverständlich wie gewohnt durch die Leitungen, freilich auf Steuerzahlers Kosten.«
 
 ## Riedlingen: Reichsbürgi-Seminar
 Für den **16.1.** kündigte eine Gruppe um einen angeblichen Pastoren »eine ausführliche Einführung in das Thema ›Souveränität Deutschlands / Staatsangehörigkeitsausweis / Vermögensschutz usw.‹«, anderswo als »Workshop ›Beantragung eines Staaatsangehörigkeitsausweises mit Ableitung wegen Geburt (Abstammung) nach Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz (RuStAG) 1913‹« an.

mehr reichsbürgis
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@@ -66,3 +66,5 @@ Für den **16.1.** kündigte eine Gruppe um einen angeblichen Pastoren »eine au
 ## Mindelheim: Hakenkreuze
 In der Nacht auf den **16.1.** wurden laut Polizeibericht Hakenkreuze in den Schnee auf zwei in der Laubacher Straße in Mindelheim abgestellte PKW gezeichnet. 
 
+## Horgenzell: mehr Reichsbürgis
+Für den **25.1.** kündigten »die Prozeßbeobachter« eine Veranstaltung an. Aus dem aktuellen Anlass »Verschärfung des Krieges gegen das deutsche Volk« solle ein Jochen Kuschel in einem Gasthaus in Horgenzell (Lkr Ravensburg) referieren zu einem System »wie man auf der Spielwiese der BRD Vermögen schützen kann.« 

nigger
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--- a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
+++ b/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
@@ -33,6 +33,9 @@ Die zuständige Polizei berichtet, dass die Parolen »Scheiß EU; Putin ist the
 ## Geislingen: Brandanschlag an Asyl-UK
 Wie die Ulmer Staatsanwaltschaft und Polizei gemeinsam mitteilen, wurde in der Nacht auf den **29.12.** ein Brand an einer Geflüchteten-Unterkunft in Geislingen gelegt. Der Brand wurde schnell gelöscht und der mutmaßliche Täter konnte noch in Tatortnähe angetroffen werde: ein 24-jähriger, der ohne seinen 30-jährigen Begleiter den Brand gelegt haben will. Beide »waren erkennbar alkoholisiert« und gehören der Göppinger extremen Rechten an, wie die Polizei meldet.
 
+## Füssen: »Nigger«
+Der Marktoberdorfer Teil der Allgäuer Zeitung vom **8.1.** berichtet von einem am Schloss Neuschwanstein eingesetzten Sicherheitsdienst-Mitarbeiter, der solle »über Schlossbesucher hinweg zu einem ausländischen Beschäftigten der Reinigungsfirma gerufen haben: ›Nigger, mach die Türe zu!‹« Ein Mitarbeiter des der bundesweit tätigen Sicherheitsfirma mit über 3500 Beschäftigten sei gekündigt worden. Ob es dieser ist, geht aus dem Bericht nicht hervor.
+
 ## Bad Waldsee: Brandstiftung an Asyl-UK
 Am Abend des **10.1.** wurde eine Geflüchtetenunterkunft im Kohlstattweg mit Feuerwerkskörpern angegriffen. Einer Person konnte die Polizei Dank einer Zeugin wenige Tage später habhaft werden. Eine Hausdurchsuchung belege die Begehung der versuchten schweren Brandstiftung. Sein Komplize wird noch gesucht. Beide seien mit Malerhosen bekleidet in einem Transporter eines Malergeschäftes vorgefahren.
 
@@ -62,3 +65,4 @@ Für den **16.1.** kündigte eine Gruppe um einen angeblichen Pastoren »eine au
 
 ## Mindelheim: Hakenkreuze
 In der Nacht auf den **16.1.** wurden laut Polizeibericht Hakenkreuze in den Schnee auf zwei in der Laubacher Straße in Mindelheim abgestellte PKW gezeichnet. 
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hakenkreuze mn
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--- a/Ausgaben/08/artikel/kurz_notiert.mdwn
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@@ -59,3 +59,6 @@ Die Neonazipartei »Der III. Weg« behauptet am **15.1.** auf Facebook, sie habe
 
 ## Riedlingen: Reichsbürgi-Seminar
 Für den **16.1.** kündigte eine Gruppe um einen angeblichen Pastoren »eine ausführliche Einführung in das Thema ›Souveränität Deutschlands / Staatsangehörigkeitsausweis / Vermögensschutz usw.‹«, anderswo als »Workshop ›Beantragung eines Staaatsangehörigkeitsausweises mit Ableitung wegen Geburt (Abstammung) nach Reichs- und Staatsangehörigkeitsgesetz (RuStAG) 1913‹« an.
+
+## Mindelheim: Hakenkreuze
+In der Nacht auf den **16.1.** wurden laut Polizeibericht Hakenkreuze in den Schnee auf zwei in der Laubacher Straße in Mindelheim abgestellte PKW gezeichnet.